Der Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter Jörg Pleva wurde am 23. Juni 1942 als Sohn eines Pianisten in Stuttgart1) geboren; schon früh kam er durch seine Familie mit der Welt der "schönen Künste" in Berührung, seine Großmutter war Opernsängerin gewesen, seine Mutter Ballettmeisterin an der "Komischen Oper Berlin"1). Später studierte er an der "Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst"1) seiner Geburtsstadt und schloss 1960 die Ausbildung ab. Rasch avancierte Pleva zu einem gefragten Darsteller auf der Bühne, nebenher wirkte er ab Anfang der 1960er Jahre in vielen interessanten Film- und Fernsehproduktionen mit. Schlagartig bekannt wurde er durch die Titelrolle des Gastarbeiterjungen Gino in dem Kino-Experimentalfilm "Gino"1) (1960) von Ottomar Domnick1).
Ungeheure Aufmerksamkeit und somit Popularität erlangte Pleva dann 1970 mit der Figur des Bernhard Lotz in Wolfgang Menges1) (Drehbuch) und Tom Toelles1) (Regie) fiktiven Fernsehshow "Das Millionenspiel"1): Als Kandidat einer Show wird Lotz gegen Geld sieben Tage lang von einer bezahlten Killerbande verfolgt und läuft um sein Leben. Wird er zur Strecke gebracht, folgt er acht Menschen in den Tod, die bereits vor ihm am "Millionenspiel" teilgenommen haben. "Die grausame Treibjagd, spektakulär von Kameras begleitet und von einem Studio aus zynisch moderiert, wird von Millionen sensationslüsternen Fernsehzuschauern an den Bildschirmen verfolgt." notiert filmportal.de.
Die Ausstrahlung rief unterschiedliche Reaktionen hervor, viele Zuschauer protestierten vehement gegen ein solches Horror-Szenario, andere wiederum erkannten nicht, dass es sich um eine Vision des Autors handelte und bewarben sich beim WDR als Kandidaten für die nächste Sendung. "Der seinerzeit überaus visionäre Film nahm die Zukunft des (Privat-)Fernsehens vorweg und hat, von der Gegenwart zwar längst eingeholt, nichts von seiner Brisanz verloren." urteilt das "Lexikon des internationalen Films" → zweitausendeins.de.

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Jörg Pleva; Copyright Virginia Shue
Szenenfoto aus mit Hans-Christian Blech und Jörg Pleva aus "Das einsame Haus"; mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche die ZDF-Produktion Mitte März 2018 auf  DVD herausbrachte. Neben Gastauftritten in so beliebten Krimi-Reihen/-Serien wie beispielsweise "Tatort"1), "Der Kommissar" oder "Sonderdezernat K1" erlebte man den Schauspieler in den kommenden Jahren in sehenswerten Theater- und Literaturverfilmungen, Krimis und sonstigen Einzelproduktionen. 1973 beispielsweise spielte er die Titelrolle des Postangestellten Florian Langenmüller in der Tragikkomödie "Florian"2), grandios war seine Darstellung des jungen Mannes in dem Psychothriller "Das einsame Haus"3) (1974) mit Hans-Christian Blech als seinem nicht minder glänzendem alten Gegenspieler. Das "Hamburger Abendblatt" (10.06.1974) schrieb damals: "Ein Zweimannkrimi voll böser, genau kalkulierter Überraschungen (…). Ein beklemmendes Katz-und-Maus-Spiel. Gut und überzeugend in den Hauptrollen Hans-Christian Blech und Jörg Pleva, ohne falsche Effekte, ohne falsche Töne. Es ist Regisseur Thomas Fantl1) gelungen, (…) einen psychologisch präzisen, aufregenden Film zu machen (…)."

Szenenfoto mit Hans-Christian Blech und
Jörg Pleva aus "Das einsame Haus"
Mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche die
ZDF-Produktion Mitte März 2018 auf  DVD herausbrachte.

Dieter Wedel1), für den er erstmals in dem Zweiteiler "Eiger – Wer wird der Nächste sein?"4) (1974) vor der Kamera gestanden hatte, besetzte ihn als tölpelhaften jungen Landedelmann Alidor de Boismouchy und Partner von Hannelore Elsner in "Ein Abend mit Labiche"2) (1980), gedreht nach Boulevardstücken von Eugène Labiche. Auch in Wedels zweiteiligem Film über einen Versicherungsschwindel mit dem Titel "Wer den Schaden hat…"4) (1981) war Pleva als Peter Kußmann, der gemeinsam mit Ehefrau Eva (Hannelore Elsner) nach einem Einbruch einen höheren Schadenswert angibt, mit dabei, in dem von Rainer Wolffhardt1) in Szene gesetzten Historienfilm "Martin Luther"1) (1983) mit Lambert Hamel als Reformator Martin Luther1) verkörperte er den Kaiser Karl V.1) und Lutz Büscher1) übertrug ihm die Rolle des Kai Hansen in "Sturmflut"4) (1987), einer szenischen Dokumentation über die Hamburger Sturmflut-Katastrophe1) in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962. Mit Inge Meysel sah man ihn in der Komödie "Spätes Glück nicht ausgeschlossen" (1988), mit Mario Adorf in "Keine Gondel für die Leiche" (1989) nach dem Schwank "Kaviar und Linsen" von Giulio Scarnicci und Renzu Tarabusi. Bis Ende der 1990er Jahre stand Jörg Pleva für populäre Serien wie "Die Schwarzwaldklinik", "Der Landarzt"1), "Drei Damen vom Grill"1) – hier mimte er 1990/91 20 Folgen lang den "Kräutermaxe" Oswald "Ossi" Klinke –, "Unsere Hagenbecks"1), "Die Männer vom K3"1), "Großstadtrevier"1) oder "Der Patenonkel"4) (mit Klausjürgen Wussow) vor der Kamera. Nach einer Episodenrolle in der Folge "Notfall"4) (EA: 14.01.1997) aus der Serie "Frauenarzt Dr. Markus Merthin"1) mit Sascha Hehn1) sowie der Rolle des Komponisten Detlev Markowsk in der "Tatort"-Story "Ausgespielt"1) (EA: 23.02.1997) zeigte sich Pleva nach langer Pause rund zehn Jahre später zuletzt mit dem kleinen Part des Professors Herrbert Pretze in Dieter Wedels Drama "Mein alter Freund Fritz"1) (2007) auf dem Bildschirm → Übersicht TV-Produktionen
Auf der Kinoleinwand war Pleva eher selten präsent, in dem im Jahre 1806 angesiedelten Kriegsstreifen "Eine Handvoll Helden"1) (1967), einem Remake des Klassikers "Die letzte Kompagnie"1) (1930), war er an der Seite von Horst Frank als preußischem Hauptmann von Bruck der Jäger Papke, in dem deutsch-französisch-italienischen Historiendrama "Der Turm der verbotenen Liebe"1) (1968). Man sah ihn beispielsweise in der Literaturadaption "Der Schimmelreiter"1) (1978), gedreht von Alfred Weidenmann1) nach der berühmten, gleichnamigen Novelle1) von Theodor Storm1) mit John Phillip Law1) als Deichgraf Hauke Haien, und Jahre später als Geschichtslehrer Schindler in der Geschichte "Ein Fall für TKKG: Drachenauge"1) (1992) nach der erfolgreichen Jugendkrimiserie "TKKG"1). Den Figaro Albers mimte er in dem Kinderkrimi "Schweinesand – Eine Insel voller Geheimnisse"5) (1997), zuletzt trat er als als Frank von Hofer in "Up in Smoke"6) (2005) von Regisseur David Aufdembrinke auf → Übersicht Kinofilme
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Jörg Pleva, der seit langen Jahren dem Hamburger "Ernst Deutsch Theater"1) (EDT) verbunden war und auch in der Hansestadt lebte, sah seine Hauptaufgabe sowohl als Darsteller als auch als Regisseur in seiner Theaterarbeit, vor allem mit Stücken von Molière1) begeistert er immer wieder das Publikum. 1995 gründete er eigens die Schauspielcompagnie "AdHoc"7), um ausschließlich Werke des großen französischen Autors auf die Bühne zu bringen. In der Komödie "Wirr im Kopf oder Die Hindernisse" ("L’Étourdi ou les Contretemps") beispielsweise gab er im Rahmen einer Tournee auch am "Ernst Deutsch Theater" (Premiere: 27.09.1995) hinreißend Lelios Diener Mascarille, in jüngerer Zeit brilliert er seit 1999 mit der Titelrolle des Harpagon in Molières Klassiker "Der Geizige"1), zudem führte er gemeinsam mit Siegfried Kellermann Regie und hatte auch den Text von Molière bearbeitet → joerg-pleva.de, www.welt.de. Auch als "Der eingebildete Kranke"1) (Premiere EDT: 23.11.2000) war er grandios → joerg-pleva.de. Unter Plevas Regie und mit sich als Darsteller entstanden zudem die Stücke "Die Schule der Ehemänner"8) und "Der Bürger als Edelmann"1), alles Co-Produktion mit dem "Ernst Deutsch Theater", die über 700 Mal im deutschsprachigen Raum aufgeführt wurden. 1998 stellte die Schauspielkompanie "AdHoc" in Hamburg ein Theaterzelt auf und spielte dort drei Einakter von Molière, "Die erzwungene Heirat"1), "Der falsche Arzt" sowie "Die vornehmen Liebhaber", wo er mit Jugendlichen und Kindern zusammenarbeitete ("Molière für Kids") → mehr bei joerg-pleva.de.

Jörg Pleva und Giulia Follina1) 1983 in dem Schauspiel "Blick zurück im Zorn"1)
von John Osborne1), Tournee: "Bühne 64"9), Regie: Jörg Pleva
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Jörg Pleva und Giulia Follina in "Blick zurück im Zorn"; Copyright Virginia Shue
Seit 2007 stand Pleva in dem Stück "Wind in den Pappeln" des Franzosen Gérald Sibleyras neben Harald Dietl und Jürgen Thormann auf der Bühne: Erzählt wird die komische Geschichte von den drei Kriegsveteranen Fernand (Jörg Pleva), Gustave (Jürgen Thormann) und René (Harald Dietl), welche im Sommer 1959 die Terrasse ihrer Seniorenresidenz okkupiert haben und gegen Eindringlinge wie Schwester Madeleine vehement verteidigen, so wie sie das früher im 1. Weltkrieg gegen den Feind getan haben → renaissance-theater.de, tagesspiegel.de.
In seinen letzten Jahren konnte man den Charaktermimen unter anderem an dem von Dieter Hallervorden geleiteten Berliner "Schlosspark Theater"1) erleben, am 24. Februar 2011 feierte dort Joseph Kesselrings1) Meisterwerk des schwarzen Humors "Arsen und Spitzenhäubchen" Premiere, Pleva glänzte hier als Jonathan Brewster an der Seite von Brigitte Grothum und Dagmar Biener als die mordlustigen Schwestern Abby und Martha Brewster. In weiteren Rollen spielten Tilman Günther1) (Mortimer Brewster) und Philipp Sonntag1) (Teddy Brewster), Intendant Dieter Hallervorden mimte den Sergeant Patrick O'Hara. Auch an der Braunschweiger "Komödie am Altstadtmarkt"1) feierte er beispielsweise im Herbst 2012 unter der Regie von Klaus Engeroff1) Erfolge als todkranker, ehemaliger Soziologieprofessor Morrie Schwartz in der deutschsprachigen Erstaufführung des Stücks "Dienstags bei Morrie" Erfolge. Die Komödie entstand auf der Grundlage des gleichnamigen Kult-Romans1) von Mitch Albon1) aus dem Jahre 1997 und wurde 1999 mit Jack Lemmon für das Fernsehen verfilmt → siehe TV-Film1). Gemeinsam mit seinem Schauspielerkollegen Daniel Große Boymann1) in der Rolle des ehrgeizigen Sportjournalisten Mitch Albom ging Pleva mit dem Stück auf eine Tournee durch verschiedene deutsche Städte → www.vvb.de.
 
Neben seiner Arbeit für Theater und den Film machte sich Pleva auch einen Namen als Synchronsprecher: Besonders bekannt wurde seine Stimme durch die Synchronisation der Hauptdarsteller dreier Stanley Kubrick1)-Filme: Malcolm McDowell1) in "Uhrwerk Orange"1) (1971), Ryan O'Neal in "Barry Lyndon"1) (1975) sowie Jack Nicholson in "Shining"1) (1980). Kubrick war von Plevas stimmlicher Leistung in "Uhrwerk Orange" so begeistert, dass er ihn persönlich dafür auswählte, auch die Hauptdarsteller seiner beiden nächsten Filme zu synchronisieren.10) Darüber hinaus lieh er Jean-Luc Bideau1) in "Reise in die große Tartarei"11) (1974), Robert Englund1) in "Mr. Universum"1) (1976), Pepe Serna1) in "Car Wash – Der ausgeflippte Waschsalon"1) (1977) und Paul Winfield1) in "Das Kind mit den grünen Augen"11) (1977) seine Stimme → synchronkartei.de. Im Hörspielstudio stand Pleva eher selten, unter anderem sprach er den "Fiedelmann" in "Der Schimmelreiter"12) (EA: 01.06.2005), der freien Bearbeitung von Paul Barz1) nach Motiven der gleichnamigen Novelle1) von Theodor Storm1) an der Seite von Konstantin Graudus1) (Hauke Haien) und Gerd Baltus (Schulmeister alias Theodor Storm), eine Produktion des "Norddeutschen Rundfunks"1), die auch auf CD veröffentlicht wurde. In "Aus dem Leben eines unglücklichen Mannes"12) (EA: 18.04.2007) nach dem Roman des Finnen Kari Hotakainen1) hörte man ihn als den alten Kriegsveteranen und im ersten Teil von "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull"12) (EA: 26.12.2008) nach dem berühmten, unvollendet gebliebenen gleichnamigen Roman1) von Thomas Mann1) als Sanitätsrat Düsing; der Zweiteiler mit Barnaby Metschurat1) als Felix Krull ist ebenfalls inzwischen auf CD im Handel erhältlich.
Jörg Pleva; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Urheber: Udo Grimberg; Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert. Jörg Pleva starb am 15. August 2013 im Alter von 71 Jahren in Hamburg; die letzte Ruhe fand er auf dem dortigen Friedhof Ohlsdorf1) neben seinem Sohn Janos → Foto der Grabstätte bei knerger.de sowie Wikimedia Commons
Noch im März 2013 war der Mime mit dem Stück "Der lustige Witwer" von Simon Moss (→ theater-am-kurfuerstendamm.de)  auf Tournee gewesen, nach einer Vorstellung am "Theater Gütersloh"1) musste er wegen eines akuten Durchbruchs am Zwölffingerdarm in die dortige Klinik eingeliefert werden und sich einer Notoperation unterziehen, die jedoch erfolgreich verlief, wie auf der Website des "Klinikums Gütersloh" mitgeteilt wurde. Pleva sagte anschließend alle weiteren Auftritte ab, so auch die Proben zu der spritzig-schwarzen Komödie "Toutou"13) von Daniel Besse und Agnès Tutenuit am Düsseldorfer "Theater an der Kö"1). In der Hauptrolle des Alex, einem anfangs wortkargen, aber umso mienenreicheren Tierhalters bzw. Besitzers des Hundes Toutou,  hatte er bereits 2009 am Frankfurter "Fritz Rémond-Theater"1) brilliert. Für Pleva sprang nun in Düsseldorf kurzfristig Kollege Winfried Glatzeder ein, die Premiere war am 10. Mai 2013.
 
Der Schauspieler und Vater zweier Kinder war Vorsitzender des Hamburger Fördervereins der "Stage School of Dance and Drama"1), der sich sehr für den Nachwuchs im Schauspielfach engagiert. Sohn Anton Pleva1), der aus Plevas langjährigen Beziehung zu Kollegin Giulia Follina1) stammt, ist in die Fußstapfen seiner Eltern getreten und machte sich ebenfalls einen Namen als Schauspieler. Aus der ersten Ehe Plevas mit Marion Reh stammt die 1965 geborene Tochter Tanja, die als Autorin tätig ist → tanjapleva-autor.com, mit der Schauspielerin Yvonne Remé hatte er den 1969 geborenen gemeinsamen Sohn Janos, der am 10. September 1991 mit nur 22 Jahren an einem Gehirntumor starb.

Foto (Quelle): Wikipedia bzw. Wikimedia Commons
Urheber: Udo Grimberg (Wikipedia-Benutzer Chester100); Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE 

Webpräsenz: www.joerg-pleva.de
Siehe auch Wikipediadeutsches-filmhaus.de, filmportal.de
sowie die Nachrufe bei spiegel.de, www.faz.net
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) deutsches-filmhaus.de, 3) Die Krimihomepage, 4) fernsehserien.de, 5) filmportal.de, 6) IMDb,
7) joerg-pleva.de, 8) felix-bloch-erben.de, 9) tls.theaterwissenschaft.ch, 11) zzweitausendeins.de, 12) ARD-Hörspieldatenbank, 13) theatertexte.d
10) Quelle: Wikipedia
     
Jörg Pleva 02 Filme
Kinofilme / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database
sowie filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia, filmportal.de,
Die Krimihomepage, fernsehserien.de,
deutsches-filmhaus.de)

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zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

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