Gerda Gmelin wurde am 23. Juni 1919 als Tochter des Schauspielers und Theatergründers Helmuth Gmelin1) (1891 – 1959) in Braunschweig1) geboren. Schon mit sieben Jahren gab sie als Ballettelevin ihr Debüt, als Schülerin stand sie mit 15 Jahren auf der Theaterbühne, begann dann 1937 an der Schule des "Deutschen Schauspielhauses"1) in Hamburg eine Ausbildung, die zwei Jahre später beendete. Ein erstes Engagement erhielt Gerda Gmelin am "Theater Koblenz"1), anschließend wirkte sie an verschiedenen Bühnen in ganz Deutschland.
Nach dem 2. Weltkrieg kehrte Gerda Gmelin in die Hansestadt zurück, wo ihr Vater am 24. März 1948 in einer Mietwohnung in Harvestehude1) bzw. in einer zwanglosen, privaten Umgebung das "Theater im Zimmer"1) gegründet hatte. 1952 zog das Theater aus Platzgründen in eine klassizistische Villa im Hamburger Stadtteil Pöseldorf1) (Alsterchaussee 30) um → Foto bei Wikimedia Commons. Mitte der 1950er Jahre holte Gmelin seine Tochter mit den beiden Söhnen zu sich, und Gerda und lernte den Theaterbetrieb intensiv kennen, war anfangs unter anderem Regieassistentin, Requisiteuse, Souffleuse, Tonmeisterin, Inspizientin – alles, was so anfiel. Der Satz ihres Vaters "Gerdachen macht das schon" wird häufig zitiert. 1959 übernahm Gerda Gmelin nach dem Tod ihres Vaters die Leitung und führte das Theater 40 Jahre lang, bis sie die Bühne im Mai 1999 wegen sinkender Zuschauerzahlen bzw. Streichung der jährlichen Subventionen durch die Kulturbehörde des Hamburger Senats schließen musste. Das Theater zeichnete sich vor allem durch avantgardistische sowie zeitkritische Spielpläne aus und Gmelins Mut zum Experiment beeindruckte auch überregional die Kritiker. Stücke von Eugene Ionesco1), Harold Pinter1) oder Franz Xaver Kroetz1) wurden in ihrem Theater erstmalig in Deutschland aufgeführt und so prägte Gerda Gmelin nicht nur die Hamburger Kulturszene maßgeblich mit. Unter anderem erregte sie 1967 mit dem von Hans Neuenfels1) in Szene gesetzten Brecht-Drama "Baal"1) auch bundesweit Aufsehen → www.zeit.de.
Berühmte Schauspieler wie Ulrich Wildgruber und Boy Gobert oder auch Regisseure wie Hans Neuenfels und Günther Rennert1) begannen ihre Karriere an Gmelins Theater, Musiker und Kabarettisten wie Udo Lindenberg1), Otto Waalkes1) oder Hans Scheibner1) traten bei ihr auf. 

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Gerda Gmelin 01; Copyright Virginia Shue
Gerda Gmelin 02; Copyright Virginia Shue Gmelin selbst überzeugte immer wieder als Regisseurin sowie durch herausragende schauspielerische Leistungen; eine ihrer Glanzrollen war der große Monolog der Magd Zerline in "Erzählung der Magd Zerline" nach einem Kapitel des Roman "Die Schuldlosen"1) von Hermann Broch1). Mehrfach brillierte sie in "Hosenrollen", unter anderem 1984 anlässlich ihres 50-jährigen Bühnenjubiläum mit der Titelrolle in "Der Hausmeister"1) von Harold Pinter, 1990 als Mephisto in Goethes "Urfaust"1) und 1994 als Argan in Molières "Der eingebildete Kranke"1).
Nach der Schließung ihrer Bühne trat die nur 1,58 Meter große Künstlerin mit dem bärbeißigen Humor und dem weißen Zopf unter anderem im Herbst 1999 als Maude in "Harold und Maude" nach der schwarzen Komödie von Colin Higgins1), gemeinsam mit Mathias Schlung1) am Hamburger "Ernst Deutsch Theater"1) auf und beeindruckte in der Inszenierung von Hellmuth Matiasek1) Publikum und Kritiker. Mehrfach erlebte man sie an anderen Hamburger Privattheatern, ihre letzte im Dezember 2002 in der "Komödie Winterhuder Fährhaus"1) gestaltete Rolle der Winnie in dem Schauspiel "Glückliche Tage"1) von Samuel Beckett1) war eine ihrer Lieblingsrollen.
  
Einem breiten Publikum wurde die markante Künstlerin ab Mitte der 1950er Jahre durch ihre Rollen in zahlreichen Fernsehspielen bekannt. Meist verkörperte sie – nicht ohne eine gehörige Portion Humor –  ein wenig schroffe, schnodderige und respektlose Frauenfiguren, so beispielsweise 1988 die Nachbarin Fräulein Neiter in der fünfteiligen Verfilmung von Ralph Giordanos Roman "Die Bertinis"1). Man sah sie in etlichen "Tatort"-Folgen und zwischen 1987 und 2004 spielte sie in der beliebten ZDF-Serie "Der Landarzt"1) als  Berta Rogalla mit; zuerst bei Landarzt Dr. Karsten Mattiesen (Christian Quadflieg) an der Seite von Evelyn Hamann (Thea&nsp;Knoll), später dann bei dessen Nachfolger Dr. Uli Teschner (Walter Plathe) mit Eva Maria Bauer (Hilde Sellmann) als die "Klatschtanten von Deekelsen". 
 
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Unvergessen bleibt sie auch in der Sketchreihe von und mit "Loriot", wo sie in der legendären Geschichte "Kosakenzipfel"1) (1978) Loriots Ehefrau Roswitha Pröhl mimte. In Loriots Kultfilm "Pappa ante portas"1) (1991) hatte sie ebenfalls einen Auftritt und war in der Schlusssequenz (Geburtstagsgesellschaft) die Oma Jensen, resolutes Geburtstagskind und Mutter von Renate Lohse (Evelyn Hamann) → Übersicht Filmografie
 
Die Schauspielerin, Regisseurin und ehemalige Theaterleiterin Gerda Gmelin, die in ihren letzten Lebensjahren nahezu erblindet war, starb am 14. April 2003 nach schwerer Krankheit 83-jährig im "Israelitischen Krankenhaus"1) in Hamburg; sie wurde im musealen Teil des "Garten der Frauen"1) auf dem Ohlsdorfer Friedhof1) beigesetzt. "Festina Lente – Eile mit Weile" lautet die Inschrift auf dem schlichten Grabstein → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons.

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Gerda Gmelin 03; Copyright Virginia Shue
Annähernd achtzig Jahre stand die "große alte Dame" des Theaters auf der Bühne und erhielt für ihre Leistungen zahlreiche Auszeichnungen: So 1983 die "Biermann-Ratjen-Medaille"1), 1988 den Ehrenpreis "Silberne Maske"1) der "Hamburger Volksbühne"1) und 1989 die "Medaille für Kunst und Wissenschaft" des Hamburger Senats. 1994 konnte sie den "Max-Brauer-Preis"1) entgegennehmen, seit 1993 vergeben an Personen, Einrichtungen oder Vereine, die sich in Hamburg um das kulturelle, wissenschaftliche oder gesellschaftliche Leben verdient gemacht haben.

Über Gmelins Privatleben ist nur bekannt, dass sie kurzzeitig mit dem Schauspieler Leo Masuth verheiratet war, dessen Namen sie nach der Scheidung im Jahre 1958 ablegte, um wieder ihren Geburtsnamen anzunehmen; die beiden Söhne Matthias und Christian Masuth zog sie alleine auf. Der ältere Sohn, Christian Masuth († März 2012), war bis zur (vorläufigen) Schließung im Mai 1999 längere Zeit Geschäftsführer des "Theaters im Zimmer", machte sich zudem dort als Bühnenbildner einen Namen.2). Zuvor war er lange zur See gefahren und, nachdem seine Mutter aufgrund eines schweren Unfalls Ende der 1960er Jahre kürzer treten musste, nach Hamburg zurückgekehrt, um diese zu unterstützen.
In der Hamburg HafenCity1) erinnert seit 2013 der "Gerda-Gmelin-Platz" an die couragierte und kompromisslose Theater-Prinzipalin und exzellente Schauspielerin.
Siehe auch Wikipedia sowie den Nachruf bei spiegel.de
Fremde Links: 1) Wikipedia
2) Quelle: Artikel  von Christian Masuth bei www.hamburg.de
     
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia, filmportal.de, Die Krimihomepage, fernsehserien.de, deutsches-filmhaus.de)
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