Brigitte Bardot wurde am 28. September 1934 in der französischen
Hauptstadt Paris geboren
und wuchs im 8. Arrondissement auf. Die Eltern von Brigitte Bardot
gehörten zum gutsituierten Bürgertum, der Vater Louis "Pilou" Bardot (1896 1975) war Industrieller und
besaß im Pariser Vorort Aubervilliers eine Fabrik für Flüssiggas;
die jüngere Schwester Marie-Jeanne ("Mijanou") erblickte am 5. Mai 1939 das Licht der Welt.
Bereits als Sechsjährige zeigte
das kleine Mädchen Brigitte eine große Neigung für den Tanz und so erhielt sie
schon als Kind klassischen Ballettunterricht. Neben dem regulären Unterricht
an der vornehmen Privatschule "Hattemar Prignet" ging sie als
Ballett-Elevin an die Pariser
Oper und wurde von Marcelle Bourgat weiter ausgebildet. Im Alter von 13 Jahren hatte die junge Brigitte bereits so große
Fortschritte gemacht, dass sie die Aufnahmeprüfung
für das berühmte Nationalkonservatorium für Musik und Tanz,
dem "Conservatoire Nationale de Danse" bestand, unter der Anleitung des hervorragenden russischen
Choreografen Boris Kniaseff (auch: Boris Knyazev; 1900 1975)
entwickelte sich aus dem früher so schüchternen
und unauffälligen Mädchen eine anmutige Schönheit.
Brigitte Bardots Mutter Anne-Marie "Toti" Mucel (1912 1978), die eine Hut-Boutique besaß, verschaffte
ihrer Tochter im Januar 1949 einen Auftritt als Mannequin bei einer
Modeschau sowie bei der Modezeitschrift "Jardin des Modes". Die
erst 15-Jährige beeindruckte vor allem Hélène Lazareff (1900 1988),
die damalige Herausgeberin des Modemagazins "Elle". Vier Monate später, im Mai 1949, war das naiv-verführerische
Gesicht von Brigitte Bardot auf dem Titelbild der Zeitschrift
"Elle" mit den Intialen "B.B." zu sehen. In den nächsten
Monaten folgten eine Reihe von Engagements als Model sowie Auftritte
in TV-Shows des französischen Fernsehens, innerhalb kürzester Zeit
avancierte Brigitte Bardot zu einem der meistgefragten Mannequins von Paris.
Nun wurde auch der Film auf das neue Gesicht aufmerksam; der
französische Regisseur Marc Allégret1)
(1900 1973) erkannte das Starpotential
der Blonden mit dem Schmollmund und
überredete seinen Assistenten Roger Vadim1)
(1928 2000), Brigitte Bardot zu Probeaufnahmen
einzuladen. 1949 begannen die Dreharbeiten zu dem Film "Les lauries sont coupés",
die jedoch frühzeitig abgebrochen wurden.
Aus einem Film war zunächst also nichts geworden, dafür aber
begann die selbst für Franzosen skandalöse Beziehung Roger Vadims mit
der damals knapp 16-jährigen Brigitte Bardot. Das Ergebnis
war im Dezember 1949 ein Selbstmordversuch von Brigitte Bardot, weil
auch ihre Eltern gegen ihre Freundschaft mit Roger Vadim waren. Drei Jahre
später, als der angehende Star 1952 volljährig wurde, fand die Hochzeit der
beiden in der Kirche Notre-Dame de Grace in Passy statt; die Ehe
dauerte allerdings nur fünf Jahre und wurde 1957 wieder geschieden.
Bis 1956 spielte die Bardot zunächst einige kleinere Rollen in so wenig bedeutenden
Filmen wie 1952 in dem von Daniel Gélin inszenierten Film "Von Sensationen
gehetzt" (Les dents longues) oder größere Parts wie in dem belanglosen Streifen
"Le portrait de son père". Mitte der 1950er Jahre erhielt sie
dann auch schon Auftritte in britischen Filmen wie "Doktor
Ahoi!"1) (1955, Doctor at
Sea3)) und "Die
schöne Helena"1) (1956, Helen of Troy), doch erst mit
Roger Vadims Regiedebüt
"Und immer lockt das Weib"1)
(Et Dieu créa la femme2))
wurde sie mit der
Titelrolle der jungen Juliette über Nacht zum Sexsymbol Frankreichs. Hier spielte
die B.B. ein sinnliches Waisenmädchen, dass bei der Tante an der Côte d'Azur mit
obszönen Tänzen und unmoralischen Gebärden der Männerwelt vornehmlich
Curd Jürgens, Christian Marquand, Jean-Louis Trintignant die
Köpfe verdrehte.
Mit dieser Rolle der sexuell begehrenswerten Kindfrau machte sich die Bardot zu
einer Ikone des zeitgenössischen Filmes.
Für die muffigen und prüden 1950er Jahre war der Film eine
erotische Provokation in Cinemascope, die ihre Protagonistin sogleich in ganz Europa,
aber auch in den USA, zum Idol werden ließ. Habitus und Aufmachung der Bardot
wurden von da an stilbildend, ihre Filme zu Exportschlagern.
Sie war nun festgelegt auf die Rolle der naiven Blondine, die mit ihrem Schmollmund bei
Männern alles erreichen konnte. 1957 zeigte sie dann in dem so
spekulativen
Film von Allégret "Das Gänseblümchen wird entblättert (En effeuillant la marguerite) erneut ihre Kurven und konnte ihre starke
erotische Ausstrahlung präsentieren. Fortan war "B.B." nahezu ausschließlich in Hauptrollen bzw. ganz auf sie zugeschnittenen Filmen
zu sehen, so beispielsweise in "Die Pariserin" (1957, Une Parisienne) oder in den
Vadim-Filmen "In ihren Augen ist immer Nacht" (1958, Les bijoutiers du clair de lune) und "Mit den Waffen einer
Frau" (1958, En cas de malheur). Dass B.B.
durchaus auch Talent für Komik besaß, bewies sie dann 1959 in dem Film
"Babette zieht in den Krieg" (Babette s'en va-t'en guerre) und vor
allem 1965 an der Seite von Jeanne Moreau in Louis Malle's Film "Viva
Maria!"1) (Viva Maria!2)), wo sie mit Witz
und wohl dosiertem Sexappeal eine Stripteasetänzerin
mimte.
1960 begann der Star in dem beeindruckenden Gerichts-Melodram von
Henri-Georges Clouzot "Die
Wahrheit"1) (La vérité3)) mit
ihrem Mythos als Sexsymbol aufzuräumen. 1961 folgte mit dem von Louis Malle
gedrehten Drama "Privatleben"
(La vie privée3)
als Partnerin von Marcello Mastroianni wohl einer ihrer besten Filme. Louis Malle inszenierte hier
eine eindrucksvolle Geschichte über eine Schauspielerin, die zum Idol der Massen avanciert also spielte die Bardot sich quasi selbst.
Doch als Star ist sie gleichzeitig Opfer der Gesellschaft,
in ständiger Flucht vor Paparazzi und verfällt schließlich in eine innere Einsamkeit.
Für die Bardot folgten nun über zehn Jahre intensive Filmarbeit, sie
drehte beispielsweise unter der Regie von Jean-Luc Godard mit Jack Palance und Michel Piccoli
die sehenswerte Gesellschaftssatire "Die
Verachtung"1) (1963, Le
mépris"3)), mit Henri Koster und James Stewart als
Partner die Komödie "Geliebte
Brigitte"1) (1965, Dear Brigitte) oder erneut mit Louis Malle eine Episode für den Film "Außergewöhnliche
Geschichten"1) (1967, Histoires
extraordinaires). Ein Jahr später zeigte sie sich zusammen mit "James Bond"-Darsteller Sean Connery in Edward Dmytryks
ungewöhnlichem Western "Man nennt mich Shalako"3) (1968,
Shalako). Ab Ende der 1960er Jahre verblasste Bardots Ruhm zunehmend, sie spielte
in Produktionen wie "Oh, diese Frauen" (1969, Les femmes)
oder "Petroleum-Miezen"1) (1971, Les Pétroleuses).
1973 zog sich die Bardot erst 39-jährig überraschend mit ihrem letzten
Leinwandauftritt in "L'histoire très bonne et très
courte de Colinot Trousse-Chemise" vom Film- und Starrummel zurück,
lebte in ihrer Villa "La Madrague" in Saint-Tropez und
widmete sich fortan vornehmlich dem Tierschutz.
Neben ihrer Karriere als Filmschauspielerin war die Bardot zumindest
in Frankreich auch als Sängerin populär und spielte vor allem
in den 1960er Jahren viele Songs ein; bekannt wurde vor allem das Lied
"Harley Davidson" (1967).
Als vehemente Tierschützerin besuchte sie im Januar 1978 eine Sitzung des
Europäischen Parlaments in Straßburg, bei der über die
gnadenlose Robbenjagd diskutiert wurde, aber auch ihr
prominenter Name half nicht, das Abschlachten endgültig
zu stoppen. Doch in der Folgezeit wurde sie eine der
berühmtesten Aktivistinnen für die Rechte der Tiere und gründete 1986
sogar eine "Brigitte Bardot Stiftung", die sich um
die weltweite Durchsetzung der Rechte der Tiere einsetzt. "Was ist aus uns Menschen geworden, dass wir nicht einmal mehr vor Tieren Respekt
haben?", lautete
die Begründung der überzeugten Vegetarierin und
sie ging selbst mit gutem Beispiel voran. Ihre Villa in
Saint Tropez verwandelte sich in einen Privatzoo,
eine große Summe ihres Geldes überschrieb sie der Stiftung.
Dank ihres großen Namens konnte sie auch niemand aufhalten,
sowohl die Regierung in Paris als auch die Präsidenten
anderer Länder immer wieder zu alarmieren. Ihre Methoden waren dabei oft unkonventionell.
Während ihrer Leinwandkarriere, in der sie das französische Kino weltweit populär
machte und mit den größten Filmstars ihrer Zeit wie Jean Gabin und Alain Delon spielte,
waren B.B.s zahlreiche Affären stets für Schlagzeilen gut.
1958 hatte sie eine Romanze mit Sacha Distel2) (1933 2004),
einem nicht nur in Frankreich äußerst populärem Sänger. 1959 begann ihre Affäre mit
dem zwei Jahre jüngeren Theater- und Filmschauspieler Jacques Charrier,
den sie dann am 18. Juni 1959 in Louveciennes heiratete.
Aus dieser Ehe ging der am 10. Januar 1960 geborene Sohn Nicolas Charrier hervor,
der später ebenfalls Schauspieler wurde. Die Ehe verlief nicht besonders glücklich und wurde von drei
Selbstmordversuchen Charriers im August 1960 überschattet. Im gleichen Jahr im September wurde
auch die Bardot nach einem eigenen Selbstmordversuch
ins Krankenhaus eingeliefert. Nur wenige Zeit später ließ sich
das Paar 1962 wieder scheiden; Sohn Nicolas wurde von Charriers Eltern
aufgezogen und soll erst als junger Erwachsener den Kontakt zu seiner Mutter
intensiviert haben.
Der dritte Ehemann von Brigitte Bardot war der deutsche Playboy und
Industrielle Gunter Sachs1)
(1932 2011), am 16. Juni 1966
wurde in Las Vegas die rauschende Hochzeit gefeiert; insbesondere
in Deutschland begleitete die Presse diese Liaison mit
starker Anteilnahme. Nach nur gut drei Jahren Ehe erfolgte
aber dann am 1. Oktober 1969 die Scheidung von Gunter Sachs. 1992 ging die Bardot die vierte Ehe mit
dem wohlhabenden Geschäftsmann Bernard d'Ormale ein, mit dem sie bis heute
zusammen lebt. Bernard d'Ormale ist ein enger Freund des ehemaligen
Parteivorsitzenden der rechtsextremen französischen Partei "Nationale
Front" Jean-Marie Le Pen1)
und selbst führendes Mitglied der "Front
National".
Neben den bereits genannten Ehen und Affären werden Brigitte Bardot
auch Beziehungen mit Schauspielerkollegen wie den Franzosen Jean-Louis Trintignant2)
und Sami Frey1),
dem Spanier Gustavo Rojo1), dem
Italiener Raf Vallone2)
(1916 2002) oder dem US-Amerikaner Warren Beatty2)
nachgesagt. Auch Namen wie die des französischen Sängers Gilbert Bécaud2) (1927 2001) oder
des Regisseurs Marcel Camus1)
(1912 1982) tauchen auf. Legendär und pikant war Brigitte Bardots
Beziehung zu Serge Gainsbourg1)
(1928 1991), der die Mehrzahl ihrer Chansons schrieb
und später auch für das Fernsehen umsetzte. Für sie schrieb er
mit "Je t'aime" seine öffentliche Liebeserklärung
an sie, die dann durch die Interpretation von Jane Birkin2)
zum skandalumwitterten Welthit wurde.
In dem von Joann Sfar in Szene gesetzten Biopic "Gainsbourg Der Mann, der
die Frauen liebte" (Gainsbourg, vie héroïque), das am 14. Oktober 2010 in die Kinos kam, wird die einstige
Leinwand-Ikone Brigitte Bardot von der französischen Schauspielerin Laetitia Casta1)
verkörpert.
Im Frühjahr 1980 konnte der TV-Reporter Alain Bougrain-Dubourg die Bardot,
die heute ein abgeschottetes und zurückgezogenes Leben in Südfrankreich führt,
noch einmal in die Glitzerwelt zurückholen. Er produzierte eine dreiteilige TV-Serie über das Leben
des ehemaligen Stars mit Filmausschnitten, Reportagen und Interviews, die von
ihr selbst kommentiert wurde.
Neben Greta Garbo und Marilyn Monroe zählt die "B.B." zu den
Frauen, deren Mythos ein gesamtes Jahrhundert prägte.
Die Initialen "B.B." standen lange Zeit für wohlproportionierte, weibliche Formen und deren
Reize.
In ihren "B.B. Memoiren", die 1996 veröffentlicht
wurden, berichtet die Bardot über ihr Privatleben,
über die ängstliche und schüchterne Frau hinter dem Weltstar,
über ihre Kindheit und strenge Erziehung. Sie blickt zurück
auf das schwierige Verhältnis zu ihrem Sohn Nicolas und auf ihre zahlreichen
Liebesbeziehungen. (siehe auch "Alice Schwarzer über die Memoiren der
Brigitte Bardot" bei www.zeit.de)
Seit den 1990ern steht die Bardot der extremen französischen Rechten (Le Pen) nahe und fällt
vor allem in Frankreich mit stark verletzenden Äußerungen
gegen Muslime, Einwanderer, Homosexuelle und Arbeitslose auf. Ihr Ehemann
Bernard d'Ormale (seit 1992) ist ein führendes Mitglied des Front national.
Mehrfach stand sie wegen Anstiftung zum Rassenhass vor Gericht und wurde 2001
(Klage wegen ihrer Äußerungen in ihrem Buch "Ein Schrei in der
Stille") und 2004 verurteilt.4)
In dem 2004 veröffentlichten Buch "Ein Ruf aus der Stille" stellt
sie auch selbstkritisch ihre Karriere als Leinwandidol in Frage: "Bestand
der Erfolg im Leben darin, berühmt zu sein? Bestand er darin, vergöttert zu
werden, anerkannt, umschwärmt? (
) Der Ruhm ist vergänglich, der Absturz
unwiderruflich."
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