Gerhard Olschewski gehört zu denjenigen Schauspielern, die sich
in der deutschen Fernsehlandschaft fest etabliert haben. Vor allem den
Fans des Dauerbrenners "Der Landarzt"1)
ist er seit Jahren ein Begriff, seit 1987 mimt er nun schon den
brummig-gutmütigen selbsternannten "Kräuterdoktor" Hinnerk Hinnerksen
mit Wollmütze und Strickpullover – eine Figur, die ihm
ganz auf den Leib geschneidert zu sein scheint und mit der er sich in
die Herzen der Zuschauer gespielt hat.
Geboren am 30. Mai 1942 im ostpreußischen Herzogskirchen (heute Gąski, Polen), verschlug es Gerhard Olschewski nach Ende des 2. Weltkrieges
mit seiner Familie ins Schleswig-Holsteinische Dithmarschen,
1953 kam er als Elfjähriger in die Hansestadt Lübeck. Nach der
Schule entschied er sich, Schauspieler zu werden, feierte erste
Bühnenerfolge am Hamburger "St. Pauli Theater".
Mitte der 1960er Jahre kam Olschewski zum Fernsehen, gab sein
Bildschirmdebüt in dem Volksstück "Das
Nachtjackenviertel" (1966), erste Aufmerksamkeit erregte er
dann in Dieter Wedels TV-Klassiker "Einmal
im Leben – Geschichte eines Eigenheims"2) (1972).
Im Laufe der Jahre folgten viele schöne Rollen in Erfolgsserien wie
"Sonderdezernat K1", "St. Pauli
Landungsbrücken", "Engels & Consorten",
"Der Alte" oder "Ein Fall für zwei", mehrfach
spielte er im "Tatort", die Liste der Einzelproduktionen, in
denen Olschewski vor allem bodenständige Typen verkörperte, ist
lang.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue
(Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue. |
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In nachhaltiger Erinnerung bleibt der Vollblutmime mit der Rolle des
polnischen Gärtners Cioska in Ottokar Runzes Drama "Verlorenes
Leben" (1975): Die Geschichte handelt von einem jungen Mann
(Müller-Westernhagen), der sich im Auftrag eines Kriminalkommissars
(Gert Haucke) die Freundschaft eines polnischen Gärtners erschleicht, um
ihn dazu zu bringen, einen Sexualmord zu gestehen. Die Reue über sein
Verhalten und der Zweifel an der Echtheit des Geständnisses führen den
Mann zum Priesterberuf. Eindrucksvoll im Bild und hervorragend in der
Zeichnung der Charaktere, lässt der Film im Hintergrund das geistige Klima
des Dritten Reichs spüren.3) Gerhard Olschewski wurde
für seine eindringliche Interpretation 1976 mit dem
"Bundesfilmpreis" sowie bei den Internationalen Filmfestspielen in
Berlin mit einem "Silbernen Bären" als "Bester
Darsteller" ausgezeichnet. Eine herausragende Leistung war seine
Verkörperung des aus Eifersucht mordenden Kleinstadtbürgers Dr. Kuperus
in dem ebenfalls von Ottokar Runze nach dem Roman "L'assassin"
von Georges Simenon in Szene gesetzten TV-Spiel "Der
Mörder"4) (1979), der Preis als "Bester
Darsteller" beim "Sitges Festival Internacional de Cinema de Catalunya"
war der Lohn für seine beeindruckendes Spiel.
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Auch auf der Bühne beeindruckend: Gerhard Olschewski
in Hebbels "Maria Magdalena",
Neueinrichtung in 29 Bildern/Inszenierung: Jürgen Goslar (7. September 1987)
Die Fotos wurden mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue
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Einen weiteren Preis konnte Olschewski 1983 für die Rolle des
Lkw-Fahrers Schroth in Tankred Dorsts Drama "Eisenhans"1)
entgegennehmen, 1983 wurde er mit dem "Deutschen Filmpreis"
als "Bester Hauptdarsteller" ausgezeichnet: Der Lkw-Fahrer
Schroth, seiner Bärenkräfte wegen "Eisenhans" genannt, lebt mit
seiner Frau Sophie (Hannelore Hoger) und seiner geistig
zurückgebliebenen Tochter Marga (Susanne Lothar) im Niemandsland an
der deutsch-deutschen Grenze. Geographisch und sozial isoliert flüchtet er
in seine Innenwelt und findet Trost nur in der Liebe zur
"unschuldigen" Marga. Seine argwöhnische Umgebung verdächtigt
ihn des Inzests. Der verzweifelte Außenseiter wird seiner Frau gegenüber
handgreiflich; sie zeigt ihn an und Eisenhans wird festgenommen …5)
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Ab den 1990er Jahren tauchte Gerhard Olschewski neben seiner Dauerrolle beim
"Landarzt" mit vielen weiteren durchgehenden Serienfiguren auf dem
Bildschirm auf, beispielsweise mimte er in "Unser Lehrer Doktor
Specht"1) neben Robert Atzorn den Hausmeister Herrn Lattmann,
genannt "Latte", zwischen 1992 und 1996 gab er mehr als
30 Folgen lang den oftmals genervten Busfahrer Franz Sonntag in
der Familienserie "Immer wieder Sonntag"1) an der Seite von
Grit Böttcher als seiner Filmehefrau. In die Rolle des rührigen
Pfarrers Martin Bramstedt schlüpfte er in "Happy Birthday" (1997)
an der Seite von Witta Pohl als patente Hebamme Marie Linnebrink,
in der preisgekrönten Kinderserie "Die Pfefferkörner"1)
(1999 – 2004) zeigte er sich mehrere Folgen lang als guter
Freund Otto. "Mama ist unmöglich", "Für alle Fälle
Stefanie", "Liebling – Kreuzberg", "Praxis
Bülowbogen", "Adelheid und ihre Mörder", "Freunde
fürs Leben" oder "Der Letzte Zeuge" sind nur einige weitere
populäre TV-Serien, in denen Gerhard Olschewski unterschiedlichste,
meist deftige, manchmal auch skurrile Charaktere verkörperte. Zwischen 2001
und 2009 gab er den Oskar Peters, genannt "Räucheroskar" in der
beliebten ZDF-Reihe "Hallo Robbie!"1) und
bewies einmal mehr, dass
er gerade mit norddeutschen Typen, die das Herz auf dem rechten Fleck haben,
vom Bildschirm nicht mehr wegzudenken ist.
Aktuell konnte man Olschewski in der Inga Lindström-Geschichte "Sommer
der Erinnerung"6) (EA: 08.01.2012) als Magnus Lenefors
neben Publikumslieblingen wie Denise Zich, Ralf Bauer, Ursela Monn, Jürgen Heinrich und Volker Lechtenbrink
erleben.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue
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Dass der Schauspieler nicht nur im Genre der leichten Unterhaltung zu
überzeugen weiß, hatte er neben den genannten Dramen in verschiedenen
anderen ambitionierten Produktionen bewiesen, zu nennen sind etwa die Rolle
des Pfarrer Dost in dem von Peter Steinbach nach den Tagebüchern von Victor Klemperer1)
(1881 – 1960)
inszenierten Mehrteiler "Klemperer – Ein Leben in
Deutschland"1) (1999) mit Matthias Habich als jüdischem
Romanistikprofessor Victor Klemperer und Dagmar Manzel als seiner
Ehefrau Eva. Verschiedentlich stand Olschewski für Kurzfilme vor der
Kamera, so zuletzt für Wolfgang Dinslages feinsinnige
Fußballer-Studie "Die Katze von Altona" (2002). Erzählt
wird die Geschichte des schüchternen Teenagers Rudi (Jona Mues),
dessen Vater (Gerhard Olschewski) das ehrgeizige Ziel hat, den Jungen
zum besten Torhüter des Fußballklubs Altona 03 zu machen – doch
Rudi trägt lieber Damenunterwäsche …
Zu Gerhard Olschewskis letzten Arbeiten für das Kino zählt Michael Schorrs
originelle Satire "Schröders wunderbare Welt"1) (2006); in
dieser Story um ein gigantisches künstliches Tropenparadies mitten im
Niemandsland des deutsch-polnisch-tschechischen Dreiländerecks, ahnungslose
Amerikaner und dörfliche Sabotage spielt er den deutschnationalen
Wigbert Wolf, Onkel des Hauptdarstellers Frank Schröder alias
Peter Schneider.
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