| Hugo Lindinger |
| Hugo Lindinger wurde am 1. September 1911 im oberösterreichischen
Raab geboren. Gleich nach Abschluss seiner Schulzeit nahm er
Gesangsunterricht und arbeitete eine Zeitlang als Opernsänger. Später
wechselte er in das darstellende Fach, zu seinen Bühnenstationen zählen
unter anderem das "Deutsche Theater" in Göttingen, das "Düsseldorfer
Schauspielhaus",
das "Bayerische Staatsschauspiel" sowie verschiedene andere Theater in
München ("Kammerspiele", "Volkstheater", "Kleine Komödie"). Außerdem gehörte
Lindinger eine Zeitlang zum Ensemble des renommierten Wiener "Burgtheaters" und trat
bei den Salzburger Festspielen auf, war beispielsweise der "Dicke
Vetter" in der "Jedermann"-Aufführung von 1960; in den 80er Jahren
wirkte Lindinger
auch am Berliner "Schloßpark-Theater". Meist waren es prägnante, für ein Schauspiel unverzichtbare Randfiguren, die der Schauspieler auf der Bühne darstellte, neben klassischen Figuren wie beispielsweise dem Klosterbruder in Lessings "Nathan der Weise" trat Lindinger vor allem in Stücken von Nestroy und Raimund in Erscheinung und bewies immer wieder sein komödiantisches Talent. So unter anderem als der zu Grunde gegangene Rentier Herr von Rauchengeld in Nestroys Posse "Die beiden Nachtwandler" ("Münchner Kammerspiele", 1973/74) oder als hartherziger wohlhabender Bierversilberer Spund in "Der Talisman" ("Schloßpark-Theater§, 1985/86). In Raimunds romantisch-komischem Märchen "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" glänzte der Schauspieler mit der unverwechselbar-massigen Gestalt 1976/77 an den "Münchner Kammerspielen" als Diener Habakuk, weitere schöne Rollen waren beispielsweise der souverän lavierende Monsignore Rosentreter in Hochhuths satirischer Komödie "Die Hebamme" oder der Baron Barrenkrona in Georg Kaisers Lustspiel "Kolportage" um nur einige der vielen Stücke zu nennen. Eine von Lindingers letzen Rollen war der Wirt in der Uraufführung von Thomas Bernhards "Der Theatermacher" in einer Inszenierung von Claus Peymann bei den Salzburger Festspielen 1985. "Seine Nebenrollen arbeitete er zu Glanzrollen, ja zu Hauptfiguren aus. Diese Arbeit schien ihm nicht die geringste Mühe zu machen: er gehörte zu jenen Schauspielern, die nur dazusein brauchen, um zu wirken. Gewiss halfen ihm dabei seine unübersehbare Figur und sein massiges Doppelkinn, doch war er nicht das, was man abschätzig einen "Bauchschauspieler" nennt. Seine Korpulenz war nur eine Zugabe zu seiner Seelenzartheit, mit der er seine Zuschauer rührte und zugleich lachen ließ. Hugo Lindinger war ein Volksschauspieler, wenn man unter 'Volk' das Publikum Shakespeares, Raimunds und Nestroys versteht. Thomas Bernhardt schrieb ihm den Wirt in seinem "Theatermacher" auf den massigen und beseelten Leib" war in der FAZ am 12.1.1988 in einem Nachruf anlässlich des Todes von Hugo Lindinger am 10. Januar 1988 zu lesen. Auch im Film und im Fernsehen waren es hauptsächlich die prägnanten Nebenfiguren, mit denen Lindinger in nachhaltiger Erinnerung geblieben ist. Erste Erfahrungen vor der Kamera hatte er Ende der 1940er Jahre in Streifen wie "Maresi" (1948) oder "Die Liebesprobe" (1949) gesammelt, in den 1950er Jahren folgten Kinoproduktionen wie "Der Angeklagte hat das Wort" (1950), "Hochzeit im Heu" (1951), "Hokuspokus" (1953), "Vater, unser bestes Stück" (1957), "Der Graf von Luxemburg" (1957), "Der Stern von Santa Clara" (1958) oder "Melodie und Rhythmus" (1959), in denen Lindinger mit leicht lispelnder, wienerisch gefärbter Sprache Bauern, Bürgermeister, Kutscher, Gerichtsvollzieher oder sonstige skurrile Personen mimte. In Werner Jacobs Klamauk "Münchhausen in Afrika"1) (1957, mit Peter Alexander) agierte er beispielsweise als dickbauchiger Negerhäuptling, als Schatzgräber tauchte er in Kurt Wilhelms Operettenverfilmung "Der Zigeunerbaron" (1962) auf oder war als Förster in dem Heintje-Streifen "Morgen fällt die Schule aus"1) (1971) zu sehen. Weitere Arbeiten für das Kino waren unter anderem das Lustspiel "Die Pfarrhauskomödie" (1972, nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Heinrich Lautensack) und die Rolle des Hochwürden Achaz, der unter Verdacht steht, er habe es mit dem Zölibat nicht ernst genommen eine Rolle, die Lindinger auch auf der Bühne verkörpert hatte. Zuletzt erlebte man ihn als Butler Jakob, der in "Meister Eder und sein Pumuckl" sowohl in der Serie als auch in dem Kinofilm (1982 im Auftrag seiner gräflichen Herrin (Giesela Uhlen) mehrfach die Schreinerwerkstatt von Franz Eder (Gustl Bayrhammer) aufsucht und sich in nicht grade netter Form über Kobolde äußert was ihm Pumuckl bald heimzahlt. Auf dem Bildschirm zeigte sich Hugo Lindinger nur sporadisch, neben Theateraufzeichnungen waren es Operettenverfilmungen wie "Eine Nacht in Venedig" (1962) von Johann Strauß, Fernsehspiele wie "Am Herzen kann man sich nicht kratzen" (1963)" oder Literatur-Adaptionen wie die Mantel- und Degenkomödie von Lope de Vega "Der Ritter vom Mirakel" (1966). In "Die Überführung" (1976), welche der Autor Georg Lohmeier als "Die feuchte Ballade einer Freundschaft aus den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg" bezeichnet hat, mimte er in der Reihe "Komödienstadl" einen Sanitätsrat, zuletzt erlebten ihn die Fernsehzuschauer als Pfarrer Kneipp in den 13-teiligen "Kneippiaden" von Georg Lohmeier "Heiße Wickel kalte Güsse"2) (1984)". Hugo Lindinger, der sich vor allem als liebenswerter Komiker einen Namen gemacht hat, starb am 10. Januar 1988 im Alter von 76 Jahren in Wien; seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof Maxglan in Salzburg. Er war verheiratet und hatte München zu seiner Wahlheimat gemacht; sein Sohn Florian starb 1982. |
| Link: 1) Wikipedia, 2) fernsehserien.de |
| Siehe auch Wikipedia; Filmografie bei www.imdb.de |
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