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Erst nach Kriegsende konnte Berger seine Schauspieler-Pläne verwirklichen, ein
erstes Engagement erhielt der ehrgeizige junge Mann 1947 ebenso wie der noch
unbekannte Gustl Bayrhammer1) am
"Fürstlichen Hoftheater Sigmaringen", 1948 folgte er einem
Ruf an die Bühnen der Stadt Bielefeld, wo er bis 1964 wirkte. Dann wechselte er für drei Jahre an das
von von Ernst Dietz geleitete "Nationaltheater Mannheim", 1967 ging er zu Boleslaw Barlog
an die "Staatlichen Schauspielbühnen Berlin" und spielte dort für die
nächsten fünf Jahre Theater. Seit 1972 gehörte Berger zum Ensemble des
"Bayerischen Staatsschauspiels München",
daneben gab er Gastspiele, trat unter anderem bei den Salzburger Festspielen,
den "Luisenburg-Festspielen" in Wunsiedel und an der "Kleinen Komödie"
in München auf.
Foto: Toni Berger als knickriger Wirt Bonifaz Hofer
in dem "Komödienstadel"-Stück "Bonifaz, der Orgelstifter" (1997)
Foto (Bildname: 11973-34-02) zur Verfügung gestellt vom
Bayerischen Rundfunk (BR)
© BR/Foto Robert Mayer; Link: www.br.de |
Bergers Rollenrepertoire war breit gefächert, in den frühen Jahren
verkörperte der Vollblutmime viele klassische Bühnenfiguren, gab den
Kleistschen
"Prinz Friedrich von Homburg" ebenso eindrucksvolle Kontur wie dem
Argan in
Molières
"Der eingebildete Kranke", dem Marquis Posa in Schillers
"Don Carlos"
oder dem Prinz von Guastalla in Lessings "Emilia Galotti". Dazu
kamen neben Auftritten in Operetten und Musicals und moderne
Rolleninterpretationen wie der Theobald Maske in Sternheims
"Die Hose" (Nationaltheater Mannheim), in Berlin glänzte er
beispielsweise in Inszenierungen von Boleslaw Barlog in Shaws "Haus Herzenstod"
an der Seite von Bernhard Minetti und in Zuckmayers "Des Teufels General"
neben Carl Raddatz.
Mit den Jahren wurden Volksstücke von Ludwig Thoma oder Nestroy
Bergers Domäne, man erlebte ihn unter anderem am "Bayerischen Staatsschauspiel" in
den Thoma-Stücken "Erster Klasse", "Waldfrieden" und "Das Säuglingsheim"
sowie in Nestroys "Der Zerrissene", seinen größten Erfolg
feierte er jedoch als genialer "Boandlkramer" (bayerische
Bezeichnung für "Tod") in dem Theater-Klassiker
"Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben"2) von Franz von Kobell,
eine Rolle, die Berger mehr als 1.000 Mal verkörperte und in der man ihn 1975 auch im Fernsehen erlebte.
"Über tausend Mal hat er den "bayerischen
Tod" mit seinen nur allzu menschlichen Schwächen verkörpert eine Rolle, mit der er
nicht nur die Herzen des Publikums eroberte. Mit seiner herrlich-himmlischen, ja geradezu genialen Darstellung des
"Boandlkramers" hat Toni Berger schon zu Lebzeiten ein Stück Theatergeschichte geschrieben."3)
Bergers eindrucksvolle Leistung, aber auch sein langjähriges herausragendes künstlerisches Wirken
wurde im September 1996 durch den Bayerischen Kultusminister Zehetmair mit
der Verdienstmedaille "PRO MERITIS" gewürdigt.
Seine letzten Auftritte hatte Berger im Dezember 2004 mit der Ludwig-Thoma-Lesung
"Die Heilige Nacht" und am 19. Januar 2005 in dem auf Wochen hinaus ausverkauften Liederabend
"Kein schöner Land" von Franz Wittenbrink in den "Münchner
Kammerspielen".4)
Nicht zuletzt durch das Fernsehen wurde der Schauspieler bundesweit zum
Publikumsliebling, seit Anfang der 1970er Jahre übernahm er vermehrt Aufgaben
vor der Kamera. Auch hier waren es meist Fernsehspiele und Theateraufzeichnungen mit bayerischen
Kolorit, zu denen wiederum markante Haupt- und Nebenrollen in
Komödien von Georg Lohmeier wie "Die Überführung" (1979)
oder Ludwig Thoma-Stücke
wie "Der Alte Feinschmecker" (1978), "Der
Ruepp" (1979), "Moral" (1979) und "Der Millionenschuster" (1980) gehörten,
die Kurt Wilhelm inszeniert hatte. Im "Komödienstadl" war
Berger neben Kollegen wie Max Griesser, Gustl Bayerhammer und Maxl Graf
Dauergast, ebenso wie in der Reihe "Münchner Geschichten", mit
Titelrollen wie dem "Gutmütigen Grantler" Sebastian Scharonter
in Leopold Ahlsens gleichnamigen Volksstück (1982) spielte er
sich in die Herzen der Zuschauer.
Foto: Toni Berger als Großbauer Georg Furtwängler
mit Kathi Leitner (Furtwänglers Ehefrau Theres) in dem
"Komödienstadel"-Stück "Das liebe Geld" (2000)
Foto (Bildname: 11973-56-03) zur Verfügung gestellt vom
Bayerischen Rundfunk (BR)
© BR/Foto Sessner; Link: Wikipedia; www.br.de
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In vielen populären Serien gehörte Toni Berger zum festen Bestandteil
in der Fernsehlandschaft, neben Jörg Hube spielte er in "Der
Gerichtsvollzieher" (1981), mit Uschi Glas und Elmar Wepper
in "Unsere schönsten Jahre"2) (1983)
und mit Gustl Bayrhammer in "Franz Xaver Brunnmayr" (1984).
Zur Serien-Filmografie zählen weiterhin Kult-Reihen wie "Irgendwie und sowieso"2) (1986)
mit Ottfried Fischer in der Hauptrolle des "Sir Quickly"
Alfons Kerschbaumer, sowie "Kir Royal"2) (1986),
"Zwei Münchner in Hamburg"2)
(mit Unterbrechungen ab 1989), "Heidi und Erni"2)
(1990 bis 1993), "Anna
Maria – Eine Frau geht ihren Weg"2) (1994,
mit Uschi Glas) und "Tierarzt Dr. Engel"2) (1998).
Unvergessen bleibt sein kauziger "Kometen-Sepp" in der BR-Serie
"Zur
Freiheit"2) (1987). Eine schöne Dauerrolle wurde
ab 1982 der Mechanikermeister Toni Schmitt in "Meister Eder und sein Pumuckl"2),
den Berger bis 1985 mimte, ebenso wie ab 1989 die des Pater
Ignatius in dem Quotenrenner "Forsthaus
Falkenau"2), eine Figur, die Toni Berger bis zu
seinem Tod verkörperte.
In beliebten Krimi-Reihen wie "Der Kommissar", "Der
Alte", "Derrick" und "Polizeiinspektion 1" tauchte
er mehrfach auf, im "Tatort" (u.a. 1982: Tod auf dem Rastplatz;
1989: Bier vom Fass) war ebenso vertreten wie beim "Bullen von Tölz"
(1996, Unter Freunden).
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Die Einzelproduktionen, für die Toni Berger im Verlaufe seiner Karriere vor
der Kamera stand, lassen sich kaum alle aufzählen, zu nennen sind etwa
Franz Seitz' Biografie "Flammenzeichen: Das Leben des Jesuitenpaters Rupert Mayer" (1985),
verschiedene "Komödienstadl"-Aufführungen wie Wilm ten Haafs
"Bilder machen Leute" (1991)
nach der Komödie von Erwin Kreker "Frau Sperlings Raritätenladen" mit
Erni Singerl als Partnerin, das von Wolf Dietrich
inszenierte Fritz Eckhardt-Stück "Minister
gesucht"5) (1996)
neben Gerd Fitz, oder die Rolle des Staatsanwalt von Spannagl in
Neureuthers Heinrich Spoerl-Adaption "Der
Maulkorb" (1997). In nachhaltiger Erinnerung bleibt Berger auch
als geiziger Bonifaz Hofer in "Bonifaz, der Orgelstifter"5) (1997)
oder mit der Titelrolle in Neureuthers "Der Verkaufte Großvater"5) (1998).
Foto: Toni Berger als Wirt Bonifaz Hofer mit Kathi Leitner
(Hofers Ehefrau Traudl)
in dem "Komödienstadel"-Stück "Bonifaz, der Orgelstifter" (1997)
Foto (Bildname: 11973-34-04) zur Verfügung gestellt vom
Bayerischen Rundfunk (BR)
© BR/Foto Robert Mayer; Link: Wikipedia; www.br.de
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Als Prinzregent Ludwig erlebte man ihn in dem Lustspiel "Der
Leberkasbaron"4) (1999), unter der Regie von Peter Weissflog agierte er
herrlich als Großbauer Georg Furtwängler, der in "Das
liebe Geld"5) (2001) mit einer List seinem Sohn zur
ersehnten Liebesheirat verhilft. Eine weitere "Komödienstadl"-Hauptrolle spielte Berger unter
anderem in "Die Jacobi-Verschwörung"5) (2001),
zuletzt zeigte er sich Heiligabend 2003 als Pfarrer Casimir Daxenbichler in
dem Stück "Das
Attenhamer Christkindl"5).
Zu Toni Bergers letzten Arbeiten für das Fernsehen zählen die Romanze
"Sommerwind" (2001), das Melodram "Franz und Anna" (2002)
sowie der Pilotfilm der Reihe "Zwei am großen See"2) (2004), wo er
als Justus Haslinger zu sehen war.
Auch in einigen Kinoproduktionen wirkte der sympathische Schauspieler mit,
so in Harald Reinls Abenteuerstreifen "Der Schrei der schwarzen Wölfe"2) (1972),
Ingmar Bergman gab ihm die Rolle des Mr. Rosenberg in "The Serpent's Egg"2)
(1977, Das Schlangenei) und Helmut Dietl besetzte ihn in der Komödie
"Der Durchdreher" (1979). Weitere Filmauftritte hatte Berger in Ingmar Bergmans
"Aus dem Leben der Marionetten"2) (1980),
in Franz Seitz' "Doktor Faustus" (1982)
und in Dieter Pröttels "Seitenstechen" (1985). Auch in der
Kinoversion von "Meister Eder und sein Pumuckl" (1982)
mimte er den Mechanikermeister Schmitt, mit Marianne Sägebrecht
drehte er die Komödie "Zuckerbaby"2) (1985), in dem Kinderfilm
"Hatschipuh"2) (1987) mimte er den Opa Anton, der als einziger
Kenntnis von geheimnisvollen, meist unsichtbaren Geistern in seinem Dorf
hat. Ein Jahr später wirkte er in Frank Streckers "Anna Der Film" (1988) mit,
1991 sah man ihn in Franz Seitz ' "Erfolg" nach dem
Roman von Lion Feuchtwanger, die letzte Leinwandrolle war die des "Hundhammer"
in Franz Xaver Bogners "Madame Bäurin"2) (1993) nach dem Roman von Lena Christ.
Seine Lebenserinnerungen veröffentlichte der "Grandseigneur des bayerischen Komödienspiels"
unter dem Titel "Nichts wird dir geschenkt im Leben" und erzählt
darin unter anderem von seinen Anfängen als Schauspieler, seinen
"Lehrjahren" durch die Provinz bis hin zum gefeierten
Volksschauspieler und Charakterdarsteller.
Der 1972 zum " Bayerischen Staatsschauspieler" ernannte Toni
Berger starb am 29. Januar 2005 im Alter von 83 Jahren im Münchner
Stadtteil Moosach. Er war tot in seiner Wohnung aufgefunden worden, die
letzte Ruhestätte fand er auf dem Münchener Ostfriedhof.
Viele Persönlichkeiten würdigten in Nachrufen die Leistung des Ur-Bayern
Toni Berger; Bayerns damaliger Ministerpräsident Edmund Stoiber sagte unter anderem
"Toni Berger war einer der großen Volksschauspieler, der sich mit seinem hintergründigen
Humor in die Herzen der Menschen gespielt
hat. (
) Mit seiner grandiosen Schauspielkunst und vor allem mit seiner Paraderolle als
'Boandlkramer' wird Berger unvergessen bleiben." Der Intendant der
"Münchner Kammerspiele", Frank Baumbauer,
bezeichnete den Tod Bergers als "riesigen Verlust für die Münchner Theater
und einen sehr trauriger Moment für München".
Im Münchener Stadtbezirk Aubing-Lochhausen-Langwied erinnert seit 2007 die
"Toni-Berger-Straße" an den beliebten Volksschauspieler.
Toni Berger, der sein Privatleben stets vor der Öffentlichkeit abzuschirmen
wusste, war verheiratet und Vater einer Tochter.
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