Filmografie / Hörspiel
Winfried Glatzeder erblickte am 26. April 1945 im heute polnischenSopot1) bei Danzig als einziges Kind einer Handweberin und eines Miederwarenvertreters das Licht der Welt; der Vater starb bereits vor der Geburt 1944 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Wikipedia notiert: "Seine Mutter hielt sich nicht an den am 19. März 1945 verkündeten Befehl, dass die Zivilisten Zoppot räumen sollten, so dass seine Geburt auf dem befreiten Gebiet stattfand. Kurz darauf wurde seine Mutter in eine Psychiatrie eingewiesen, in der sie an Tuberkulose erkrankte und fortan viele Jahre in Sanatorien verbrachte. Mit seinen Großeltern gelangte Glatzeder 1945 nach Berlin. Sein Großvater, der Bauunternehmer Gustav Adolf Werner, wurde kurz darauf Bürgermeister von Berlin-Lichtenberg1) und Friedrichshain1). Glatzeder wuchs in privilegierten Verhältnissen auf, verbrachte die Zeit der Arbeitsreisen seiner Großeltern jedoch in einem Kinderheim. Im Alter von fünf Jahren traf er erstmals seine Mutter wieder. Sie kehrte zur Familie zurück, als Glatzeder zehn Jahre alt war."
→ www.mdr.de  

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Winfried Glatzeder
Schon während seiner Lehre zum Maschinenbaufacharbeiter trat er beim Kabarett auf, später absolvierte er ein Schauspielstudium an der "Hochschule für Film und Fernsehen Babelsberg"1). Zwischen 1965 und 1969 war er am "Hans-Otto-Theater"1) in Potsdam engagiert, ab 1971 gehörte er bis 1977 zum Ensemble der Berliner "Volksbühne"1); "entdeckt" worden war er vom Chefdramaturgen der "Volksbühne" Karl-Heinz Müller anlässlich einer Aufführung von Maxim Gorkis1) Drama "Nachtasyl"1) in einer Inszenierung von Peter Kupke1), in der Glatzeder den Schauspieler gab. In den nachfolgenden Jahren gestaltete Glatzeder unter anderem den Flieger Sun in Brechts "Der gute Mensch von Sezuan"1), trat in Heiner Müllers1) "Weiberkomödie und Die Bauern" auf oder spielte den Durandarte in der Komödie "Der König Hirsch" von Carlo Gozzi1).
Auch beim Film war er aktiv, erstmals machte Glatzeder 1969 mit der kleinen Rolle des Udo in dem DEFA-Streifen "Ein Lord am Alexanderplatz"1) (1967) ein größeres Publikum auf sich aufmerksam. Ab 1970 folgten Hauptrollen, so als Montagearbeiter Christian Smolny und Partner von Heidemarie Wenzel1) in "Zeit der Störche"1) (1971) nach dem Roman von Herbert Otto1) oder als Erwin Graffunda in Roland Oehmes Erfolgskomödie "Der Mann, der nach Oma kam"1) (1972).
Endgültig zum Star wurde der Schauspieler 1974 mit der Titelrolle des charmant-schlaksigen Liebhabers Paul in dem in einer poetisch verfremdeten sozialistisch-realistischen Flowerpower-Welt angesiedelten Liebesfilm "Die Legende von Paul und Paula"1) an der Seite von Angelica Domröse; die DEFA-Produktion geriet nicht nur in der DDR zum Kassenschlager und gilt noch heute als "Kultfilm" → Paul-und-Paula-Kult.
Eine weitere herausragende Rolle für den "Belmondo des Ostens", wie Glatzeder wohl wegen seiner Schlaksigkeit, seinen dunklen Locken und seiner platten Nase tituliert wurde, folgte wenig später Jahr als Till Eulenspiegel1) in Rainer Simons gleichnamigen Kinoadaption1) (1975) des Stoffes von Christa1) und Gerhard Wolf1) sowie die des deutschen Studenten Kurt Wann in der sowjetischen Romanverfilmung "Städte und Jahre"2) (1973, "Goroda i gody"), ein Film der in der DDR am 18. Februar 1977 zur Aufführung gelangte. Bis Anfang der 1980er Jahre stand Glatzeder für Kinoproduktionen wie beispielsweise die Satire "Nelken in Aspik"1) (1976), "Trampen nach Norden"1) (1977), "Die Flucht"1) (1977), "Für Mord kein Beweis"1) (1979), "Zünd an, es kommt die Feuerwehr"1) (1979), "Asta, mein Engelchen"1) (1981) oder "Die Kolonie"2) (1981) vor der Kamera und präsentierte sich zudem auf dem Bildschirm, unter anderem auch einige Male in der beliebten Krimireihe "Polizeiruf 110"1) wie beispielsweise als technischer Zeichner Peltzer in "Vermißt wird Peter Schnok"1) (1977).
 
1982 verließ der Schauspieler mit seiner Familie die DDR, bereits seit Februar 1981 hatte Glatzeder mehrere Anträge auf Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der  DDR gestellt, im Juli 1982 durfte er ausreisen. Glatzeder ließ sich in West-Berlin nieder und konnte auch in der Bundesrepublik erfolgreich Theater- und Filmarbeit miteinander verbinden. Als Ensemblemitglied des "Schillertheaters"1) beeindruckte er die Zuschauer in West-Berlin, zwischen 1986 und 1995 gab er regelmäßig Gastspiele am "Düsseldorfer Schauspielhaus"1), wo er unter anderem als Verwalter Malvolio in der Shakespeare-Komödie "Was ihr wollt"1) (1986), als Sganarell in Heiner Müllers Moliere-Bearbeitung "Don Juan"1) (1988) oder als Clov in Becketts "Endspiel"1) (1992) auf der Bühne stand. In den Lustspielen "Pension Schöller"1) (Rolle: Eugen Schöller) und "Mein Freund Harvey"1) (Rolle: Elwood P. Downd) begeisterte er beispielsweise am Berliner "Komödie am Kurfürstendamm" lange Jahre das Publikum.
Neben seiner umfangreichen Theatertätigkeit stand Glatzeder auch im "Westen" für zahlreiche Fernsehproduktionen vor der Kamera und avancierte zu einer unverzichtbaren Größe auf dem Bildschirm. Man sah ihn beispielsweise 1985 in "Vorsichtige Berührung", Ende der 1980er als Klaus Kukowski in der Serie "Spreepiraten"1), in der Flughafen-Serie "Abenteuer Airport"1) präsentierte er sich 1990 mit der Rolle des Simon und in der "Tatort"-Folge "Jetzt und alles"1) trat er 1994 als brutaler Menschenhändler Ollenberg in Erscheinung. In der mehrteiligen Reihe "Ärzte" tauchte er 1995 als Prof. Peter Häusler auf, im Juni 1996 übernahm er dann die Nachfolge von Kommissar Markowitz alias Günter Lamprecht in den "Tatort"-Episoden des "Sender Freies Berlin"1) (SFB). Im Gegensatz zu Markowitz hatte Hauptkommissar Ernst Roiter eine Neigung zur Eleganz, war geistvoll-charmant und nicht ohne Eitelkeiten. Bis Ende 1998 mimte Glatzeder 12 Folgen lang diese Figur und ermittelte zusammen mit seinem Assistenten Kommissar Michael "Zorro" Zorowski (Robinson Reichel1)) im Verbrecher-Milieu. Der erste Fall des Duos Roiter und Zorowski1) mit dem Titel "Tod im Jaguar"1) (EA: 09.06.1996) war eingangs in die Kritik geraten, weil der SFB eine missverständliche Pressemitteilung über diesen Tatort im Vorfeld mit "antijüdischen Passagen" verbreitete. Auch der Film selbst und die Darstellung von jüdischen Geschäftemachern sorgte für Kritik, seither wird er nicht mehr im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gesendet und landete nach der Erstausstrahlung im so genannten "Giftschrank"1).
Serienauftritte bei "Derrick" oder "Der Alte" gehören ebenso zu Glatzeders TV-Schaffen, in den letzten Jahren macht sich der Schauspieler sich zugunsten seiner Theaterarbeit auf dem Bildschirm jedoch eher rar.
Man sah ihn mit dem eher kleinen part eines Dieners in Kai Wessels Zweiteiler "Die Flucht"1), welcher Anfang März 2007 in der ARD ausgestrahlt und schon im Vorfeld heftig diskutiert wurde. Der als "aufwühlendes Historiendrama" titulierte Fernsehfilm thematisiert den gewaltigen Flüchtlingsstrom von Millionen Menschen, die gegen Ende des 2. Weltkrieges ihre Heimat in Ostpreußen verlassen und gen Westen ziehen, um der Roten Armee zu entkommen. In dem SAT.1-Abenteuer "Die Jäger des Ostsee-Schatzes"3) (2007) mit Désirée Nosbusch1) als Archäologin Jana Voss mimte er herrlich mit wirrem Blick den etwas durchgeknallten "Geistermann" und Kinderschreck Hinnerk, mit langem Mantel, zerzaustem Haar und immer einer Ziege im Schlepptau.
Zu Glatzeders aktuelleren Fernseharbeiten zählt der Märchenfilm "Tischlein deck dich"1) (EA: 20.12.2008), hier mimte er den armen Schneider, von dem der junge Max (Remo Schulze1)) den wundersamen "Knüppel-im-Sack" erhält. Danach stand er als Autohausbesitzer Wolff für mehrere Episoden des Dauerbrenners "Unser Charly"1) vor der TV-Kamera. In der Folge "Sachsen am Abgrund – Friedrich August I. und Napoleon" (EA: 01.09.2013) aus der langlebigen  MDR-Historienserie "Die Geschichte Mitteldeutschlands"4) verlieh er dem wankelmütigen sächsischen König Friedrich August I.1) Kontur; dessen Gegenspieler Napoleon Bonaparte1) wurde von Ulrich Simontowitz verkörpert.
 

Winfried Glatzeder auf der "Berlinale 2008"1)
Urheber: Thore Siebrands (Siebbi)
Quelle: www.ipernity.com bzw. Wikimedia Commons/Wikipedia
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Foto: Winfried Glatzeder auf der Berlinale 2008; Urheber: Thore Siebrands (Siebbi); Quelle: www.ipernity.com bzw. Wikimedia Commons/Wikipedia; Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Seit dem 17. Januar 2014 war Glatzeder als Teilnehmer der achten Staffel der RTL-Reality-Show "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!"1), landläufig als "Dschungelcamp" bezeichnet, zu erleben und erreichte den 5. Platz unter elf Teilnehmern. Warum er sich an dem ambivalent beurteilten TV-Format beteiligte, begründete der Charakterdarsteller im Gespräch mit dem Magazin "Die Bunte" unter anderem mit den Worten: "Für mich muss keine Karriere neu begonnen werden" (…) Ich habe mir vom Dschungel nichts erhofft, außer meine Neugierde zu befriedigen."
Nach längerer Pause vor der TV-Kamera wird sich Glatzeder in der zweiten Staffel der "Netflix"-Serie "Dark"1) zeigen und stellt nun den gealterten Polizisten Ulrich Nielsen dar, der in der ersten Staffel von Oliver Masucci1) gespielt wurde; die Dreharbeiten fanden seit Mitte Juni 2018 statt → www.bz-berlin.de. → Übersicht TV-Produktionen
  
Die Kinozuschauer konnte Glatzeder 1985 als Antonio Salieri1) in Slavo Luthers Biopic "Vergeßt Mozart"1) mit Max Tidof als Komponist Mozart1) überzeugen, ein Jahr später glänzte er in Margarethe von Trottas Film "Rosa Luxemburg"1) (1986) als Politiker Paul Levi1) an der Seite der Protagonistin Barbara Sukowa in der Rolle der Sozialistin Rosa Luxemburg1). Anschließend stand er für die Literaturadaption "Zwischen Pankow und Zehlendorf"1) (1991) als Musiklehrer Börne vor der Kamera, ein Jahr später übernahm er die Hauptrolle des pädophilen Karl Heinz Brenner in Peter Kerns aufsehenerregenden Drama "Gossenkind". Glatzeder spielte im gleichen Jahr die Rolle des Vaters Franz Werner in der DEFA-Produktion "Das Land hinter dem Regenbogen"5) (1992), mimte 1996 den Geschäftsmann Alexander Hofschneider in "Die Kaukasische Nacht"6), einer Geschichte, in der auf unterhaltsame Art die "Goldgräberstimmung" unter westdeutschen Geschäftsleuten nach dem Fall der Mauer dargestellt wird. Glatzeder gehörte zur Besetzung von Leander Haußmanns Komödie "Sonnenallee"1) (1999), 2001 präsentierte er sich auf der Leinwand als Inspektor Columbus in Stefan Lukschys Kinderkrimi "Pinky und der Millionenmops"5) – frei nach dem Jugendbuch "Detektiv Pinky"1) des ostdeutschen Schriftstellers Gert Prokop (1932 – 1994). Am 9. Februar 2006 hatte Catharina Deus' Spielfilm-Debüt "Die Boxerin"5) Premiere, Winfried Glatzeder spielt darin einen Alkoholiker. In Barbara Alberts Drama "Die Lebenden"1), das am 30. Mai 2013 mit Anna Fischer1) als Protagonistin an den Start ging, übernahm er nach längerer Zeit als Sitas Onkel Michael Weiss wieder einmal eine Rolle in einer Kinoproduktion. In Peter Kerns Satire auf die Wiener High Society mit dem Titel "Der letzte Sommer der Reichen"1) spielte an der Seite von Amira Casar1) und Nicole Gerdon  als Hannas diskreter Sekretär Boris einen tragenden Part; der in dem in einigen Szenen provozierende Streifen wurde am 7. Februar 2015 auf der "Berlinale" in der Sektion "Panorama" erstmals vorgestellt. Für den 26. Januar 2017 war die von Robert Thalheim in Szene gesetzte witzige Agentenkomödie "Kundschafter des Friedens"1) angekündigt, in der Glatzeder als alter Kumpan des ehemaligen DDR-Top-Spions Jochen Falk (Henry Hübchen) daher kam. Dieser wird vom BND für eine heikle Aufgabe rekrutiert und nimmt die Aufgabe unter der Bedingung an, dass seine alten Kollegen, Bastler Jacky (Michael Gwisdek), Gigolo Harry (Winfried Glatzeder) und Organisationswunder Locke (Thomas Thieme) ihn unterstützen; der Filmtitel dieser amüsanten Story ist eine Anspielung auf den Begriff "Kundschafter des Friedens"1), offizielle Bezeichnung der Auslandsagenten der ehemaligen DDR. → Übersicht Kinofilme

Nicht nur vor der Kamera beweist Glatzeder immer wieder seine enorme Wandlungsfähigkeit, auf zahlreichen bedeutenden Theaterbühnen wie in Berlin, Wien, München oder Hamburg begeistert er das Publikum. Zwischen 2002 und 2005 trat als Tom in der deutschsprachigen Erstaufführung bzw. in der mit dem "Pulitzer-Preis"1) ausgezeichneten Komödie "Freunde zum Essen" von Donald Margulies1) auf. Unter der Regie von Dietmar Pflegerl1) spielte er in dieser Koproduktion zwischen dem Berliner "Renaissance-Theater1) und dem "Stadttheater Klagenfurt"1) zusammen mit Maria Hartmann1), Sona MacDonald1) und Gerd Wameling1), ging zudem auf eine Gastspielreise, die das Ensemble unter anderem an das "Theater in der Josefstadt"1) (Spielzeit 2003/04) und die Münchener "Komödie am Bayerischen Hof" (Spielzeit 2005/06) führte → renaissance-theater.de. Zudem übernahm er 2005 an der "Komödie am Kurfürstendamm" den Part des Krimiautors Gilles Andary in dem Zwei-Personenstück "Kleine Eheverbrechen" von Erfolgsautor Éric-Emmanuel Schmitt1) – Maria Hartmann1) spielte Gilles Ehefrau Lisa.
Bis zum 10. September 2006 konnte man Glatzeder bei den "Karl-May-Spielen"1) in Bad Segeberg als schurkischen Banditen Santer in "Winnetou III" sehen – gleichzeitig verabschiedete sich Gojko Mitić nach insgesamt 15 Spielzeiten als edler Indianer Winnetou. Theaterfans erfreuten sich an der erneuten Zusammenarbeit des einstigen Traumpaares Glatzeder/Domröse, seit der Premiere am 17. Januar 2008 präsentierten sich die beiden Vollblutmimen in Eduardo de Filippos1) Tragikomödie "Filumena Marturano" am Potsdamer "Hans Otto Theater" nach mehr als drei Jahrzehnten wieder gemeinsam dem Publikum. In der Inszenierung von Petra Luisa Meyer sind beide – anders als bei de Filippo – in dieser neapolitanischen Problembeziehung um eine ehemalige Prostituierte und einen Dandy nicht fünfundzwanzig, sondern schon fünfunddreißig Jahre miteinander liiert, und die Figur des reichen, agilen Südländers Domenico Soriano ist – wie Glatzeder – Anfang sechzig. "Und Glatzeder ist noch immer der knochige lange Schlaks, das verführerisch maskuline Miststück mit dem gebrochenen, doch stolz versteckten Herzen. Ein wunderschöner Abend der Schauspieler, einfach tolles Theater, auch in den vielen köstlichen Nebenrollen". (Quelle: www.welt.de)
Winfried Glatzeder (Jedermann) mit Eva Habermann (Buhlschaft) bei den Berliner Jedermann-Festspielen 2010"; Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Wikimedia-User GraceKelly; Lizenz: CC-BY-SA-3.0 Unportet, 2.5 Generic, 2.0 Generic, 1.0 Generic Eine Paraderolle für Glatzeder war und ist sicherlich einmal mehr die des Schauspielschülers mit L-Fehler Eugen Schöller, den er ab Juli 2008 erneut an der Berliner "Komödie am Kurfürstendamm" in dem von Jürgen Wölffer inszenierten Schwank "Pension Schöller"1) gab. Auch bei der Wiederaufnahme des Komödienklassikers (bis 10. Januar 2010) begeisterte der Mime wieder das Publikum. Glatzeder spielt "auf jenem schmalen Grat aus tiefernster Komödiantik und verzweifelter, unbeirrbarer Sehnsucht nach etwas Unerreichbarem, die Mitleid erreicht." schreibt Monika Nellissen bei WELT ONLINE. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums stand das Stück vom 26. Juli bis 06. August 2017 wieder auf dem Spielplan und wurde zudem im Sommer 2017 bei den Festspielen in Beelitz1) gezeigt → komoedie-berlin.de. Zwischen dem 18. und 29. April 2018 konnte man sich auf weitere Vorstellungen freuen, vom 5. bis 16. September 2018 fand dann ein Gastspiel an der Hamburger "Komödie Winterhuder Fährhaus"1) statt.
Wie bereits 2008 und 2010 war Glatzeder bei den "Jedermann-Festspielen"1) zu bewundern, die seit 1986 jährlich im Herbst stattfanden und seit 1993 Jahr für Jahr Publikumsscharen in den "Berliner Dom"1) am Lustgarten1) zog. Vom 20. bis 30. Oktober 2011 fanden die 25. "Jedermann-Festspiele" der Initiatorin und Regisseurin Brigitte Grothum statt. Winfried Glatzeder gab erneut die Titelfigur des "Jedermann" sowie Barbara Wussow1) die "Buhlschaft", in weiteren Rollen waren, neben Brigitte Grothum (Glaube), Ilja Richter1) (Mammon), Dagmar Biener (Dicke Base) und Santiago Ziesmer1) (Dünner Vetter) zu sehen. Peter Sattmann verkörperte, wie schon seit 2001, den "Teufel". Das Ende der jährlichen Vorstellungen im Jahre 2014 begründete Brigitte Grothum zum einen mit ihrem Alter, zum anderen mit dem ständigen Risiko einer freien Produktion, die auf Sponsoren angewiesen war und keine Subventionen erhielt.
  
Winfried Glatzeder (Jedermann) mit Eva Habermann1) (Buhlschaft) 
bei den Berliner "Jedermann-Festspielen 2010"
Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Wikimedia-User GraceKelly
Lizenz: CC-BY-SA-3.0 Unportet, 2.5 Generic, 2.0 Generic, 1.0 Generic
In "Die Nervensäge", der Komödie "Le contrat" von Francis Veber1), konnte Glatzeder bis 4. Juli 2010 als Profikiller Ralph punkten. In dieser Inszenierung von Christian Wölffer zog er, ebenso wie Partner Markus Ganser als verlassener, lebensmüder Ehemann, einmal mehr alle Register seines schauspielerischen Könnens; auch hier schloss sich eine Tournee an. Die witzige Geschichte wurde bei uns nicht zuletzt durch die Verfilmung mit Lino Ventura und Jacques Brel (1973, "Die Filzlaus"1)) sowie dem Hollywood-Remake "Buddy Buddy"1) (1981) mit Jack Lemmon und Walter Matthau bekannt → komoedie-berlin.de.
Man erlebte den Vollblutmimen im Düsseldorfer "Theater an der Kö"1) als Partner von Gila von Weitershausen in der spritzig-schwarzen Ehekomödie "Toutou" von Daniel Besse und Agnès Tutenuit. Kurzfristig war Glatzeder für seinen erkrankten Kollegen Jörg Pleva eingesprungen, die Premiere war am 10. Mai 2013. "Es lohnt sich" notierte newsline.de, "denn mit Gila von Weitershausen und Winfried Glatzeder stehen junggebliebene, alte Theater- und TV-Hasen auf den Brettern, die Hundebesitzer-Pointen geschickt mit emotionaler Tiefe verquicken. Von Weitershausen mimt hinreißend die verstockt zickige Hundenärrin, dann die eifersüchtige Gemahlin oder flirtende Fremdgeherin. Glatzeder (…) näselt, malmt Konsonanten und wandelt sich vom Paulus zum Saulus: Anfangs umsorgender Ehemann, mutiert er zum selbstverliebten Gockel, der plötzlich Hunde verachtet." Die Berliner Premiere fand am 28. August 2013 in der "Komödie am Kurfürstendamm" statt, zwischen dem 29.05.2014 (Premiere) und 06.07.2014 stand die von Ute Willing1) in Szene gesetzte kurzweilige Geschichte auf dem Spielplan des Hamburger "Ernst Deutsch Theaters"1). Auch 2015 ging es mit der erfolgreichen Aufführung weiter, vom 30. April bis 12. Juli 2015 wurde das Stück im Kölner "Theater am Dom"1) gezeigt → siehe auch komoedie-berlin.de.
In jüngerer Zeit fand bis 11. Juni 2017 in der "Komödie am Kurfürstendamm" die Bühnenversion der amüsanten Geschichte "Wir sind die Neuen" nach dem gleichnamigen Erfolgsfilm1) von Ralf Westhoff1) statt. In der Bearbeitung bzw. Inszenierung von Martin Woelffer spielte unter anderem Winfried Glatzeder den Alt-Hippie und einstigen Frauenheld Eddi, Heinrich Schafmeister1) den spröden Rechtsanwalt Johannes, Claudia Rieschel1) die immer noch attraktive Anne. Zum Inhalt schreibt die "Komödie am Kurfürstendamm": Die drei Alt-68er Anne, Johannes und Eddi – alle im frühen Rentenalter – beschließen, ihre alte Hippie-WG wieder aufleben zu lassen und ziehen nach mehr oder weniger erfolgreichen Jahren wieder zusammen. Doch mit der Studenten-WG einen Stock höher kommt es immer wieder zu Konflikten, denn die Jungen fühlen sich von den Alten zunehmend in ihrer Ruhe gestört: Während die entspannten Best Agers nachts laut Musik hören, trinken, rauchen und philosophieren, bestehen die Studenten auf die einzuhaltende Nachtruhe, damit sie tagsüber lernen können, um bald richtig durchstarten zu können. Verkehrte Welt! Wer ist denn hier spießig und angepasst?" → komoedie-berlin.de; eine Tournee in verschiedenen deutschen Städten schloss sich an, so war die Berliner Produktion seit der Premiere am 18. Mai 2018 auch an der "Komödie Winterhuder Fährhaus" zu sehen.
 
Über seine umfangreiche Arbeit für Theater und Film hinaus ist Glatzeder ein gefragter Sprecher. Neben Hörbüchern wie beispielsweise Theateradaption "Enigma"1) (2001) von Éric-Emmanuel Schmitt1), den Thrillern "Fremde Blicke" (2002) und "Dunkler Schlaf" (2002) von Karin Fossum1) oder der ungekürzten Lesung von Reiner Kunzes "Die wunderbaren Jahre" (2015) stand der Schauspieler auch verschiedentlich im Hörspielstudio; eine Auswahl der bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen findet man hier.
Winfried Glatzeder, aufgenommen anlässlich einer Lesung aus seinem Buch "Paul und ich" am 31. Mai 2008; Copyright Christian Behring Am 15. März 2008 präsentierte der Schauspieler anlässlich der "Leipziger Buchmesse"1) seine Autobiografie "Paul und ich", die in Zusammenarbeit mit der Autorin Manuela Runge1) entstanden war; die Buchpremiere hatte bereits am 3. März im Berliner "Renaissance-Theater" stattgefunden; das Hörbuch "Winfried Glatzeder liest Paul und ich" erschien ebenfalls 2008.
In der im Berliner "Aufbau-Verlag" publizierten Biografie berichtet Glatzeder mit bissigem Witz und ironischem Charme von seiner Nachkriegskindheit im Ostsektor Berlins und den Anfängen seiner Schauspielkarriere, als er u. a. mit Armin Mueller-Stahl 1966 "Ein Lord am Alexanderplatz" dreht. Nach "Zeit der Störche" und "Der Mann, der nach der Oma kam" gelingt Glatzeder 1973 an der Seite von Angelica Domröse im DEFA Kultfilm "Die Legende von Paul und Paula" der Durchbruch. Doch seine Arbeit gerät immer wieder in das Blickfeld der Stasi. 1982 zieht Glatzeder mit seiner Familie nach West-Berlin. Es folgen Krisen, die sich in Alkoholproblemen und kreativer Erschöpfung niederschlagen. So erzählt diese Autobiographie 35 Jahre nach "Paul und Paula" auch von künstlerischer Identitätsfindung und den Schwierigkeiten eines Schauspielerlebens zwischen Ost und West. Bis heute ist Glatzeder auf Bühne und Leinwand präsent. (Quelle: Aufbau-Verlag)
 
Winfried Glatzeder, aufgenommen anlässlich einer Lesung
aus seinem Buch "Paul und ich" am 31. Mai 2008
Foto mit freundlicher Genehmigung des Berliner Fotografen Christian Behring
© Christian Behring (www.christian-behring.com)
Der vielseitige und populäre Charakterdarsteller Winfried Glatzeder ist mit seiner Frau Marion verheiratet; aus der Verbindung stammen die Söhne Robert (geb. 1972) und Philipp (geb. 1975). Robert Glatzeder1) arbeitet ebenfalls erfolgreich als Schauspieler. Glatzeder lebt im Berliner Ortsteil Niederschönhausen1).
Siehe auch die Kurzportraits bei prisma.de
Wikipedia, deutsches-filmhaus.de, filmportal.de, renaissance-theater.de, defa-stiftung.de
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) defa-stiftung.de, 3) tittelbach.tv, 4) fernsehserien.de, 5) filmportal.de Stand: März 2019
     
Filme
Kinofilme / Fernsehen
Filmografie bei Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Link: Wikipedia, defa-stiftung.de, filmportal.de, prisma.de, fernsehenderddr.de,
deutsches-filmhaus.de, Die Krimihomepage, fernsehserien.de)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia, literaturport.de)
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