Ernst Wilhelm Borchert in dem Stück "Das Grabmal des unbekannten Soldaten" von Paul Raynal am "Jürgen-Fehling-Theater" in Berlin-Zehlendorf im Januar 1946;  Copyright: SLUB Dresden/Deutsche Fotothek; Urheber: Urheber: Abraham; Datierung: 1946.01 / Lizenz CC-BY-SA 3.0. Ernst Wilhelm Borchert (auch Ernst-Wilhelm) wurde am 13. März 1907 in Rixdorf bei Berlin (heute Berlin-Neuköln) geboren. Sein Interesse galt schon früh der Schauspielerei und so brach er folgerichtig eine Ausbildung zum Bibliothekar ab, studierte 1926/27 in Berlin an der von Emanuel Reicher1) und Friedrich Moest1) gegründeten "Reicherschen Hochschule für dramatische Kunst", gab anschließend sein Bühnendebüt am "Landestheater Ostpreußen". Herbert Maisch1) holte ihn zur Spielzeit 1928/29 an das Erfurter Theater (bis 1934), danach spielte er für vier Jahre bei Eugen Klöpfer an der Berliner "Volksbühne". Schon damals verkörperte Borchert seine Rollen als "jugendlicher Held" – etwa den Ferdinand in Schillers "Kabale und Liebe"1)  (1937/38), Goethes "Torquato Tasso"1) und Orest1) in "Iphigenie auf Tauris"1) (1938) sowie Grillparzers Jason in "Medea" – nicht schwunghaft und unbekümmert, sondern ernst und zerquält, wie es künftig sein Markenzeichen werden sollte. Borcherts harte, kantige Physiognomie sowie seine Ernst und Strenge ausstrahlende Stimme waren geradezu prädestiniert für getriebene, sich auflehnende Figuren. Kurzzeitig wirkte er nach Ende des 2. Weltkrieges am "Deutschen Theater" (1947–1950), seine Paraderollen wurden an den "Staatlichen Bühnen Berlins" (1950–1977) Büchners "Woyzeck"1) oder Gerhart Hauptmanns "Fuhrmann Henschel"1) und "Florian Geyer"1). 1972 brillierte Borchert als trunksüchtiger, fast blinder Vater (= der Ignorant) in "Der Ignorant und der Wahnsinnige"1) von Thomas Bernhard in einer Inszenierung von Dieter Dorn1).  
 
Ernst Wilhelm Borchert als "der Soldat" in dem Stück
"Das Grabmal des unbekannten Soldaten" von Paul Raynal1)
am "Jürgen-Fehling-Theater" in Berlin-Zehlendorf im Januar 1946
Inszenierung: Jürgen Fehling1)  → weitere Fotos
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000045_018); © SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: 1946.01 / Lizenz CC-BY-SA 3.0
Genehmigung zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz: 12.11.2010
Originalfoto und Beschreibung: Wikimedia Commons
Besonders in den klassischen Rollen des Charakter- und Heldenfachs beeindruckte Borchert Publikum und Kritiker gleichermaßen. Er war der erste "Woyzeck" der Nachkriegszeit und stand verschiedene Male als "Faust" auf der Bühne. In Inszenierungen von Boleslaw Barlog, Fritz Kortner und Boy Gobert spielte er eine große Bandbreite klassischer Bühnenrollen, zumeist getriebene, brüchige Charaktere. führt Wikipedia aus.
So bezeichnete ihnnbsp;1959 "DIE Zeit" (www.zeit.de) anlässlich seiner Gestaltung des "Faust" bei den "Bad Hersfelder Festspielen" als "ein Vorbild für den Bühnennachwuchs" und notierte unter anderem: "Ein klassischer Held, ein glänzender Sprecher und ein im naturalistischen Sinne guter, ja ein "moderner" Schauspieler zu sein, das schließt sich keineswegs gegenseitig aus."
1976 wurde Borchert mit dem "Berliner Kunstpreis"1) ausgezeichnet.
→ Arbeiten für das Theater nach 1945 (Auszug) siehe hier.
  

Ernst Wilhelm Borchert als Walter in dem dem Drama "Die Illegalen"
von Günther Weisenborn1) am Berliner "Hebbel-Theater"
Uraufführung am 20. März 1946, Inszenierung: Franz Reichert
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000061_041)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983; Datierung: 1946.03 / Lizenz CC-BY-SA 3.0
Genehmigung zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz: 12.11.2010
Originalfoto und Beschreibung: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia

Ernst Wilhelm Borchert in dem dem Drama "Die Illegalen" von Günther Weisenborn am Berliner "Hebbel-Theater" (Uraufführung am 20. März 1946); Copyright: SLUB Dresden/Deutsche Fotothek;  Urheber: Abraham Pisarek; Datierung: 1946.03 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Ernst Wilhelm Borchert 1949; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0001073_007); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 03.1949; Quelle: www.deutschefotothek.de Auf der Leinwand verkörperte der Schauspieler ebenfalls meist diesen Typus des "verwundeten" Menschen. Bereits mit 20 Jahren stand er erstmals für den stummen Dokumentarfilm "Die von der Sanitätskolonne" (1927) vor der Filmkamera, 1934 folgte der kurze Streifen "Im Frühling des Lebens". In dem bis heute zu den "Vorbehaltsfilmen"1) zählenden NS-Propagandafilm "U-Boote westwärts!"1) (1941) mimte er den Oberleutnant bzw. Ingenieur Griesbach, in der anti-britischen Story "Mein Leben für Irland"1) (1941) den Thomas O'Neill. Günther Rittau besetzte in als Sohn des alten Deichhauptmanns Wilhelm Doorn (Friedrich Kayßler) in der Max Halbe-Adaption "Der Strom"2) (1942), Rittaus musikalisches Melodram "Der ewige Klang"2) (1943; Musik: Franz Grothe) mit der Rolle des Geigenbauers Matthias Buchner war Borcherts letzte Kinoproduktion während des Krieges.
Seine größte Filmrolle war zweifellos 1946 die des Heimkehrers und zweifelnden Arztes Dr. Hans Mertens in dem ersten, noch in der sowjetischen Besatzungszone gedrehten, deutschen Nachkriegsfilm "Die Mörder sind unter uns"1) unter der Regie von Wolfgang Staudte; Hildegard Knef war seine Partnerin, der mit diesem Film der internationale Durchbruch gelang. Es folgten weitere Hauptrollen im Kinofilm, wie beispielsweise 1949 der zum Mörder werdende Kleinbürger Michael Scholz/Sylvio Sylvestro in Staudtes "Schicksal aus zweiter Hand"2) zusammen mit Marianne Hoppe. 1954 sah man Borchert in "Sauerbruch – Das war mein Leben"1) neben Ewald Balser in der Titelrolle sowie 1955 als Professor Georg Bertram in Victor Vicas' "Herr über Leben und Tod" neben Maria Schell und Ivan Desny; 1959 überzeugte Borchert als Generalfeldmarschall Friedrich Paulus1) in dem Kriegdrama "Hunde, wollt ihr ewig leben?"1).

Ernst Wilhelm Borchert 1949
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0001073_007)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: 03.1949
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

In den 1960er und 1970er Jahren wirkte der Schauspieler nur noch selten in Film- oder Fernsehproduktionen mit und konzentrierte er sich mehr auf das Theater. Zuletzt sah man Borchert 1976 in der Fallada-Adaption "Jeder stirbt für sich allein"1) als Pastor Lorenz auf der Leinwand – zugleich seine letzte Arbeit vor der Kino-Kamera als Schauspieler.
In nachhaltiger Erinnerung ist Borchert auf dem Bildschirm als "Wallenstein" in Franz Peter Wirths zweiteiligen TV-Fassung aus dem Jahre 1962 nach Schillers gleichnamigem Schauspiel geblieben. 1969 beispielsweise trat er unter der Regie von Wolf Vollmar an der Seite von Protagonist Rolf Boysen in dem Mehrteiler "Michael Kohlhaas" (1969)  in Erscheinung → mehr Filmografie siehe hier.  
Borchert war auch ein gefragter Synchronsprecher und lieh so berühmten Kollegen wie Richard Widmark, Henry Fonda, Charlton Heston, Alec Guinness, Trevor Howard, Burt Lancaster oder Richard Burton seine Stimme. Bereits 1936 synchronisierte er Johnny Weissmüller alias Tarzan, den er bis 1948 noch in sieben weiteren "Tarzan"-Streifen sprach → Synchronarbeiten bei Wikipedia und www.synchronkartei.de. Zudem war er an verschiedenen Hörspielen beteiligt.

Ernst Wilhelm Borchert (Mitte) als "Wallenstein" mit Wolfgang Kieling (l., Terzky)
und Alexander Golling (r., Illo) in dem TV-Zweiteiler "Wallenstein" (1962),
der seit Ende Januar 2013 auf DVD in der Reihe "Große Geschichten"
auf DVD im Handel erhältlich ist. Autor: Friedrich Schiller1); Regie: Franz Peter Wirth1)
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; © SWR

Ernst Wilhelm Borchert (Mitte) als "Wallenstein" mit Wolfgang Kieling (l., Terzky) und Alexander Golling (r., Illo) in dem TV-Zweiteiler "Wallenstein" (1961); Autor: Friedrich Schiller; Regie: Franz Peter Wirth; Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; Copyright SWR
Der für seine künstlerischen Verdienste zum "Staatsschauspieler" und Ehrenmitglied der "Staatlichen Schauspielbühnen" Berlins ernannte Ernst Wilhelm Borchert starb am 1. Juni 1990 mit 83 Jahren in Berlin-Schöneberg. Die letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof von Frohnau1), einem Ortsteil von Berlin-Reinickendorf1) → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Noch 1987 hatte ihm auch der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl1) zum 80. Geburtstag gratuliert, in dem Schreiben hieß es: "Zu ihrem 80. Geburtstag gratuliere ich ihnen sehr herzlich. Mein Glückwunsch gilt einer großen Schauspielerpersönlichkeit, die durch die Eindringlichkeit ihres Spiels immer wieder Bewunderung erfahren hat. Vielen anspruchsvollen Rollen des klassischen und des modernen Theaters haben sie eine eigene, sehr persönliche und zugleich überzeugende Deutung gegeben. Darüber hinaus sind sie einem breiten Publikum durch zahlreiche Filmdarstellungen bekannt geworden. die hohe Wertschätzung, die sie erfahren, findet in bedeutenden Ehrungen und Auszeichnungen ihren Ausdruck. (…)3)
Der Nachlass des Schauspielers wird von der Berliner "Akademie der Künste" verwaltet, dessen Mitglied er seit 1976 war; zudem fungierte er zwischen 1977 und 1980 als stellvertretender Direktor der Abteilung "Darstellende Kunst" → Ernst-Wilhelm-Borchert-Archiv.
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch, filmportal.de sowie
"Interview mit Wilhelm Borchert" (1977) bei www.dw.com
Fremde Links: 1)  Wikipedia, 2) filmportal.de
3) Quelle: www.bundesregierung.de
    
Arbeiten für das Theater nach 1945 (Auszug)
R = Regie, P = Premiere, EA = Erstaufführung, UA = Uraufführung
(Fremde Links: Wikipedia)
"Hebbel-Theater", Berlin "Deutsche Theater", Berlin "Schlosspark Theater", Berlin "Schillertheater", Berlin "Jürgen-Fehling-Theater", Berlin
         
Ernst Wilhelm Borchert als …
Ernst Wilhelm Borchert als Kreon in "Antigone" von Sophokles, "Schillertheater", Berlin 1953; mit Maria Becker in der Titelrolle; Regie: Heinrich Koch; Quelle: www.deutschefotothek.de; file: df_pk_0004097_010; Datierung: 31.08.1953 Ernst Wilhelm Borchert als Pastor John Hale in "Hexenjagd" von Arthur Miller; "Schillertheater", Berlin 1954; Regie: Karl-Heinz Stroux; Quelle: www.deutschefotothek.de  (file: df_pk_0004141_008); Datierung: nach 1945 Ernst Wilhelm Borchert als Eddie Carbone in "Ein Blick von der Brücke" von Arthur Miller (Deutsche EA), "Schlosspark Theater", Berlin 1956; Regie: Leo Mittler; Quelle: www.deutschefotothek.de (file: df_pk_0004306_040); Datierung: 04.01.1956
… Kreon in "Antigone" von Sophokles
"Schillertheater", Berlin 1953
mit Maria Becker in der Titelrolle
Regie: Heinrich Koch
Quelle: www.deutschefotothek.de
(file: df_pk_0004097_010)
Datierung: 31.08.1953
… Pastor John Hale in "Hexenjagd"
von Arthur Miller
"Schillertheater", Berlin 1954
Regie: Karl-Heinz Stroux
Quelle: www.deutschefotothek.de
 (file: df_pk_0004141_008)
Datierung: nach 1945
… Eddie Carbone in
"Ein Blick von der Brücke"
von Arthur Miller (Deutsche EA)
"Schlosspark Theater", Berlin 1956
Regie: Leo Mittler
Quelle: www.deutschefotothek.de
(file: df_pk_0004306_040)
Datierung: 04.01.1956
Ernst Wilhelm Borchert als Franz Woyzeck in "Woyzeck" von Georg Büchner, "Kammerspiele", Berlin 1947; Regie: Wolfgang Langhoff; Quelle: www.deutschefotothek.de; (file: df_pk_0000617_006); Datierung: 11.1947 Ernst Wilhelm Borchert als Faust in "Faust I" von Johann Wolfgang von Goethe mit Werner Hinz als Mephisto; "Deutsche Theater", Berlin 1949, Regie: Wolfgang Langhoff; Quelle: www.deutschefotothek.de (file: df_pk_0000783_034); Datierung: 09.1949 Ernst Wilhelm Borchert als Wan in "Tai Yang erwacht" von Friedrich Wolf, "Deutsche Theater", Berlin 1949; Regie: Wolfgang Langhoff; Quelle: www.deutschefotothek.de (file: df_pk_0000812_040); Datierung: 12.1949
… Franz Woyzeck in "Woyzeck"
von Georg Büchner
"Kammerspiele", Berlin 1947
Regie: Wolfgang Langhoff
Quelle: www.deutschefotothek.de
(file: df_pk_0000617_006)
Datierung: 11.1947
… Faust in "Faust I"
von Johann Wolfgang von Goethe
mit Werner Hinz als Mephisto
"Deutsche Theater", Berlin 1949
Regie: Wolfgang Langhoff
Quelle: www.deutschefotothek.de
(file: df_pk_0000783_034)
Datierung: 09.1949
… Wan in "Tai Yang erwacht"
von Friedrich Wolf
"Deutsche Theater", Berlin 1949
Regie: Wolfgang Langhoff
Quelle: www.deutschefotothek.de
(file: df_pk_0000812_040)
Datierung: 12.1949
Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); © SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Fremde Links: filmportal.de, Wikipedia, Murnau Stiftung, Die Krimihomepage)
Kinofilme

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