Judy Winter wurde am 4. Januar 1944 als Beate Richard und Tochter eines Reserveoffiziers sowie dessen Frau, einer Tänzerin, im oberschlesischen Friedland geboren. Nach Ende des 2. Weltkrieges kam die Familie über Hannover und Bielefeld nach Heidelberg und die Eltern ermöglichten ihrer Tochter, den bereits begonnenen Unterricht in klassischem Ballett fortzusetzen. Doch aus den Träumen, eine erfolgreiche Ballerina zu werden, wurde nichts, da das junge Mädchen zu groß wurde. Ab 1961 nahm sie daher Schauspielunterricht in Stuttgart und erhielt mit knapp 17 Jahren ein erstes Engagement in Ulm – von keinem geringeren als Peter Zadek. 1962 wechselte Judy Winter, wie sie sich nun mit Künstlernamen als Hommage an die Hollywood-Stars Judy Garland und Shelly Winters nannte, nach Bremen und stand dort erfolgreich auf der Bühne.

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Judy Winter 01
Weitere Engagements führten die Künstlerin im Verlaufe der Jahre unter anderem nach Berlin an das "Renaissance Theater" sowie nach Hamburg an das "Thalia Theater" und das "Ernst-Deutsch-Theater". Man sah die Charakterdarstellerin beispielsweise in Stücken wie Patrick Hamiltons Krimi "Gaslicht", Tschechows "Kirschgarten" oder als Mary Tyrone in O'Neills "Eines langen Tages Reise in die Nacht", sie spielte in Brechts "Mutter Courage" oder in der Uraufführung von "Herbstsonate" nach Ingmar Bergmans Film-Klassiker, den das "Ernst Deutsch Theater" als erste Bühne herausbrachte. Die vielseitige Künstlerin brillierte auch in Musicals wie "Chicago", war als Eliza in " My Fair Lady" oder mit der Titelrolle in " Hello Dolly" zu sehen. 
 
Judy Winter und Boleslaw Barlog bei den Proben zu "Mutter Courage"  Foto links:
Judy Winter und Boleslaw Barlog 
bei den Proben zu Bertolt Brechts 
"Mutter Courage und ihre Kinder"
"Ernst Deutsch Theater", Hamburg
(25. Februar 1981)
 
Unten:
Szenenfotos zu
"Mutter Courage und ihre Kinder"
Judy Winter in "Mutter Courage und ihre Kinder" 01 Judy Winter in "Mutter Courage und ihre Kinder" 02
Die Fotos wurden mir freundlicherweise von der Fotografin   Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. 
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
  
Seit 1998 und der Premiere am Berliner Renaissance Theater begeistert Judy Winter nicht nur die Kritiker mit der perfekten Darstellung der Marlene Dietrich in "Marlene"; das Publikum feierte ihre inzwischen über 500 Auftritte in ganz Deutschland sowie in Japan und Moskau jedes Mal mit frenetischem Applaus und Standing Ovations. Schon seit Jahren läuft das Stück als Dauerbrenner und auch in der Presse liest man begeisternde Kommentare über das Konzertprogramm. So schrieb beispielsweise DIE WELT "Judy grüßt Marlene, trifft deren Frechheit, Kälte, Hitzigkeit sowie ihre weggestreckte, sehnsüchtige Sentimentalität als unheilbare Romantikerin." und der Kölner Stadt-Anzeiger titelte "Marlene lebt und heißt jetzt Judy Winter". In jüngerer Zeit stand die Schauspielerin im Berliner "Renaissance-Theater" in der Krimi-Komödie "Acht Frauen" auf der Bühne, wo Judy Winter souverän und böse als Herrin einer eingeschneiten Villa auf dem Land  glänzte. Seit 11. Oktober 2007 war sie als charismatische Schauspielerin Alexandra del Lago in Tennessee Williams' "Süßer Vogel Jugend" am Hamburger "Ernst Deutsch Theater" in einer Inszenierung von Adelheid Müther neben Armin Schlagwein als dem jungen aufstrebenden Chance Wayne zu bewundern.
Aktuell spielt Judy Winter neben Hartmut Becker in dem Stück "Rose" (Rose und Walsh) des Erfolgsautors Neil Simon die Titelrolle, die umjubelte Premiere war am 17. März 2010 in der Komödie Düsseldorf, bis zum 30. April sind weitere Aufführungen geplant. Die geistreiche Komödie "Rose" wurde erstmals 2003 am Broadway präsentiert und handelt von der berühmten Schriftstellerin bzw. zweifachen Pulitzer-Preisträgerin Rose, die den Tod ihres Lebenspartners, des ebenso berühmten Autors Walsh, ignoriert und auf ihre eigene Art am Leben erhält, Nacht für Nacht redet sie mit dem bereits seit mehreren Jahren verstorbenen geliebten Mann. "Judy Winter ist eine ideale Rose. Sie verkörpert mit Schwung, Humor und zuweilen mädchenhaftem Trotz die Schriftstellerin, die durch den Tod ihres Partners aus dem Tritt geraten ist. Die Trauer der Zurückgebliebenen zeigt sie ebenso wie die Müdigkeit des Alters, die sie aber mit funkelndem Witz überspielt" schreibt die "Westdeutsche Zeitung" anlässlich der Premiere; siehe auch www.komoedie-duesseldorf.com).

 

Foto: Hartmut Becker und Judy Winter in dem Stück "Rose";  © Bernd Schaller (www.schallerfoto.de)
(Das Foto wurde mir freundlicherweise von dem Fotografen Bernd Schaller zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Bernd Schaller; das Foto darf nicht für andere Zwecke verwendet werden.)

Hartmut Becker und Judy Winter: Szenenfoto aus dem Stück ROSE; Copyright Bernd Schaller
Schon früh waren Film- und Fernsehen auf die talentierte Schauspielerin aufmerksam geworden und schnell avancierte Judy Winter meist mit Rollen komplizierter, sich selbst zerfleischender Frauenfiguren in zahlreichen Produktionen zum Publikumsliebling auf dem Bildschirm. Neben Auftritten in so beliebten Krimi-Serien wie "Sonderdezernat K1", "Derrick" oder "Ein Fall für zwei", sah man sie beispielsweise 1977 in dem Kult-Tatort " Reifezeugnis" als Frau des ungetreuen Studienrats Fichte alias Christian Quadflieg, 1982 übernahm sie die Titelrolle in "Dr. Margarete Johnsohn" oder war zwei Jahre später die Dr. Katia Michelsberg in "Ärztinnen"; für letztgenannte Rolle wurde Judy Winter 1984 mit dem "Darstellerpreis" auf dem 3. Nationalen Spielfilmfestival der DDR ausgezeichnet. Unter der Regie von Cordula Trantow spielte sie 1989 neben Wolfgang Reichmann in dem Psychokrimi "Besuch" grandios die Doppelrolle der Karrierefrau Laura bzw. der verwahrlosten Zwillingsschwester Sibylle. In den 90ern spielte sie in Serien wie "Vater braucht eine Frau" oder "Sterne des Südens", war 1996 in "Wem gehört Tobias?" als gemeine und schließlich verrückte Großmutter Dorothea Thorwald zu sehen. Ein Jahr darauf war sie die Verena Hagen-Wertheim an der Seite von Hannelore Elsner in der Liebeskomödie "Schmetterlingsgefühle"1) (1997) oder 1998 neben Dietmar Bär und Jürgen Tarrach die Dr. Berg in der Gesellschaftssatire "Durch dick & dünn"1)
  
In letzter Zeit wirkte Judy Winter 2002 als Erika Weil in der Komödie "Auch Erben will gelernt sein" mit und 2003 übernahm sie die Rolle der Mutter von Titelheldin Anna Göllner alias Sonja Kirchberger in dem RTL-Krimi "Sommernachtstod" nach dem norwegische Bestseller von Kjell Ola Dahl. In der melodramatischen Familienkomödie "Brücke zum Herzen" (2005) mimte sie neben Simone Thomalla und Dietmar Schönherr als liebevoll zerstrittenes Vater-Tochter-Gespann eine weise Klinikchefin. In dem sehenswerten NDR-Fernsehfilm "Ein Sommer mit Paul"1) mit Matthias Brandt als nicht gerade erfolgreichem Zauberkünstler Raimund Balsam und Max Schmuckert als 12-jährigem Paul in der Hauptrolle war sie ebenfalls auf dem Bildschirm präsent (EA: 14.01.2009). Gerade abgedreht hatte sie den zweiteiligen Psychothriller "Das Echo der Schuld"1) nach dem gleichnamigen Roman der deutschen Bestseller-Königin Charlotte Link, mit Anna Loos, Michael von Au und Daniel Morgenroth in den Hauptrollen. In der von Krimispezialist Marcus O. Rosenmüller für das ZDF in Szene gesetzten spannenden Geschichte (EA: 12./13.04.2009) um Kindesmord, eine seltsame Liebe und die Bewältigung verborgener Traumata spielte sie die Ehefrau des erfahrenen Polizisten Jack Walker (Jürgen Heinrich).

Die Kinozuschauer sahen Judy Winter erstmals 1970 als Silvia in "Das Gelbe Haus am Pinnasberg"2) auf der Leinwand, Rollen in den erfolgreichen Simmelverfilmungen "Und Jimmy ging zum Regenbogen"2) oder "Liebe ist nur ein Wort"2) folgten ein Jahr später. 1973 beispielsweise stand sie als Helmi Petersen in "Der Lord von Barmbeck" vor der Kamera, in "Das Traumhaus"2) war sie 1980 die Sybille sowie im gleichen Jahr die Aina Mattsson neben Martin Beck in "Der Mann, der sich in Luft auflöste". Aktuell spielte sie in der Wallace-Parodie "Neues vom Wixxer"2) (2007) die Schwester Lucipha.
 
In Alfred Vohrers Kinoversion des Simmel-Bestsellers "Und Jimmy ging zum Regenbogen" hatte man Judy Winter 1971 als dubiose Bordellbesitzerin Nora Hill erleben können, knapp vier Jahrzehnte später schlüpfte sie (nun authentischer) erneut in diese Rolle und spielte diese Figur in der von Carlo Rola in Szene gesetzten Fernsehverfilmung, die Ende September 2008 über den Bildschirm flimmerte. In dem spannenden Thriller, der von Wien nach Berlin und von 1969 nach 1996 verlegt wurde, sieht man in den Hauptrollen Heino Ferch als argentinischen Arzt Manuel Aranda (1971: Alain Noury) und Dennenesch Zoudé als Irene Waldeck (1971: Doris Kunstmann) (siehe auch www.dieterwunderlich.de sowie prisma-online.de). 
 
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Judy Winter 02
Auch als bedeutende Synchronsprecherin hat sich Judy Winter einen Namen gemacht: Neben Faye Dunaway, Annie Girardot, Mireille Darc und Vanessa Redgrave lieh sie Liv Ullmann in Bergmanns "Szenen einer Ehe" ihre Stimme und erhielt für ihre Leistung 1977 die "Goldene Kamera".
Am 9. September 2001 wurde die Künstlerin für ihr langjähriges Engagement in der Aids-Hilfe mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, am 1. Oktober 2005 folgte der Verdienstorden des Landes Berlin. Darüber hinaus setzt sie sich aktiv für die Hilfsaktion "Kinder im Irak" ein und hat ganz aktuell eine CD auf den Markt gebracht, deren Erlös den "Kindern im Irak" zufließt.
Judy Winter, die zwanzig Jahre lang mit dem Jazz-Musiker Rolf Kühn verheiratet war, lebt heute in Berlin-Charlottenburg.
  
1) Der Link führt zu prisma-online.de – 2) Der Link führt zu Wikipedia Stand: März 2010
Einige Informationen der Biografie stammen von www.prisma-online.de;
mehr Informationen zu der beliebten Schauspielerin gibt es bei www.judywinter.de.
Siehe auch Wikipedia sowie die Vita bei der Agentur Verena de la Berg
Lesenswert ist das Interview bei bei www.kultur-fibel.de
Filmografie bei der german.imdb.com
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