Omar Sharif und Gad Elmaleh anlässlich der César-Verleihung 2005; Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Georges Biard; Lizenz CC-BY-SA 3.0. Omar Sharif  wurde am 10. April 1932 als Maechel Shalhoub in Alexandria (Ägypten) geboren. Sein Vater war ein reicher Holzimporteur syrisch-libanesischer Abstammung und christlichen Glaubens; als Sharif vier Jahre alt war, zog die Familie nach Kairo, wo er später das Gymnasium und das British Victoria College besuchte. Schon während seines Studiums an dem englischsprachigen "Victoria College" in Kairo interessierte er sich für die Schauspielerei. Er betätigte sich als Darsteller und Regisseur bei einer Amateur-Theatergruppe, trat dann jedoch zunächst in das Geschäft seines Vaters ein, bewarb sich aber bereits ein Jahr später um die Aufnahme an der "Royal Academy of Dramatic Arts" in London. Während er noch auf Antwort wartete, lernte er den ägyptischen Regisseur Jussef Shahine kennen, der ihm 1953 die Hauptrolle in seinem Film "The Blazing Sun" anbot. Der Film wurde in Ägypten ein durchschlagender Erfolg und Sharif, noch unter dem Namen "Umar ash-Sharif" (Omar el Cherif) über Nacht ein Star.
 
 
Foto: Omar Sharif und der Schauspieler Gad Elmaleh1) anlässlich der César-Verleihung 2005
Quelle: Wikimedia Commons;
Urheber: Georges Biard;  Lizenz CC-BY-SA 3.0.
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Dann nahm er den Namen Omar El-Sharif an, konvertierte vom Katholizismus zum Islam, heiratete 1955 den populären ägyptischen Filmstar Faten Hamama und stand mit seiner Frau gemeinsam vor der Kamera. Über 20 weitere Filme in seiner Heimat folgten, aufgrund seines blendenden Aussehens entwickelte er sich rasch zum Publikumsliebling und zu einem der beliebtesten Schauspieler der arabischen Länder. 1962 kam dann der internationale Durchbruch, David Lean verpflichtete ihn für sein monumentales Wüstenepos "Lawrence von Arabien"1) (Lawrence of Arabia) mit Peter O'Toole in der Titelrolle. Für die Figur des gerechtigkeitsliebenden Beduinen Sherif Ali erhielt der junge Schauspieler eine Oscar-Nominierung und konnte sich daraufhin vor Angeboten aus Hollywood kaum retten. Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte er drei Jahre später – wieder unter der Regie von David Lean – als "Doktor Schiwago"1) (Doctor Zhivago2)). Der Film nach dem Roman des Nobelpreisträgers Boris Pasternak war zwar eine Aneinanderreihung schwülstiger Bilder, aber diese waren lyrisch wie dramatisch von erlesener Qualität und wurde zu einem mit fünf Oscars ausgezeichneten Klassiker.
Schon bald war Omar Sharif auf die Rolle des heißblütigen, orientalischen Liebhabers und verführerischen Casanovas festgelegt. Er spielte als spanischer Prinz Rodrigo zusammen mit Sophia Loren in dem Liebesmärchen "Schöne Isabella"
2) (1966/67, C'era una volta), 1968 mit Cathérine Deneuve in "Mayerling"3) den unglücklichen Erzherzog Rudolf von Österreich und im gleichen Jahr mit Barbra Streisand in William Wylers Musicalverfilmung "Funny Girl"1) als deren Ehemann; auch in der Fortsetzung "Funny Lady"1) (1975) von Regisseur Herbert Ross war Omar Sharif mit von der Partie. 1970 agierte er in John Frankenheimers Abenteuer "Die Steppenreiter"2) (The Horsemen), in Blake Edwards romantischem Agentendrama "Die Frucht des Tropenbaums" (1974, The Tamarind Seed) mimte er einen russischen Militärattaché in Liebesnöten, in Richard Lesters Bomben-Thriller "18 Stunden bis zur Ewigkeit"1) (1974, Juggernaut) den überforderten Kapitän eines bedrohten Luxusliners.

Wegen seiner Filmszenen mit Barbra Streisand wurde der Schauspieler in von arabischen Welt angefeindet. Zu einem Zeitpunkt in dem das Verhältnis zwischen Ägypten und Israel mehr als angespannt war und schließlich im 6 Tage Krieg eskalierte, sorgte die Filmromanze "Funny Girl" zwischen einer Jüdin und einem Ägypter für heftige Proteste. Zeitungen druckten Fotos mit Kuss-Szenen und Omar Sharif wurde in arabischen Ländern als Verräter beschimpft. Er verkaufte sein Haus in Ägypten, um sich ganz in Hollywood anzusiedeln. Sein Jugendtraum, jemand zu sein, über den die Welt redet, hatte sich erfüllt. Die Zuschauer, vor allem die Frauen, liebten ihn.
Sein Leben blieb jedoch unerfüllt, durch seine US-Karriere entfremdete er sich von seiner Frau und Kollegin Faten Hammama und ließ sich 1974 schließlich scheiden. Aus dieser Ehe stammt sein Sohn Tarek (geb. 1957), der in "Doktor Schiwago" seinen Vater als kleines Kind verkörpert. Faten sei die einzige Frau gewesen, die er jemals geliebt habe, äußerte Omar Sharif 1995 gegenüber der Zeitschrift "News". Dabei soll der Schauspieler viele Affären und Romanzen gehabt haben: Barbra Streisand, Sophia Loren, Ingrid Bergman, Anouk Aimée – die Liste ist lang. Doch als Gentleman plauderte er nie über seine Eroberungen, sondern sagte, er wünsche sich, dass nur 10 Prozent aller vermeintlichen Affären wahr gewesen wären. Zu einer dauerhaften Bindung kam es nach seiner Scheidung jedoch nicht mehr. Eine angeblich nur fünf Minuten dauernde Affäre mit der italienischen Journalistin Paola de Luca bescherte ihm 1971 seinen unehelichen Sohn Ruben, zu dem er laut Presseberichten kaum Kontakt pflegt.

Omar Sharif, der einzige ägyptische Filmschauspieler, der international berühmt wurde, hat unzählige Rollen gespielt: er war Zar, Maharadscha, Gentleman, Playboy und Revolutionär, aber an seinen "Schiwago"-Erfolg konnte er nie wieder anknüpfen. Um seinen luxuriösen Lebenswandel und vor allem seine Spielleidenschaft finanzieren zu können, übernahm der charismatische Mime in den 70er Jahren auch immer häufiger Rollen in belanglosen B-Filmen, um. Die Liebe zum Spiel hatte seine Mutter in ihm geweckt, als sie ihm das Bridgespielen beibrachte und 1973 wurde Sharif sogar Weltmeister im Bridgespiel. Im Laufe seines Lebens soll der Schauspieler etwa 12 Millionen Dollar in den Casinos dieser Welt verloren haben; in nur sechs Stunden angeblich die halbe Million Dollar Gage für seinen Film "Dämonen".
Sein aufwendiges Leben kostete ihn sein ganzes Vermögen, so dass er in den 80ern auch vor Fernsehwerbung nicht zurückschreckte. Aber er trat auch in dem TV-Mehrteiler "Palast der Winde" auf und war 1987 Moderator der TV-Show "Play Bridge with Omar Sharif".
Erst 1990 wirkte er wieder in einem anspruchsvolleren, epischen Kinofilm mit: "Land der schwarzen Sonne". In den letzten Jahren wurden Omar Sharif nur wenige kleinere Rollen angeboten – er nimmt sie an, wenn er Lust hat und um etwas Geld zu verdienen. Eine seiner vorerst zuletzt beachteten Rollen war 1999 in "Der dreizehnte Krieger" neben Latin Lover Antonio Banderas, der dem jungen Sharif auffallend ähnlich sieht.

Lange Zeit blieb von dem einstigen Glanz wenig übrig, Sharif lebte zurückgezogen, gesundheitlich angeschlagen und fast arm, zumindest wenn man sein heutiges Vermögen mit dem von früher vergleicht, in Kairo; in seinem Appartement in Paris verbrachte er nur noch wenig Zeit. Er verspielte Unsummen, noch im Herbst 2003 soll er aus einem Pariser Casino geworfen worden sein, wie in der Presse zu lesen war.
Dem Casanova von einst scheinen Frauen gleichgültig geworden zu sein. Er lebt gesünder – das Rauchen hat er sich abgewöhnt – nachdem er sich 1993 einer schweren Herzoperation unterziehen musste; im Mai 1994 war erneut nach fünf Stunden am Bridge-Tisch zusammengebrochen und musste eine Woche im Krankenhaus verbringen.
Mit dem Bridgespiel finanzierte er zum Teil seinen Lebensunterhalt. Bridge-Bücher und -Spiele wurden mit ihm vermarktet, seine Spiel-Kolumnen erschienen regelmäßig in den Zeitungen, auf Turnieren winkten ihm große Gewinne und er wurde oft als Zugpferd zu Spielveranstaltungen eingeladen. Seine Freunde waren nicht mehr bekannte Hollywood-Stars, sondern Rennpferd-Trainer, Jockeys, Spieler.
Obwohl Sharif sich fast vollkommen von der Leinwand zurückzog und nur noch spielte, "um nicht müde zu werden", gilt er noch immer als eine der Filmlegenden, die in einem Atemzug mit dem unsterblichen Rudolpho Valentino genannt werden.  

Im Sommer 2003 feierte der ehemalige Weltstar Omar Sharif in dem märchenhaften Sozialdrama "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran"1) (Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran2)) ein glänzendes Comeback auf der Leinwand. In der Verfilmung des Bestsellers von Eric-Emmanuel Schmitt, der Ende März 2004 auch in die deutschen Kinos kam, verkörpert Sharif unter der Regie des Franzosen Francois Dupeyron den weisen muslimischen Ladenbesitzer Ibrahim, der im Paris der späten fünfziger Jahre Freundschaft mit einem 13-jährigen jüdischen Jungen aus der Nachbarschaft schließt und diesen mit den Geheimnissen des Lebens bekannt macht. 
  
Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran; 01 Copyright Einhorn-Film

Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran; 02 Copyright Einhorn-Film

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Einhorn-Film
© Einhorn-Film/Weltlichtspiele Kino GmbH

Der junge Moise alias Pierre Boulanger lebt mit seinem alleinerziehenden Vater, gespielt von Gilbert Melki, in der Rue Blue im Araberviertel von Paris. Obwohl erst 13 Jahre alt, kümmert sich der Junge um den Haushalt und kocht für den depressiven Vater. Seine Einkäufe erledigt er gegenüber bei dem "Araber" Ibrahim, der aber gar kein Araber ist, sondern ein türkischer Sufi-Moslem, und der mit Stoppelbart und im grauen Kittel jeden Tag von früh bis spät in seinem Geschäft die Kunden mit Waren und mit den Weisheiten des Koran versieht. Als Moises Vater nach dem Verlust seines Arbeitsplatzes einfach verschwindet und später bei einem Zugunfall ums Leben kommt, erklärt sich Ibrahim bereit, den Jungen, den er "Momo" nennt, zu adoptieren. Der alte Ladenbesitzer macht sogar den Führerschein und kauft sich einen roten Sportwagen. Damit fahren die beiden quer durch Europa bis in Ibrahims Heimatdorf, das er so lange nicht mehr gesehen hat…
Für seine Leistung gewann Sharif auf den Filmfestspielen von Venedig im Jahre 2003 den Publikumspreis für den besten Darsteller. Außerdem wurde er am Lido im August 2003 mit einem "Goldenen Löwen" für sein Lebenswerk ausgezeichnet, das mehr als 70 Filme umfasst. Der inzwischen über 70-jähre Omar Sharif hat von seinem Charme nichts eingebüßt und die Kinozuschauer erleben den Schauspieler in wahrer Hochform; es gibt Kritiker, die meinen, es sei seine beste Rolle seit "Doktor Schiwago".
 
2004 kam Omar Sharif mit der Rolle des Sheikh Riyadh in dem Abenteuer "Hidalgo – 3000 Meilen zum Ruhm"1) (Hidalgo) an der Seite von Viggo Mortensen erneut in die Kinos. Der von Joe Johnston in Szene gesetzte Streifen basiert auf der Biografie von Frank Hopkins (1865 – 1951) und dessen Geschichten um seinen ausdauerndes Mustang "Hidalgo". In dem TV-Zweiteiler "Die Zehn Gebote"1) (2006, The Ten Commandments), einem Remake des Monumentalfilms von Cecil B. DeMille aus dem Jahre 1956, war er als Stammesfürst Jitro zu sehen, im gleichen Jahr spielte der mehrfach ausgezeichnete Charakterdarsteller in der internationalen TV-Produktion "Kronprinz Rudolfs letzte Liebe"1) (2006) neben dem Protagonisten Max von Thun die kleine Rolle des Malers Hans Canon; zu den jüngeren Arbeiten für das Kino zählt das Filmdrama "One Night with the King"1) (2006), wo er nach über 40 Jahren wieder gemeinsam mit Peter O'Toole vor der Kamera stand. Erzählt wird die Geschichte der biblischen Jüdin Esther (Tiffany Dupont), die dank ihrer Verführungskünste zur Königin Persiens aufstieg und das Volk der Israeliten vor dem Untergang bewahrte. Sharif übernahm die Rolle des Prinzen Memuchan, Peter O'Toole verkörpert den Propheten Samuel.
Danach spielte er eine Hauptrolle in ägyptischen Produktion "Hassan & Morcos"1) (2008), übernahm in der Originalversion von Roland Emmerichs prähistorischem Abenteuerstreifen "10.000 B.C."1) (2008) die Rolle des Erzählers. 2009 tauchte er in dem kanadischen abenteuerlichen TV-Thiller "Scriptum – Der letzte Tempelritter"1) (The Last Templar) als Einsiedler Konstantin auf. Zu Omar Sharifs letzten Arbeiten vor der Kamera zählen das in arabisch produzierte Drama "Al Mosafer" (2009) sowie der von Laurent Vinas-Raymond inszenierte Film "J'ai oublié de te dire" (2009).
 

Der Link führt zu 1) Wikipedia, 2)  prisma-online.de, 3) moviemaster.de Stand: Juni 2011
Lizenz Foto Omar Sharif  (Urheber: Georges Biard): Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung 3.0 Unported lizenziert. Es ist erlaubt, die Datei unter den Bedingungen der GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2 oder einer späteren Version, veröffentlicht von der Free Software Foundation, zu kopieren, zu verbreiten und/oder zu modifizieren; es gibt keine unveränderlichen Abschnitte, keinen vorderen und keinen hinteren Umschlagtext. Der vollständige Lizenztext ist im Kapitel GNU-Lizenz für freie Dokumentation verfügbar.
Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma-online.de;
siehe auch Wikipedia, Dirk Jasper FilmLexikon, www.whoswho.de
 
Kinofilme (Auszug)*)
Filmografie bei www.imdb.de
(Link: Wikipedia)
1953: The Blazing Sky 1954: Siraa Fil-Wadi (Tödliche Rache)
1956: Siraa Fil-Mina 1956: La Châtelaine du Liban
1959: Maweed maa maghoul (als Omar El-Cherif) 1960: The Beginning and the End
1962: Lawrence of Arabia (Lawrence von Arabien) 1964: The Yellow Rolls-Royce (Der gelbe Rolls-Royce)
1964: The Fall of the Roman Empire (Der Untergang des römischen Reiches) 1964: Behold a Pale Horse (Deine Zeit ist um)
1965: Doctor Zhivago (Doktor Schiwago) 1965: La fabuleuse aventure de Marco Polo (Im Reich des Kublai Khan)
1965: Genghis Khan (Dschingis Khan) 1966: The Night of the Generals (Die Nacht der Generale)
1966: Poppies Are Also Flowers (Mohn ist auch eine Blume) 1967: C'era una volta… (Schöne Isabella)
1968: Mayerling 1968: Funny girl (Funny Girl)
1969: The Appointment (Ein Hauch von Sinnlichkeit) 1969: MacKenna's Gold (Mackenna's Gold)
1969: Che! 1970: The Festival Game
1970: The Last Valley (Das vergessene Tal) 1971: Le casse (Der Coup)
1971: The Horsemen (Die Steppenreiter) 1972: Le droit d'aimer (Das Recht zu lieben)
1973: La isla misteriosa (Die geheimnisvolle Insel) 1974: Juggermaut (18 Stunden bis zur Ewigkeit)
1974: The Tamarind Seed (Die Frucht des Tropenbaumes) 1975: Ace Up My Sleeve (Frankensteins Spukschloß)
1975: Funny Lady 1979: Bloodline (Blutspur)
1979: Ashanti 1980: Oh, Heavenly Dog! (Ein Himmelhund von einem Schnüffler)
1980: The Baltimore Bullet (Der Mann aus Baltimore) 1981: Green Ice (Das Condor-Komplott)
1984: Top Secret! (Top Secret) 1987: Grand Larceny (Diebstahl im großen Stil)
1987: La Martingale 1988: Keys to Freedom (Fluchtpunkt Hongkong)
1988: Les possédés (Die Dämonen) 1988: Les pyramides bleues
1990: The Rainbow Thief 1990: Viaggio d'amore (Eine Liebesreise)
1991: Al-moaten Masry 1991: War in the Land of Egypt
1991: Mayrig (Mayrig – Heimat in der Fremde) 1992: Beyond Justice
1992: Heavenly Sin 1997: Heaven Before I Die
1998: Mysteries of Egypt (Ägypten – Geheimnisse der Pharaonen) 1999: The 13th Warrior (Der 13. Krieger)
2001: The Parole Officer (Das B-Team) 2002: Return of the Thief of Baghdad
2003: Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran
(Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran)
2004: Hidalgo
(Hidalgo – 3000 Meilen zum Ruhm)
2006: One Night with the King (Eine Nacht mit dem König) 2009: Al Mosafer
2009: J'ai oublié de te dire
*) Die ägyptischen Filme wurden überwiegend nicht genannt.
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