Rudolf Carl Mitte der 1980er Jahre; Copyright Virginia Shue Rudolf Carl wurde am 19. Juni 1899 im damals mährischen Lundenburg (heute Břeclav in Tschechien) geboren. Er war erst vier Jahre, als sein Vater starb, seine Mutter konnte die Familie nicht ernähren und so wuchs der kleine Carl im Kaiserlichen Waisenhaus in Wien auf. Später machte er eine Lehre in einer Eisenwarenhandlung, musste dann während des 1. Weltkrieges als Infanterist Dienst tun.
Nach 1918 begann dann seine Karriere als Schauspieler. Nach ersten Auftritten bei der Laienbühne "Dilettantenverein Nestroybühne Brünn" wurde er an das dortige "Deutsche Theater" engagiert und schon bald konnte er sich als jugendlicher Charakterkomiker einen Namen machen. Während dieser Zeit kam Rudolf Carl auch erstmals mit dem Film in Berührung und übernahm die kleine Rolle eines Räuberhauptmanns in dem stummen Streifen "Babinsky" (1922).
  
1934 wechselte der Schauspieler am "Theater an der Wien" und an der "Volksoper" in das Operettenfach, gleichzeitig arbeitete er nun vermehrt für den Film. Nach Produktionen wie "Frasquita" (1934), "Ein Stern fällt vom Himmel" (1934;  → film.at) oder "Polenblut" (1934) übernahm er in "Karneval der Liebe" (1934) als Ersatz für Hans Moser die Rolle eines vertrottelten Lakaien und wurde auch in nachfolgenden leichten Unterhaltungsstreifen gerne als dümmlicher Diener oder naiver Mitmensch besetzt.

Rudolf Carl Mitte der 1980er Jahre
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

In mehr als 200 meist heiteren Filmen mimte er Gendarmen, Kutscher, Gemeindediener, Sekretäre, Gefängniswärter oder Landstreicher, wurde auf die komische Charge festgelegt, die auch Klamauk und Übertreibung nicht scheut. So meinte Rudolf Carl einmal in einem Interview "Meist spiele ich den Depperten… ein echt österreichischer Ausdruck, der nicht mit blöd oder doof zu übersetzen ist. Deppert ist eben deppert."
Zu seinen zahlreichen Filmen vor Ende des 2. Weltkrieges zählen unter anderem "… nur ein Komödiant"1) (1935), "Der Kosak und die Nachtigall" (1935), "Unsterbliche Melodien" (1935), "Der Postillon von Lonjumeau" (1936), "Dreizehn Stühle"1) (1938), "Frauen sind doch bessere Diplomaten" (1941), "Alles aus Liebe" (1943) oder "Romantische Brautfahrt" (1944) und auch nach 1945 blieb Rudolf Carl ein vielbeschäftigter Nebendarsteller auf der Leinwand. Die Filme lassen sich nicht alle aufzählen, in denen der Schauspieler sein komödiantisches Talent, aber auch seine perfekte Menschendarstellung unter Beweis stellen konnte – oft neben Paul Hörbiger und Hans Moser, deren Starstatus er jedoch nie erreichte.
So zeigte sich der kleine, untersetzte Mann in den 1950er und 1960er Jahren in Unterhaltungsstreifen wie "Der Alte Sünder"1) (1951), "Pünktchen und Anton" (1953), "Seine Tochter ist der Peter" (1955), "Lumpazivagabundus" (1956), "Ober, zahlen!"1) (1957), "Der Page vom Palast-Hotel"1) (1958), "Im weißen Rößl"1) (1960), "Hochzeitsnacht im Paradies"1) (1962), "Der Musterknabe"1) (1963) oder "An der Donau, wenn der Wein blüht"1) (1965) – um nur einige der vielen Kinofilme zu nennen, in denen Rudolf Carl auf der Leinwand präsent war.
Klein, untersetzt, mit Schirmmütze, Schnauzer und rollenden Augen mimt er den Begriffsstutzigen, dessen Ungeschicklichkeit ständig neue Katastrophen heraufbeschwört. Der beliebte Komiker zeichnet sich als exzellenter Menschendarsteller aus, der besonders den berühmten Mann aus dem Volk wirklichkeitsnah zu geben versteht.2)  

Der Versuch Anfang der 1950er Jahre Rudolf Carl gemeinsam mit Hans Richter3) (1919 – 2008) zum Komikerduo "Knall und Fall" im Stil von "Dick und Doof" oder "Pat und Patachon" aufzubauen, war nicht sonderlich erfolgreich. Die Filme "Knall und Fall als Hochstapler" (1952; → filmportal.de) sowie "Knall und Fall als Detektive" (1953; → filmportal.de), in denen Carl als quengelnder "Knall" und Richter als dummdreister "Fall" zwei lockere Vagabunden darstellten, die unterwegs viel Unfug und Verwirrung stiften, floppten an der Kinokasse.
Ab Mitte der 1960er Jahre zog sich Rudolf Carl vom Filmgeschäft zurück, zu seinen letzten Leinwandauftritten zählt Géza von  Cziffras Heimatfilm "An der Donau, wenn der Wein blüht"1) (1965), wo er als Kellermeister in Erscheinung trat. Zwei mal führte Carl auch Regie, so bei dem Schwank "Der Leberfleck" (1948; → Filmlexikon) mit den Komikern Oskar Sima, Fritz Imhoff und Carl selbst sowie bei dem musikalischen Lustspiel "Dort in der Wachau"1) (1957) mit Wolf Albach-Retty und Gerlinde Locker in den Hauptrollen.

Rudolf Carl, der zu den bekanntesten und beliebtesten Komikern seiner Zeit zählte, starb am 15. Januar 1987 im Alter von 87 Jahren in Graz; seine letzte Ruhe fand er auf dem dortigen Zentralfriedhof → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Der unter anderem 1973 mit dem "Großen Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich"1) ausgezeichnete Volksschauspieler war seit 1928 mit der Kaufmannstochter Valerie Hagen verheiratet, nach deren Tod ehelichte er 1974 die Freundin seiner verstorbenen Frau, Henriette Ahlsen.
Nacherzählt von Gerda Klimek1) erschien 1979 die Autobiografie "Rudolf Carl – Mein Leben war lebenswert". 

Einige Textbausteine des Kurzportraits stammen von www.cyranos.ch sowie aus
"Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 59)
Siehe auch Wikipedia
Link: 1) Wikipedia, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP
2) Quelle: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 59)
    
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: filmportal.de, Murnau Stiftung, Wikipedia)
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