Es folgten Rollen in so erfolgreichen Kinofilmen wie "Berlinger Ein deutsches Abenteuer" (1975)
oder "Sternsteinhof" (1976); in Nikos Perakis hinreißenden Gaunerkomödie
"Bomber & Paganini" brillierte er 1976 als kleiner
Gauner "Paganini" an der Seite Mario Adorfs, der den
"Bomber" spielte, und erhielt für seine Leistung den Deutscher Darstellerpreis.
Ein Jahr später sah man ihn als Gerd Minde
in der Fontane-Verfilmung "Grete Minde" und 1978
beeindruckte er mit der Titelrolle in Edgar Reitz' "Der Schneider von
Ulm"2), der Geschichte des Schneidergesellen Albrecht Ludwig Berblinger,
der Ende des 18. Jahrhunderts versucht, mit einer Flugmaschine nach Vogelart
zu fliegen. In Niklaus Schillings Grenzland-Komödie
"Der Willi-Busch-Report"2) übernahm er 1980 die Hauptrolle
des Willi Busch, stand 1982 für Geissendörfers "Der
Zauberberg" als Lehrer Popow vor der Kamera oder war ein Jahr
später der Fred in der Hallervorden-Komödie "Der
Schnüffler". Auch in Hallervordens "Didi Der Doppelgänger"
wirkte er mit und mimte 1984 die "Bazille", im gleichen Jahr
sah man ihn als Herrn Bauermann in Rolf Silbers "Kassensturz"
sowie in der Ende-Adaption"Die Unendliche Geschichte"1).
Danach verlegte sich Prückner mehr auf seine Arbeit beim Fernsehen
und ist inzwischen vom Bildschirm nicht mehr wegzudenken. Das
Rollenrepertoire des Schauspielers ist ungemein vielseitig, reicht von
tragischen Figuren bis hin zur Charakterkomik. Spielte er am Anfang
seiner Karriere noch oftmals Kranke, Behinderte oder Menschen, die sich durchs
Leben schlagen müssen, durchbrach er mit seiner spürbaren Lebenslust und
seinem komödiantischen Talent bald dieses Klischee und ist heute meist
Darsteller von Originalen, kauzigen "Alten", Außenseitern oder
phantasievollen Einzelgängern.
Neben Gastauftritten in
so beliebten Krimi-Reihen wie beispielsweise "Kottan ermittelt",
"Der Fahnder", "Ein Fall für zwei", "Großstadtrevier"
oder "Wolffs Revier" spielte er in zahlreichen populären
TV-Serien mit, so unter anderem in "Büro, Büro", "Reporter",
"Abenteuer Airport" oder "Freunde fürs Leben". Von
umwerfender Komik war sein hypochondrischer Kriminalhauptmeister Gernot Schubert
in "Adelheid und ihre Mörder"1), den er von 1992 bis 1998 in
der "Mord Zwo" als Mitarbeiter von Hauptkommissar Ewald Strobel
alias Heinz Baumann mimte. Durchaus seriös und ausgefuchst trat er dann ab 2001 als
Oberkommissar Eduard Holicek in den Tatort-Folgen aus Hamburg auf und
löst seitdem zusammen mit Hauptkommissar Jan Casstorff alias Robert Atzorn und Kommissarin Jenny Graf
alias Julia Schmidt so manchen kniffligen Fall wie in der
spannenden Folge
"Investigativ"2) (2007).
Dazwischen lagen Rollen
wie beispielsweise 1995 die des Edgar Schlick in "Die Zukünftigen Glückseligkeiten"
an der Seite Ben Beckers, 1996 die Figur des Wilfried Spatzek in Nico Hofmanns
Krimi "Tödliche Wende" oder 1999 seine beeindruckende Darstellung
des Hausierers und Bewohners des "Judenhauses" Weinstein in dem
Mehrteiler "Klemperer Ein Leben in Deutschland"1).
Ebenfalls 1999 sah man ihn in der Tragikomödie "Ganz unten, ganz
oben"1) als Gerichtsvollzieher Blumenberg, an der Seite Mario Adorfs stand
er zusammen mit den "Puhdys" als Keyboarder Lou in "Comeback für Freddy
Baker" vor der Kamera und in dem Politthriller "Ein Mann steht
auf"2) agierte er als jüdischer Geheimdienstagent David Chorin neben Kommissar
Stein alias Robert Atzorn. 2001 beispielsweise glänzte er als eigenbrötlerischer Imbissbudeninhaber
und Hundehasser Engelbrecht an der Seite Barbara Valentins in der bissigen
Komödie "Die Hunde sind schuld"2) auf dem Bildschirm, seit
einiger Zeit wirkt er als kauziger Vermieter Max in der Krimireihe um die "Kommissarin Lucas"
alias Ulrike Kriener mit.
In dem hochkarätig besetzten, von Kaspar Heidelbach
in Szene gesetzten spektakulären Drama "Der Untergang der Pamir"1),
welches die am 21. September 1957 geschehene Schiffskatastrophe thematisiert,
sah man den prägnanten Darsteller Mitte November 2006 als Schiffsingenieur Helmut Klimsch.
Oft sind es die scheinbar unspektakulären Figuren, mit denen der Mime immer
wieder eigenwillig zu überzeugen weiß. So beispielsweise als General Friedrich Olbricht
in dem semidokumentarischen Spielfilm "Die Stunde der Offiziere"1) (EA:
29.6.2004) über
das Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler oder als Fritz in
Andreas Dresens Christoph Hein-Adaption "Willenbrock"1) (2005) mit Axel Prahl
in der Titelrolle.
Zu Prückners jüngeren Arbeiten vor der Fernsehkamera zählen das SAT1-Abenteuer "Die
Jäger des Ostsee-Schatzes" (2007), wo er als Hobbyforscher Dirk Petersen zu sehen
war, sowie der ZDF-Krimi "Marie und der Charme des Bösen"2) (2008)
mit der kleinen, dennoch beachtenswerten Rolle des verzweifelten Herrn Finke.
In der ganz auf den Protagonisten Horst Krause zugeschnittenen Komödie "Krauses
Kur"2) (EA: 09.12.2009) konnte Prückner als Krauses flotter
Zimmernachbar Rudi punkten, herrlich nicht nur die Tanzeinlage, welche der
eher drahtige Prückner mit dem beleibten Krause aufs Parkett legte.
Danach tauchte er verschiedenen Fernsehproduktion auf, etwa mit Episodenrollen
in Serien wie "SOKO Stuttgart", "SOKO Wismar" oder in der
Folge "Kur mit Schatten" (EA:
08.04.2010) aus der Reihe "Pfarrer Braun".
Auftritte hatte er in den "Tatort"-Folgen "Nie wieder frei"1) (EA:
19.12.2010)
und "Die Unmöglichkeit, sich den Tod vorzustellen" (2010),
in dem Krimi "Lutter: Rote Erde" (2010) schlüpfte er in die Rolle
des Fußballtrainers Horst Walther. In der turbulenten
ZDF-Komödie "Scheidung für Fortgeschrittene"2) (2010)
mit dem "Traumpaar" Mariele Millowitsch und Walter Sittler
mimte er den Heinz Kallweit, in dem Psychokrimi "Die Tochter des Mörders"2)
(EA: 25.10.2010) den Pflegevater der Protagonistin Hanna (Sophie von Kessel).
In dem von Wolfgang Murnberger inszenierten Öko-Thriller "Bauernopfer"2)
(EA: 23.03.2011), der brisanten Geschichte um einen Lebensmittelskandal,
spielte er neben den Protagonisten Tobias Moretti und Bernadette Heerwagen den
Biochemiker Dr. Kroetz, der in die kriminellen, skrupellosen Machenschaften
der Futtermittelindustrie gerät und ermordet wird.
Eine Paraderolle für den Vollblutmimen war die titelgebende Figur in der
skurrilen ARD-Komödie "Holger
sacht nix"2) (EA: 26.10.2011) an der Seite von einer nicht
minder brillanten Carmen-Maja Antoni als Filmehefrau Lilo. Die Figur des
kauzig-einsilbigen Bauern Holger, der ganz im Gegensatz zu seiner umtriebigen,
quasselfreudigen Ehefrau mit seinem neuen Rentner-Dasein hadert, schien
Prückner auf den Leib geschrieben. "Regisseur Thomas Durchschlag
("Allein") inszenierte diese Provinzposse, an der sich die Kritiker-Geister scheiden, nach dem Drehbuch von Katja Kittendorf
("Ob ihr wollt oder nicht"). Viele witzige Details, starke Darsteller und spaßige Dialoge sorgen
für optimale Unterhaltung. Als Vater Holger zeigt Tilo Prückner wieder einmal, dass er zu Deutschlands
besten Charakterdarstellern zählt. Ebenso überzeugend verkörpert die aus Finsterwalde stammende Julia-Maria Köhler
("Lowlights", "Familie ist was Wunderbares") die vom Leben gebeutelte, allein erziehende Tochter Olga."
notiert prisma.de.
Wunderbar auch seine Figur des Kölner Taxifahrers Rudi Weisglut, den er
in der amüsant-turbulenten Geschichte "Krauses
Braut"2) (EA: 20.12.2011) zum Besten gab. prisma-online
notiert unter anderem "Regisseur und Autor Bernd Böhlich
inszenierte nach "Krauses Fest" und "Krauses Kur" auch den
dritten Solo-Auftritt von "Polizeiruf 110"-Polizist und -Dickschädel Horst Krause mit viel Sinn für Humor. (
) Das Bonbon dieses
"Krause"-Films: Gaststar Tilo Prückner, geboren in Augsburg, sorgt als rheinischer Wirbelwind für amüsantes Chaos. Wie wandlungsfähig
der Charakterdarsteller ist, beweist der Vergleich mit seinem Sturkopf-Part in
"Holger sacht nix".;
mehr bei www.rbb-online.de.
Eine schöne Rolle war auch die des pensionierten Dorfpolizisten bzw.
nervig-übereifrigen Vaters des schrullig-grantigen Allgäuer
Kriminalhauptkommissars Kluftinger, gespielt von Herbert Knaup, in dem etwas
anderen Heimatkrimi mit komödiantischen Zügen "Milchgeld.
Ein Kluftingerkrimi"1) (EA: 26.04.2012) nach den beliebten
Bestseller-Romanen des Autorenduos Volker Klüpfel und Michael Kobr; siehe
auch www.br.de.
Im Jahre 2008 konnte man den Schauspieler nach längerer Zeit mal wieder in
einer Kinoproduktion sehen, in Marcus H. Rosenmüllers "Räuber Kneißl"1),
mit dem das Leben des bayerischen Räubers Mathias Kneißl von 1892 bis zu seiner Hinrichtung 1902
erzählt wird, ist Prückner als Schreiner zu sehen; Kinostart war der
21. August 2008. Er gehörte zur Besetzung des Films "Mein
Freund aus Faro"1) (2008), in Andreas Dresens melancholischen Komödie
"Whisky
mit Wodka"1) spielte der beliebte Mime neben Hauptdarsteller Henry Hübchen als Wirt eines Landgasthofes eine kleinere Rolle.
Der beim Internationalen Filmfestival Karlovy Vary 2009
mit dem Preis für die "Beste Regie" ausgezeichnete Film ist seit 9. September 2009 in den Kinos zu sehen.
In der Krimikomödie "Village People 2 Auf der Jagd nach dem Nazigold" (2009) verwandelte
er sich in Adolf Hitler, abgedreht hat er die
WDR-Co-Produktion "Anduni Fremde Heimat"3) (Kinostart:
01.12.2011) sowie die Sci-Fi-Komödie aus
Finnland mit Weltall Nazis "Iron Sky"1) (Kinostart:
04.04.2012). Aktuell gehörte Prückner auch zur Besetzung der von Bernd Böhlich
inszenierten Komödie "Bis zum Horizont, dann links!". In der
Geschichte um eine Seniorengruppe, die noch einmal etwas erleben will, wird er
neben Künstlerlegenden wie Otto Sander, Angelica Domröse, Herbert Köfer,
Ralf Wolter und Herbert Feuerstein zu sehen sein. Die Dreharbeiten
begannen Ende März 2011 in Halle, in die Kinos kommen soll der Film am
12. Juli 2012; mehr bei www.mdr.de.
Der beliebte Charakterdarsteller Tilo Prückner, der auch erfolgreich
eigene Theaterstücke schreibt, ist Vater zweier erwachsener Söhne aus seiner
ersten Ehe; ein weiterer Sohn verstarb 1985 im Alter von drei Jahren. Nachdem
Prückner eine Zeit lang auf einem Bauernhof in Niederbayern sowie in München
lebte, hat der Schauspieler heute Berlin zu seiner Wahlheimat gemacht, wo er
mit seiner Lebensgefährtin wohnt. In seiner knapp bemessenen Freizeit reist
der Schauspieler gerne, am liebsten nach Indien und in asiatische Länder,
sammelt buddhistische Kunstgegenstände. Sein jüngerer Bruder Gerhard ist als
Kirchenrestaurator tätig.
Am 26. Oktober 2010 feierte der Charaktermime seinen 70. Geburtstag.
"Ohne ihn hätte der deutsche Film anders ausgesehen: Der Schauspieler Tilo Prückner setzt
nicht auf die Unterhaltung eines Massenpublikums, sondern überzeugt dieses mit seinem Qualitätsanspruch."
schreibt Michael Althen bei der F.A.Z.
in seiner Hommage an den Künstler.
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