 |
Lilli Palmer wurde am 24. Mai 1914 als Lilli Marie Preiser in Posen
(heute heute Poznań, Polen) geboren; der Vater Alfred Peiser war Medizinalrat
und Chirurg, die Mutter Rose Lissmann Theaterschauspielerin. Sie hatte noch eine ältere Schwester die Schauspielerin und Sängerin
Irene Prador1)
(1911 1996) und eine jüngere, die als Hilde Ross (1919 2008)
eine Karriere als Tänzerin machte.
Ab dem vierten Lebensjahr wuchs die kleine Lilli in Berlin auf,
wo ihr Vater als Chefarzt am Jüdischen Krankenhaus1) wirkte. Die junge Palmer besuchte die
Wald-Oberschule in Berlin-Charlottenburg und anschließend das
Hohenzollern-Gymnasium in Berlin-Schöneberg, nahm später bei Ilka Grüning2)
(1876 1964),
Else Schreiber und Lucie Höflich2) (1883 1956) Schauspielunterricht und gab 1932 ihr
Bühnendebüt am Berliner "Rose-Theater" in dem Stück
"Die eiserne Jungfrau". Noch im gleichen Jahr erhielt sie ein erstes
Engagement am "Hessischen Landestheater" in Darmstadt, wo sie unter der Regie Gustav Hartungs größere
Rollen in Shaws "Pygmalion" oder in Komödien
wie "Der Mustergatte" spielte. Auch als Soubrette trat sie
Operetten wie "Blume von Hawaii", "Die Czardasfürstin"
oder "Im weißen Rößl" auf.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
|
1933 emigrierte sie mit
ihrer Schwester Irene nach Paris, da ihr aufgrund der "nichtarischen"
Abstammung eine weitere Bühnenkarriere unmöglich gemacht wurde. Zusammen
mit ihrer Schwester tingelte sie als "Les Soeurs Viennoises" durch Pariser Nachtclubs, traten unter
anderem auch im "Moulin Rouge" auf. 1934 ging sie nach London, spielte dort
Theater und erhielt 1936 eine erste Filmrolle in "Crime Unlimited" (1935)
sowie eine Minirolle als Zimmermädchen Lilli in Hitchcocks
"The Secret Agent"1) (Der Geheimagent, 1936) an der Seite von Peter Lorre.
Ihr Charme und ihre kühle Erotik machten
die Palmer dann 1937 mit der Part der Lou in "The Great Barrier"
(Die große Grenze) zum Star, einem Film über den Bau der
Canadian Pacific Railway. Internationale Bühnenverpflichtungen schlossen
sich an, ebenso wie Rollen in zahlreichen Filmen: So erlebte man die
Schauspielerin beispielsweise in "Sunset in Vienna" (1937), "A Girl Must
Live" (1939), "Blind Folly" (1940), "Thunder Rock" (1943)
oder "The Gentle Sex" (1943).
1943 heiratete sie den britischen Schauspieler Rex Harrison2) (1908 1990), mit dem
sie zusammen in London Theater spielte, 1945 in die USA auswanderte und
auch am Broadway wie beispielsweise in Shaws "Cäsar und Cleopatra"
oder in "Geliebte Hexe" enorme Erfolge feierte; ihr erster
gemeinsamer Film hieß 1945 "The Rake's Progress". In
Fritz Langs "Cloak and Dagger" (Im Geheimdienst) verkörperte
sie dann 1946 eine deutsche Widerstandskämpferin. Bis Anfang der 1950er
Jahre folgten Filme wie "Body and Soul" (1947), "No Minor
Vices" (1948) oder "The Long Dark Hall" (1951). Der
endgültige Durchbruch gelang der Palmer 1952 mit dem
Zwei-Personen-Stück "The Fourposter" (Das Himmelbett), wieder
mit Rex Harrison als Partner; für ihre Leistung wurde die Palmer auf der
Biennale in Venedig 1953 zur "Besten Filmschauspielerin des
Jahres" erklärt und mit dem "Goldenen Löwen" geehrt.
Nach der Trennung von Rex Harrison – die Scheidung
erfolgte 1957 – kehrte Lilli Palmer 1954 nach
Deutschland zurück und übernahm sofort tragende Rollen im deutschen
Nachkriegsfilm. Ein Hit wurde im gleichen Jahr Kurt Hoffmanns Verfilmung
des Musicals "Feuerwerk"1), in dem sie als Zirkusdirektorin Iduna mit
dem Lied "O mein Papa" ihr Publikum begeisterte.
Als "Teufel in Seide"3) (1955) fuhr sie ihre scharfen Krallen aus,
um in der Rolle als eiskalt berechnende Frau Curd Jürgens eins
auszuwischen und wurde 1956 mit dem Bundesfilmpreis als "Beste
Hauptdarstellerin des Jahres" ausgezeichnet; desgleichen für ihre Rolle
der Anna Anderson in "Anastasia Die letzte Zarentochter"1) (1956). Nach weiteren
Produktionen wie "Zwischen Zeit
und Ewigkeit" (1956), "Wie ein Sturmwind" (1957),
"Eine Frau, die weiß, was sie will" (1957) oder "Mädchen in Uniform"1) (1958) betrieb sie 1959 "Frau Warrens
Gewerbe", doch das anschließend eher mäßige Niveau des deutschen Films
zwang sie dazu, ihre Aktivitäten mehr ins europäische Ausland und nach
Amerika zu verlagern. Sie war Partnerin von Clark Gable, Charles Boyer,
James Mason und Jean Gabin, erwies Goethe die Ehre in der
DEFA-Verfilmung
"Lotte in Weimar"1) (1975), hatte Kino-Hits wie "The Boys from Brazil"1) (1978) und arbeitete in den
1970er Jahren auch für
das Fernsehen. Ihre letzte Rolle, die Zarenmutter Natalya, spielte sie in dem
aufwendigen US-Mehrteiler "Peter der Große"3) (1986),
der von
Juli 1984 bis Mai 1985 in der ehemaligen UDSSR, Österreich
sowie in München gedreht wurde.
Ihr Esprit ließ die Komödie als ihre Domäne erscheinen. Doch lagen
ihr auch Rollen mit "Tiefgang", in denen sie für die
verzwickten Seelenlagen großbürgerlicher Existenzen ein feines Sensorium
entwickelte; sie war exzellent als verführerische Schlange oder eis kalte
Intrigantin. Ihre "ladylike" Erscheinung mit den dunklen Augen
vermittelte südländisches Flair, das zu ihrem britischen Witz einen
reizvollen Kontrast bildete.4)
 |
Lilli Palmer und der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt
anlässlich einer Feier
nach der Filmpremiere
zu "Don Giovanni" 1979 in Hamburg
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
|
Neben ihrer Arbeit als Schauspielerin war Lilli Palmer ebenso erfolgreich
als Malerin und Schriftstellerin und ließ 1974 ihre Erinnerungen unter
dem Titel "Dicke Lilli – gutes Kind" erscheinen. Das
Buch wurde in sieben Sprachen übersetzt und hatte bis Mitte 1979 allein
in Deutschland eine Auflagenhöhe von 1,3 Millionen Exemplaren. Auch der
Fortsetzungsband "Der Rote Rabe", welcher 1976 erschien, geriet
zum Bestseller. 1979 stellte Lilli Palmer ihren ersten Roman
"Umarmen hat seine Zeit" vor, 1982 folgte "Eine Frau
bleibt eine Frau" nach der populären ZDF-Serie, 1984 erschien
"Um eine Nasenlänge"; ihr letzter Roman, der Krimi "Wenn der
Nachtvogel schreit" kam erst nach ihrem Tod 1986 auf den Buchmarkt.
Im Rahmen der Heyne Filmbibliothek erschien 1986 von
Michael O. Huebner die Biografie "Lilli Palmer" mit
seltenen Filmfotos und sehr vielen Informationen über die Schauspielerin
sowie ihre Filme und Theaterauftritte.
Lilli Palmer erlag am 21. Januar 1986 in Los Angeles mit 71 Jahren ihrem Krebsleiden.
Sie war ab 1957 in zweiter Ehe mit Carlos Thompson2) (1923 1990), einem argentinischen Schriftsteller und
Schauspieler, verheiratet, mit dem sie zusammen in der Schweiz lebte. Zeitweise
war die Palmer britische Staatsangehörige, später erwarb sie die Schweizer
Staatsbürgerschaft. Aus ihrer früheren Ehe mit Rex Harrison hinterließ sie
einen Sohn Carey, der als Universitätsprofessor in Großbritannien lebt.
Abbildung: Wohlfahrtsmarke "Lilli Palmer" aus der Serie
"Deutschsprachige Filmschauspieler" (Ausgabetag 12. Oktober 2000)
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des
Bundesministeriums der Finanzen sowie der Künstlerin Antonia Graschberger, München
(Entwurf)
|
 |
 |
1988 wurde im Rahmen der Verleihung der "Goldenen Kamera" der Fernsehzeitschrift Hörzu
die "Lilli-Palmer-Gedächtnis-Kamera" für herausragende schauspielerische Leistungen
junger Nachwuchsschauspielerinnen ins Leben gerufen. Seit 2003 wurde zusätzlich die
"Curd-Jürgens-Gedächtnis-Kamera" für den besten männlichen Nachwuchsschauspieler verliehen. 2004 legte man
die beiden Auszeichnungen zur "Lilli-Palmer-&-Curd-Jürgens-Gedächtnis-Kamera" zusammen.
Vertreter der Stadt Berlin enthüllten am 24. Mai 1994 an dem
Haus Hölderlinstraße 11, in dem
Lilli Palmer zwischen 1917 und 1932 gelebt hatte, eine Gedenktafel. 1997 wurde
nach der Schauspielerin in Berlin-Haselhorst die "Lilli-Palmer-Promenade" am Krienicke-Park benannt.
Quelle: Wikipedia Urheber
des Fotos: Axel Mauruszat, Berlin
Lizenz zur Nutzung bzw. Veröffentlichung siehe hier.
|
|