| Aud Egede Nissen |
| Aud Egede Nissen wurde am 30. Mai 1893 als Tochter des
Staatsrats und Politikers Adam Egede-Nissen (1868 1953) im norwegischen Bergen
geboren. Zunächst hatte sie den Wunsch Krankenschwester zu werden, doch
durch ihre Schwestern, die Schauspielerinnen Gerd Egede Nissen (1895 1988)
und Ada Egede Nissen (1899 1981, Künstlername: Ada van Ehlers)
kam sie mit dem Theater in Berührung und entschied sich ebenfalls für die
"Bretter, die die Welt bedeuten". Sie nahm Unterricht bei der
Schauspielerin Thure Hansson, anschließend erhielt sie ein erstes
Engagement am Theater in Drontheim. Während einer Reise ins
dänische Kopenhagen lernte sie dort 1913 den Regisseur Bjørn Bjørnson
kennen, der mit ihr erste kurze Stummfilme wie "Det Store derbyløb" (1913),
"Lyset der svandt" (1913) und "Scenens børn" (1913, Wenn die Liebe
spricht) drehte. Als Bjørnson nach Berlin wechselte, ging Aud Egede Nissen mit ihm,
"Beabsichtigt war mit der Verpflanzung auf deutschen Boden vorab
zwar lediglich ein Sprachstudium und die Erweiterung ihres Könnens nach
deutscher Methode. Dem Kino hat sie sich auf Anraten Björnsons und
der Frau Admiral Gad, der Mutter Urban Gads*), lediglich zugewandt, um ihre Studiengelder
aufzufrischen." (Christoph Mülleneisen sen. "Egede Nissen"
in "Der Film" Nr. 15, 6.5.1916). Rasch avancierte das neue Talent in Deutschland zum Star, reihte sich oft an der Seite des Schweden Nils Olaf Chrisander (1884 1947) und des Dänen Olaf Fønss (1882 1949) mit Streifen wie "Die Filmprinzessin" (1914), "Die Flucht vor dem Tode" (1915), "Der Trick" (1915), "Das Abenteuer des van Dola" (1915), "Das Phantom der Oper" (1916) oder den sechs "Homunculus"-Episoden (1916) in die Riege der populären Stummfilmstars jener Zeit ein. Als sie 1917 den Schauspieler und Regisseur Georg Alexander (1888 1945, geborener Lüddekens) kennenlernte, wurde dieser ihr bevorzugter Partner und Ehemann. Im gleichen Jahr gründete das Paar eine eigene Produktions-Gesellschaft, die "(Lüddekens-) Egede-Nissen-Film Comp. mbH", es entstanden "stumme" Streifen wie beispielsweise "Ich heirate meine Puppe" (1917)", "Der Geigende Tod" (1917) oder "Die Geburt der Venus" (1917) mit Georg Alexander hinter der Kamera und Aud Egede Nissen in der Hauptrolle. Zu ihren Partnern gehörte, neben ihrem Mann, unter anderem auch Hans Albers in "Leuchtende Punkte" (1918). Bis 1919 brachte die Firma fast 30 Filme heraus, unter anderem auch jeweils eine Serie mit den Schwestern Gerd und Ada Egede Nissen. 1919 verließ Georg Alexander die Gesellschaft (und seine Frau), gründete die neue Firma "Alexander-Film GmbH", in der sich der passionierte Rennfahrer und Herrenreiter der Herstellung von Filmen aus der Welt des Sports widmete. Aud Egede Nissen trat ab den 20er Jahren in rascher Folge in unzählige Streifen auf, nicht ungewöhnlich unter dem Aspekt, dass viele dieser Stücke oft nur 20 bis 30 Minuten lang und in wenigen Tagen abgedreht waren. Sie wirkte in den populären Geschichten um den Detektiv Joe Deebs (Carl Auen/später Ferdinand von Alten) mit, so etwa in "Kaliber fünf Komma zwei" (1920) und "Das Geheimnis der Mumie" (1921), namhafte Regisseure wie Ernst Lubitsch, Fritz Lang, F. W. Murnau und Richard Oswald holten die kühl wirkende Norwegerin für ihre inzwischen zu Klassikern gewordenen Filme vor die Kamera. Mit Ernst Lubitsch als Regisseur und Darsteller sowie den Stars Pola Negri als Tänzerin und Paul Wegener als Sultan von Bagdad entstand die meisterhafte "1001-Nacht"-Phantasie "Sumurun" (1920), in der sie die Dienerin Haidé mimte. Ein weiterer "Kassenschlager" wurde Lubitschs Historienspektakel "Anna Boleyn" (1920) mit Henny Porten in der Titelrolle und Emil Jannings als Heinrich VIII., Aud Egede Nissen verkörperte die Hofdame Jane Seymour, die sich vor der Titelheldin demütigen muss. Fritz Lang gab ihr in seinem legendären "Dr. Mabuse, der Spieler Ein Bild der Zeit" (1922) die Rolle der Tänzerin und Geliebten Cara Carozza, deren sirenenhafte Verruchtheit ihrem weiteren Rollen-Typus entspricht: "Die Nissen hat eine Sterbeszene, in der sie, ein weiblicher Kurwenal, mit seligem Lächeln an ihrem Herrn und Schänder Dr. Mabuse vergeht. Und eine Melodie ewiger Treue erschüttert uns." (Der Roland, 1.6.1922). (Zitat CineGraph, Lg. 19) F. W. Murnau besetzte sie neben Alfred Abel, Lil Dagover und Lya De Putti als Melanie Lubota in dem Psychodrama "Phantom" (1922) nach dem Roman von Gerhart Hauptmann, Richard Oswald als Prinzessin Eboli in "Carlos und Elisabeth" (1924) neben Conrad Veidt (Don Carlos) und Eugen Klöpfer (König Phillip von Spanien). Dazwischen lagen filmische Geschichten wie "Die Geschlossene Kette" (1920), "Die Lieblingsfrau des Maharadscha 3. Teil" (1921) und "Das Floss der Toten" (1921), mit "Die Nacht der Einbrecher" (1921) entstand eine erste Zusammenarbeit mit dem Stummfilmstar Paul Richter, den Aud Egede Nissen 1920 nach ihrer Scheidung von Georg Alexander geheiratet hatte. Mit ihm als Partner erlebte man sie als Vamp Juana (eigentlich Tochter eines Arztes) in dem melodramatischen "Mantel und Degen"-Abenteuer "Pietro der Korsar" (1925, nach Wilhelm Hegelers Roman "Pietro der Korsar und die Jüdin Cheirinca"), die (ziemlich lasziv) Zwietracht zwischen dem Korsarenhauptmann Salvatore (Rudolf Klein-Rogge) und dem Titelhelden sät. Und so nimmt das dramatische Schicksal seinen Lauf Danach agierte Aud Egede Nissen beispielsweise als Straßenmädchen Emma, die sich in Gerhard Lamprechts im Zille-Milieu spielenden Rührstück "Die Verrufenen" (1925) für den Geliebten (Bernhard Goetzke) opfert, nach "Die Rote Maus" (1926) und "Die da unten" (1926) schlüpfte sie dann in Lamprechts "Menschen untereinander 8 Akte aus einem interessanten Hause" (1926) in die Rolle einer Tochter aus "gutem Hause", die mit dem Auto einen tödlichen Unfall verursacht, ins Gefängnis kommt und dort Mutter wird. Mit Otto Gebühr sah man sie in "In Treue stark" (1926), mit Joe Stöckel in "Die Villa im Tiergarten" (1927), mit Ehemann Richter in "Kampf der Geschlechter" (1926, mal ein Lustspiel!), "Schwester Veronica" (1927), "Der König der Mittelstürmer" (1927), "Schneeschuhbanditen" (1928), "Die Frau im Talar" (1929) und (als Luder) in dem dänisch-norwegischen Grönland-Abenteuer "Eskimo" (1930), welches sie mitproduziert hatte. Im darauffolgenden Jahr konnten die Zuschauer sie erstmals sprechen hören: In Gerhard Lamprechts "Zwischen Nacht und Morgen" (1931), einem Remake des Asta Nielsen-Films "Dirnentragödie" aus dem Jahre 1927, übernahm sie die Rolle der alternden Prostituierten Emma, der "Film-Kurier" schrieb wenige Wochen nach Erscheinen des Films am 12.8.1931: "Egede Nissen kämpft mutig mit dem Schatten ihrer großen Vorgängerin; gelegentlich hat sie einen dunklen Timbre in der Stimme, der zur Rolle passt, doch dann wieder wird sie larmoyant, melodramatisch." Die große Zeit des Stummfilmstars war vorüber, beim Tonfilm konnte sie wie viele ihrer Kollegen nicht Fuß fassen; sie ließ sich wieder in ihrer Heimat Norwegen nieder und zog sich ins Privatleben zurück. Lediglich Anfang der 40er Jahre erschien sie noch einmal in den norwegischen Produktionen "Hansen og Hansen" (1941) und "Trysil-Knut" (1942) auf der Leinwand, auch am Theater soll sie aufgetreten sein; über die Jahre danach ist nichts bekannt. Aud Egede Nissen verstarb am 15. November 1974 im Alter von 81 Jahren in Oslo; ihre Ehe mit Paul Richter war nach einigen Jahren gescheitert; aus der Verbindung stammte Sohn Georg Richter, der vor allem in Norwegen ebenfalls zu einem populären Schauspieler avancierte. |
| *) Anmerkung: Urban Gad (geboren 12. Februar 1879 in Skaelsor (Dänemark),
verstorben am 26. Dezember 1947 in Kopenhagen) war ein Drehbuchautor und
Regisseur; zwischen 1912 und 1918 war er mit dem Stummfilmstar Asta Nielsen
verheiratet. |
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Siehe auch www.cyranos.ch,
wikipedia.org |
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