Witta Pohl wurde am 1. November 1937 als Tochter des Gynäkologen Dr. med. habil. Wilhelm Breipohl
und dessen Ehefrau Marie-Luise in Königsberg geboren und wuchs ab
1941 in Bielefeld auf. Den Vater
verlor sie früh, Witta war erst sieben Jahre alt, als dieser eine Woche vor der Kapitulation am
9. Mai 1945 von
russischen Soldaten
erschossen wurde. Zusammen mit ihren fünf Geschwistern wurde Witta alleine
von der Mutter groß gezogen.
Nach dem Gymnasium und der sich anschließenden Ausbildung zur Kosmetikerin, entschied sie sich
Schauspielerin zu werden, nahm ab 1955 bei Herma Clement in Berlin
Unterricht und gab 1957 mit zwanzig Jahren am Staatstheater Kassel
erfolgreich ihr
Theaterdebüt mit der Hauptrolle in dem Stück "Tagebuch der Anne
Frank"; weitere Engagements führten die Schauspielerin unter
anderem nach, München, Braunschweig und Zürich, zwischen 1963 und 1973
gehörte Witta Pohl zum Ensemble des "Deutschen Schauspielhauses" in
Hamburg.
|
|
In jüngerer Zeit sah man sie beispielsweise 2001 mit der
Hauptrolle in der Komödie "Aspirin und Elefanten" neben Ernst Stankovski
am Kurfürstendamm-Theater in Berlin, sowie im Sommer 2003 auf der Meppener Freilichtbühne
in "Cabaret", wo Witta Pohl die ältliche Zimmerwirtin Fräulein
Schneider spielte. Einen eindrucksvollen Erfolg konnte sie 2004 am Hamburger
"Ernst-Deutsch-Theater" auch mit dem Ein-Personen-Stück von Éric-Emmanuel Schmitt
"Oskar und die Dame in Rosa" verbuchen. "Warmherzig, liebevoll,
rührend, humorvoll erzählt Witta Pohl von "Oskar und der Dame in
rosa" nach der beeindruckende Vorlage von Éric-Emmanuel Schmitt. Behände schlüpft sie in alle vorhandenen
Rollen und trifft immer den richtigen Ton, sowohl für die alte Dame, den
Jungen, seine Krankenhauskumpel, seine Eltern oder den Doktor. In dem
hellblauen Krankenhauszimmer mit der Briefblättertapete wird sie nie
pathetisch, sondern erzählt einfach mit viel Humor eine rührende
Geschichte." kann man unter anderem bei www.hamburgtheater.de
lesen.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue
(Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
|
Einem breiten Publikum bekannt wurde die Schauspielerin ab Anfang
der 70er Jahre durch Rollen in zahlreichen Fernsehproduktionen. Erstmals
sah man sie 1960 in "Floß der Medusa" auf dem Bildschirm, in
den 70ern wirkte sie unter anderem in Serien wie "Schaurige Geschichten",
"St. Pauli Landungsbrücken", "Der Alte" oder
Derrick" mit. Man sah sie 1981 als Tochter in der Serie "Einfach Lamprecht",
1983 als Gerda Heimann in der Serie "Uta" oder als Mutter Henk in
"Kinder unseres Volkes". Ungeheure Popularität erlangte Witta Pohl, als 1983
erstmals die Familienserie "Diese Drombuschs"1)
ausgestrahlt wurde, in der sie die Vera Dombrusch verkörperte und
schnell zur "Mutter der Nation" avancierte.
Bis 1994 sah man
sie in dieser Rolle auf dem Bildschirm, danach als Carla van Esken in
dem Mehrteiler "Im Zweifel für
" und ab 1997 war sie dann
die patente Hebamme Marie Linnebrink in der erfolgreichen
ARD-Serie "Happy Birthday". Witta Pohl spielte unter
anderem die Kinderheimleiterin Anna Stolberg in "Alle Kinder brauchen Liebe" (2000)
und in "Jenny & Co." war sie 2001 die Tante Ellen.
Foto: Dreharbeiten zu "Diese Drombuschs": Witta Pohl im Studio mit Michael Degen (links, Rolle: Martin Sanders)
und Michael Günter (Mitte, Regie)
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue
(Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
|
 |
Vor der Kamera stand sie in den letzten Jahren nur noch sporadisch, widmete sich aber ambitionierten
Audio-Produktionen; zu ihren jüngeren Arbeiten für das Fernsehen zählte die
Figur der Königin Clarissa von Ehrenberg in "Die Prinzessin auf der
Erbse" aus der Reihe "Die ProSieben Märchenstunde" (2007),
ihre Rolle der
Martha Seliger in der "Traumhotel"-Folge "Karibik" (2008)
sowie ein Gastauftritt in der Episode "Hafenpastor Der Schein trügt" (2009)
aus der Krimiserie "Großstadtrevier".
Die Popularität der Schauspielerin zeigte sich in vielen Auszeichnungen,
die sie während ihrer Karriere erhalten hatte: Bereits 1960 wurde sie mit dem
"Bad Hersfeld-Preis" als beste Jungschauspielerin ausgezeichnet,
1970 würdigte man ihre Leistung in "Bürger Schippel", wo sie
die Thekla spielte, mit dem "Insel-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg"
und 1984 sowie 1994 erhielt sie die "Goldene Kamera".
Neben ihrer umfangreichen Arbeit für Theater und Fernsehen, engagierte sich
die Schauspielerin seit vielen Jahren für den Tierschutz, vor allem aber für notleidende Kinder in der ganzen
Welt. Seit Anfang der 80er Jahre übernahm Witta Pohl persönliche Patenschaften
für Kinder in Sri Lanka, auf den Malediven, in Uganda und Polen.
1991 gründete sie mit Gleichgesinnten den Verein "Kinderluftbrücke e.V.", der sich
für notleidende Kinder in Osteuropa einsetzt und half aktiv bei regelmäßige Hilfstransporten
mit, das Elend der Kinder zu mildern. Ebenfalls 1991 wurde sie von der UNESCO zur Ehren-Botschafterin für das
Tschernobyl-Hilfsprogramm ernannt. In jüngerer Zeit rief sie in Hamburg zur Spenden-Kampagne
"Paten für Straßenkids" auf und übernahm selbst im Februar 2003
eine Patenschaft. 2005 wurde ihr Engagement, aber auch ihre darstellerischen
Leistungen mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt.
Im März 2011 ging durch die Presse, dass bei Witta Pohl nach einem Zusammenbruch im Februar 2011
akute myeloische Leukämie diagnostiziert worden sei. Die Schauspielerin befand sich seither in
einer Hamburger Klinik in
Behandlung. Nach achtwöchigem Leiden verlor die beliebte Schauspielerin den
Kampf gegen die tückische Krankheit. Witta Pohl starb am 4. April 2011 im Alter von 73 Jahren auf der Intensivstation
des Universitätskrankenhauses Eppendorf (UKE) in Hamburg an ihrer schweren Leukämieerkrankung.
Anlässlich der Trauerfeier am 18. April 2011 in der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis
versammelten sich neben den Familienangehörigen und Freunden auch zahlreiche
Kollegen wie die ehemaligen "Drombusch"-Weggefährten Hans-Peter Korff, Marion Kracht und Sabine Kaack.
Unter den rund 250 Trauergästen, die Witta Pohl die letzte Ehre erwiesen,
waren auch Pohls Ex-Ehemann, der Schauspieler Charles Brauer, sowie die frühere
"Tagesschau"-Sprecherin Dagmar Berghoff und NDR Moderator Rüdiger Wolff.
Mit der Trauerfeier im "Michel" wollten ihre beiden Kinder die Zwillinge Florian und Stefanie sowie ihre
Geschwister all jenen Menschen die Möglichkeit zum Abschied geben, die
ihr Wirken ermöglicht haben. konnte man bei www.ndr.de
nachlesen. Ihre letzte Ruhestätte fand die beliebte Schauspielerin auf dem
Hamburger Friedhof Ohlsdorf; die Beisetzung fand im engsten
Familienkreis statt.
Witta Pohl war in erster Ehe mit Karl Maldeck verheiratet, ab 1966 mit Schauspielerkollegen Charles Brauer2); aus der Verbindung stammen die 1967 geborenen Zwillinge Stefanie und
Florian. 1976 trennte sich das Paar, eine dritte Ehe mit dem 15 Jahre
jüngeren Zahnarzt Ekkehart Franz scheiterte ebenfalls. Witta Pohl lebte zuletzt in Hamburg, wo sie
zahlreichen Tieren ein neues Zuhause gegeben hat.
|