Judy Winter wurde am 4. Januar 1944 als Beate Richard und Tochter eines Reserveoffiziers
sowie dessen Frau, einer Tänzerin, im oberschlesischen Friedland geboren.
Nach Ende des 2. Weltkrieges kam die Familie über Hannover und
Bielefeld nach Heidelberg und die Eltern ermöglichten ihrer
Tochter, den bereits begonnenen Unterricht in klassischem Ballett
fortzusetzen. Doch aus den Träumen, eine erfolgreiche Ballerina zu
werden, wurde nichts, da das junge Mädchen zu groß wurde. Ab 1961
nahm sie daher Schauspielunterricht in Stuttgart und erhielt
mit knapp 17 Jahren ein erstes Engagement in Ulm von keinem
geringeren als Peter Zadek1) (1926 2009),
mit dem sie auch eine Zeit lang liiert war. 1962 wechselte Judy Winter, wie sie
sich nun mit Künstlernamen als Hommage an die Hollywood-Stars Judy Garland2)
(1922 1969) und Shelley Winters2)
(1920 2006) nannte, nach Bremen und stand dort erfolgreich auf der Bühne.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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Weitere
Engagements führten die Künstlerin im Verlaufe der Jahre unter
anderem nach Berlin an das "Renaissance Theater" sowie nach
Hamburg an das "Thalia Theater" und das "Ernst-Deutsch-Theater".
Man sah die Charakterdarstellerin beispielsweise in Stücken wie Patrick Hamiltons
Krimi "Gaslicht", Tschechows "Kirschgarten" oder
als Mary Tyrone in O'Neills "Eines langen Tages Reise in die Nacht",
sie spielte in Brechts "Mutter Courage" oder in der
Uraufführung von "Herbstsonate" nach Ingmar Bergmans Film-Klassiker, den das
"Ernst Deutsch Theater" als erste Bühne herausbrachte.
Die vielseitige Künstlerin brillierte auch in Musicals wie
"Chicago", war als Eliza in " My Fair Lady" oder mit der Titelrolle
in " Hello Dolly" zu sehen.
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Foto links:
Judy Winter und Boleslaw Barlog1)
bei den Proben
zu Bertolt Brechts
"Mutter Courage und ihre Kinder"
"Ernst Deutsch Theater", Hamburg
(25. Februar 1981)
Unten:
Szenenfotos zu
"Mutter Courage und ihre Kinder" |
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Die Fotos wurden mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue. |
Seit 1998 und der Premiere am Berliner "Renaissance Theater"
begeistert Judy Winter nicht nur die Kritiker mit der perfekten Darstellung
der Marlene Dietrich in "Marlene"; das Publikum feierte ihre
inzwischen über 500 Auftritte in ganz Deutschland sowie in Japan und Moskau
jedes Mal mit frenetischem Applaus und Standing Ovations. Schon seit Jahren läuft das Stück als Dauerbrenner
und auch in der Presse liest man begeisternde Kommentare über das Konzertprogramm.
So schrieb beispielsweise DIE WELT "Judy grüßt Marlene, trifft deren
Frechheit, Kälte, Hitzigkeit sowie ihre weggestreckte, sehnsüchtige Sentimentalität als unheilbare
Romantikerin." und der Kölner Stadt-Anzeiger titelte "Marlene lebt und heißt jetzt Judy Winter".
In jüngerer Zeit stand die Schauspielerin im Berliner "Renaissance-Theater"
in der Krimi-Komödie "Acht Frauen" auf der Bühne, wo Judy Winter souverän und böse als Herrin
einer eingeschneiten Villa auf dem Land glänzte. Seit 11. Oktober 2007
war sie als
charismatische Schauspielerin Alexandra del Lago in
Tennessee Williams' "Süßer Vogel Jugend" am Hamburger
"Ernst Deutsch Theater" in einer Inszenierung von Adelheid Müther
neben Armin Schlagwein als dem jungen aufstrebenden Chance Wayne zu
bewundern.
Neben Hartmut Becker spielte Judy Winterin dem Stück "Rose"
(Rose und Walsh) des Erfolgsautors Neil Simon die Titelrolle, die umjubelte Premiere war am 17. März 2010
in der Komödie Düsseldorf, bis zum 30. April fanden weitere Aufführungen
statt. Die geistreiche Komödie "Rose" wurde erstmals 2003 am Broadway
präsentiert und handelt von der berühmten Schriftstellerin bzw. zweifachen
Pulitzer-Preisträgerin Rose, die den Tod ihres Lebenspartners, des ebenso
berühmten Autors Walsh, ignoriert und auf ihre eigene Art am Leben erhält,
Nacht für Nacht redet sie mit dem bereits seit mehreren Jahren verstorbenen
geliebten Mann.
"Judy Winter ist eine ideale Rose. Sie verkörpert mit Schwung, Humor und zuweilen mädchenhaftem Trotz
die Schriftstellerin, die durch den Tod ihres Partners aus dem Tritt geraten ist. Die Trauer der
Zurückgebliebenen zeigt sie ebenso wie die Müdigkeit des Alters, die sie aber mit funkelndem Witz überspielt"
schreibt die "Westdeutsche
Zeitung" anlässlich der Premiere; siehe auch www.komoedie-duesseldorf.com.
Foto: Hartmut Becker2) und Judy Winter in dem Stück
"Rose"
© Bernd Schaller (www.schallerfoto.de)
Das Foto wurde mir freundlicherweise von dem Fotografen Bernd Schaller zur
Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Bernd Schaller; das Foto
darf nicht für andere Zwecke verwendet werden.
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Schon früh waren Film- und Fernsehen auf die talentierte
Schauspielerin aufmerksam geworden und schnell avancierte Judy Winter meist
mit Rollen komplizierter, sich selbst zerfleischender Frauenfiguren in
zahlreichen Produktionen zum Publikumsliebling auf dem Bildschirm. Neben
Auftritten in so beliebten Krimi-Serien wie "Sonderdezernat K1",
"Derrick" oder "Ein Fall für zwei", sah man sie
beispielsweise 1977 in dem Kult-Tatort " Reifezeugnis"1) als Frau des
ungetreuen Studienrats Fichte alias Christian Quadflieg, 1980 überzeugte
sie als Sybille in Ulrich Schamonis "Das
Traumhaus"1), 1981 als Sophie von Andergast in der von Theodor Kotulla inszenierten,
mehrteiligen Jakob Wassermann-Adaption "Der Fall Maurizius"2). 1982 übernahm sie die
Titelrolle in "Dr. Margarete Johnsohn" oder war zwei Jahre später
die Dr. Katia Michelsberg in "Ärztinnen" für
letztgenannte Rolle wurde Judy Winter 1984 mit dem "Darstellerpreis" auf dem 3. Nationalen Spielfilmfestival der DDR
ausgezeichnet. Unter der Regie von Cordula Trantow
spielte sie 1989 neben Wolfgang Reichmann in dem Psychokrimi "Besuch"
grandios die Doppelrolle der Karrierefrau Laura bzw. der verwahrlosten
Zwillingsschwester Sibylle. In den 1990ern zeigte sie sich in Serien wie "Vater braucht eine Frau"
oder "Sterne des Südens", war 1996 in "Wem gehört Tobias?"
als gemeine und schließlich verrückte Großmutter Dorothea Thorwald zu
sehen. Eine schöne Rolle war auch die der Clubdirektorin Dr. Renate Wenger in
der Hape Kerkeling-Satire "Club
Las Piranjas"1) (1995).
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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An der Seite von
Hannelore Elsner tauchte Judy Winter als Verena Hagen-Wertheim in der Liebeskomödie "Schmetterlingsgefühle"3) (1997) auf oder 1998 neben Dietmar Bär und Jürgen Tarrach
als Dr. Berg in
der Gesellschaftssatire "Durch dick & dünn"3). In den vergangenen Jahren wirkte Judy Winter 2002 als Erika Weil in der Komödie
"Auch Erben will gelernt sein"3) mit und 2003 übernahm sie die Rolle
der Mutter von Titelheldin Anna Göllner alias Sonja Kirchberger in dem
RTL-Krimi "Sommernachtstod" nach dem norwegische Bestseller von Kjell Ola Dahl.
In der melodramatischen Familienkomödie "Brücke zum Herzen"3) (2005)
mimte sie neben Simone Thomalla und Dietmar Schönherr als liebevoll
zerstrittenes Vater-Tochter-Gespann eine weise Klinikchefin. In dem
sehenswerten NDR-Fernsehfilm "Ein Sommer mit Paul"3) mit Matthias Brandt
als nicht gerade erfolgreichem Zauberkünstler Raimund Balsam und Max Schmuckert als 12-jährigem
Paul in der Hauptrolle war sie ebenfalls auf dem Bildschirm präsent (EA: 14.01.2009). Gerade
abgedreht hatte sie den zweiteiligen Psychothriller "Das Echo der Schuld"3) nach dem
gleichnamigen Roman der deutschen Bestseller-Königin Charlotte Link, mit Anna Loos, Michael von Au und
Daniel Morgenroth in den Hauptrollen. In der von Krimispezialist
Marcus O. Rosenmüller für das ZDF in Szene gesetzten spannenden
Geschichte (EA: 12./13.04.2009) um Kindesmord, eine seltsame Liebe
und die Bewältigung verborgener Traumata spielte sie die Ehefrau des erfahrenen Polizisten Jack Walker (Jürgen Heinrich).
Fertiggestellt ist die schwarze, äußerst komische ZDF-Geschichte "Mutter muss weg"3) (EA:
18.10.2012), in der Judy Winter neben Bastian Pastewka in
Erscheinung trat. Sie kam als einstige Porno-Darstellerin Hannelore
daher, dominante, extrovertierte Mutter des spießigen Enddreißigers
Tristan, der eine folgenschwere Vorliebe für Puppenhäuser und Auftragskiller
hat und bei der Psychotherapeutin Frau Dr. Korff (Karoline Eichhorn)
seine mörderischen Visionen loswerden will → www.presseportal.de.
Dass die Komödie (mit unerwartetem Ende) sehenswert war, lag auch an dem "bestens
aufgelegten Hauptdarsteller-Duo Bastian Pastewka in der Rolle des gestörten
Muttersöhnchens und Judy Winter als Ex-Sexfilmstar, Mutter und
Erotikbuch-Verlegerin. Klasse!" notiert prisma.de.
Die Kinozuschauer sahen Judy Winter erstmals 1970 als Silvia in "Das Gelbe Haus am
Pinnasberg"1) auf der Leinwand, Rollen in den erfolgreichen
Simmel-Verfilmungen "Und Jimmy ging zum Regenbogen"1) oder "Liebe ist nur ein Wort"1)
folgten ein Jahr später. 1973 beispielsweise stand sie als Helmi Petersen in
Ottokar Runzes "Der Lord von Barmbeck" neben Martin Lüttge
vor der Kamera, in der Märchenverfilmung "Dornröschen"1) (1990)
trat Judy Winter mit der Figur der Königin Christine in
Erscheinung.
Aktuell spielte sie in der Wallace-Parodie "Neues vom Wixxer"1) (2007) die Schwester
Lucipha.
In Alfred Vohrers Kinoversion des Simmel-Bestsellers "Und Jimmy ging zum Regenbogen"
hatte man Judy Winter 1971 als dubiose Bordellbesitzerin Nora Hill erleben
können, knapp vier Jahrzehnte später schlüpfte sie (nun authentischer)
erneut in diese Rolle und spielte diese Figur in der von Carlo Rola in Szene
gesetzten Fernsehverfilmung, die Ende September 2008 über den Bildschirm
flimmerte. In dem spannenden Thriller, der von Wien nach Berlin und von 1969
nach 1996 verlegt wurde, sieht man in den Hauptrollen Heino Ferch als
argentinischen Arzt Manuel Aranda (1971: Alain Noury) und Dennenesch Zoudé
als Irene Waldeck (1971: Doris Kunstmann) (siehe auch www.dieterwunderlich.de
sowie prisma-online.de).
Auch als bedeutende Synchronsprecherin hat sich Judy Winter einen Namen
gemacht: Neben Faye Dunaway, Annie Girardot, Mireille Darc und
Vanessa Redgrave lieh sie Liv Ullmann in Bergmanns "Szenen einer Ehe"
ihre Stimme und erhielt für ihre Leistung 1977 die "Goldene Kamera".
Am 9. September 2001 wurde die Künstlerin für ihr langjähriges Engagement
in der AIDS-Hilfe mit dem "Bundesverdienstkreuz" ausgezeichnet, am 1. Oktober 2005
folgte der "Verdienstorden des Landes
Berlin"1) sowie am 21. Januar 2010 der B.Z.-Kulturpreis
"Berliner Bär".
Als Kuratorin der "Berliner AIDS-Hilfe" bemüht sie sich, das
Thema Aids nicht aus dem Blick der Öffentlichkeit verschwinden zu lassen und
begründete mit anderen die jährlich stattfindende Gala "Künstler gegen
AIDS".4) Darüber hinaus
setzt sie sich aktiv für die Hilfsaktion "Kinder im Irak" ein und
brachte 2006 die Sonder-Maxi-CD "Mutter Erde" auf den Markt, deren Erlös den "Kindern im
Irak" zufließt. Zu hören sind der Anti-Kriegs-Song "Sag mir, wo die Blumen
sind" sowie zwei Lieder von Bob Lenox, "Mutter Erde" und
"Kinder malen Gott und die Welt".
Judy Winter, die knapp zwanzig Jahre lang in zweiter Ehe bis 1990 mit dem
gefeierten Jazz-Musiker Rolf Kühn1)
verheiratet war, lebt heute in Berlin-Charlottenburg. Mit Rolf Kühn verbindet
sie auch heute noch ein freundschaftliches Verhältnis, ebenso wie
mit ihrem ersten Ehemann, dem Schauspieler Joachim Regelien1)5).
Ihr Adoptivsohn Francis C. Winter1) ist Schauspieler und Bühnenautor. 2006 schrieb er für seine Mutter das Stück
"Schöne Überraschung", das in der "Komödie am Kurfürstendamm" mit Judy Winter in
der Hauptrolle zur Uraufführung kam.6)
Foto: Judy Winter nach einer Lesung für "Amnesty
International" im Dezember 2008
Urheber: Simon Neumann, Berlin (Simon.neumann.berlin)
Der Urheberrechtsinhaber dieses Fotos hat es gemeinfrei
veröffentlicht.
Quelle: Wikipedia
bzw. Wikimedia
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