Wirken am Theater (Auszug) / Filmografie / Hörspiel
Portrait Franz Kutschera 1953; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pkm_0001136_004); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 1953; Quelle: www.deutschefotothek.de Franz Kutschera wurde am 25. März 1909 als Franz Kucera in Wien geboren. Nach einer Ausbildung zum Schauspieler in seiner Geburtsstadt bei Theodor Danegger1) (1891 – 1959) erhielt Kutschera 1928 ein erstes Bühnenengagement bei Paul Barnay1) (1884 – 1960), zwischen 1921 und 1933 Intendant der "Vereinigten Theater"1) in Breslau. Zwei Jahre später wechselte der junge Schauspieler an das "Darmstädter Landestheater" (heute "Staatstheater Darmstadt"1)), welches damals bis 1931 von Carl Anton Ebert1) (1887 – 1980) geleitet wurde. Nachfolger von Ebert wurde Gustav Hartung1) (1887 – 1946), der 1933 als Jude vor den Nazis floh; da Kutschera an der Fluchthilfe beteiligt war, wurde er in Deutschland mit einem Auftrittsverbot belegt. Engagements am Wiener "Raimundtheater"1) sowie am "Tiroler Landestheater"1) in Innsbruck schlossen sich an. 1938 folgte Kutschera einem Ruf Paul Smolnys (1896 – 1950) nach Leipzig.
Nach Ende des 2. Weltkrieges ging der Schauspieler 1947 zunächst nach Ost-Berlin an das von Wolfgang Langhoff1) (1901 – 1966) geleitete "Deutsche Theater"1). Nur wenig später (1948) berief ihn Fritz Wisten1) (1890 – 1962) in sein Ensemble, welches bis 1953 im "Theater am Schiffbauerdamm"1) auftrat und dann – als Bertolt Brecht1) mit seinem "Berliner Ensemble"1) dort einzog – in die wieder aufgebaute "Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz"1) übersiedelte.2)

Portrait Franz Kutschera 1953
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pkm_0001136_004); © SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: 1953; Quelle: www.deutschefotothek.de
Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Mit dem Mauerbau im August 19611) ging Kutschera in die Bundesrepublik und fand für zehn Jahre an den "Städtischen Bühnen"1) in Frankfurt a.M. seine künstlerische Heimat. Er spielte im Ensemble des Generalintendanten Harry Buckwitz1) (1904 – 1987), der vor allem durch seine Brecht-Inszenierungen weltweit bekannt wurde; zwischen 1972 und 1982 war Kutschera dann Mitglied des "Bayerischen Staatsschauspiels"1) in München. 
Der Charakterschauspieler brillierte in Klassikern und Komödien ebenso wie in Stücken der Moderne, prägte vor allem als "schwerer Held", aber auch als Regisseur, maßgeblich den Spielplan der "Städtischen Bühnen" in Frankfurt. 1962 machte er als Alfred Ill in Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame"1) neben Grete Mosheim (1905 – 1986) in der Titelrolle der Claire Zachanassian Furore und auch in Heiner Müllers "Philoktet" (1969) zeigte er als Odysseus seine schauspielerische Vielseitigkeit.
 
Franz Kutschera an der "Volksbühne Berlin"
Franz Kutschera an der Berliner "Volksbühne" als Oberbürgermeister in "Der Hauptmann von Köln" von Slatan Dudow/Michael Tschesno-Hell (Premiere 05.1959); Regie: Otto Tausig; Datei: df_pk_0004564_1b_026; Quelle: Deutsche Fotothek; Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek) (1901–1983), Datierung 05.1959 Franz Kutschera an der Berliner "Volksbühne" mit der Titelrolle in "Tartuffe" von Molière (Premiere: 18.12.1957); Regie: Rochus Gliese; Datei: df_pk_0004461_004 Quelle: Deutsche Fotothek; Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek) (1901–1983) Franz Kutschera an der Berliner "Volksbühne" als Graf Almaviva in "Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit" von Beaumarchais (Premiere: 04.08.1957); Regie: Kurt Jung-Alsen; Datei: df_pk_0004394_014 Quelle: Deutsche Fotothek; Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek) (1901–1983)
… als Oberbürgermeister in
"Der Hauptmann von Köln"
von Slatan Dudow/Michael Tschesno-Hell
(Premiere:15.05.1959)
Regie: Otto Tausig
Datei: df_pk_0004564_1b_026
… mit der Titelrolle in
"Tartuffe"
von Molière
(Premiere: 18.12.1957)
Regie: Rochus Gliese
Datei: df_pk_0004461_004
… als Graf Almaviva in
"Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit"
von Beaumarchais
(Premiere: 04.08.1957)
Regie: Kurt Jung-Alsen
Datei: df_pk_0004394_014
Quelle: Deutsche Fotothek; © SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
  
Als herausragender Brecht-Interpret glänzte Kutschera als "Bettlerkönig" Peachum in "Die Dreigroschenoper"1) und als reicher Barbier Shu Fu in "Der gute Mensch von Sezuan"1). In "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" verlieh er dem Chicagoer Fleischkönig Pierpont Mauler ureigene Züge, eine Rolle, für die er 1970 in einer Inszenierung der "Bad Hersfelder Festspiele"1) mit dem "Großen Hersfeld-Preis" ausgezeichnet wurde.
Uwe Schultz1) schrieb unter anderem in der "Süddeutschen Zeitung" (SZ, 15.07.1970): "Nicht als Clown (…), sondern als massiger Manager praktiziert Kutschera – grollend und genüßlich je nach Laune – die Meisterschaft wirtschaftlicher Brutalität."
Während seiner Zeit am "Bayerischen Staatsschauspiel" begeisterte der Vollblutmime das Publikum unter anderem mit der Titelrolle in dem Drama "Michael Kramer"1) von Gerhard Hauptmann, gab unter der Regie von Ingmar Bergman1) die "Madame Pernell" am Münchener "Residenztheater" in dessen Inszenierung der Molière-Komödie "Tartuffe"1) (1975), neben Nikolaus Paryla (Tartuffe) und Walter Schmidinger (Orgon). Erneut unter Bergmann wirkte er in dessen legendären Aufführung des Molière-Stücks "Don Juan"1) mit, das 1983 bei den "Salzburger Festspielen"1) Premiere feierte und auch für das Fernsehen aufgezeichnet wurde: Michael Degen interpretierte den Titelhelden, Birgit Doll1) die Elvire und Hilmar Thate den Sganarelle, Franz Kutschera war als Dom Louis, Vater von Dom Juan, bzw. "Das Standbild des Komtur" zu sehen → Übersicht Wirken am Theater (Auszug).

Seit den 1950er Jahre übernahm Kutschera sporadisch Aufgaben vor der Kamera und wurde damit auch einem breiteren Publikum bekannt. Er war in verschiedenen DEFA-Filmen wie Richard Groschopps Komödie "Modell Bianka"1) (1951), Gustav von Wangenheims heiteren Geschichte "Heimliche Ehen"3) (1956) oder Konrad Wolfs Drama "Leute mit Flügeln"1) (1960, mit Erwin Geschonneck) sowie in einigen satirisch-humoristischen "Stacheltier"-Produktionen1) zu sehen, zeigte sich im DDR-Fernsehen unter anderem in dem Dreiteiler "Tempel des Satans"4) (1962). Nach seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik tauchte Kutschera in Fernsehspielen wie der Fontane-Adaption "Unterm Birnbaum"5) (1963) oder der Irwin Shaw-Verfilmung "Brooklyn-Ballade" (1965) auf. In Fritz Umgelters TV-Fassung von Brechts "Der gute Mensch von Sezuan"5) (1966) gab er den "zweiten Gott". Weitere prägnante Auftritte hatte Kutschera beispielsweise in dem Zweiteiler "Bel Ami"5) (1968), gedreht von Helmut Käutner1) nach dem Roman von Guy de Maupassant1) mit Helmut Griem in der Titelrolle, sowie in den von Robert A. Stemmle inszenierten Stücken "Der Fall Ivar Kreuger"5) (1967), mit Peter van Eyck als schwedischem "Zündholzkönig" Ivar Kreuger1) und in "Anna Böckler" (1968). In den 1970er Jahren übernahm Kutschera Rollen in Produktionen wie "Die gefälschte Göttin" (1971: Regie: Helmut Käutner) nach der Novelle von Kurt Kluge1) über die archäologische Jagd nach antiken Plastiken oder in "Jedermanns Weihnachtsbaum" (1975, u.a. mit Horst Bollmann). Zuletzt sah man ihn 1985 in dem TV-Film "… beschloss ich Politiker zu werden"  nach dem Roman von Paul Kaufmann1).
Nur wenige Male präsentierte sich Kutschera noch in Kinofilmen, so als Bischof Moser in Rolf Thieles Dürrenmatt-Verfilmung "Grieche sucht Griechin"1) (1966, mit Heinz Rühmann) und als Fotograf Zernick in Rolf Olsens Krimi "In Frankfurt sind die Nächte heiß"1) (1966) → Übersicht Filmografie.

Franz Kutschera konzentrierte sich überwiegend auf seine Arbeit am Theater, darüber hinaus war er mit seiner markanten Stimme als Sprecher für ambitionierte Audio-Produktionen tätig, eine Auswahl der bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen findet man hier. Der Künstler beteiligte sich an literarischen Schallplatten und ging auf Lesereisen mit dem Jaroslav Hašek-Schelmenroman "Der brave Soldat Schwejk"1); seine mehrteiligen Lesungen aus dem Jahre 1958 sind inzwischen als Hörbuch auf CD erhältlich. Erwähnt werden soll auch, dass Kutschera in der ehemaligen DDR mit dem Kabarett "Schmunzelbrigade" Erfolge feierte.
Der Schauspieler und Regisseur, der auch als Dozent an der "Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin"1) lehrte, erhielt während seiner Karriere diverse Auszeichnungen. Neben dem erwähnten "Großen Hersfeld-Preis" (1970) wurde ihm 1953 der "Goethepreis der Stadt Berlin"1) verliehen, ein Jahr später (1954) folgte der "Nationalpreis der DDR"1).  III. Klasse für Kunst und Literatur. Seit 1974 konnte er den Titel "Bayerischer Staatsschauspieler" tragen.
 

Das Foto entstand 1983 bei den "Salzburger Festspielen"
während der Aufführung zu Molières Stück "Dom Juan"1).
Freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Franz Kutschera; Copyright Virginia Shue
Franz Kutschera starb am 27. Oktober 1991 im Alter von 82 Jahren in München; die letzte Ruhe fand der gebürtige Wiener auf dem dortigen Waldfriedhof1) → Foto der Grabstelle bei knerger.de. In seinem Nachruf schrieb Gert Gliewe in der "Münchner Abendzeitung" (30.10.1991) unter anderem: "Auch wenn er manchmal nur die Entourage der großen Helden spielte, war er stets unübersehbar, schon von seiner gewaltigen körperlichen Präsenz bühnenfüllend. (…) Trotz seiner sehr direkten Schauspielkunst gab er seinen Figuren immer auch eine schillernde Ambivalenz."6)
Anlässlich des 100. Geburtstages von Franz Kutschera wurde Ende März 2009 sein Nachlass in der Berliner "Akademie der Künste"1) archiviert. Die Sammlung, zur Verfügung gestellt von Kutscheras Tochter Franziska, umfasst Fotos, Schallplatten, Tonbänder und Briefe (unter anderem von Ingmar Bergman) und dokumentiert nahezu vollständig die Laufbahn eines Ausnahmekünstlers, "der die Theaterszenen im Berlin der Nachkriegszeit und ab den 1960er Jahren in Frankfurt am Main und München wesentlich geprägt habe" hieß es zur Eröffnung des "Franz-Kutschera-Archivs" am 25. März 2009 → Pressemitteilung der "Akademie der Künste" bei www.adk.de sowie "Franz-Kutschera-Archiv".
Siehe auch Wikipedia
Fremde Links: 1) Wikipedia, 3)  defa-stiftung.de, 4) fernsehenderddr.de, 5) Die Krimihomepage
Quellen: 2) Wikipedia, 6) "Henschel Theaterlexikon",  Hrsg. C. Bernd Sucher (Henschel Verlag, 2010, S. 502)
    
Theater-Wirken (Auszug)
Quelle (unter anderem): Wikipedia sowie "Henschel Theaterlexikon",
 Hrsg. C. Bernd Sucher (Henschel Verlag, 2010, S. 502)
(Fremde Links: Wikipedia, filmportal.de;  R = Regie, P = Premiere, UA = Uraufführung, DEA = Deutschsprachige Erstaufführung)
"Deutsches Theater", Berlin "Volksbühne Berlin" "Schauspiel Frankfurt"/M "Bayerische Staatsschauspiel", München / "Residenztheater" (1972 – 1982/83) "Bad Hersfelder Festspiele"

"Salzburger Festspiele"

Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Fremde Links: Wikipedia, defa-stiftung.de, filmportal.de, fernsehenderddr.de,
Die Krimihomepage, deutsches.filmhaus.de)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
Hörspielproduktionen (Auszug)
1950er Jahre 1960er Jahre 1970er Jahre ab 1980
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia (deutsch/englisch))
1950er Jahre 1960er Jahre 1970er Jahre ab 1980
Um zur Seite der Publikumslieblinge zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de