Carl de Vogt
Carl de Vogt wurde am 14. September 1885 als Carl Bernhard de Vogt in Köln geboren und verbrachte auch dort seine Kindheit und Jugend; sein Vater Balthasar de Vogt war von Beruf Schriftsetzer. Nach dem Besuch der Volksschule trat Sohn Carl in die Fußstapfen seines Vaters und machte zunächst eine Lehre als Buchdrucker, entschied sich dann aber für die Schauspielerei und ließ sich am Konservatorium seiner Geburtsstadt dementsprechend ausbilden. 1908 schloss er seine Studien, die auch Gesang und Tanz beinhalteten, ab, erhielt ein erstes Engagement am Kölner Residenztheater. Doch die Bühne wurde bereits drei Monate später aufgrund finanzieller Schwierigkeiten geschlossen, Carl de Vogt wechselte zunächst nach Wien an die Kleinkunstbühne "Fledermaus", ging dann nach Mainz, wo er am Stadttheater unter anderem auch als Sänger in Operetten wie "Der fidele Bauer" und "Der Graf von Luxemburg" sowie in Lustspielen auftrat. Schließlich wurde Freiburg eine weitere Station seiner beginnenden Schauspielerkarriere, die er wegen des 1. Weltkrieges jedoch, wenn auch nur kurz, unterbrechen musste. Für mehrere Monate musste er ab Juli 1915 an die Front, bereits Anfang 1916 wurde er in Berlin an das Lessing-Theater engagiert, wenig später wurde er Mitglied des Königlichen Schauspielhauses.

Zu dieser Zeit begann Carl de Vogts Arbeit für den Film, seinen ersten Auftritte hatte er 1916 in den stummen Streifen "Der Weg des Todes", "Die Einsame" und "Schwert und Herd", stand in der Folgezeit – oft mit Carola Toelle (1893 – 1958) als Partnerin – in zahlreichen weiteren Geschichten als Hauptdarsteller vor der Kamera der noch jungen Berliner Bioscop-Filmgesellschaft. Bereits mit einem seiner frühen Filme, Otto Ripperts "
Friedrich Werders Sendung" (1916), wurde der Schauspieler populär und mit der Titelrolle zum Star der Stummfilm-Szene: Die Geschichte thematisierte einen Vater-Sohn-Konflikt, Friedrich Werder findet heraus, dass sein eigener Vater ein Verbrecher war und erkennt in der Laufbahn seines Sohnes (Theodor Loos) wiederum den Vater. Der "Kinematograph" (Nr. 525) vom 17.1.1917 schreibt hierzu: Herr de Vogt vom Kgl. Schauspielhaus trat mit der Titelrolle zum ersten Male in einer großen Aufgabe vor das Publikum. Sein Erfolg war stark. Er scheint eine Persönlichkeit zu sein. Ihm gelang der Ausdruck des nach seiner Herkunft verzweifelt Suchenden außerordentlich, und das Zeichen des unglücklichen Menschen und Vaters lag über ihm.

Bis etwa 1918 arbeitete Carl de Vogt für die "Deutsche Bioscop GmbH", war deren Hauptdarsteller in rund 15 Produktionen, die meist von Robert Reinert (1872 – 1928) gedreht wurden. So als "Ahasver" in dem gleichnamigen Dreiteiler (1917; Teil 1/Die Tragödie der Eifersucht/Das Gespenst der Vergangenheit), welcher 1920 dann auch zusammenhängend in die Lichtspielhäuser kam. Ebenfalls 1917 entstand das zweiteilige Werk "Der Herr der Welt" (Liebe/Der lebende Tote), das wie viele andere Filme de Vogts als verschollen gilt. Carl de Vogt als Träger der Hauptrolle und seine Partnerin Carola Toelle geben in diesem Film ihre darstellerische Kunst und bringen ihre Aufgabe in einer Form zur Durchführung, die vollste Anerkennung verdient, so nachzulesen in "Lichtbild-Bühne" (Nr. 51) vom 22.12.1917. Nach "Das Licht des Lebens" (1918), "Der Mann im Mond" (1918) und "Die Beichte des Mönchs" (1918) folgte "Kassenrevision" (1918, ein "Detektivdrama" wie es im 2. Titel hieß) und der Auftakt zu einer kleinen "Carl-de-Vogt-Serie", die mit dem vierten Film "Olaf Bernadotte" (1919), der Läuterungsgeschichte eines jungen Tunichtguts, beendet wurde.
  
Nach seinem Wechsel zur "Decla-Film-Gesellschaft" arbeitete Carl de Vogt ausschließlich für den Film. Am Theater war er Anfeindungen ausgesetzt gewesen, die Kritiker attestierten ihm vor allem nach seinem Auftritt in Shakespeares "Othello" bzw. seiner Interpretation des "Jago" nur "Mittelmaß": Herr de Vogt ist ganz altes Theater; Verharren im Wohllaut; jede Silbe ein Akzent; auch im Nebensächlichen "bedeutend"; kein Sinn für den Humor der Rolle; ein ganzer Bühnenteufel; gar kein Mensch. stand am 6.12.1918 im "Berliner Tageblatt" zu lesen. Die "Vossische Zeitung" schrieb am gleichen Tage: Er spielte eigentlich mehrere Jagos: einen Gymnastiker, der über Tische springt und sich wie ein tanzender Derwisch um die eigene Achse dreht, einen Biedermeier, dem der Untergrund der Bosheit fehlte, und zwischendurch wohl auch die gegebene Gestalt, den lauernden Schurken in der Maske der Treuherzigkeit.
  
Beim Film war und blieb Carl de Vogt als Naturbursche und Abenteurer der Star und Liebling des Publikums, drehte beispielsweise mit Fritz Lang das exotische Drama "Halbblut" (1919, mit Ressel Orla) sowie das spektakuläre erotische Rührstück "Der Herr der Liebe" (1919), welches die Eskapaden eines sexhungrigen ungarischen Edelmanns erzählt, der am Ende von seiner Geliebten (Gilda Langer) betrogen wird, sie erwürgt und sich erschießt. Karl de Vogt bringt für die Hauptrolle die imposante Erscheinung und seine männlich-kraftvolle schauspielerische Ausdrucksfähigkeit mit. (Film-Kurier, Nr. 96, 26.9.1919). Brutalität und Sinnlichkeit spiegeln sich trefflich in seinen Mienen. (Der Film, Nr. 39, 27.9.1919).
Eine weitere Zusammenarbeit mit Fritz Lang fand in der zweiteiligen Abenteuerzyklus "Die Spinnen" (1919/1920), einer Mischung aus Western und Krimi, statt. Fritz Lang selbst hatte den Roman geschrieben, Carl de Vogt mimte den Sportler, Abenteurer und Weltenbummler Kay Hoog, der, dem Hilferuf einer Flaschenpost folgend, einem sagenhaften Schatz aus dem Reich der Inka nachjagt und dabei gegen die Verbrecherorganisation "Die Spinnen" kämpft, die von der rassigen und gefährlichen Lio Sha (Ressel Orla) angeführt wird. Die ursprünglich auf vier Teile ausgelegte Geschichte fand mit den Episoden "Der Goldene See" und "Das Brillantenschiff" ein Ende, da Fritz Lang sich von der "Decla" getrennt hatte.
Carl de Vogt drehte mit anderen Regisseuren, unter anderem mit Johannes Guter, Hans Werckmeister, Reinhard Bruck und Arthur Günsburg, trat beispielsweise 1920 als "Kara ben Nemsi" in der Karl May-Trilogie  "Auf den Trümmern des Paradieses", "Die Todeskarawane" und "Die Teufelsanbeter" auf, die Josef Stein bzw. Marie-Luise Droop realisiert hatte. In den beiden erstgenannten Abenteuern war die aus Vorpommern stammende Claire Lotto1) (1893 – 1952) de Vogts Partnerin, aus der beruflichen Zusammenarbeit ergab sich eine private, das Paar heiratete und drehte bis Anfang der 30er Jahre noch zahlreiche gemeinsame Filme.
  
Zu Carl de Vogts weiteren Stummfilmen zählen unter anderem der Zweiteiler "Die Schatzkammer im See" (1921), die "Raubtierfilm"-Reihe "Der Herr der Bestien" (1921), "Die Schreckensnacht in der Menagerie" (1921), "Unter Räubern und Bestien" (1921), "Die Tigerin" (1922), "Allein im Urwald" (1922, auch "Die Rache der Afrikanerin") und "Die Weisse Wüste" (1922), alle von Ernst Wendt in Szene gesetzt und mit Ehefrau Claire Lotto als Partnerin. Der athletische Carl de Vogt drehte alle "Stunts" selbst, soll innerhalb des Löwenkäfigs von einem drei Meter hohen Felsen über ein Gebüsch hinweg in das eiskalte Wasser springen, während von rückwärts, ohne irgend welchen Schutz, ihn sechs Löwen attackieren, die möglichst auf einen Meter an ihn herankommen sollen, während zu gleicher Zeit vor ihm auf einer Steinplatte im Wasser ein 3,50 Meter langes Krokodil lauert. (Film-Kurier, Nr. 248, 24.10.1922). Erwähnenswert ist auch seine Rolle des "Rembrandt" in Arthur Günburgs "Die Tragödie eines Großen" (1920), sein "Tempelherr" in Manfred Noas Lessing-Adaption "Nathan der Weise" (1922, auch "Erstürmung Jerusalems), der "Hektor" in Manfred Noas zwei "Helena"-Streifen "Der Raub der Helena" und "Der Untergang Trojas" (beide 1924) sowie der "Napoleon III." im ersten Teil von Ernst Wendts "Bismarck" (1925). Erfolgreich war auch Rolf Randolfs "Der Bettler vom Kölner Dom" (1927), die Geschichte einer internationalen Einbrecherbande, die als Bettler verkleidet in Köln ihr Unwesen treiben: Carl de Vogt ist der dämonische Verbrecher. Er stellt den Bettler in einer kühn erschauten Maske dar, mit Glatze und strähnigem Seitenhaar, Brille, Radmantel und Krücke, steht in "Lichtbild-Bühne" (Nr. 205,27.8.1927); im "Kinematograph" (Nr. 1071, 28.8.1927) list man Carl de Vogt erwies sich als Bettler vom Kölner Dom als ein ausgezeichneter Maskenkünstler. Dieser eine Zeitlang nicht recht wirksame Schauspieler ist auf dem besten Wege, ein deutscher Lon Chaney zu werden. Ein weiteres "Highlight" in Carl de Vogts stummen Filmografie ist Heinz Pauls "U 9 Weddigen – Ein Heldenschicksal aus vergangenen Tagen" (1927) bzw. "Drei Tage auf Leben und Tod – aus dem Logbuch der U.C.1" (1929) mit seiner Rolle eines U-Boot-Kommandanten, ebenso wie die des Marshall Ney in Karl Grunes Historienspektakel "Waterloo" (1929).
  
Danach ging Carl de Vogts Karriere als "Draufgänger" und Filmheld zu Ende, im Tonfilm konnte er an seine alten Erfolge nicht mehr anknüpfen und wurde meist nur noch in Nebenrollen besetzt, von denen jedoch einige durchaus prägnant sind: In "Teilnehmer antwortet nicht" (1932, mit Gustaf Gründgens) mimte er einen Kommissar, in Frank Wysbars mystischen Filmlegende "Fährmann Maria" (1936), mit Sybille Schmitz in der Titelrolle, einen romantischen Geiger und Sänger, der durch das Moor wandelt. Auch während des 2. Weltkrieges erhielt Carl de Vogt (trotz seiner Zugehörigkeit zur NSDAP) keine Aufgaben für den Film, er schlug sich unter anderem mit Arbeiten für die Synchronisation (z.B. "Ramona" mit Loretta Young und Don Ameche) durch und wirkte mit Soloprogrammen bei der Truppenbetreuung mit. Nach 1945 wurde der Schauspieler zunächst mit einem Auftrittsverbot belegt, erhielt später noch kleinere Bühnenengagements in Potsdam und Berlin. Nach dem Tod seiner Frau im Jahre 1952 stand er wieder sporadisch mit unbedeutenden Nebenrollen vor der Kamera. So unter anderem in dem Rühmann-Film "Briefträger Müller" (1953), Gèza von Bolvàrys Melodram "Ein Herz bleibt allein" (1955, mit Paul Hörbiger), Robert Siodmaks Hauptmann-Adaption "Die Ratten" (1955) sowie in den Krimis "Die Unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse" (1962) und "Der Würger von Schloß Blackmoor" (1963).

Nicht nur als Stummfilmstar ist Carl de Vogt in Erinnerung geblieben, auch als Rezitator und Sänger hat er sich mit seiner kräftigen Baritonstimme einen Namen gemacht. Einige seiner Lieder wie der Foxtrott "Trude, Trudelchen" oder seine Rezitation über den "Fremdenlegionär" nach dem gleichnamigen Melodram von Hermann Mestrum und Gerhard Ebeler, sind bis heute erhalten geblieben.

Carl de Vogt verstarb am 16. Februar 1970 – von den Medien fast unbeachtet – im Alter von 84 Jahren in einem Berliner Altersheim. Sein Sohn Karl Franz de Vogt aus seiner Verbindung mit Claire Lotto wurde später Filmproduzent.
1) Der Link führt zu www.cyranos.ch Kurzbiografie in Anlehnung an "CineGraph", Lg. 39
  
Die amerikanische Hobby-Filmhistorikerin Joan McDonald hat unter "carldevogt.org" umfangreiches Material zusammengetragen, außerdem werden einige Filme beschrieben. 
Siehe auch www.cyranos.ch, www.filmhistoriker.de und wikipedia.org, www.filmhistoriker.de
Filmografie bei der german.imdb.com, Fotos bei film.virtual-history.com
Um zur Seite der Publikumslieblinge zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de