Sir John Gielgud
Sir John Gielgud, aufgenommen 1973; Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Allan Warren (www.allanwarren.com); Lizenz: CC BY-SA 3.0 John Gielgud (Arthur John Gielgud) wurde am 14. April 1904 als einziger Sohn des erfolgreichen Börsenmaklers Frank Gielgud und dessen Ehefrau, der Schauspielerin Kate Terry1) (1844 – 1924), im Londoner Stadtteil Kensington (Großbritannien) geboren. Sein Vater stammte aus einer alten polnisch-litauischen adeligen Familie, seine Mutter aus der Theater-Dynastie der "Terry family"1). John Gielgud war der Großneffe der berühmten englischen Schauspielerin Ellen Terry2) (1827 – 1928) sowie jüngerer Bruder des Schriftstellers Val Gielgud2) (1900 – 1981) und stammte aus einer führenden englischen Schauspielerfamilie, deren Ursprung bis ins 19. Jahrhundert zurückgeht. Nach dem Besuch der "Westminster School" in London nahm er Schauspielunterricht an der "Lady Benson's Acting School" und später bei Claude Rains an der "Royal Academy of Dramatic Arts". Ab 1921 arbeitete Gielgud zunächst als Statist am "Old Vic"-Theater und schloss sich dann zwischen 1922 und 1924 einer Theatergruppe als Shakespeare-Darsteller an; 1924 trat er als Daniel in seinem ersten Stummfilm "Who Is the Man?" auf.
1928 debütierte der Schauspieler mit dem romantischen Äußeren und der angenehmen Stimme dann in New York und zwei Jahre später fand der 26-Jährige erstmals in der Rolle des "Hamlet" Anerkennung als exzellenter Shakespeare-Interpret am "Old Vic"; es folgten Rollen unter anderem als Romeo, Richard II., King Lear und Macbeth sowie als Antonius in "Antonius und Cleopatra".
Ab 1932 arbeitete Gielgud auch als Regisseur, mitunter auch als Theaterleiter und gilt neben Sir Laurence Olivier3) (1907 – 1989) und Sir Alec Guinness3) (1914 – 2000) als einer der bedeutendsten Schauspieler seiner Generation. 

Foto: Sir John Gielgud, aufgenommen 1973
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Urheber: Allan Warren*) (www.allanwarren.com) *) Link: Wikipedia, englisch
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Bis in die 1950er Jahre war der Mime nur relativ selten auf der Leinwand zu sehen; so spielte er unter anderem 1936 in Hitchcocks Spionage-Thriller "The Secret Agent"2) (Geheimagent) den schriftstellernden Offizier Edgar Brodie alias Richard Ashenden, der sich als Geheimagent verpflichten lässt und versehentlich einen unschuldigen Touristen tötet. Seine Kinorollen ab den 1950er Jahren waren vorrangig Shakespeare-Rollen und gelten als Höhepunkte seiner Filmkarriere: So verkörperte er 1953 den Verschwörer Cassius in Joseph Mankiewiczs "Julius Caesar"2), 1955 neben Laurence Olivier und Ralph Richardson den Clarence in Oliviers "Richard III."2). Nach seiner glänzenden Verkörperung des Earl of Warwick in Otto Premingers "Saint Joan"2) (1957, Die heilige Johanna) – gedreht nach dem gleichnamigen Drama von George Bernard Shaw –, erhielt Gielgud 1964 eine Oscar-Nominierung für die Interpretation des Königs Louis VII. in Peter Glenvilles Anouilh-Adaption "Becket"2). 1966  war er als Henry IV. in Orson Welles' "Campanadas a medianoche"2) (Falstaff) zu sehen, zwei Jahre später gab er den historischen Lord Raglan2) (1788 – 1855) in dem Abenteuer "The Charge of the Light Brigade"2) (1968, Der Angriff der leichten Brigade). In Michael Andersons hochkarätig besetztem Drama "The Shoes of the Fisherman"2) (1968, In den Schuhen des Fischers) war er als der alte Papst Pius XIII. zu erleben, 1970 gestaltete Gielgud erneut den Caesar in Stuart Burges "Julius Caesar".  
Einen Ausflug in das kriminalistische Unterhaltungsfach machte er als Mr. Beddoes in Sidney Lumets Agatha Christie-Verfilmung "Murder on the Orient Express"2) (1974, Mord im Orient-Expreß), 1979 zeigte er sich neben Richard Attenborough mit der Hauptrolle des Brigadier Tomlinson in Otto Premingers Spionagethriller "The Human Factor"2) (Der menschliche Faktor), basierend auf dem gleichnamigen Roman von Graham Greene. Es folgten Produktionen wie "Murder by Decree"2) (1979, Mord an der Themse), wo er an der Seite von Christopher Plummer (Sherlock Holmes) und James Mason (Dr. Watson) den Premierminister Lord Salisbury mimte, "Caligola"2) (1979, Caligula – Aufstieg und Fall eines Tyrannen) mit der Figur des Nerva und Andrzej Wajdas "eindringliches psychologisches Kammerspiel"4) "Dyrygent"2) (1980, Der Dirigent) mit der Hauptrolle des Dirigenten John Lasocki. Nach Hugh Hudsons Sportlerfilm "Chariots of Fire"2) (1981, Die Stunde des Siegers) und der Darstellung des "Master of Trinity", erhielt er im darauffolgenden Jahr den begehrten "Oscar" für seine Nebenrolle des Butlers Hobson in Steve Gordons Kom÷die "Arthur"2) (1982, Arthur – Kein Kind von Traurigkeit). Das "Lexikon des internationalen Films" notiert: "Der turbulente Film lebt vor allem von seinen Darstellern; bemerkenswert: John Gielgud als Butler".

Zu den Höhepunkten von Gielguds qualitativ sehr unterschiedlichen und teils kaum beachteten Filme gehörten 1977 die Rolle des Clive Langham in Alain Resnais' Drama "Providence"2) (1977), die Rolle des Carr Gomm in David Lynchs "The Elephant Man"2) (1980, Der Elefantenmensch), der Lord Irvin in Richard Attenboroughs vielfach ausgezeichnetem Meisterwerk "Ghandi" (1982) sowie die Titelrolle in Peter Greenaways Shakespeare-Adaption "Prospero's Books"2) (1991, Prosperos Bücher). 1995 spielte er sich selbst in Al Pacinos ambitioniertem Shakespeare-Film "Looking for Richard", gehörte 1996 zum aufwendigen Team von Kenneth Branaghs "Hamlet"2) und 1998 verkörperte er den Papst Pius V. in dem mehrfach Oscar-nominierten Historiendrama "Elizabeth"2). Dazwischen agierte er in Filmen wie den Thrillern "The Scarlet and the Black"2) (1983, Im Wendekreis des Kreuzes) und "Shining Through"2) (1992, Wie ein Licht in dunkler Nacht), dem Agatha-Christie-Krimi "Appointment with Death"2) (1988, Rendezvous mit einer Leiche) oder dem Gruselstreifen "Haunted" (1995, Haunted – Haus der Geister). 
Die unzähligen Rollen, die Gielgud in Fernsehproduktionen und Mehrteilern spielte, lassen sich kaum aufzählen. Am bemerkenswertesten waren seine Darstellungen als Edward Ryder in der prominent besetzten Verfilmung des Romans "Brideshead Revisited" (1981, Wiedersehen mit Brideshead2)) des britischen Schriftstellers Schriftstellers Evelyn Waugh, 1988 als Aaron Jastrow in "War and Remembrance"5) (Feuersturm und Asche) und ein Jahr später seine Verkörperung des Haverford Downs in "Summer's Lease"1) (1989) wofür er einen "Emmy" erhielt. In nachhaltiger Erinnerung ist er auch als Doge von Venedig in dem Vierteiler "Marco Polo"2) (1982) geblieben, ebenso wie als Komponist und Musikpädagoge Joseph Drechsler2) (1782 – 1852) in der sechsteiligen österreichischen Filmbiografie "Die Strauß-Dynastie"2) (1991). Kleine, dennoch prägnante Rollen waren auch die als "Professor des Sonnenlichts" in dem Zweiteiler "Gulliver's Travels"2) (1996, Gullivers Reisen) oder die des König Konstant in der Miniserie "Merlin"2) (1998).
Wegen seiner Sprachkultur wurde der Schauspieler in Großbritannien gerne für "Off-Stimmen" wie 1996 in "Dragonheart"2) oder als Kommentator von Dokumentarfilmen eingesetzt. Neben der Schauspielerei machte sich Gielgud auch als Schriftsteller einen Namen: unter anderem veröffentlichte er 1939 seine Erinnerungen "Early Stages", 1963 erschien "Stage Directions", eine Sammlung von Reden und Essays, 1972 "Distinguished Company" und 1979 die Autobiografie "An Actor and His Times".

Zu den zahlreichen Auszeichnungen, die der Schauspieler im Verlaufe seiner mehr als 70-jährigen Schauspielerkarriere erhielt, ist wohl als Höhepunkt seine Erhebung in den Adelstand zu nennen; seit 1953 durfte sich Gielgud mit "Sir" anreden lassen. Zu seinen Ehren wurde 1994 das Londoner "Globe Theatre" in das "Gielgud Theatre" umbenannt.
Gielgud war nie verheiratet und wohnte bis zu seinem Tod mit seinem langjährigen Lebensgefährten, dem 40 Jahre jüngeren Martin Hensler, den er in den frühen 1960er Jahren kennen gelernt hatte, auf seinem Landsitz, einem schlossartigen Anwesen aus dem 17. Jahrhundert, in Buckinghamshire in der Nńhe von Oxford. Der große Shakespeare-Darsteller Sir John Gielgud starb im hohen Alter von 96 Jahren am 21. Mai 2000 in Wotton Underwood (Buckinghamshire); mit ihm ging die letzte britische Theaterlegende des 20. Jahrhunderts; der 1944 geborene Martin Hensler war wenige Monate vor Gielguds Tod im Jahre 1999 verstorben.
 
Für ein leicht morbides Geheimnis sorgt bis heute ein Brief von Gielgud an seinen Schauspielkollegen Stringer Davis2) (1899 – 1973; bekannt aus den "Miss Marple"-Filmen), den dieser bei seinem Tode ungeöffnet in seiner Pyjamajacke trug. Der Brief wurde ungeöffnet mit Davis beerdigt. Über den Inhalt hat Gielgud bis zu seinem Tode Stillschweigen bewahrt. (Quelle: Wikipedia)

Foto: Sir John Gielgud, aufgenommen 1973
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Siehe auch www.prisma.de, Wikipedia sowie
den ausführlichen Artikel bei Wikipedia (englisch)
Ein Nachruf bei www.spiegel.de
Link: 1) Wikipedia (englisch), 2) Wikipedia (deutsch),  3)  Kurzportrait innerhalb dieser HP, 5) www.fernsehserien.de
4) Lexikon des internationalen Films
Lizenz Foto Sir John Gielgud (Urheber Allan Warren): Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert.  Es ist erlaubt, die Datei unter den Bedingungen der GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2 oder einer späteren Version, veröffentlicht von der Free Software Foundation, zu kopieren, zu verbreiten und/oder zu modifizieren; es gibt keine unveränderlichen Abschnitte, keinen vorderen und keinen hinteren Umschlagtext. Der vollständige Lizenztext ist im Kapitel GNU-Lizenz für freie Dokumentation verfügbar.  
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