| Martin Flörchinger |
|
Als Sohn des Schauspielerehepaars Ernst Flörchinger und Anna Paintner am 9. Oktober 1909 als Martin Paintner-Flörchinger in
Geisenhausen bei München geboren,
war für Flörchinger der künstlerische Lebensweg bereits vorgezeichnet.
Doch zunächst war der junge Mann unentschlossen, ob er in die Fußstapfen
seiner Eltern treten solle und sammelte nach dem Abitur zunächst
Erfahrungen in verschiedenen Berufen. Ab 1929 absolvierte
er dann an der Schauspielschule in Leipzig eine zwei-jährige Ausbildung,
die er 1931 erfolgreich abschloss, wenig später gab er am Theater in
Leipzig spielt als Ferdinand in Schillers "Kabale und Liebe"
sein Bühnendebüt. Weitere Theaterengagements u. a. in Stettin, Gera, Frankfurt,
Dortmund, Königsberg, Darmstadt und erneut Leipzig schlossen sich an,
Flörchinger machte sich vor allem mit Rollen des jugendlichen
Helden einen Namen. Während des 2. Weltkrieges wurde die Karriere des talentierten Schauspielers unterbrochen, er geriet in Gefangenschaft und konnte erst nach seiner Entlassung seine Arbeit wieder aufnehmen. Zunächst stand er in Ellwangen/Jagst sowie in Darmstadt auf der Bühne, 1947 siedelte er in die sowjetische Besatzungszone über. Am Theater in Leipzig wird er bald ein anerkannter Darsteller, der besonders in klassischen Stücken auffällt. Er spielt die deutschen Traditionsstücke von Ephraim Lessing, Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller. Internationales Aufsehen erzielt der Schauspieler mit der Darstellung des Robesspierre in dem gleichnamigen Theaterstück von Romain Rolland. Danach ruft Berlin in Gestalt des damaligen Intendanten des Deutschen Theaters Wolfgang Heinz und des Leiters des Berliner Ensembles Bertolt Brecht. Ab 1956 spielt er als Ensemble-Mitglied am BE in zahlreichen Stücken. Gelobt wird sein kluger, angstvoller Sagredo in "Das Leben des Galilei". Er gibt den Volkstribun in "Coriolan" und den Pierpont Mauler in "Die heilige Johanna der Schlachthöfe". Als witzige Hauptfigur in "Schweyk im Zweiten Weltkrieg" von Bertolt Brecht brilliert er. Mehr als 300mal steht er mit dieser Rolle auf der Bühne und überzeugt Kritiker wie Publikum. Mehrfach führt der Darsteller auch Regie, zählt zu den Stützen der Theaterhäuser im Ostteil Berlins. Er arbeitet mit den Regisseuren Wolfgang Langhoff, Erich Engel, Peter Palitzsch, Manfred Wekwerth und Ruth Berghaus zusammen.*) Daneben war Flörchinger auch als Schauspielpädagoge in Leipzig und Berlin tätig; bereits während seines Engagements in Dortmund (1936 bis 1939) engagierte er sich erstmals in diesem Bereich, später wurde er zwischen 1948 und 1953 in Leipzig Leiter der Theaterhochschule, in Berlin unterrichtete er an der Staatlichen Schauspielschule. 1951 gab Martin Flörchinger in der DEFA-Produktion "Die Meere rufen" sein Spielfilmdebüt. Drei Jahre später verkörperte er Karl Liebknecht in Kurt Maetzigs erfolgreichem Filmepos "Ernst Thälmann Sohn seiner Klasse"1) (1954) sowie ein Jahr später in dessen Fortsetzung "Ernst Thälmann Führer seiner Klasse"1) (1955), wenn auch nicht mehr in der Rolle Liebknechts, sondern als Volksdelegierter aus dem Saargebiet. Daneben spielte Flörchinger in Konrad Wolfs lange Zeit verbotenem Film "Der geteilte Himmel"1), im Thriller "For eyes only" (1963, Streng geheim), im Drama "Die Abenteuer des Werner Holt"1) (1965), in der Märchenverfilmung "König Drosselbart"1) (1965, mit Manfred Krug in der Titelrolle) und neben Donatas Banionis in Konrad Wolfs "Goya oder der arge Weg der Erkenntnis"2) (1971). Er ist in den folgenden Jahrzehnten in zahlreichen Charakterrollen zu sehen, die er eindrucksvoll und überzeugend gestaltet. kann man bei www.defa-sternstunden.de nachlesen. Detaillierter Aufbau von Rollenfiguren, Differenzierung verschiedener Haltungen, Präzision, Disziplin in Mitteln der Körperbeherrschung, Übereinstimmung von Gestus und Gestik das zeichnet das Spiel von Martin Flörchinger aus." (Renate Seydel, 1974) So kennt ihn das Publikum z. B. als den scheinbaren Mustergatten aus der "Ehesache Lorenz" (1959), der vor die schwierige Entscheidung zwischen seiner langjährigen Frau und der hübschen Sekretärin gestellt wird, oder als den gewissenhaften Kriminalisten Albert Schirding im Film "Seilergasse 8" (1960). Im Fernseh-Mehrteiler "Die Bilder des Zeugen Schattmann" (1972) verkörpert Flörchinger ergreifend das Schicksal des von den Nazis deportierten jüdischen Arztes Dr. Marcus. Durch seine Darstellung des Spielzeugmachers Kasimir aus "Turlis Abenteuer"1) (1967) und des König Löwenzahn im Märchen "König Drosselbart" (1965) ist sein Gesicht auch den kleinen Zuschauern bekannt. 1976 siedelte der mittlerweile 67-Jährige aus der ehemaligen DDR in die Bundesrepublik Deutschland über, wo er weiterhin als Schauspieler an Bühne (Münchner Kammerspiele), Film und Fernsehen tätig war. Zwei Mal spielte er unter der Regie Hans W. Geißendörfers in Kinofilmen 1976 in "Die Wildente" (mit Jean Seberg, Anne Bennent, Bruno Ganz, Peter Kern und Heinz Bennent) und zwei Jahre später in "Die gläserne Zelle"2) (1978). Er zeigte sich in Literaturverfilmungen wie "Ein Kapitel für sich"3) (1979) nach Walter Kempowski und "Die Geschwister Oppermann"3) (1983) nach Lion Feuchtwanger sowie in zahlreichen Fernsehproduktionen wie der Krimiserie "SOKO 5113". Daneben arbeitete Martin Flörchinger in der ehemaligen DDR und in der Bundesrepublik als Sprecher für Synchronisation und Hörfunk. So lieh er 1982 in der Hörspielproduktion des BR von Douglas Adams' "Per Anhalter durch die Galaxis" sowie deren 1991 vom SWF produzierten Fortsetzung dem paranoiden Androiden "Marvin" seine Stimme. Darüber hinaus war Flörchinger ein leidenschaftlicher Zeichner. Außerdem nahm er eine komplette Neuübersetzung von Shakespeares 154 Sonetten vor, die 1996 bzw. 2000 unter dem Titel "Und Narren urteil'n über echtes Können" veröffentlicht wurden. Für seine künstlerische Leistung wurde Flörchinger 1967 und 1972 mit dem "Nationalpreis der DDR" ausgezeichnet. Darüber hinaus erhielt er 1964 den "Kunstpreis" des FDGB. Auch seine Tochter Wera Paintner2) und sein Schwiegersohn Wolfgang Dehler3) (1936 2003) arbeiteten als Schauspieler. Sein Enkel Thomas Dehler ist ebenfalls Schauspieler und sowohl am Theater (u. a. in Rostock, Magdeburg, Leipzig) als auch in Film, Fernsehen und als Hörbuchsprecher tätig. Martin Flörchinger starb am am 27. Oktober 2004 in Vilsbiburg (Bayern). |
|
*) Quelle: www.defa-stiftung.de,
zusammengestellt von Ines Walk (www.film-zeit.de),
Stand: Mai 2006 Der Link führt 1) zu defa-sternstunden.de, 2) zu Wikipedia, 3) zur Beschreibung bzw. Kurzportrait innerhalb dieser HP |
|
Kurzportrait nach Wikipedia (Stand Oktober 2009) sowie
www.defa-sternstunden.de Siehe auch und www.defa-stiftung.de und www.film-zeit.de; Filmografie bei www.imdb.de |
|
|
|
Um zur Seite der Publikumslieblinge zurückzukehren, bitte dieses Fenster
schließen. Home: www.steffi-line.de |