Horst Drinda 1957 als Fred in "Die respektvolle Dirne" von Jean-Paul Sartre an den "Kammerspielen" des "Deutschen Theaters", Berlin; Inszenierung: Wolfgang Heinz; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0004420_024); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 28.05.1957; Quelle: www.deutschefotothek.de Der Schauspieler und Regisseur Horst (Eckhart) Drinda wurde am 1. Mai 1927 als Sohn eines Angestellten in Berlin-Wedding geboren. Nach der Schule ließ er sich bei den "Junkers-Werken" in Dessau zunächst zum Flugzeugmotorenschlosser ausbilden, anschließend begann er im Herbst 1944 ein Studium als technischer Offizier bei der Luftwaffe, wurde noch gegen Kriegsende bei den Kämpfen um Berlin eingesetzt und verwundet.
Nach Ende des 2. Weltkrieges schlug Drinda sich anfangs als Bügelgerüstbauer durch, musste die Arbeit aus gesundheitlichen Gründen jedoch bald aufgeben. Schon früh hatte er sich für das Theater interessiert, nun wählte er mit Hilfe des Schauspielers und Stummfilmstars Gustav von Wangenheims1) (1895 – 1975, Sohn des Schauspielers Eduard von Winterstein1)) einen künstlerischen Beruf, bewarb sich an der Schauspielschule des "Deutschen Theaters" in Berlin, wurde aufgenommen und erhielt ein Stipendium, Sein Bühnendebüt gab Drinda Anfang April 1946 unter der Regie Wangenheims als Peter in Fred Dengers Gegenwartsstück "Wir heißen euch hoffen".
Gefördert von so berühmten Kollegen wie Horst Caspar1) (1913 – 1952), Gerda Müller2) (1894 – 1951) und Inge von Wangenheim2) (1912 – 1993) sowie nicht zuletzt von dem damaligen Intendanten Wolfgang Langhoff2) (1901 – 1966), avancierte Horst Drinda am "Deutschen Theater" rasch zu einem vielseitigen Charakterdarsteller, bis 1970 war diese Bühne seine künstlerische Heimat, danach trat er mehrfach als Gast auf. Lediglich zwischen 1948 und 1950 gehörte Drinda zum Ensemble des Landestheaters in Halle (Saale).
  
 
Horst Drinda 1957 als Fred in "Die respektvolle Dirne" von Jean-Paul Sartre2)
an den "Kammerspielen" des "Deutschen Theaters", Berlin
Inszenierung: Wolfgang Heinz2)
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0004420_024)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek2) (1901–1983); Datierung: 28.05.1957
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
 
Mit seinen facettenreichen Interpretationen verlieh Drinda sowohl klassischen als auch modernen Figuren eindrucksvolle Bühnenpräsenz, überzeugte durch sein ehrliches und genaues Spiel im ernsten wie in komischen Fach. Große Erfolge erzielte er als jugendlicher Helden beispielsweise mit der Gestaltung des Schillerschen "Don Karlos"2), ebenso wie mit dem Max Piccolomini in dessen "Wallenstein"2) oder dem Ferdinand in Goethes "Egmont"2) (1951). Als Shakespearescher "Hamlet"2) glänzte er ebenso wie in Stücken der Gegenwartsdramatik, so als Papst Pius XII.2) in Rolf Hochhuths "Der Stellvertreter"2) (1966) oder als Jupiter in Peter Hacks' Schauspiel "Amphitryon" (1972). Auch in komischen Rollen wie dem Beamten Chlestakow in Gogols "Der Revisor"2), dem Theobald Maske in Sternheims "Der Snob"2) oder dem diabolischen Bürgermeister in Benno Bessons Inszenierung von Jewgeni Schwarz' Märchengroteske "Der Drache"2) begeisterte Drinda die Zuschauer → Auswahl Theater-Wirken bei Wikipedia.

Schon Ende der 1940er Jahre hatte der Schauspieler sporadisch Aufgaben für den Film übernommen, neben Auftritten in einer Reihe von satirischen Kurzfilmen der "Stacheltier"-Produktion, wirkte er unter anderem in DEFA-Streifen wie "Semmelweis – Retter der Mütter"2) (1950) oder "Zugverkehr unregelmäßig"2) (1951) mit, eine erste Hauptrolle gab ihm Konrad Wolf in der heiteren sozialistischen Heimgeschichte "Einmal ist keinmal"2) (1955). In Konrad Wolfs Verfilmung von F. C. Weißkopfs antifaschistischem Buch "Lissy"2) (1957) beeindruckt er an der Seite von Sonja Sutter als Angestellter Fromeyer, der seine kleinbürgerlichen Aufstiegsträume bei der SA verwirklicht. Seine bedeutendste Filmrolle war wohl 1965 in Günther Rückers Regiedebüt "Die besten Jahre"3) der Arbeiter und Kommunist Ernst Machner, der, aus dem Krieg zurückkehrend, Junglehrer wird und an dessen mühsamen Aufstieg 15 Jahre bildungspolitische Entwicklung in der DDR aufgezeigt werden. Eine schöne Rolle, mit der Horst Drinda einmal mehr sein komödiantisches Talent zeigen konnte, war die Titelfigur des Cesare Giovanini in Günter Reischs "Der Dieb von San Marengo"3) (1963), eindrucksvoll auch der Jurist Dr. Arvid Harnack, der in "KLX an PTX – Die Rote Kapelle"2) (1971) die Widerstandsgruppe "Rote Kapelle" gründet. Zur Filmografie zählen weiterhin unter anderem Kinoproduktionen wie "Klotz am Bein"2) (1958) und "Bevor der Blitz einschlägt"2) (1959) oder die Komödien "Die Liebe und der Co-Pilot"3) (1961) und "Das verhexte Fischerdorf"2) (1962), mit denen Drinda als Erzkomödiant in nachhaltiger Erinnerung bleibt.
Seine größten darstellerischen Herausforderungen fand Horst Drinda neben dem Theater jedoch in zahlreichen TV-Produktionen, mit denen er zum beliebtesten Künstler und Star des damaligen DDR-Fernsehens wurde. 1968 und 1970 verkörperte er eindrucksvoll den Verleger Axel Springer in der mehrteiligen DFF-Biografie "Ich – Axel Caesar Springer"2), neben wiederholten Auftritten in den populären Reihen "Polizeiruf 110" und "Der Staatsanwalt hat das Wort" zeigte er sich in Einzelproduktionen wie "Der Nachfolger" (1965) oder "Kein Mann für Camp Detrick" (1970). 1977 avancierte Drinda mit der TV-Serie "Zur See"2) und der Figur des Hans Karsten, der als verantwortungsbewusster Kapitän das Frachtschiff "MS Fichte" neun Folgen lang mit seiner Crew sicher über die Weltmeere lenkt, zum absoluten Publikumsliebling. In dem Mehrteiler "Scharnhorst "2) (1978) verkörperte er als preußischer General Gerhard von Scharnhorst2) authentisch einen ganz gegensätzlichen Rollentypus, glaubwürdig war auch seine Figur des Gerhard König, der in der Serie "Unser Mann ist König"2) (1980) sieben Folgen lang in einer Kleinstadt als Vermittler zwischen Bürgern und Behörden auftritt. Weitere interessante Rollen waren die des "Weißbecher" in dem Zweiteiler "Auf der Suche nach Gatt" (1972) nach dem "Entwicklungsroman" von Erik Neutsch, der Prof. Schaffroth in "Anamnese" (1980), der bulgarische Kommunist Georgi Dimitrow2) in "Der Teufelskreis" (1982) oder die Titelfigur in dem dreiteiligen Arbeiterfilm "Mein lieber Onkel Hans" (1985) nach dem gleichnamigen Roman von Eberhard Panitz.

DVD-Cover zu dem Fünfteiler "Scharnhorst",
der seit April 2016 auf DVD im Handel erhältlich ist.
Abbildung DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung
von "Studio Hamburg Enterprises GmbH
Quelle: presse.studio-hamburg-enterprises.de

Scharnhorst: Abbildung DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von "Studio Hamburg Enterprises GmbH"; Quelle: presse.studio-hamburg-enterprises.de
Ab Ende der 1980er Jahre wirkte Horst Drinda nur noch vereinzelt in Fernsehproduktionen wie dem Mehrteiler "Die Gläserne Fackel" (1989) mit, im gesamtdeutschen Fernsehen erlebte man ihn dann beispielsweise in "Verliebte Feinde" (1995), "Der Rote Tod" (1996) und in "Gefährliche Wahrheit" (1998). Als Regisseur machte sich Drinda einen Namen unter anderem mit der TV-Bearbeitung von Moličres "Don Juan"2) (1972), als gefragter Sprecher war auch für die Synchronisation tätig, wirkte zudem mit seiner unverwechselbaren, ausdrucksvollen Stimme beim Hörfunk mit. Eine Auswahl der in der ARD-Hörspieldatenbank aufgeführten Produktionen findet man hier am Ende des Artikel
Eine seiner letzten Rollen hatte Horst Drinda, der sich nach der "Wende" nur selten zu Gastauftritten überreden ließ, 2003 in einer Episode der MDR-Krankenhausserie "
In aller Freundschaft"2). Wenig später erlitt der Schauspieler zwei Schlaganfälle, konnte nicht mehr sprechen und war seither vollständig gelähmt. Er starb am 21. Februar 2005 im Alter von 77 Jahren in der Diakonie Berlin-Pankow, wo in den letzten zwei Jahren lebte. Er hinterließ neben seinen Kinder  Ehefrau Ingeburg, in die er sich schon als Junge verliebt hatte und mit der seit 1953 verheiratet war. Die letzte Ruhe fand Horst Drinda auf dem Berliner Friedhof in der Blankenburger Straße → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons.

Während seiner erfolgreichen Karriere war Horst Drinda, einer der populärsten Schauspieler der DDR, mehrfach ausgezeichnet worden: 1963, 1970 und 1971 konnte er den "Nationalpreis der DDR"2) entgegen nehmen, 1976, 1977 und 1982 würdigte man seine darstellerischen Leistungen mit dem "Kunstpreis des FDGB"2).
Seine Lebenserinnerungen "Horst Drinda oder Die Welt ist noch nicht fertig", basierend auf 21 Briefen, die der Schauspieler für seine Frau und die Kinder geschrieben hatte, wurden von der Kulturredakteurin Adelheid Wedel zusammen mit Drindas Sohn, dem Arzt Dr. Stefan Drinda, im September 2010 im "Militzke Verlag" publiziert. Der beliebte Schauspieler und Regisseur Horst Drinda wehrte die Bitten seiner Familie, über sein Leben zu schreiben immer ab. Er wollte nicht zu jenen gehören, die sich selbst allzu wichtig nehmen. Nachdem Frau und Kinder nicht locker ließen und ihm schließlich einen Computer schenkten, machte er sich doch ans Werk. Es entstanden 21 kluge und bewegende Briefe, die den Rahmen privater Zustandsbeschreibung weit hinter sich lassen. Sie widerspiegeln das Leben eines großen Künstlers, der in der DDR zu den Stars von Bühne und Film zählte.4) 
Textbausteine des Kurzportraits aus "Lexikon der DDR-Stars" von F.-B. Habel und Volker Wachter (Ausgabe 1999, S. 67/68),
und "CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film";
siehe auch Wikipedia, www.film-zeit.de sowie den Nachruf bei www.berliner-zeitung.de
Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 2) Wikipedia,  3) filmportal.de
Quelle: 4) www.berlin.de
  
Filme
Kino / Das Stacheltier / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database

(Fremde Links: Wikipedia, filmportal.de, defa.de, fernsehenderddr.de,  fernsehserien.de)
Kinofilme

"Das Stacheltier"-Kurzfilme

Fernsehen (Auszug)
  
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia)
Um zur Seite der Publikumslieblinge zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de