Agnes Straub
Die Schauspielerin Agnes Straub wurde am 2. April 1890 als Agnes Josephine Straub und Tochter eines Eisenbahnbeamten in München geboren. Sie wurde von ihren Eltern zunächst in München, später in Dachau auf eine Klosterschule geschickt. In Dachau war es auch, dass die junge Agnes das Theater kennen lernte: Dachauer Künstler hatten ein Krippenspiel inszeniert und einige Rollen mit Klosterschülerinnen besetzt. Agnes Straub konnte ihre Eltern überreden, ihr Schauspielunterricht geben zu lassen, nach der Ausbildung erhielt sie ein erstes Engagement in Heidelberg und gab 18-jährig ihr Bühnendebüt als professionelle Schauspielerin mit der Titelrolle in Grillparzers Trauerspiel "Sappho". Weitere Verpflichtungen führten Agnes Straub unter anderem 1911 nach Bonn, später wechselte sie nach Königsberg an das Stadttheater sowie nach Berlin und schließlich nach Wien. In der österreichischen Hauptstadt avancierte sie zu einer bedeutenden Charakterdarstellerin, feierte beispielsweise Erfolge als "Helena" in Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" oder mit der Titelrolle in Gerhart Hauptmanns "Griselda".
  
Dann folgte sie einem Ruf Leopold Jessners1) (1878 – 1945) an das "Berliner Staatstheater", wo sie vor allem als Darstellerin großer Frauenfiguren brillierte. Zu ihren klassischen Glanzrollen zählen unter anderem die Kleist'sche "Penthesilea", Schillers "Elisabeth" in "Maria Stuart", die "Cäcilia" in Goethes "Stella", die "Klytämnestra" in der "Orestie" von Aischylos, Ibsens "Hedda Gabler" oder Grillparzers "Medea". Aber auch in Stücken der Moderne zeigte sie ihre schauspielerische Dominanz, so etwa als Mutter in Ernst Barlachs "Der tote Tag", als Dirne in Paul Kornfelds "Himmel und Hölle" oder als Negerweib "Medea" in der gleichnamigen Tragödie von Hanns Henny Jahnn.
Agnes Straubs Leistungen auf der Bühne wurden 1932 mit dem "Louise Dumont Topas"1) gewürdigt; sie war die erste Trägerin dieser im Andenken an seine Frau Louise Dumont1) (1862 – 1932) von Gustav Lindemann1) (1872 – 1960) gestifteten Auszeichnung, Lindemann hatte sie nach dem Tod seiner Frau selbst vorgeschlagen. Agnes Straub hatte mehrfach am "Deutschen Theater am Rhein" (eine Vereinigung des "Düsseldorfer Schauspielhauses" und der "Städtischen Bühnen Köln"), dessen künstlerischer Leiter Gustav Lindemann bis 1933 war, gastiert.
  
1935 übernahm die Schauspielerin unter eigener Direktion das "Theater am Kurfürstendamm", benannte es in "Agnes-Straub-Theater am Kurfürstendamm" um und leitete das Haus bis 1938; danach wurde es unter der alten Bezeichnung bis heute weiter geführt.
Auch auf der Leinwand konnte Agnes Straub in einigen Filmen ihre Wandlungsfähigkeit beweisen, bereits zu Stummfil-Zeiten war sie in Streifen wie "Die Teufelskirche" (1919), "Der Richter von Zalamea"2) (1920), "Der Roman der Christine von Herre"2) (1921), "Der Falsche Dimitri" (1922) oder "Haus der Lüge"2) (1925) aufgetreten. Die wenigen Tonfilme, in denen sie bis zu ihrem frühen Tod mitwirkte, boten ihr dann größere Möglichkeiten, ihre darstellerische Bandbreite zu zeigen. In Richard Oswalds "Alraune" (1930) erlebte man sie als Fürstin Wolkonski, in dem Historienfilm "Der Alte Fritz"2) (1936) mit Otto Gebühr in der Titelrolle spielte sie die Zarin Elisabeth und auch für Fritz Peter Buchs Literaturadaption bzw. NS-Tendenzstreifen "Die Warschauer Zitadelle" (1937) stand sie vor der Kamera. Ihr letzter Film war der Krimi-Komödie "Nanu, Sie kennen Korff noch nicht?"1) (1938), wo sie einmal eine ganz anders geartete Rolle spielte, die der "Schriftstellerin" Philippine Schimmelpennick, die unter dem Namen des Titelhelden alias Heinz Rühmann Kriminalromane nach den Aufzeichnungen des Privatdetektivs van Gaalen schreibt.
  
Agnes Straub, deren Erinnerungen unter dem Titel "Im Wirbel des neuen Jahrhunderts" veröffentlicht wurden, erlag am 8. Juli 1941 mit nur 51 Jahren in Berlin-Charlottenburg unerwartet den Folgen einer Embolie, Spätfolgen eines drei Jahre zuvor erlittenen schweren Autounfalls, der ihre schauspielerische Karriere abrupt beendet hatte.
Seit Mitte der 1920er Jahre war der jüdische Regisseur und Schauspieler Leo Reuss1) (1891 – 1946) ihr Lebensgefährte gewesen, mit dem sie oft am Berliner "Volkstheater" und am "Theater am Schiffbauerdamm" auf der Bühne stand. Nicht zuletzt um ihn vor der Nazi-Verfolgung schützen zu können, hatte sie die Direktion des "Agnes-Straub-Theater
s" übernommen. Gleichzeitig gastierten beide mit ihrem Ensemble an den Theatern des ganzen deutschsprachigen Raums als "Agnes-Straub-Ensemble".3)
Heute erinnert der "Agnes-Straub-Weg" in Berlin-Neukölln an die legendäre Schauspielerin. Ihr Erbe ist heute die "Agnes-Straub-Stiftung" in Gries im Pinzgau, ein Erholungs- und Ferienheim für Bühnenkünstler. Ihre Grabstelle befindet sich auf dem Friedhof St. Georgen in Bruck an der Großglocknerstraße, Bundesland Salzburg.3)
Der Nachlass der legendären Künstlerin wird von der Berliner "Akademie der Künste" verwaltet, das "Agnes Straub Archiv" umfasst unter anderem Rollen- und Textbücher, Stückmanuskripte, Szenenfotos, Kritiken und Plakate aus ihrer schauspielerischen Tätigkeit in Heidelberg, Bonn, Königsberg, an der Volksbühne Berlin (1908–1935) sowie ihrer Tätigkeit als Schauspielerin und Direktorin des "Agnes-Straub-Theaters" (Theater am Kurfürstendamm) in Berlin (1935–1941).4)
Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung
Quelle: 3) Wikipedia (abgerufen 15.09.2011), 4) Akademie der Künste
Siehe auch Wikipedia; Fotos bei www.virtual-history.com
  
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie
einige Stummfilme bei www.earlycinema.uni-koeln.de
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de)
Stummfilme
  • 1919: Morphium
  • 1919: Die Himmelskönigin
  • 1919: Die Siebzehnjährigen
  • 1919: Das Geheimnis des Irren
  • 1919: Die Teufelskirche
  • 1920: Um der Liebe willen
  • 1920: Der Richter von Zalamea
  • 1920: Der Schädel der Pharaonentochter
  • 1920: Um der Liebe Willen
  • 1920: Weib aus Marmor
  • 1921: Am Roten Kliff
  • 1921: Der Roman der Christine von Herre
  • 1921: Aus dem Schwarzbuch eines Polizeikommissars
    • Teil 2: Verbrechen aus Leidenschaft
  • 1922: Der Graf von Essex
  • 1922: Der falsche Dimitry
Tonfilme
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