Albert Florath wurde am 7. Dezember 1888 im heute nordrhein-westfälischen Bielefeld als Sohn eines Schlossers geboren; er stammte aus einem alten westfälischen Bauerngeschlecht. Nach dem Grundschulbesuch in Brakel und dem Realgymnasium in Paderborn wurde er zunächst Amtmann-Anwärter in der Polizeiverwaltung von Delbrück. Nach Auftritten in der örtlichen Laienspielgruppen nahm er ab ca. 1908 Schauspielunterricht in München bei Alois Wohlmuth1) (1849 – 19302)) am "Hof-Theater", wo er auch sein Bühnendebüt gab. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges, in dem er sich als Leutnant der Reserve freiwillig zum Militär meldete und u. a. als Ausbilder von Rekruten tätig war, unterbrach seine künstlerische Laufbahn. Seine Kriegserlebnisse bewirkten in Florath ein politisches Umdenken, sodass er 1919 zunächst als sozialistischer Abgeordneter an der Bayerischen Nationalversammlung teilnahm. Nach dem Scheitern der bayerischen Räterepublik und dem Mord an Kurt Eisner ging Florath nach Berlin3), spielte ab 1922 bis Ende des 2. Weltkrieges am dortigen "Staatstheater" unter Leopold Jeßner, Jürgen Fehling und Max Reinhardt; als Höhepunkt seiner Berliner Zeit gilt die meisterhafte Gestaltung des "Geizigen" in Molières unsterblicher Komödie.
Das Kinopublikum kannte Florath seit Anfang der 1920er Jahre aus unzähligen Produktionen, meist verkörperte er den Typus des kauzigen, dennoch liebenswerten Mannes. Er agierte unter anderem in so bekannten Filmen wie der heiteren Geschichte "Boccaccio"4), wo er 1936 neben Willy Fritsch den Hauptmann Bartolomeo verkörperte, oder dem Fritsch/Harvey-Kassenschlager "Glückskinder"4) (1936). Man sah Florath beispielsweise 1935 in Gustav Ucickys Drama "Das Mädchen Johanna"1), ein Jahr später an der Seite von Heinrich George in der Ibsen-Verfilmung "Ein Volksfeind"4). In "Spiel im Sommerwind"4) zeigte er sich 1938 als Konsul Osterkamp, neben Heinz Rühmann mimte er 1939 den Ludwig Ohlsen in "Hurra, ich bin Papa!"1) und einen Landgerichtsdirektor in "Paradies der Junggesellen"4). Dem nationalsozialistischen Propagandafilm konnte sich Florath nicht völlig entziehen, so wirkte er in "Die Rothschilds"1) (1940) und dem unsäglichen Hetzstreifen "Jud Süß"1) (1940) mit, oder in Wolfgang Liebeneiners "Ich klage an1) (1941), alles Produktionen, die heute zur Gruppe der Vorbehaltsfilme1) (VB-Filme) zählen und daher nur eingeschränkt zugänglich sind.
 
Nach Kriegsende widmete sich Florath zunächst verstärkt dem Theater, trat in Stücken wie "Der Tod im Apfelbaum" oder "Südfrüchte" auf und pendelte zwischen Stuttgart, München und Hamburg hin und her. Im Frühjahr 1949 spielte er in Hamburg an der "Jungen Bühne" die Titelrolle in Selma Lagerlöfs "Kaiser von Portugallien".

Alberth Florath (rechts) und Willy Birgel in "Diesel"4)
einem Historienfilm aus dem Jahre 1942*) 
Foto mit freundlicher Genehmigung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

Alberth Florath (rechts) und Willy Birgel in "Diesel", einem Historienfilm aus dem Jahre 1942; Foto: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
Albert Florath mit Valerie von Martens in der Komödie "Das Haus in Montevideo" von Curt Goetz  am Berliner "Renaissance-Theater"; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pkm_0000916_006); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Datierung unbekannt; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Quelle: www.deutschefotothek.de Aber auch der Nachkriegsfilm bediente sich schnell wieder des Vollblutschauspielers, Florath wurde in unzähligen Filmen mit profilierten Nebenrollen besetzt. So beispielsweise 1948 als Herr Zietemann in "Die Kupferne Hochzeit", er präsentierte sich im gleichen Jahr als Beerdigungsunternehmer ("Tod") in Wolfgang Liebeneiners Borchert-Adaption "Liebe 47"1). Man sah ihn als Pastor Höllriegel in der Curt Goetz-Verfilmung "Frauenarzt Dr. Prätorius"1) (1950) und 1951 einmal mehr als Pastor in "Das Haus in Montevideo"1), einer erneut von Curt Goetzt nach seinem eigenen Bühnenstück inszenierten Verfilmung. Einen seiner letzten Leinwandauftritte hatte der Schauspieler 1956 als Pastor Mettelmann in dem Heimatfilm "Drei Birken auf der Heide"1) sowie als Justizrat Genius in der von Günther Lüders in Szene gesetzten Komödie "Wenn wir alle Engel wären"1).
Mit seiner wuchtigen Erscheinung, robust, poltrig, dickschädelig, gestaltete Florath Biedermänner und den "guten Onkel" mit präziser Körpersprache. Er war von unkompliziertem Wesen, herzlich und echt; mittelständige Berufe wie Ärzte, Pfarrer oder Lehrer lagen ihm am Besten im Film. Am Ende bleibt die Erinnerung an ihn als silberhaariger aber jung gebliebener Alter – leise und weise.5)  
 

Albert Florath mit Valérie von Martens in der Komödie "Das Haus in Montevideo"1)
von Curt Goetz 1950 am Berliner "Renaissance-Theater";
auch im Film (1951) mimte Florath den Pastor Riesling
und Goetz-Ehefrau Valérie von Martens die Marianne Nägler.
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pkm_0000916_006)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Datierung 1950
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983)
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

In seinen letzten Lebensjahren lebte Albert Florath in einer kleinen Landgemeinde im Welzheimer Wald bei Stuttgart, Der Schauspieler starb am 11. März 1957 im Alter von 68 Jahren im Kreiskrankenhaus in Gaildorf in Nordwürttemberg; neben seiner Ehefrau Elisabeth (geborene Rothenaicher, 1895 – 1979) hinterließ er Tochter Els. In der Gemeinde Gschwend wurde nach Albert Florath eine Straße im Ortsteil Schlechtbach benannt; auf dem dortigen Friedhof fand Florath, wie auch später seine Ehefrau, seine letzte Ruhe → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Auch Floraths Geburtsstadt Bielefeld widmete im Stadtteil Gellershagen ihrem berühmten Sohn die "Albert-Florath-Straße", im niedersächsischen Bendestorf (Landkreis Harburg) existiert der "Albert-Florath-Stieg".   
Siehe auch Wikipediawww.cyranos.ch
Fremde Links: 1) Wikipedia, 4) Murnau Stiftung
2) lt. "Meyers Großes Konversations-Lexikon" geboren 1852
Quelle: 3) Wikipedia (abgerufen 14.10.2011), 5) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 104
     
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(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung, filmportal.de)
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