Albert Bassermann als Shylock in Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig"; aufgenommen im Fotoatelier Hans Boehm, Berlin; Bildrechte/-herkunft: Meininger Museen: Theatermuseum "Zauberwelt der Kulisse"; Originalfoto sowie weitere Infos bei "Museum digital Thüringen" (www.museum-digital.de) Albert Bassermann wurde am 7. September 1867 in Mannheim als Fabrikantensohn geboren und erhielt zunächst eine Ausbildung als Chemiker, wurde dann später Volontär am Mannheimer Theater. Zunächst galt es, ein großes Hindernis zu überwinden, nämlich seine krankhaft heisere, zerbrochene raue Stimme, die er durch eiserne Disziplin zu einem einzigartigen Instrument künstlerischen Ausdrucks zwang.
Sein handwerkliches Können erarbeitete sich Bassermann am Stadttheater in Bern, spielte dort klassische Charakterrollen wie "Richard III.", "Franz Moor", "Mephisto" oder "Hamlet", kam dann über Engagements in der Provinz 1895 (oder 1897) an das Deutsche Theater Berlin, wo er unter Otto Brahm1) (1856 – 1912) vorwiegend in Ibsen-Dramen auftrat. Ab 1909 zählte er dann unter der Regie von Max Reinhardt1) (1873 – 1943), neben Paul Wegener2) (1874 – 1948) und Alexander Moissi2) (1879 – 1935), zu den bedeutendsten Charakter-Schauspielern des angehenden 20. Jahrhunderts.
 
 
 
Foto: Albert Bassermann als Shylock in Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig",
aufgenommen im Fotoatelier Hans Boehm, Berlin
Bildrechte/-herkunft: Meininger Museen: Theatermuseum "Zauberwelt der Kulisse"
Originalfoto sowie weitere Infos bei "Museum digital Thüringen" (www.museum-digital.de)
Zum Film kam Bassermann Anfang der 10er Jahre des vergangenen Jahrhunderts und war erstmals in Max Macks Stummfilm "Der Andere"1) (1913) auf der Leinwand zu sehen. In einer dieser frühen Versionen des "Jeckyll/Hyde"-Themas spielte er den Gelehrten Dr. Hallers bzw. dessen nächtliche Monsterausgabe. Obwohl der Streifen keine überragenden Kritiken bekam, blieb Bassermann in den folgenden Jahren dem Film treu, spielte neben seiner Arbeit am Theater viele herausragende Rollen und gehört bis heute zu den Giganten der klassischen Schauspielkunst – auch in der Filmgeschichte. 1934 emigrierte der Schauspieler als 67-Jähriger in die Schweiz, da er sich von seiner jüdischen Frau Elisabeth Sara Schiff1) (1878 – 1961), mit der er seit 1908 verheiratet war, nicht trennen wollte. Oft stand er gemeinsam mit ihr auf der Bühne, setzte meist bei Gastengagements auch ein solches für seine Frau als seine Partnerin durch, weil ihr Gegenspiel ihn zu höchster Entfaltung seines Könnens anreizte. Als Bassermann im April 1934 ein Gastspiel in Leipzig abschließen wollte, lehnte der Theaterdirektor Else Bassermann aus "rassischen Gründen" ab; darüber erzürnte ihr Mann derartig, dass er seinen Austritt aus der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger erklärte, auch seine Ehrenmitgliedschaft niederlegte und sich nach Arosa in sein Landhaus zurückzog.
  
In den nachfolgenden Jahren spielte Bassermann bis zur Annektierung Österreichs 1938 auf verschiedenen Bühnen Österreichs und der Schweiz, emigrierte dann 1939 mit seiner Frau in die USA, die dort als Schauspielerin jedoch nicht Fuß fassen konnte. Noch im hohen Alter erlernte ihr Mann die englische Sprache und erhielt 1940 die kleine Rolle des Dr. Robert Koch in Wilhelm Dieterles "Dr. Ehrlich's Magic Bullet"1) (1940, Paul Ehrlich – Ein Leben für die Forschung) neben Edward G. Robinson in der Titelrolle. Von da ab folgte eine sieben Jahre andauernde Karriere in Amerika mit abwechslungsreichen Rollen, die meist einen positiven Charakter aufwiesen, eine Seltenheit für einen deutschen Schauspieler in den USA jener Zeit. Für seine prägnante Nebenrolle des Politikers Van Meer in Alfred Hitchcocks "Foreign Correspondent"1) (1940, Der Auslandskorrespondent) wurde Albert Bassermann für den "Oscar" nominiert.
Man sah den charismatischen Schauspieler beispielsweise 1941 als Konsul Magnus Barring in George Cukors Krimi "Woman's Face"1) (Die Frau mit der Narbe) neben Joan Crawford, als Ludwig van Beethoven glänzte er in Reinhold Schünzels "New Wine" (1941, Die Unvollendete)", dem Biopic über den Komponisten Franz Schubert, gespielt von Alan Curtis. 1943 war er der Dr. Carl Hesser in "Good Luck, Mr. Yates", im gleichen Jahr der Professor Jean Perote in Mervyn LeRoys Biografie "Madame Curie"1) mit Greer Garson und Walter Pidgeon als Ehepaar Curie.
Bassermann gehörte zur Besetzung von John Cromwells Melodram "Since You Went Away"1) (1944, Als du Abschied nahmst), 1945 gab er den sterbenden deutschen Musiklehrer Professor Frank in Irving Rappers Gershwin-Biografie "Rhapsodie in Blue"1); nach Ende des Krieges folgten nur noch wenige Arbeiten für den Film. Albert Lewin besetzte ihn in "The Private Affairs of Bel Ami" (1947, Die Privataffären des Bel Ami), Peter Godfrey in dem Errol Flynn-Melodram "Escape Me Never" (1947), seine letzte Leinwandrolle mimte Bassermann 1948 als eigenwilliger Bühnenbildner Ratow unter der Regie von Michael Powell in dem französisch-britischen Ballettfilm "The Red Shoes"1) (Die roten Schuhe). Neben seiner Arbeit für den Film spielte Bassermann in den USA an einem deutschsprachigen Theater am Broadway.
  
In Europa war der Schauspieler erst nach Beendigung des zweiten Weltkrieges wieder auf der Theaterbühne zu sehen; so übernahm er noch als 83-Jähriger innerhalb einer Woche Rollen in Basel, Berlin und Amsterdam.
Im November 1945 war der Schauspieler von der neuen Leitung des Deutschen Theaters in Berlin zur Rückkehr nach Deutschland gebeten worden, Bassermann folgte diesem Wunsch umgehend. 1946 stand er in Zürich in einer seiner Ibsen'schen Glanzrollen gemeinsam mit seiner Frau erstmals wieder auf einer europäischen Bühne. Ende Januar 1947 wurde dem großen Mimen, den die Stadt Wien bereits im Jahr zuvor durch Überreichung des Bürgerbriefes geehrt hatte, vom österreichischen Bundespräsidenten der Professortitel verliehen. Anfang Juli 1949 erfolgte dann in Hamburg das erste "Wiederauftreten Albert und Else Bassermanns in Deutschland nach 16-jähriger Abwesenheit" als "Pastor Manders und "Helene Alving" in Ibsens "Gespenster"; beide wurden sowohl von der Kritik als auch dem Publikum begeistert gefeiert. Ein Jahr später brillierte das Paar am Stadttheater in Heidelberg in den Rollen des "alten Goethe" und der "Charlotte Butt" in einer Dramatisierung von Thomas Manns "Lotte in Weimar"; im Juli 1951 erlebte das Stuttgarter Theaterpublikum den großen Bühnenkünstler noch einmal im "Kammertheater" des Württembergischen Staatstheaters mit einem Rezitationsabend.
Gedenktafel für Albert Bassermann. Joachim-Friedrich-Str. 54, Berlin-Halensee; enhüllt am 19. Oktober 1993;  Quelle Wikimedia; Urheber des Fotos: Axel Mauruszat, Berlin; Lizenz Foto der Gedenktafel: Der Urheber gestattet jedermann jede Form der Nutzung, unter der Bedingung der angemessenen Nennung seiner Urheberschaft. Weiterverbreitung, Bearbeitung und kommerzielle Nutzung sind gestattet.

Albert Bassermann, seit 1911 Träger des Iffland-Ringes, starb am 15. Mai 1952 an den Folgen eines Herzanfalles während eines Fluges von New York, kurz vor der Landung in Zürich . Er hinterließ seine Frau Else sowie ein gemeinsames Kind.
Vom verhaltenen Spiel des Ibsen-Schauspielers geprägt, beherrschte Bassermann alle Stile der Schauspielkunst – expressionistische und realistische. Er setzte seine Figuren kunstvoll aus einem Mosaik unauffälliger Gesten zusammen und gilt als ein Film-Avantgardist, der früh die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten des Mediums voraussah. (Quelle: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz)
 
Foto: Gedenktafel für Albert Bassermann, Joachim-Friedrich-Str. 54, Berlin-Halensee; enthüllt am 19. Oktober 1993
Quelle Wikimedia;
Urheber des Fotos: Axel Mauruszat, Berlin
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Lizenz Foto der Gedenktafel: Der Urheber gestattet jedermann jede Form der Nutzung, unter der Bedingung der angemessenen Nennung seiner Urheberschaft. Weiterverbreitung, Bearbeitung und kommerzielle Nutzung sind gestattet.
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP
  Textbausteine des Kurzportraits stammen von www.cyranos.ch 
sowie
"Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz
Siehe auch Wikipedia; Fotos bei
film.virtual-history.com
Kinofilme
Filmografie bei der www.imdb.de
1913: Der Andere 1913: Der Letzte Tag
1913: Der König 1914: Urteil des Arztes
1917: Du sollst keine anderen Götter haben 1917: Herr und Diener
1917: Der Eiserne Wille 1918: Die Brüder von Zaarden
1918: Dr. Schotte 1918: Vater und Sohn
1918: Lorenzo Burghardt 1919: Duplizität der Ereignisse
1919: Der Letzte Zeuge 1919: Eine Schwache Stunde
1919: Puppen des Todes 1919: Das Werk seines Lebens
1920: Der Frauenarzt 1920: Die Söhne des Grafen Dossy
1920: Masken 1920: Die Stimme
1920: Die Nächte des Cornelis Brouwer 1921: Brennendes Land
1921: Die Kleine Dagmar 1922: Christoph Columbus
1922: Der Mann mit der eisernen Maske 1922: Frauenopfer
1922: Lucrezia Borgia 1922: Das Weib des Pharao
1923: Alt Heidelberg 1923: Erdgeist
1923: Der Junge Medardus 1924: Helena
1925: Briefe, die ihn nicht erreichten 1925: Der Herr Generaldirektor
1929: Napoleon auf St. Helena 1929: Wenn das Herz der Jugend spricht
1929: Fräulein Else 1930: Dreyfus
1930: Alraune 1931: Gefahren der Liebe
1931: Kadetten 1931: Voruntersuchung
1931: Zum goldenen Anker 1931: 1914, die letzten Tage vor dem Weltbrand
1933: Ein Gewisser Herr Gran 1935: Letzte Liebe
1939: Heroes of the Marne 1940: Knute Rockne All American
1940: Moon Over Burma 1940: Foreign Correspondent (Der Auslandskorrespondent)
1940: A Dispatch from Reuters
(Ein Mann mit Phantasie)
1940: Dr. Ehrlich's Magic Bullet
(Paul Ehrlich – Ein Leben für die Forschung)
1940: Escape 1941: The Shanghai Gesture (Im Banne von Shanghai)
1941: A Woman's Face (Die Frau mit der Narbe) 1941: New Wine (Die Uvollendete)
1942: Reunion in France (Es waren einmal Flitterwochen) 1942: Invisible Agent (Der unsichtbare Agent)
1942: Once Upon a Honeymoon 1942: Fly-By-Night
1942: Desperate Journey (Sabotageauftrag Berlin) 1943: Good Luck, Mr. Yates
1943: The Moon and Sixpence (Der Besessene von Tahiti) 1943: Madame Curie
1944: Since You Went Away (Als du Abschied nahmst) 1945: I Was a Criminal
1945: Strange Holiday 1945: Rhapsody in Blue (Rhapsodie in Blau)
1946: The Searching Wind 1947: The Private Affairs of Bel Ami (Die Privataffären des Bel Ami)
1947: Escape Me Never 1948: The Red Shoes (Die roten Schuhe)
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