Herbert Fleischmann wurde am 13. März 1925 in Nürnberg geboren; sein
schauspielerisches Handwerkszeug erlernte er schon früh, ließ sich ab 1941 zwei Jahre lang am
renommierten "Reinhardt-Seminar" in Wien ausbilden. Seine Karriere begann kurz nach Ende
des 2. Weltkrieges an den "Bremer Kammerspielen", weitere Verpflichtungen
führten Fleischmann unter anderem nach Baden-Baden, wo er nicht nur als
Darsteller sondern auch vier Jahre lang als Oberspielleiter wirkte sowie
für den Hörfunk tätig war. Er stand unter anderem in Hamburg, Berlin,
Frankfurt, Stuttgart, Zürich und München auf der Bühne, interpretierte
viele große Rollen, sowohl in klassischen als auch modernen Stücken.
Einem breiten Publikum wurde der Schauspieler ab Anfang der 1960er Jahre durch
Film und Fernsehen bekannt. Auf dem Bildschirm erlebte man ihn im Verlaufe der Jahre mit
prägnanten Gastrollen in zahlreichen beliebten Krimi-Reihen wie "Die Fünfte Kolonne",
"Derrick", "Der Alte", "Graf Yoster gibt sich die Ehre",
"Der Kommissar", "Dem Täter auf der Spur" oder "Kriminalmuseum",
oft mimte er zwielichtige, schmierig-hintergründige Charaktere, die er auch manchmal
in verschiedensten Einzelproduktionen verkörperte. Auch in der
Kultserie "Raumpatrouille Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion"
war er mit von der Partie, schlüpfte in den Folgen "Planet außer Kurs"
und "Der Kampf um die Sonne" 1966 in die Rolle des
Wissenschaftlers Dr. Schiller.
Fleischmann überzeugte als
Gangster oder unter Verdacht geratener Biedermann, interpretierte
verschiedenste Figuren in Literaturverfilmungen an der Seite populärer
Schauspielerkollegen und arbeitete mit vielen renommierten Regisseuren
zusammen.
Foto: Herbert Fleischmann mit Louise Martini in dem TV-Spiel "Abends
Kammermusik" (1965)
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services
mit Infos
zu dem Fernsehspiel; © SWR
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So unter der Regie von Axel Corti in Frank Wedekinds "Der Marquis von Keith" (1962),
in Dietrich Haugks Tschechow-Adaption "Gerechtigkeit in Worowogorsk" (1964)
oder Rainer Wolffhardts "Tote ohne Begräbnis" (1964) nach Jean-Paul Sartre.
In Oswald Döpkes Hauptmann-Verfilmung "Vor Sonnenuntergang" (1970)
stand er zusammen mit Werner Hinz, der die Hauptrolle des Matthias Clausen
spielte, als dessen Sohn Wolfgang vor der Kamera, ein Jahr später erlebte
man ihn eindrucksvoll als schwermütigen Nicolai Iwanow und Partner von
Hannelore Elsner in Döpkes Anton Tschechow-Verfilmung "Iwanow";
dazwischen lagen erfolgreiche Fernsehspiele wie beispielsweise Rainer Wolffhardts
"Die Entscheidung" (1963) mit Paul Dahlke und
"Eine Reine Haut" (1965) mit Horst Tappert. Imo Moszkowicz
besetzte ihn erneut an der Seite von Paul Dahlke als französischem
König Ludwig XI. in "Sie werden sterben, Sire" (1964) nach dem gleichnamigen Schauspiel von
Leopold Ahlsen,
Herbert Vesely in der Siegfried Lenz-Adaption "Ein Haus aus lauter
Liebe" (1966), ebenso wie in "Das Bastardzeichen" (1970) nach
dem gleichnamigen Roman (Bend Sinister) von Vladimir Nabokov.
Mit Hannelore Elsner stand Fleischmann
für "Auf den Spuren der Anarchisten" (1972),
"Ein Fall für Goron" (1973) und "Flucht" (1977) vor der
Fernsehkamera, für Wolfgang Staudte in dem Krimi "Verrat ist kein Gesellschaftsspiel" (1972),
Rolf von Sydow gab ihm die Rolle des Frank Weitling in dem TV-Spiel
"Du Land der Liebe" (1974). Erneut unter der Regie von Sydows
spielte er in dem Durbridge-Zweiteiler "Die Kette"1)
(1977) den
Chefinspektor Yardley, in Harald Philipps Krimi-Serie "Die Protokolle des Herrn M" (1979)
übernahm er die Titelrolle des Bahnpolizisten Walter Mannhardt,
der oftmals seine Befugnisse überschreitet, aber bei seinem Freund, Kriminalrat Textor (Horst Janson), Unterstützung findet.
Zwei Jahre später tauchte er mit der Hauptrolle des Rechtsanwalts Dr. Herbert Niessen
13 Folgen lang in der Serie "Der Fuchs von Övelgönne" auf; zu
Fleischmanns letzten Arbeiten für das Fernsehen zählt die Rolle des Professor Blohm
in der modernisierten Frankenstein-Geschichte "Frankies Braut" (1982).
In nachhaltiger Erinnerung bleiben Fleischmanns Rollen in den
Kinoverfilmungen der Simmel-Romane, die in den 1970ern unter der Regie von Alfred Vohrer
entstanden waren. Gleich in der ersten Produktion "Und Jimmy ging zum Regenbogen"2) (1971)
war er mit von der Partie, in "Liebe ist nur ein Wort"2) (1971)
mimte er an der Seite von Judy Winter deren korrupten Ehemann Manfred Angenfort,
in dem Agententhriller "Der Stoff, aus dem die Träume sind"2) (1972)
den Fotografen Bertie Engelhardt, der zwischen die Fronten von KGB, CIA und deutschem Verfassungsschutz
gerät. 1973 folgte die Rolle des Kommissar Eilers in "Alle Menschen werden Brüder"2),
ein Jahr später der Gustav Brandenberg in "Die Antwort kennt nur der Wind"2).
Sein Leinwanddebüt hatte Fleischmann 1961 in Frank Wisbars Melodram "Barbara Wild wie das Meer"
gegeben, in Christian Rischerts Emanzipationsgeschichte "Kopfstand Madam!" (1967)
spielte er zusammen mit Heinz Bennent und seiner dritten Frau Miriam Spoerri
die Hauptrolle, einem Film, der allgemein als einer der subtilsten in
Fleischmanns Karriere betrachtet wird. Zur Filmografie des Schauspielers
zählt weiterhin der Abenteuerstreifen "The Seven Secrets of Sumuru"
(1969, Die Sieben Männer der Sumuru), Rolf Olsens "Käpt'n Rauhbein aus St. Pauli" (1971)
mit Curd Jürgens in der Titelrolle, Jürgen Rolands Thriller "Zinksärge für die Goldjungen" (1973),
Alfred Weidenmanns Komödie "
aber Jonny!" (1973) mit Horst Buchholz
und Hannelore Elsner, Alfred Vohrers Kästner-Remake "Drei Männer im Schnee"2) (1974)
sowie eine kleine Rolle in Vohrers eher bedeutungslosem Streifen
"Verbrechen nach Schulschluss" (1975), der nichts mit dem bereits 1959 mit Peter van Eyck
und Christian Wolff gedrehten Film zu tun hat.
Seit Ende der 1970er Jahre war es zunehmend stiller um Herbert Fleischmann
geworden, aufgrund seiner Alkoholerkrankung gestaltete sich die Arbeit mit dem
Schauspieler schwieriger; mehrmals hatte sich Fleischmann
Entziehungskuren unterzogen, die jedoch fehlschlugen. Am 5. April 1984
starb der Charakterdarsteller, der mehr als zehn Jahre zuvor 1972 mit dem
"Ernst-Lubitsch-Preis" ausgezeichnet worden war, im schweizerischen Cavigliano
(nahe Locarno, Tessin) mit nur 59 Jahren an Herzversagen.
Herbert Fleischmann war in erster Ehe (nur wenige Wochen) mit Schauspielerkollegin
Ruth Leuwerik1)
verheiratet gewesen, die zweite Verbindung ging er mit der Schauspielerin Xenia Pörtner2) (1932 2005) ein. Nach seiner Ehe mit
der Schweizer Schauspielerin Miriam Spoerri heiratete er
die Berliner Fotografin Inge Winkler; sie lebte bis zu seinem Tod zusammen mit ihm in
Cavigliano, wo Fleischmann auf dem dortigen Friedhof auch seine letzte
Ruhestätte fand.
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