Gisela Trowe 01; Copyright Werner Bethsold Gisela Trowe wurde am 5. September 1922 in Dortmund in eine Kaufmannsfamilie hineingeboren. Gegen den Willen ihrer Eltern nahm sie Schauspiel- und Gesangsausbildung, ließ sich in in Dortmund von Hans Bogenhardt, später in Berlin von Paul Günther und in Bochum von Saladin Schmitt1) (1883 – 1951) ausbilden; anschließend gab sie 1943 am Reußischen Hoftheater in Gera als Franziska in "Minna von Barnhelm" ihr Bühnendebüt. 1946 wechselte sie nach Berlin, trat unter anderem am "Hebbel-Theater", "Schloßpark-Theater", "Theater am Kurfürstendamm" und am "Deutschen Theater" auf. 1949/50 war sie Mitglied von Willy Schaefers "Kabarett der Komiker"1), weitere Theaterstationen waren dann u.a.  Wien, Hamburg und München. Sie brillierte beispielsweise mit der Titelrolle in Anouilhs "Antigone", sie gab die Madeleine in Cocteaus "Die schrecklichen Eltern", war die Raina in Shaws "Helden" oder die Ninotschka in Lengelys gleichnamigen Bühnenstück und arbeitete mit so Berühmtheiten wie Bertolt Brecht und Gustaf Gründgens zusammen. 1958 begeisterte sie in "Die Zofen" von Genet Publikum und Kritiker gleichermaßen. Der große Theaterkritiker Friedrich Luft1) (1911 – 1990) schrieb damals: "Gisela Trowe ist eine Zofe von heißer Kühle, bedrohlich, schleichend, dauernd im Ansprung, gefährlich, gefährdet, erotisch geladen und zum Unheil prädestiniert. Eine großartige Leistung". Unter Peter Zadek spielte sie 1967 neben Bruno Ganz in Bremen die "Lady Macbeth", daneben etablierte sie sich schon früh als exzellente Filmschauspielerin.

Foto: © Werner Bethsold
Das Foto entstand 1987 während einer Hörspielproduktion.
Bereits Ende seit Ende der 1940er Jahre war Gisela Trowe auf der Leinwand zu sehen und spielte zwischen 1948 und 1957 mehrere tragende Rollen in Produktionen der DEFA. So war sie beispielsweise 1948 das junge Mädchen Erika, das in dem Drama "Straßenbekanntschaft"1) nach den Entbehrungen des Krieges Sehnsucht nach dem großen Leben verspürt und sich schließlich eine Krankheit zuzieht; im gleichen Jahr sah man sie als Christina Burman in dem Justizdrama "Affaire Blum"1): Hier spielte sie die Braut der Titelfigur und Mörders Karlheinz Gabler, die wesentlich zur Aufklärung des Falls beiträgt. 1951 wurde sie in "Die Verlorene"1) von Peter Lorre hingemeuchelt, als französische Patriotin Genevieve agierte sie 1956 in dem antifaschistischen Streifen "Damals in Paris" und ähnlich war 1957 ihre Rolle in M. Hellbergs "Wo Du hingehst", in dem sie als Schweizer Ärztin Thea Ricci zu sehen war → filmportal.de. Danach wurden ihre Parts ein wenig schwächer und erst im "Neuen Deutschen Film" erhielt Gisela Trowe wieder ihrem künstlerischen Niveau angemessene Rollen, wie 1969 in Werner Schroeters zweistündigem Experimentalfilm "Eika Katappa" → filmportal.de.

Ab den 1960er Jahren konzentrierte sich Gisela Trowe vermehrt auf ihre Arbeit beim Fernsehen, ihre TV-Filmografie bleibt beeindruckend. Schnell war sie vor allem mit Serien wie "Salto Mortale", "St. Pauli Landungsbrücken" oder Auftritten in "Derrick", "Sonderdezernat K1" oder "Großstadtrevier" zum Publikumsliebling avanciert. Man sah sie beispielsweise 1988 als jüdische Großmutter Recha Lehmberg in dem Mehrteiler "Die Bertinis"1), in der beliebten Familienserie "Der Landarzt"1) mimte sie ab 1987 über zehn Jahre lang die Gräfin Bea, in "Unser Lehrer Dr. Specht"1) agierte sie ab 1992 als Pensionswirtin  Pia Kleinholz und in der Familienserie "Der Millionenerbe"1) war sie ab 1990 neben Johannes Redlich alias Günter Pfitzmann dessen Mutter Katharina.
 

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Gisela Trowe 02; Copyright Virginia Shue
Immer wenn es galt, eine selbstbewusste, oft eigenwillig-bissige Seniorin zu besetzen, war Gisela Trowe gefragt. 2000 beeindruckte sie mit der Titelrolle der alten Charlotte Hoffmann neben Heinz Bennent, der den alten Hugo Wimmer verkörperte, in Rainer Kaufmanns vielschichtigem Liebesfilm "Kalt ist der Abendhauch"1) nach dem gleichnamigen Roman von Ingrid Noll. In der Romanze "Die Braut meines Freundes"2) zeigte sie sich 2001 als Irma Grüntal und in der "Tatort"-Folge "Schöner Sterben"3) mimte sie 2002 die behinderte Emma, Tante von Kommissarin Lena Odenthal. In jüngerer Zeit sah man "Coco", wie Gisela Trowe in Freundeskreisen genannt wurde, 2003 in der Dreiecksgeschichte "Ehespiele"2) als Mutter der Titelheldin Rike auf dem Bildschirm; ebenfalls 2003 wirkte sie unter anderem in Sigi Rothemunds TV-Thriller "Donna Leon – Venezianisches Finale"2) als alte Sängerin Clemenza mit und in dem ZDF-Melodram "Gestern gibt es nicht – Eine Liebe sucht ihren Weg" war sie die intrigante Mutter des Staatsanwalts Gerd Puttgammer alias Jan Niklas → www.presseportal.de. Anfang 2004 tauchte Gisela Trowe in der Liebeskomödie "Dann kamst Du"2) als Oma der Protagonistin und erfolgreichen Talk-Masterin Corinna (Katharina Böhm) auf. Eine herrliche Figur war auch die der eigenwilligen Pensionsbesitzerin Adele Auerwald, die in der rasanten Komödie "Finanzbeamte küsst man nicht"2) (2004) nur mit Hilfe des findigen Angestellten einer Steuerberatungskanzlei (Heio von Stetten) das in die Jahre gekommene Haus vor dem finanziellen Ruin retten kann. In der heiteren Geschichte "Herzlichen Glückwunsch"2) (2005) mimte sie dann eine Mutter, diesmal der Vera alias Gudrun Landgrebe, die an ihrem 50. Geburtstag allerlei Turbulenzen durchzustehen hat. Weitere Arbeiten vor der Kamera waren unter anderem Rollen in den TV-Serien "SOKO Köln", "Notruf Hafenkante", "In aller Freundschaft" und "SOKO Leipzig". Im April 2008 sah man die Schauspielerin als pflegebedürftige Mutter der lebenslustigen, unkonventionellen Ginger alias Katja Flint in der ARD-Tragikomödie "Mütter, Väter, Kinder"2). Gisela Trowe spielte die bettlägerige alte Dame großartig bissig und zeigte einmal mehr, dass gerade der eigenwillige Frauentyp ihre Stärke war.
Immer wieder zog es die inzwischen über 85-Jährige vor die Kamera, wenn auch in den letzten Jahren oft nur mit kleineren Auftritten. In dem sehenswerten NDR-Fernsehfilm "Ein Sommer mit Paul"2) mit Matthias Brandt als nicht gerade erfolgreichem Zauberkünstler Raimund Balsam und Max Schmuckert als 12-jährigem Paul in der Hauptrolle war sie ebenfalls auf dem Bildschirm präsent (EA: 14.01.2009). In der am 31. Oktober 2009 ausgestrahlten kriminalistisch angehauchte ARD-Romanze "Für immer Venedig"2), bei der auch der Humor nicht zu kurz kam, spielte sie an der Seite von Gaby Dohm und Christian Wolff eine Kunstliebhaberin. Gerade abgedreht hatte sie Peter Timms Tragikomödie "Liebe Mauer"2), die am 19. November 2009 an den bundesweiten Start ging, sowie den mit dem "Max Ophüls-Preis 2010" ausgezeichneten Kurzfilm "Endlich jetzt" von Jasper Beutin.
Gisela Trowe auf einer Fotografie der Hamburger Fotografin Elke Acimovic (1936 – 2009); Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Nichte bzw. Alleinerbin Minya Backenköhler; Copyright Elke Acimovic Auch als gefragte Synchronsprecherin machte sich Gisela Trowe einen Namen, so lieh sie beispielsweise so berühmten Kolleginnen wie Gina Lollobrigida, Anna Magnani, Simone Signoret und Danielle Darrieux ihre markant-rauchige Stimme. Für das Hörspiel engagierte sich Gisela Trowe ebenfalls seit Jahrzehnten sehr stark: Schon 1952 hörte man sie im NDR in Günter Eichs "Der Tiger Jussuf", 1998 beispielsweise sprach sie in "Die Exzentrische" von Matthias Zschokke. In jüngerer Zeit wirkte sie in dem WDR-Hörspielkrimi "Der untröstliche Witwer" nach einem Roman der französischen Bestsellerautorin Fred Vargas mit und sprach die geheimnisvolle Marthe, eine nette alte Dame mit pikanter "Vergangenheit". An weiteren Arbeiten sind beispielsweise Ken Folletts Roman "Die Säulen der Erde" oder die Erfolgsreihen "Die drei ???" und "Hui Buh" zu nennen.
  
Gisela Trowe starb am 5. April 2010 im Alter von 87 Jahren in Hamburg. Bis ins hohe Alter übernahm sie Aufgaben vor der Kamera, war eine der fleißigsten TV-Seniorinnen. Ihre letzte Fernsehrolle sollte die der betagten Dorfhebamme Fräulein Schröder in der ARD-Liebeskomödie "Der Duft von Holunder"1) werden; die Dreharbeiten in Hamburg und Umgebung hatten im Sommer 2009 begonnen, ausgestrahlt wurde die Romanze jedoch erstmals am 24. Juni 2011.
 
 
Gisela Trowe auf einer Fotografie der Hamburger Fotografin Elke Acimovic (1936 – 2009)
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Nichte bzw. Alleinerbin Minya Backenköhler
© Elke Acimovic
Im Jahre 2002 war die vielseitige, stets ein wenig fragil wirkende Charakterdarstellerin anlässlich ihres 80. Geburtstages vom Hamburger Senat mit der "Biermann-Ratjen-Medaille"1) für ihre künstlerischen Verdienste um die Hansestadt geehrt worden. Die zierliche Schauspielerin mit den leuchtend roten Haaren lebte seit 1970 in Hamburg und galt als lebenskluge, aber auch schlagfertig-charmante "Grande Dame" der deutschen Schauspielzunft.
Zwischen 1944 und 1964 war sie mit dem Regisseur Thomas Engel1) verheiratet; aus der Verbindung stammen die Töchter Angelika (geb. 1944) und Barbara (geb. 1945).
  
Link: 1) Wikipedia, 2) prisma.de, 3) tatort-fundus.de
Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de
Siehe auch Wikipedia sowie den Nachruf bei der F.A.Z.
Fotos bei film.virtual-history.com; Filmografie bei der
Internet Movie Database
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