Franziska Kinz vor 1929; Urheber: Alexander Binder (1888-1929); Quelle: www.cyranos.ch; Lizenz: gemeinfrei Franziska (Amalia) Kinz erblicke am 21. Februar 1897 in der Tiroler Gemeinde Kufstein1) (Österreich) das Licht der Welt. Ehe sie sich für den Schauspielerberuf entschied, besuchte die Tochter des Fabrikanten Julius Kinz, der im Kufsteiner Gemeindeteil Sparchen1) Landmaschinen produzierte, nach dem Abitur eine Handelsschule und kam im Rahmen ihrer Ausbildung nach Berlin, Wien und Heidelberg. Ihr schauspielerisches Rüstzeug erwarb sie sich unter anderem vier Monate lang an der Theaterschule der "Münchner Kammerspiele"1) und wurde von Friedrich Basil1) (1862 – 1938) ausgebildet. Anschließend gab sie 1924 ihr Bühnendebüt am "Stadttheater Zürich"1) als Gretchen in Goethes "Faust"1), noch im selben Jahr trat sie ein Engagement in München am "Staatstheater"1) ("Staatstheater am Gärtnerplatz") an. Neben einem Gastspiel in New York (1926) wirkte Franziska Kinz in den kommenden Jahren unter anderem am "Preußischen Staatstheater"1) in Berlin und am "Landestheater Darmstadt"1) (ab 1930). Seit 1933 war sie dauerhaft in Berlin tätig, feierte Erfolge an "Schillertheater"1), am "Deutschen Theater"1) und dessen angeschlossenen "Kammerspielen", zudem führten sie Gastspiele beispielsweise nach Göttingen, Wien und München. Am Wiener "Theater in der Josefstadt"1) spielte sie unter der Regie von Iwan Schmith († 29.12. 1939) in dem Stück "Wir sagen uns alles" (Premiere: 13.04.1928) von Paul Kalbeck1) als Susanne die Frau des mit Lorenz (Fritz Delius) befreundeten Michael (Hermann Thimig). Ein Jahr später wirkte sie 1929 bei den "Salzburger Festspielen"1) mit, interpretierte den "Glauben" in dem traditionsreichen, von Max Reinhardt1) in Szene gesetzten Schauspiel "Jedermann"1) von Hugo von Hofmannsthal1) mit Alexander Moissi in der Titelrolle und Dagny Servaes als Buhlschaft.
   
Franziska Kinz vor 1929
Urheber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz (gemeinfrei) siehe hier
Seit Ende der 1920er Jahre trat die Schauspielerin im Film in Erscheinung, ihr Leinwanddebüt gab sie in dem von Georg Wilhelm Pabst1) in Szene gesetzten stummem Drama bzw. Meisterwerk "Tagebuch einer Verlorenen"1) (1929) nach dem gleichnamigen Roman1) von Margarete Böhme1) mit der Rolle der Haushälterin Meta bzw. später verbitterten Witwe des Apothekers Robert Henning (Josef Rovenský1)), dem Vater der Protagonistin Thymian (Louise Brooks). 
Aufgaben in etlichen Tonfilmen schlossen sich an, meist wurde Franziska Kinz als bodenständige, unerschütterliche Frauenfigur besetzt. So sah man sie als Ehefrau des Gastwirts Markurell (Rudolf Rittner1)) in der deutsch-schwedischen Co-Produktion "Väter und Söhne"2) (1930), gedreht von Victor Sjöström1) und Paul Merzbach1) nach Hjalmar Bergmans1) Roman "Markurell" ("Markurells i Wadköping"). Unter anderem mimte sie die Gutsfrau Puchheiten in Heinz Pauls1) Historienstreifen "Tannenberg"1) (1932), zeigte sich nach der so genannten "Machtergreifung"1) der Nationalsozialisten auch in einigen NS-Propagandafilmen. So tauchte sie in dem Abenteuer "Flüchtlinge"1) (1933) nach dem Roman von Gerhard Menzel1) neben Hans Albers und Käthe von Nagy auf, spielte eine Krankenschwester in der bis heute als "Vorbehaltsfilm"1) eingestuften Produktion "Hitlerjunge Quex"1) (1933) mit dem Untertitel "Ein Film vom Opfergeist der deutschen Jugend" nach dem Roman von Karl Aloys Schenzinger1) über den erstochenen Hitlerjungen Herbert Norkus1) mit Jürgen Ohlsen1) in der Titelrolle des Heini Völker sowie Heinrich George und Berta Drews als dessen Eltern.
Einmal mehr stand sie für Heinz Paul vor der Kamera und verkörperte in "Wilhelm Tell"1) (1934) mit dem Untertitel "Das Freiheitsdrama eines Volkes" die Ehefrau des von Theodor Loos dargestellten Werner Stauffacher1), als Schweizer Freiheitskämpfer Wilhelm Tell1) sah man, ebenso wie in der englischsprachigen Version "The Legend of William Tell", Hans Marr, als dessen Gegenspieler Reichsvogt Gessler Conrad Veidt. Entstanden war das Werk frei nach der Chronik von Aegidius Tschudi1), dem gleichnamigen Schauspiel1) von Friedrich Schiller1) und der Erzählung "Der Knabe des Tell" von Jeremias Gotthelf1).
Mit Stummfilm-Star Pola Negri sowie Albrecht Schoenhals zeigte sie sich als zweite Frau des Rittmeisters Boris Kierow (Paul Hartmann), in dem von Willi Forst inszenierten Krimi "Mazurka"1) (1935), gab die Mutter des Titelhelden Toni Bruggler (Ludwig Kerscher1)) in "Standschütze Bruggler" (1936) mit dem Untertitel "Ein Film vom Freiheitskampf des Tiroler Volkes". Neben Heinrich George als Badearzt Dr. Hans Stockmann gestaltete sie die Figur der Ehefrau Johanna in Hans Steinhoffs1) Adaption "Ein Volksfeind"1) (1937) nach dem gleichnamigen Drama1) von Henrik Ibsen1), glänzte als aufrechte Titelfigur bzw. als verwitwete Mutter von Otti (Ilse Werner) in dem Rührstück "Frau Sixta"1) (1938) nach dem Roman von Ernst Zahn1). Eine verständnisvolle Stiefmutter stellte sie in Paul Verhoevens Melodram "Aus erster Ehe"3) (1940) dar, als "Die Kellnerin Anna"3) (1941) fühlte sie sich zu dem jungen Studenten Stefan Burgstaller (Hermann Brix1)) hingezogen, der in Wirklichkeit ihr Sohn ist. Bis Kriegsende folgten nur noch zwei Produktionen, in Harald Brauns1) Ibsen-Adaption1) "Nora"1) (1944) mit Luise Ullrich in der Titelrolle der Nora Helmer überzeugte sie als Mutter von Noras Ehemann, Dr. Robert Helmer (Viktor Staal), der NS-Propagandastreifen bzw. das Lustspiel "Wir sehn uns wieder"1) (1944/45), in dem sie die Rolle der Häuslerin Marthe Bichler übernommen hatte, gelangte nicht mehr in die Lichtspielhäuser, stand 1945 auf der Liste der unter alliierter Militärzensur verbotenen deutschen Filme1).
 
Nach Ende des 2. Weltkrieges bzw. einer mehrjährigen Pause konnte Franziska Kinz im Nachkriegsfilm Fuß fassen und erschien, nach ihrer Mitwirkung in dem mit Spielszenen durchsetzten Dokumentarfilm "Unsere liebe Frau"4) (1950), in Rudolf Schündlers Ludwig Ganghofer1)-Verfilmung "Der Geigenmacher von Mittenwald"1) (1950) erstmals wieder in einer Unterhaltungsproduktion mit dem eher kleinen Part einer Posthalterin auf der Leinwand. Auch in den folgenden Kinofilmen musste sie sich meist mit Nebenrollen zufrieden geben, etwa als Oberschwester Innocenzia in dem Melodram "Oberarzt Dr. Solm"1) (1954) mit Hans Söhnker, als Mutter der Helene (Eva Probst), Dauerverlobte des Lebemanns Friedolin Rufmann (Kurt Heintel), in dem Heimatfilm "Die Försterbuben"1) (1955) nach dem gleichnamigen Roman1) von Peter Rosegger1), als Gasthof-Inhaberin Trude Michaelis, Mutter von Kurt (Paul Bösiger1)) in dem volkstümlichen Krimi "Beichtgeheimnis"1) (1956) oder als Oberschwester Mathilde in dem Melodram "Nachtschwester Ingeborg"1) (1958) mit Immy Schell1) in der Titelrolle sowie Ewald Balser und Claus Biederstaedt als zerstrittenes Vater-Sohn-Gespann. Eine größere Aufgabe erhielt Franziska Kinz als Ehefrau des Titelhelden Engelbert Spargel (Paul Hörbiger) in der Komödie "Bademeister Spargel"1) (1956), als Herzogin von Leuchtenberg tauchte sie in Falk Harnacks1) Drama "Anastasia, die letzte Zarentochter"1) (1956) über die von Lilli Palmer dargestellte Unbekannte (Anna Anderson1)) auf, die bis an ihr Lebensende behauptete, die russische Großfürstin Anastasia Nikolajewna Romanowa1), Tochter des letzten Zaren Nikolaus II.1), zu sein, spielte einmal mehr eine Ehefrau in dem Heimatfilm "Das Hirtenlied vom Kaisertal"1) (1956). Zu ihren letzten Arbeiten vor der Kinokamera zählte die Literaturverfilmung "Der Schäfer vom Trutzberg"1) (1959) nach dem Roman "Die Trutze von Trutzberg" von Ludwig Ganghofer1) mit der Figur der Angela von Trutzberg sowie das Drama "Der Schleier fiel …"1) (1960), wo sie die Mutter der jungen Lisa Roth (Vera Tschechowa) spielte, deren Freund Robbi Freitag (Hartmut Reck) wegen Fahrerflucht einen Menschen auf dem Gewissen hat. Ein Jahr zuvor hatte man Franziska Kinz an der Seite des legendären Fernandel in der von Henri Verneuils1) gedrehten, amüsanten Geschichte "Ich und die Kuh"1) (1959, "La vache et le prisonnier") erleben können, die auf dem nach einer wahren Begebenheit erschienenen Roman von Jacques Antoine1) basierte. Mit dem TV-Film "Der Strohhalm" (1964), von Gerhard Klingenberg1) inszeniert nach dem gleichnamigen Stück ("The Straw"5)) von Eugene O'Neill1), und der Rolle der Oberschwester Mrs. Turner beendete Franziska Kinz ihre Filmkarriere → Übersicht Filmografie..
 
Vereinzelt beteiligte sich Franziska Kinz an Hörspielproduktionen, so sprach sie unter anderem beim Sender "Radio München"1), der dann im Januar 1949 als "Bayerischer Rundfunk"1) lizenziert. wurde, die Nadedja in "Vierte Sinfonie. Das einsame Herz"6) (EA: 21.04.1948), mit dem der Autor Arch Oboler1) den Briefwechsel des russischen Komponisten Peter Tschaikowsky1) (gesprochen von Harald Baender) mit seiner Gönnerin, der begüterten Nadeschda von Meck1) thematisierte. In "So war Mama"6) (EA: 05.01.1949) nach dem Schauspiel "I Remember Mama" von John Van Druten1) in der Übersetzung von Carl Zuckmayer1) übernahm sie den Part der Mama, unter anderem sprach Gertrud Kückelmann Tochter Dagmar, Bruni Löbel Tochter Katrin und Otto Wernicke den Onkel Chris. Nach dem Roman "Gösta Berling"1) von Selma Lagerlöf1) entstand die von Gert Westphal inszenierte gleichnamige Funkballade6) (EA:  05.05.1950) mit Hans Cossy als Gösta Berling, in der man sie als die Majorin1) hörte.
Seit Kriegsende stand die Schauspielerin regelmäßig auf der Bühne und entfaltete eine intensive Theatertätigkeit mit Auftritten unter anderem in München, Innsbruck und Frankfurt. Zudem engagierte sich die überzeugte Vegetarierin nachhaltig für den Tierschutz, unterstützte den Bau eines Tierheims in Innsbruck1) und war zeitweise Präsidentin der "Tierschutzliga". Einen Teil ihres Familienbesitzes in Tirol stellte sie für den Bau einer Mustersiedlung zur Verfügung, an dem alte Menschen gemeinsam mit ihren Tieren den Lebensabend verbringen konnten. Sie verfasste auch Texte zur gesunden Ernährung und Lebensweise.7)
 
Die während des Nazi-Regimes zur "Staatsschauspielerin"1) ernannte Franziska Kinz starb am 26. April 1980 im Alter von 83 Jahren in Meran1) (Südtirol, Italien); die letzte Ruhe fand sie  in dem Familiengrab ihres Ehemannes → Foto der Grabstelle bei findagrave.com.
Zwischen 1930 und 1933 war die Schauspielerin mit dem SPD-Reichstagsabgeordneten und Schriftsteller Carlo Mierendorff1) (1897 – 1943) liiert, der nach der nationalsozialistischen Machtübernahme festgenommen und bis 1938 in verschiedene Konzentrationslager "verbracht" wurde. Franziska Kinz setzte sich wohl, gemeinsam mit dem SPD-Politiker Emil Henk1), dem Schriftsteller Gerhart Pohl1) und anderen, jahrelang für Mierendorffs KZ-Entlassung ein, die 1938 aus dem "KZ Buchenwald"1) erfolgte – heiratete gleichwohl aber den regimenahen Verbandsfunktionär, Journalisten, Buch- und Filmautor Karl-Heinz Kaesbach (1908 – ?), der nach dem Krieg unter anderem als Pressechef der "Bavaria-Film"1) fungierte. Die tragisch verlaufende Dramatik der Beziehung Kinz/Mierendorff ist als Nebenstrang in die Haupthandlung des erstmals 1955 publizierten, in Schlesien spielenden Schlüsselromans "Fluchtburg" von Gerhart Pohl1) eingegangen und später in der Carlo-Mierendorff-Biographie "Der militante Sozialdemokrat. Carlo Mierendorff 1897 bis 1943" (Dietz, Berlin 1987) von Richard Albrecht1) teilweise aufgeklärt worden. Das Buch wurde 1997 unter dem Titel "Deckname Dr. Friedrich: Carlo Mierendorff – ein Leben auf Zeit"8) von Alfred Jungraithmayr1) verfilmt.
Quellen: Wikipedia, cyranos.ch
Fotos bei virtual-history.com
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung, 3) filmportal.de, 4) filmdienst.de, 5) fischer-theater.de, 6) ARD Hörspieldatenbank,  8) programm.ard.de
7) gemäß Wikipedia
Lizenz Foto Franziska Kinz (Urheber: Alexander Binder): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
    
Filme
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(Fremde Links: Wikipedia, Murnau Stiftung, filmportal.de, fischer-theater.de)
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