Tilo Prückner Tilo Prückner wurde 26. Oktober 1940 als Sohn eines Arztes in Augsburg geboren. Er ging in Nürnberg zur Schule und begann nach dem Abitur zunächst ein Jurastudium, welches er aber zugunsten einer Schauspiel- und Tanzausbildung abbrach, unter anderem bei Hans Josef Becher1) (1927 – 1993) und Ellen Mahlke. Mitte der 60er Jahre begann am Staatstheater St. Gallen, wo er 1966/67 auf der Bühne stand, die Karriere des Charakterdarstellers; anschließend wechselte er nach Zürich, wo er bis 1969 spielte, weitere Stationen seiner Theaterlaufbahn waren unter anderem das Stadttheater in Oberhausen sowie das "Bayerische Staatsschauspiel". In den 70er Jahren gehörte Prückner neben Bruno Ganz, Peter Stein und Anderen zu den Gründungsmitgliedern der "Berliner Schaubühne", wo er sowohl spielte als auch eigene Stücke inszenierte.
Einem breiten Publikum wurde Prückner ab den 70er Jahren durch Auftritte in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen bekannt. Sein Leinwanddebüt hatte er 1967 mit der kleinen Rolle des Stiglitz in "Wilder Reiter GmbH" gegeben, danach sah man ihn beispielsweise 1973 in Wolfgang Petersens Thriller "Einer von uns beiden" sowie 1974 als "Zick Zack" in Reinhard Hauffs Knastdrama "Die Verrohung des Franz Blum"1) nach Burkhard Driests autobiographischem Roman.

Foto: © Werner Bethsold
Das Foto entstand 1987 während einer Hörspielproduktion.
Es folgten Rollen in so erfolgreichen Kinofilmen wie "Berlinger – Ein deutsches Abenteuer" (1975) oder "Sternsteinhof" (1976); in Nikos Perakis hinreißenden Gaunerkomödie "Bomber & Paganini" brillierte er 1976 als kleiner Gauner "Paganini" an der Seite Mario Adorfs, der den "Bomber" spielte, und erhielt für seine Leistung den Deutscher Darstellerpreis. Ein Jahr später sah man ihn als Gerd Minde in der Fontane-Verfilmung "Grete Minde" und 1978 beeindruckte er mit der Titelrolle in Edgar Reitz' "Der Schneider von Ulm"2), der Geschichte des Schneidergesellen Albrecht Ludwig Berblinger, der Ende des 18. Jahrhunderts versucht, mit einer Flugmaschine nach Vogelart zu fliegen. In Niklaus Schillings Grenzland-Komödie "Der Willi-Busch-Report"2) übernahm er 1980 die Hauptrolle des Willi Busch, stand 1982 für Geissendörfers "Der Zauberberg" als Lehrer Popow vor der Kamera oder war ein Jahr später der Fred in der Hallervorden-Komödie "Der Schnüffler". Auch in Hallervordens "Didi – Der Doppelgänger" wirkte er mit und mimte 1984 die "Bazille", im gleichen Jahr sah man ihn als Herrn Bauermann in Rolf Silbers "Kassensturz" sowie in der Ende-Adaption"Die Unendliche Geschichte"1).

Danach verlegte sich Prückner mehr auf seine Arbeit beim Fernsehen und ist inzwischen vom Bildschirm nicht mehr wegzudenken. Das Rollenrepertoire des Schauspielers ist ungemein vielseitig, reicht von tragischen Figuren bis hin zur Charakterkomik. Spielte er am Anfang seiner Karriere noch oftmals Kranke, Behinderte oder Menschen, die sich durchs Leben schlagen müssen, durchbrach er mit seiner spürbaren Lebenslust und seinem komödiantischen Talent bald dieses Klischee und ist heute meist Darsteller von Originalen, kauzigen "Alten", Außenseitern oder phantasievollen Einzelgängern.
Neben Gastauftritten in so beliebten Krimi-Reihen wie beispielsweise "Kottan ermittelt", "Der Fahnder", "Ein Fall für zwei", "Großstadtrevier" oder "Wolffs Revier" spielte er in zahlreichen populären TV-Serien mit, so unter anderem in "Büro, Büro", "Reporter", "Abenteuer Airport" oder "Freunde fürs Leben". Von umwerfender Komik war sein hypochondrischer Kriminalhauptmeister Gernot Schubert in "Adelheid und ihre Mörder"1), den er von 1992 bis 1998 in der "Mord Zwo" als Mitarbeiter von Hauptkommissar Ewald Strobel alias Heinz Baumann mimte. Durchaus seriös und ausgefuchst trat er dann ab 2001 als Oberkommissar Eduard Holicek in den Tatort-Folgen aus Hamburg auf und löst seitdem zusammen mit Hauptkommissar Jan Casstorff alias Robert Atzorn und Kommissarin Jenny Graf alias Julia Schmidt so manchen kniffligen Fall wie in der spannenden Folge "Investigativ"2) (2007).

Dazwischen lagen Rollen wie beispielsweise 1995 die des Edgar Schlick in "Die Zukünftigen Glückseligkeiten" an der Seite Ben Beckers, 1996 die Figur des Wilfried Spatzek in Nico Hofmanns Krimi "Tödliche Wende" oder 1999 seine beeindruckende Darstellung des Hausierers und Bewohners des "Judenhauses" Weinstein in dem Mehrteiler "Klemperer – Ein Leben in Deutschland"1). Ebenfalls 1999 sah man ihn in der Tragikomödie "Ganz unten, ganz oben"1) als Gerichtsvollzieher Blumenberg, an der Seite Mario Adorfs stand er zusammen mit den "Puhdys" als Keyboarder Lou in "Comeback für Freddy Baker" vor der Kamera und in dem Politthriller "Ein Mann steht auf"2) agierte er als jüdischer Geheimdienstagent David Chorin neben Kommissar Stein alias Robert Atzorn. 2001 beispielsweise glänzte er als eigenbrötlerischer Imbissbudeninhaber und Hundehasser Engelbrecht an der Seite Barbara Valentins in der bissigen Komödie "Die Hunde sind schuld"2) auf dem Bildschirm, seit einiger Zeit wirkt er als kauziger Vermieter Max in der Krimireihe um die "Kommissarin Lucas" alias Ulrike Kriener mit.
In dem hochkarätig besetzten, von Kaspar Heidelbach in Szene gesetzten spektakulären Drama "Der Untergang der Pamir"1), welches die am 21. September 1957 geschehene Schiffskatastrophe thematisiert, sah man den prägnanten Darsteller Mitte November 2006 als Schiffsingenieur Helmut Klimsch.
Oft sind es die scheinbar unspektakulären Figuren, mit denen der Mime immer wieder eigenwillig zu überzeugen weiß. So beispielsweise als General Friedrich Olbricht in dem semidokumentarischen Spielfilm "Die Stunde der Offiziere"1) (EA: 29.6.2004) über das Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler oder als Fritz in Andreas Dresens Christoph Hein-Adaption "Willenbrock"1) (2005) mit Axel Prahl in der Titelrolle. Zu Prückners jüngeren Arbeiten vor der Fernsehkamera zählen das SAT1-Abenteuer "Die Jäger des Ostsee-Schatzes" (2007), wo er als Hobbyforscher Dirk Petersen zu sehen war, sowie der ZDF-Krimi "Marie und der Charme des Bösen"2) (2008) mit der kleinen, dennoch beachtenswerten Rolle des verzweifelten Herrn Finke. In der ganz auf den Protagonisten Horst Krause zugeschnittenen Komödie "Krauses Kur"2) (EA: 09.12.2009) konnte Prückner als Krauses flotter Zimmernachbar Rudi punkten, herrlich nicht nur die Tanzeinlage, welche der eher drahtige Prückner mit dem beleibten Krause aufs Parkett legte.
Danach tauchte er verschiedenen Fernsehproduktion auf, etwa mit Episodenrollen in Serien wie "SOKO Stuttgart", "SOKO Wismar" oder in der Folge "Kur mit Schatten" (EA: 08.04.2010) aus der Reihe "Pfarrer Braun". Auftritte hatte er in den "Tatort"-Folgen "Nie wieder frei"1) (EA: 19.12.2010) und "Die Unmöglichkeit, sich den Tod vorzustellen" (2010), in dem Krimi "Lutter: Rote Erde" (2010) schlüpfte er in die Rolle des Fußballtrainers Horst Walther. In der turbulenten ZDF-Komödie "Scheidung für Fortgeschrittene"2) (2010) mit dem "Traumpaar" Mariele Millowitsch und Walter Sittler mimte er den Heinz Kallweit, in dem Psychokrimi "Die Tochter des Mörders"2) (EA: 25.10.2010) den Pflegevater der Protagonistin Hanna (Sophie von Kessel). In dem von Wolfgang Murnberger inszenierten Öko-Thriller "Bauernopfer"2) (EA: 23.03.2011), der brisanten Geschichte um einen Lebensmittelskandal, spielte er neben den Protagonisten Tobias Moretti und Bernadette Heerwagen den Biochemiker Dr. Kroetz, der in die kriminellen, skrupellosen Machenschaften der Futtermittelindustrie gerät und ermordet wird.
Eine Paraderolle für den Vollblutmimen war die titelgebende Figur in der skurrilen ARD-Komödie "Holger sacht nix"2) (EA: 26.10.2011) an der Seite von einer nicht minder brillanten Carmen-Maja Antoni als Filmehefrau Lilo. Die Figur des kauzig-einsilbigen Bauern Holger, der ganz im Gegensatz zu seiner umtriebigen, quasselfreudigen Ehefrau mit seinem neuen Rentner-Dasein hadert, schien Prückner auf den Leib geschrieben. "Regisseur Thomas Durchschlag ("Allein") inszenierte diese Provinzposse, an der sich die Kritiker-Geister scheiden, nach dem Drehbuch von Katja Kittendorf ("Ob ihr wollt oder nicht"). Viele witzige Details, starke Darsteller und spaßige Dialoge sorgen für optimale Unterhaltung. Als Vater Holger zeigt Tilo Prückner wieder einmal, dass er zu Deutschlands besten Charakterdarstellern zählt. Ebenso überzeugend verkörpert die aus Finsterwalde stammende Julia-Maria Köhler ("Lowlights", "Familie ist was Wunderbares") die vom Leben gebeutelte, allein erziehende Tochter Olga." notiert prisma.de.
Wunderbar auch seine Figur des Kölner Taxifahrers Rudi Weisglut, den er in der amüsant-turbulenten Geschichte "Krauses Braut"2) (EA: 20.12.2011) zum Besten gab. prisma-online notiert unter anderem "Regisseur und Autor Bernd Böhlich inszenierte nach "Krauses Fest" und "Krauses Kur" auch den dritten Solo-Auftritt von "Polizeiruf 110"-Polizist und -Dickschädel Horst Krause mit viel Sinn für Humor. (…) Das Bonbon dieses "Krause"-Films: Gaststar Tilo Prückner, geboren in Augsburg, sorgt als rheinischer Wirbelwind für amüsantes Chaos. Wie wandlungsfähig der Charakterdarsteller ist, beweist der Vergleich mit seinem Sturkopf-Part in "Holger sacht nix".; mehr bei www.rbb-online.de.
Eine schöne Rolle war auch die des pensionierten Dorfpolizisten bzw. nervig-übereifrigen Vaters des schrullig-grantigen Allgäuer Kriminalhauptkommissars Kluftinger, gespielt von Herbert Knaup, in dem etwas anderen Heimatkrimi mit komödiantischen Zügen "Milchgeld. Ein Kluftingerkrimi"1) (EA: 26.04.2012) nach den beliebten Bestseller-Romanen des Autorenduos Volker Klüpfel und Michael Kobr; siehe auch www.br.de.

Im Jahre 2008 konnte man den Schauspieler nach längerer Zeit mal wieder in einer Kinoproduktion sehen, in Marcus H. Rosenmüllers "Räuber Kneißl"1), mit dem das Leben des bayerischen Räubers Mathias Kneißl von 1892 bis zu seiner Hinrichtung 1902 erzählt wird, ist Prückner als Schreiner zu sehen; Kinostart war der 21. August 2008. Er gehörte zur Besetzung des Films "Mein Freund aus Faro"1) (2008), in Andreas Dresens melancholischen Komödie "Whisky mit Wodka"1) spielte der beliebte Mime neben Hauptdarsteller Henry Hübchen als Wirt eines Landgasthofes eine kleinere Rolle. Der beim Internationalen Filmfestival Karlovy Vary 2009 mit dem Preis für die "Beste Regie" ausgezeichnete Film ist seit 9. September 2009 in den Kinos zu sehen. In der Krimikomödie "Village People 2  Auf der Jagd nach dem Nazigold" (2009) verwandelte er sich in Adolf Hitler, abgedreht hat er die WDR-Co-Produktion "Anduni – Fremde Heimat"3) (Kinostart: 01.12.2011) sowie die Sci-Fi-Komödie aus Finnland mit Weltall Nazis "Iron Sky"1) (Kinostart: 04.04.2012). Aktuell gehörte Prückner auch zur Besetzung der von Bernd Böhlich inszenierten Komödie "Bis zum Horizont, dann links!". In der Geschichte um eine Seniorengruppe, die noch einmal etwas erleben will, wird er neben Künstlerlegenden wie Otto Sander, Angelica Domröse, Herbert Köfer, Ralf Wolter und Herbert Feuerstein zu sehen sein. Die Dreharbeiten begannen Ende März 2011 in Halle, in die Kinos kommen soll der Film am 12. Juli 2012; mehr bei www.mdr.de.
  
Der beliebte Charakterdarsteller Tilo Prückner, der auch erfolgreich eigene Theaterstücke schreibt, ist Vater zweier erwachsener Söhne aus seiner ersten Ehe; ein weiterer Sohn verstarb 1985 im Alter von drei Jahren. Nachdem Prückner eine Zeit lang auf einem Bauernhof in Niederbayern sowie in München lebte, hat der Schauspieler heute Berlin zu seiner Wahlheimat gemacht, wo er mit seiner Lebensgefährtin wohnt. In seiner knapp bemessenen Freizeit reist der Schauspieler gerne, am liebsten nach Indien und in asiatische Länder, sammelt buddhistische Kunstgegenstände. Sein jüngerer Bruder Gerhard ist als Kirchenrestaurator tätig.
 
Am 26. Oktober 2010 feierte der Charaktermime seinen 70. Geburtstag. "Ohne ihn hätte der deutsche Film anders ausgesehen: Der Schauspieler Tilo Prückner setzt nicht auf die Unterhaltung eines Massenpublikums, sondern überzeugt dieses mit seinem Qualitätsanspruch." schreibt Michael Althen bei der F.A.Z. in seiner Hommage an den Künstler.
  

Link: 1) Wikipedia, 2) prisma-online.de, 3) www.wdr.de Stand:  Mai 2012
Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma-online.de
Tilo Prückner bei der Agentur Vogel
Siehe auch Wikipedia, www.deutsches-filmhaus.de sowie www.radiobremen.de
Filmografie bei www.imdb.de
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