Horst Sachtleben wurde am 24. September 1930 in Berlin geboren und verbrachte dort auch seine Kindheit und Jugend. Gleich nach dem Abitur begann er ein Studium der Theaterwissenschaften, Germanistik und Kunstgeschichte, gleichzeitig ließ er sich zum Schauspieler ausbilden. Nach ersten Gastverträgen, unter anderem an der Berliner Komödie und dem Hebbel-Theater, folgten Engagements an weiteren renommierten deutschsprachigen Bühnen, so zwischen 1957 und 1961 am Schauspielhaus Zürich. Dann folgte Sachtleben einem Ruf an das Bayerische Staatsschauspiel München, dem er viele Jahre lang angehörte; 1977 wurde er dort zum Bayerischen Staatsschauspieler ernannt.
Rasch hatte sich Sachtleben als Charakterdarsteller, aber auch als Regisseur einen Namen gemacht, neben klassischen Bühnenfiguren wie beispielsweise dem Schüler in Goethes "Faust", dem "Rudenz" in Schillers "Wilhelm Tell" oder dem "Dorset" in Shakespeares "Richard III." beeindruckte der Mime während seiner Zeit in Zürich vor allem mit der Titelrolle in Dürrenmatts "Frank V." Am Bayrischen Staatsschauspiel brillierte er in zahlreichen Aufführungen unter der Regie namhafter Theatermacher wie Kurt Meisel, Hans Lietzau, Heinz Hilpert und Hans Schweikart, mit Ingmar Bergman erarbeitete er die Figur des Gerichtsvollziehers Monsieur Loyal" in Molières "Tartuffe" sowie den Dr. Rank in Ibsens "Nora". Zu seinem umfangreichen Repertoire zählen Stücke von Heinar Kipphardt wie "In der Sache J. Robert Oppenheimer" (Rolle: Borin T. Pash), "März – Ein Dichterleben" (Rolle: Dr. Kofler) und "Bruder Eichmann" (Rolle: Leo Chass), aber auch der "Burleigh" in Schillers "Maria Stuart" oder der "Don Juan" in Shakespeares "Viel Lärm um nichts" – um nur Einiges zu nennen.
Foto: © Fabian Isensee*)
Horst Sachtleben 01
Horst Sachtleben 02 Sachtlebens erfolgreiche Inszenierungen am Bayerischen Staatsschauspiel, am "Theater 44", am "Modernen Theater" und an der "Kleinen Komödie" in München sowie am "Schiller-Theater" in Berlin und den Bühnen der Stadt Bonn lassen sich ebenfalls nicht alle aufzählen, erwähnt werden sollen Sternheims "Der Kandidat", Ionescos "Der neue Mieter", Hebbels "Maria Magdalena", Shaws "Frau Warrens Gewerbe", Zuckmayers "Der Hauptmann von Köpenick", Bernhards "Über allen Gipfeln ist Ruh" und Havels "Protest".
In jüngster Zeit begeisterte Horst Sachtleben mit der Titelrolle in Thomas Bernhards "Der Theatermacher" in einer Inszenierung von Pia Hänggi und beeindruckte während einer umfangreichen Tournee in vielen deutschen Städten nicht nur das Publikum: In dem Stück glänzt der Schauspieler als Bruscon, Direktor einer altmodischen Wanderschmiere, und "beweist einmal mehr, dass er in die erste Reihe der deutschen Schauspielerzunft gehört …" so die Elmshorner Nachrichten am 8. März 2003. Die "Süddeutsche Zeitung" schrieb am 24.02.2003 unter anderem "Host Sachtleben glänzt als tyrannischer Theatermacher! … Bravo-Rufe und tosender Beifall … Überzeugend tyrannisch, weltfremd und verbittert mimte Horst Sachtleben den größenwahnsinnigen Direktor einer altmodischen Wanderbühne…"
  
Foto: © Fabian Isensee*)
Seit Ende 2005 war der Schauspieler mit dem klassischen Thriller von John B. Priestley "Ein Inspektor kommt" (An Inspector Calls) in einer Inszenierung von Barry L. Goldman auf Tournee und wurde mit der Titelrolle des Inspektor Goole, der während einer Verlobungsfeier die Anwesenden mit dem Selbstmord eines unbekannten Mädchens konfrontiert, gefeiert. 2007 inszenierte Sachtleben die Tragikomödie von Stanley Price "Warum gerade ich" am Frankfurter "Fritz Rémond Theater".
Zur Spielzeit 2010 glänzte Sachtleben bei den "Bad Hersfelder Festspielen" als Freiherr von Attinghausen in der von Holk Freytag inszenierten Aufführung von Schillers "Wilhelm Tell" und wurde für seine Leistung am 3. Juli 2010 mit dem "Großen Hersfeld-Preis"1) ausgezeichnet. Die Jury führte zur Begründung unter anderem an: "Sachtleben beherrscht dank seiner enormen körperlichen und sprachlichen Präsenz den riesigen Raum der Stiftsruine. Als Könner des Schiller'schen Pathos spielt er einen klugen, hellsichtigen, zornigen alten Mann."
Über die Theaterszene hinaus bekannt und populär wurde Horst Sachtleben seit Mitte der 1960er Jahre durch Film und Fernsehen. Sowohl in beliebten Krimi-Serien wie "Die Fünfte Kolonne", "Der Kommissar", "Der Alte", "Derrick", "Ein Fall für zwei" oder "Tatort" zeigte und zeigt er mit unterschiedlichsten Figuren und seinem facettenreichen Spiel immer wieder seine enorme darstellerische Wandlungsfähigkeit.
 
Bereits 1962 besetzte ihn Rolf Hädrich in dem TV-Spiel "Nachruf auf Jürgen Trahnke" von Dieter Meichsner, es folgten ambitionierte Stücke wie "Der Fall Mata Hari" (1966, Regie: Paul Verhoeven), "Willi Tobler und der Untergang der 6. Flotte" (1972, Regie: Alexander Kluge), "Liebesgeschichten: Schulzeit" (1977, Regie: Rainer Wolfhardt), "Sierra Madre" (1980, Regie: Horst Flick) oder der Mehrteiler "Der Schwarze Bumerang"1) (1982, Regie: Wolf Dietrich). An der Seite von Lambert Hamel erlebte man Sachtleben in Rainer Wolfhardts historischem Zweiteiler "Martin Luther"1) (1983) als Professor Karlstadt, bis Ende der 1990er Jahre agierte er in Einzelproduktionen wie "Ein Naheliegender Mord" (1988), "Tod der Engel" (1992), "Der Rosenmörder" (1997), "Porträt eines Richters" (1997) oder dem hochgelobten Mehrteiler "Klemperer – Ein Leben in Deutschland"1) (1999).
  

Foto: © Fabian Isensee*)

Horst Sachtleben 03
Zu Sachtlebens weiteren TV-Aktivitäten zählen neben Auftritten in Serien wie "Kir Royal"1) (1986), "Pfarrerin Lenau" (1990) oder "Sylvia – Eine Klasse für sich"1) (1998) beispielsweise Dennis Gansels Politthriller "Das Phantom"1) (2000), Matti Geschonnecks spannendes Krimi-Melodram "Jenseits der Liebe" (2001), Werner Sieberts Liebesgeschichte "Froschkönig" (2002) oder die Tatort-Folge "Nicht jugendfrei" (2004). Danach agierte Sachtleben unter anderem in dem TV-Spiel "Drei Schwestern made in Germany" (2006) sowie in der Episode "Nichts als Ärger" (2007) aus der Reihe "Der Dicke" mit Dieter Pfaff.
Eine schöne Dauerrolle ist seit 2002 die des sympathischen, gar nicht so klerikalen Bischofs Rossbauer in dem Quotenrenner "Um Himmels willen"1), den Geschichten um das Kloster Kaltenthal mit den Hauptakteuren Ordensschwester Lotte alias Jutta Speidel (ab Staffel 6 ersetzt durch Schwester Johanna alias Janina Hartwig), Bürgermeister Wolfgang Wöller alias Fritz Wepper sowie der gestrengen Oberin Elisabeth Reuter (Rosel Zech), mit der Bischof Rossbauer vor allem die Fußballleidenschaft teilte. Kaum ging am 8. April 2008 die 7. Staffel der erfolgreichen ARD-Hauptabendserie in die letzte Runde, fiel zeitgleich die erste Klappe zu den Dreharbeiten 13 weiterer Folgen, die seit 17.2.2009 ausgestrahlt wurden. Am 23. Dezember 2008 ging überdies das schwungvolle Special in Spielfilmlänge  "Weihnachten in Kaltenthal"2) auf Sendung. Die 9. Staffel startete am 26. Januar 2010. Im Dezember 2009 begannen übrigens die Dreharbeiten für ein neues 90-minütiges Highlight der beliebten Serie "Um Himmels Willen" mit dem Titel "Weihnachten unter Palmen", gedreht wurde bis zum 8. Februar 2010 im Mittelmeer und im Atlantik zwischen Casablanca, Teneriffa und Genua – so manche vergnügliche Verwicklung trug auch diesmal zur Unterhaltung bei. Seit 15. Februar 2011 lief die 10. Staffel dieses publikumswirksamen Dauerbrenners, Ende April 2011 begannen die Dreharbeiten zur 11. Staffel. Wie es nach dem plötzlichen Tod von Rosel Zech (31.08.2011) mit der Figur des Bischofs Rossbauer weiter geht, wird sich zeigen; Gaby Dohm füllt als Baronin von Beilheim die Lücke der von Zech verkörperten Oberin Dr. Dr. Elisabeth Reuter ein.
 
Als störrischer Bauer Maximilian Bertram überzeugte der Schauspieler in dem ganz auf die Protagonistin Uschi Glas zugeschnittenen von Walter Bannert in Szene gesetzten Familien-Melodram "Wieder daheim"2), das Mitte März 2008 in der ARD ausgestrahlt wurde. Er gab glänzend den grantigen Vater der modernen, in den USA lebenden Investmentbankerin Maren Bertram, die nach mehr als zwei Jahrzehnten auf den elterlichen Bauernhof in Bayern zurückkehrt, der inzwischen zum Gnadenhof für verlassene Tiere geworden ist und vor dem Ruin steht. Der angespannte Tochter-Vater-Konflikt bricht erneut auf, doch als Maren die zündende Idee, den Tierhof mit einem Seniorenheim zu kombinieren, entdeckt Maximilian schließlich doch, dass er nicht nur für Tiere ein Herz hat und versöhnt sich mit seiner Tochter. Die Fortsetzung mit dem Titel "Für immer daheim"2) begannen bereits Anfang September 2009, zur Ausstrahlung gelangte dieser moderne Heimatfilm am 18. November 2011. Auch hier grantelte sich Sachtleben wunderbar durch die Geschichte, drückte dem bayerischen Sturkopf und Bauern Maximilian seinen Stempel auf und machte die ansonsten eher vorhersehbare Story allein durch sein Auftreten sehenswert; mehr bei www.presseportal.de.
Nach seiner Rolle des "guten Geistes" Mr. Yuki in dem ZDF-Sonntagsfilm "Ein Sommer in Long Island"1) (EA: 18.10.2009) tauchte Sachtleben am 4. Dezember 2009 in der Romanze "Sterne über dem Eis"3) erneut als widerborstiger Nörgler auf. In der gefühlvollen Geschichte mimt er herrlich den Vater des Meeresbiologen Professor Martin Schell (Michael Fitz), der sich unerwartet für einige Wochen um seinen alten, eigensinnigen Vater Kurt kümmern soll. Als der Sohn zu einer Forschungsreise in die Arktis aufbrechen muss, schleicht sich der rüstige Rentner trickreich als blinder Passagier an Bord des Forschungsschiffes. Auf der Reise kommen sich nicht nur Vater und Sohn näher, auch eine ehemalige Liebe (Birge Schade) des Professors sorgt für allerlei Verwirrungen. Die ansonsten eher vorhersehbare Story hob sich vor allem durch Sachtlebens überzeugendes Spiel, aber auch durch wunderschöne Naturaufnahmen, erfreulich von den üblichen melodramatisch-seichten Liebesgeschichten ab.
In der am 17. Februar 2011 ausgestrahlten Episode "Altes Geld, junges Blut" aus der humorvollen ARD-Krimireihe "Pfarrer Braun" mit Ottfried Fischer als dem kriminalisierenden, schwergewichtigen Gottesmann, kam Sachtleben als Albert Zwicknagel daher, der gemeinsam mit Ehefrau Sieglinde (Heidelinde Weis) und Schwager Franz von Hornung (Fritz von Friedl) in einer exklusiven Seniorenresidenz lebt. Das exzellent aufspielende Trio wird in einen Mordfall um einen zwielichtigen Anlageberater verwickelt und gerät somit auch ins Visier des bibelfesten Hobbyermittlers.
Horst Sachtleben 04 Darüber hinaus stand Sachtleben mit prägnanten Nebenrollen auch für einige Kinoproduktionen vor der Kamera, in Bernhard Wickis Literaturverfilmung "Das Spinnennetz" (1989, nach Joseph Roth) war er ebenso präsent wie in Egon Günthers "Rosamunde" (1990). Caroline Link besetzte ihn in dem Drama "Jenseits der Stille" (1996), weiterhin wirkte Sachtleben in den Kurzfilmen "Talks" (2003, Regie: Michael Rentsch), "Glücksstadt" (2003, Regie: Janosch Orlowsky) und "Vorletzter Abschied" (2005, Regie: Heiko Hahn) mit.
Neben seiner umfangreichen Arbeit als Darsteller und Regisseur für Theater und Film arbeitet Horst Sachtleben auch für die Synchronisation, ist ein vielbeschäftigter Sprecher und inszeniert Hörspiele. Als Synchronsprecher ist er seit den 60er Jahren tätig, lieh unter anderem Woody Allen und Bill Daily seine Stimme; in den von RTL neu synchronisierten Folgen um den "Inspektor Columbo" ist er die deutsche Stimme von Peter Falk4) (1927 – 2011).
 
Der vielseitige Horst Sachtleben, Träger des Sonderpreises des Inthega-Vorstands 1996/97, ist mit der Schweizer Schauspielerin und Regisseurin Pia Hänggi1) verheiratet, hat eine Tochter und lebt in München.
  
Foto: © Fabian Isensee*)
  
Link: 1) Wikipedia, 2) prisma.de, 3) www.mdr.de, 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP Stand November 2011
*) Die Fotos dürfen mit freundlicher Genehmigung des Fotografen Fabian Isensee gezeigt werden; das Copyright liegt bei Fabian Isensee, eine Weiterverwendung ist ohne Zustimmung des Urhebers nicht gestattet.
Kontakt: Agentur Heppeler
Siehe auch Wikipedia; Filmografie bei www.imdb.de
Um zur Seite der Publikumslieblinge zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de