Frank Sinatra (Francis Albert Sinatra) wurde am 12. Dezember 1915 in der
Hafenstadt Hoboken (New Jersey) unweit von New York City
geboren. Über die sozialen Verhältnisse, in denen er seine Kindheit
und Jugendzeit verbrachte gibt es unterschiedliche Abgaben, man kann aber
wohl davon ausgehen, dass er aus recht bescheidenen Verhältnissen stammte,
auch wenn es seine Familie zu einem im Vergleich zu anderen italo-amerikanischen Familien
seiner Heimatstadt zu einem gewissen Wohlstand gebracht zu haben scheint.
Sein Vater Martin Anthony Sinatra (1894 1969), der
als Profiboxer unter dem Namen "Marty O'Brien" sein Geld
verdiente und sich später von dem Ersparten eine Kneipe pachtete,
stammte aus Palermo (Sizilien), seine Mutter Natalie "Dolly" Sinatra (1896 1977)
aus dem norditalienischen Lumarzo bei Genua. Das Paar war nach Amerika
ausgewandert und hatte sechs Jahre vor der Geburt ihres
einzigen Sohnes Francis geheiratet.
Nach dem Besuch der "Demarest High School" in seinem
Heimatort wollte Sinatra eigentlich Journalist
werden und arbeitete zunächst als Laufbursche in der Sportredaktion des
Lokalblattes "The Jersey Journal".
Allmählich stieg er auf, fing an über Sport zu schreiben, doch
dies entsprach nicht seinen wahren Neigungen. Schon früh hatte der junge
Sinatra sich für Musik interessiert und sein großes Vorbild war Bing Crosby1)
(1903 1977).
Er schloss sich einer kleinen Amateurband, dem Vokalquartett "The Hoboken Four" an und
wurde 1937 bei einem Amateurgesangswettbewerb entdeckt. Zunächst versuchte er
sich als Sänger in verschiedenen Swing-Bands, trat dann ab 1939 bei der
populären Big Band von Harry James2)
(1916 1983) bereits vor einem großen Publikum als
Leadsänger auf.
Zwischen 1940 und 1942 gehörte er der Band von Tommy Dorsey2)
(1905 1956) an,
dem Leiter einer der berühmtesten Swingbands
jener Zeit, anschließend beschloss Sinatra, eine Solokarriere zu starten.
Bald darauf nahm er zwei Platten unter der Regie des Trompeters, Arrangeurs und Bandleaders
Axel Stordahls2)
(1913 1963) auf und
sehr schnell erhielt Sinatra ein Angebot von Manie Sacks, sich
"Columbia Records" anzuschließen. Frank Sinatra "The Voice" wurde zum Idol
von tausender junger Mädchen, die seine Konzerte füllten, während seine
aufeinanderfolgenden Platten sich gegenseitig die obersten Plätze in den Hitlisten wegnahmen.
Über 40 Millionen Fans waren in über
2.000 Fanclubs organisiert, eine regelrechte Massenhysterie herrschte um ihn.
Seine Songs waren unablässig in unzähligen Radio-Shows wie "Hit Your
Parade (1943/44) oder "Songs by Sinatra" (1945-1947) zu hören.
Parallel hierzu begann auch Sinatras Filmkarriere: Als Sänger debütierte er 1935 in
Hollywood mit dem Musikfilm "Major Bowes Amateur of the Air"
und es folgten im Verlauf der nächsten Jahre so flotte Komödien, wie "Ship
Ahoi" (1942), "Anchors Aweight" neben Gene Kelly (1945, Urlaub in Hollywood)
oder "On The Town"2) (1949, Heute gehen wir bummeln), die
alle zu
Kassenschlagern gerieten.
Doch im Grunde war es nicht sein schauspielerische Talent, sondern die Musik, die ihn weiterbrachte.
Schon bald füllte "Frankieboy", wie er von seinen Fans genannt
wurde, riesige Konzertsäle. Dann kam Anfang der 1950er Jahre der Absturz und
seine Karriere schien beendet. Wegen Problemen mit den Stimmbändern und
etlicher Skandale seine Affären und seine Verbindung
zur Mafia füllten immer wieder die Boulevardblätter wagte
niemand mehr, ihn zu engagieren.
Immer wieder wurde und wird Frank Sinatra nachgesagt, engere Verbindungen zu
Mobstern, insbesondere der italo-amerikanischen
Cosa Nostra, unterhalten zu haben, in deren Clubs er, wie zahlreiche seiner Berufskollegen auch, schon in den 1940er Jahren gesungen hatte. Bereits 1942 wurde behauptet, der Gangster
Willie Moretti bzw.
Sam Giancana habe
Tommy Dorsey dazu gebracht, seinen Vertrag mit Sinatra aufzulösen. Laut Tochter Nancy Sinatra war es aber Jules Stein, Gründer der MCA, welcher Sinatra mit 75.000 US-Dollar aus dem Vertrag rauskaufte.3)
Die Scheidung von seiner Frau Nancy, die Affäre mit Lana Turner, die Ehe
mit Ava Gardner und Alkohol- und Drogenprobleme belasteten sein Image. Neben zahlreichen Liebesaffären sagte man Frank Sinatra immer wieder Alkoholprobleme nach.
Besonders mit seinen Freunden Sammy Davis jr., Dean Martin, Joey Bishop und Peter Lawford, mit denen
er legendäre Auftritte im
"The Sands" in Las Vegas hatte (später bezeichnet als "The Rat
Pack", sie selbst verwendeten diese Bezeichnung nie und nannten ihre Shows
"The Summit"), waren angeblich regelrechte Gelage
keine Seltenheit. Sein Entertainerauftritt im eleganten Smoking
mit dem Whiskyglas in der rechten Hand und dem Mikrofon in der Linken war dabei charakteristisch für ihn.3)
Doch schon 1953 feierte Sinatra mit einer kleine Nebenrolle in
einer Verfilmung von James Jones' Roman über den japanischen Angriff auf Pearl Harbor
in dem Kriegsdrama "Verdammt in alle Ewigkeit"2)
(From Here to Eternity) ein
Comeback als Filmstar. Fred Zinnemann hatte ihm die tragische Rolle des kleinen, geschundenen
G.I. Angelo Maggio angeboten und sie wurde sein Schicksal. Er erhielt zwar nur
eine kleine Gage von 8.000 Dollar ein Taschengeld im
Vergleich zu den 150.000 Dollar pro Film, die er davor
erhalten hatte seine Darstellung verschaffte
ihm jedoch einen Nebenrollen-Oscar und leitete das bis dahin größte
Comeback in der Geschichte des US-Showbusiness ein. Nun war Sinatra
wieder wer, nicht mehr der Backfischstar früherer Jahre, der penibel auf
seinen Ruf zu achten hatte, sondern ein anerkannter Schauspieler und Entertainer,
dem die US-Amerikaner gelegentliche Affären und Alkoholgeschichten nicht
mehr übel nahmen und der sich nun künstlerisch nach seinen Vorstellungen verwirklichen konnte.
Es war der endgültige Durchbruch und es folgten 1955 weitere Kassenhits wie der Musikfilm
"The Tender Trap" (Die zarte Falle) von Charles Walters, das Musical
"Guys and
Dolls"2) (Schwere Jungs und leichte Mädchen) von Joseph L. Mankiewicz
neben Marlon Brando.
Sinatra spielte mit seiner zweiten Filmkarriere nun aber auch weiter
dramatische Rollen, so 1955 den drogenabhängigen Musiker Frankie Machine in
Otto Premingers Rauschgift-Drama "The Man with the Golden Arm"2)
(Der
Mann mit dem goldenen Arm4)) für diese brillante Darstellung erhielt Sinatra
eine Oscar-Nominierung. In dem während des spanischen Freiheitskampfes gegen
Napoleon angesiedelten Abenteuer "The Pride and
the Passion"4) (Stolz und Leidenschaft zeigte sich Sinatra
1957 neben Cary Grant und Sophia Loren als sturer spanischer Revolutionär,
ein
Jahr später glänzte er eindrucksvoll in Vincente Minnellis düsterem Verlierer-Porträt
"Some Came
Running"2) (Verdammt sind sie alle"4))
als gescheiterter Schriftsteller und Kriegsheimkehrer Dave Hirsh.
Aber auch in weniger tragischen Filmen war Sinatra überaus erfolgreich. 1956 agierte
er als Partner von seinem früheren Idol Bing Crosby sowie neben Grace Kelly
als unbekümmerter Reporter in Charles Walters' "High
Society"2) (Die oberen
Zehntausend4)) und 1957 erhielt er die Titelrolle des Sängers
Joey Evans in George Sidneys Musical-Verfilmung "Pal
Joey"2) (Pal Joey43))
Die Filmkomödien wie
"Ocean Eleven"2) (1960,
Frankie und seine Spießgesellen3)) oder "Robin And The Seven
Hoods"2) (1964, Sieben gegen Chicago) mit seinen "Rat Pack"-Gefährten
Dean Martin, Sammy Davis Jr. und Peter Lawford wurden allesamt
Kassenschlager, ebenso wie die heitere Geschichte "Marriage
on the Rocks"2) (1965, Dreimal nach Mexiko)
mit Deborah Kerr und Dean Martin.
Sinatra drehte zahlreiche Filme von denen viele in die Filmgeschichte eingegangen sind.
John Frankenheimers 1962 in Szene gesetzter Politthriller "The Manchurian Candidate"2) (Botschafter der Angst),
wo Sinatra einen Korea-Veteran spielt, gehört mittlerweile zu
den unsterblichen Klassikern Hollywoods.
1965 wurde er von Mark Robson mit der Rolle des Colonel Joseph Ryan in
dem Kriegsfilm "Van Ryan's Express"2)
(Colonel Van Ryan's Express) besetzt. Ende der 1960er Jahre agierte der Schauspieler Sinatra in verschiedenen Krimis, so
unter anderem in "Tony Rome"2) (1967, Der Schnüffler), "The Detective" (1968,
Der Detektiv) und "Lady In Cement" (1968, Die Lady in Zement) von
Regisseur Gordon Douglas. Die
Leinwandauftritte wurden jedoch immer seltener und Streifen wie die
Westernparodie "Dirty
Dingus Magee"4) (1970, Dirty Dingus, der scharfe Bandit)
gehören nicht unbedingt zu den Kino-Highlights; 1980 zog sich der
Entertainer dann fast vollständig vom Filmgeschäft zurück.
Sinatra konzentrierte sich nun auf seine TV-Arbeit und Welttourneen als
Sänger, häufig mit seinen nicht minder erfolgreichen "Rat
Pack"-Kollegen2) Sammy Davis Jr.1)
(1925 1990) und Dean Martin1)
(1917 1995) zusammen mit diesen gehörte er zu den bestbezahlten Entertainern der USA. Von seinen
Fans und der Presse bewundert "The Voice" genannt, ersang er sich mit
Dauerbrennern wie "My Way", "New York, New York",
dem Titelsong zum gleichnamigen
1977 gedrehten Film, oder "Strangers In The Night" Weltruhm
und wurde schon zu Lebzeiten eine Legende.
"My Way" wurde zu seinem Markenzeichen und
er spielte es am Ende eines jeden Konzerts.
Die Zahl seiner veröffentlichten Singles und Alben lässt sich nur schwer zählen
und ist von kaum einem anderen Sänger ausgenommen vielleicht Elvis Presley erreicht worden. Hunderttausende seiner Platten sind verkauft worden,
von denen mehrere den ersten Platz in den Listen der angesehenen nordamerikanischen Zeitschrift
"Billboard" erreichten; Sinatra wird mit Recht "der"
Entertainer des 20. Jahrhunderts genannt. Er war ein Mann,
auf den alle denkbaren Superlativen der populären Musik Anwendung fanden.
Im Laufe seiner 60-jährigen Karriere gelang es ihm, seinen
unverkennbaren Stil zu bewahren und trotz gegenläufiger Trends
immer an der Spitze des kommerziellen Erfolgs zu bleiben. So
geriet er zu einem der wichtigsten Charaktere im amerikanischen
und internationalen Musikgeschäft. 1971 gab
"Frankie Boy" seine erste "unwiderrufliche" Abschiedsvorstellung,
zahlreiche sollten folgen.
Mit über 1.800 Songaufnahmen, 60 Filmrollen, neun Grammys und einem
Oscar sprengte dieser Mann alle Rekorde der Unterhaltungsbranche. Von 1955
bis 1995 war ein Sinatra-Song wöchentlich in den "Billboard"-Charts
vertreten. Seine Auftritte als Entertainer wurden zum Treffpunkt der
Prominenz aller Kategorien. Die Reichen und Mächtigen aus Politik,
Wirtschaft und Unterwelt rechneten sich die Bekanntschaft mit "Frankie
Boy" zur Ehre an, die schönsten Frauen sammelte er um sich,
seine Affären wurden zur Legende und zu heißen Schlagzeilen.
Mit seinen kassenträchtigen Filmen, TV-Auftritten, Schallplatten und Showtourneen häufte
Sinatra ein Vermögen an, das er
in Beteiligungen in Industrie, Immobilien, Spielcasinos und Rennbahnen
investierte und ihn zu einem der reichsten Entertainer der Welt machte.
Nur wenige wissen, dass sich Sinatra sowohl sozial als auch politisch
engagiert hat. Er spendete Millionen an Hilfsorganisationen
und oft schickte er anonym Geld an Bedürftige, von deren
Misere er in den Medien gehört hatte. Er war es auch,
der in der McCarthy-Zeit gegen die Schwarzen Listen
Hollywoods kämpfte und verbannte Filmschaffende auf
seine Lohnliste nahm. Er war auch ein offener Gegner
des Rassismus und verhalf farbigen Talenten wie Sammy Davis Jr. erst zum Erfolg.
Frank Sinatra war vier Mal verheiratet; am 4. Februar 1939 hatte er seine
Jugendliebe Nancy Barbato geheiratet; aus dieser Ehe, die 1951 geschieden
wurde, stammen Tochter Nancy2) (geb. 8. Juni 1940),
die später selbst eine erfolgreiche Sängerin wurde, Sohn Franklin Wayne Emmanuel2)
(geb. 1944), der zwischen 1988 und 1995 Sinatras Orchesterleiter war,
sowie Tochter Christina2) (geb. 1948),
die als Filmproduzentin tätig ist.
Nach seiner Scheidung folgte am 7. November 1951 die spektakuläre
Hochzeit mit dem Filmstar Ava Gardner1) (1922 1990); die Ehe
hielt nur wenige Jahre bis 1957. Nach einiger Zeit als Junggeselle
heiratete Sinatra am 19. Juli 1966 mit 51 Jahren die 21-jährige Schauspielerin
Mia Farrow1); die von vielen als "skandalös" bezeichnete Ehe zerbrach
bereits nach zwei Jahren. Seit Mai 1976 bis zu seinem Tod war das
Allroundgenie mit Barbara Marx5) verheiratet, Witwe des legendären Komikers
Zeppo Marx2)
(1901 1979), der zeitweise Mitglied der Komikertruppe "Marx-Brothers"1).
Aufsehen erregte seinerzeit Eva Bartok1) (1928 1998), die behauptete Sinatra sei der Vater
ihrer Tochter Deana, die während der Ehe mit Curd Jürgens1) (1915 1982) geboren wurde.
Sinatra hatte zwar eine die kurze Romanze mit der Schauspielerin, die auch zur
Scheidung von Ava Gardner beigetragen haben soll, erkannte die
Vaterschaft jedoch nie an.
1995 zog sich der inzwischen 80-jährige Sinatra endgültig aus dem Showbusiness zurück;
drei Jahre später, am 14. Mai 1998 verstummte "the voice" des
größten Entertainers unserer Zeit
für immer und in aller Welt trauerten nicht nur Fans. Frank Sinatra starb in Los Angeles im Alter von 82 Jahren an einem Herzversagen.
Er fand seine letzte Ruhestätte im "Desert Memorial Park" in Palm Springs,
Kalifornien. Bei der Beerdigung sollen der Presse zufolge Freunde und
Familienmitglieder persönliche Gegenstände in das Grab gegeben haben; so
z.B. einen Ring mit der Gravur "Dream", eine kleine Flasche "Jack Daniel's"-Whiskey,
ein Päckchen Camel-Zigaretten und ein Zippo-Feuerzeug.
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