Filmografie / Hörspiel
Heinz (Gustav Heinrich Eduard) Moog wurde am 28. Juni 1908 als Sohn eines Polizeibeamten in Frankfurt am Main1) geboren. Er wuchs in seiner Geburtsstadt auf, besuchte dort die "Helmholtzschule"1), wo er 1927 das Abitur machte. Bereits als Schüler interessierte er sich für das Theater, nahm privaten Unterricht bei dem Schauspieler und Schriftsteller Alfred Auerbach1) (1873 – 1954) sowie später am "Dr. Hoch's Konservatorium"1), welches Auerbach zu dieser Zeit leitete. Zur Spielzeit 1927/28 gab Heinz Moog sein Bühnendebüt am "Frankfurter Künstlertheater für Rhein und Main", wenig später wechselte er 1928 nach Kassel an das "Kleine Theater", dem er bis 1933 verbunden blieb. Anschließend ging er für zwei Jahre ins sächsische Plauen1), 1935 folgte das "Nationaltheater"1) in Weimar, wo er vier Jahre lang blieb. Weitere Stationen von Moogs Theaterkarriere wurden zwischen 1939 und 1943 das "Schauspielhaus Bochum"1) sowie in Berlin die "Volksbühne"1), danach gehörte er bis 1969 zum Ensemble des berühmten Wiener "Burgtheaters"1), an das er nach seinem großen Erfolg in dem Grillparzer-Schauspiel "Ein Bruderzwist im Hause Habsburg"1) berufen worden war. Auch nach seinem Ausscheiden Ende 1969 trat er dort bis Anfang der 1980er Jahre regelmäßig als Gast auf, wurde zum "Ehrenmitglied" ernannt. Darüber hinaus unternahm Moog zahlreiche Rezitationstourneen rund um den Globus, war für Hörfunk, Film und Fernsehen tätig und arbeitete als Pädagoge.
  

Foto zur Verfügung gestellt von Werner Bethsold1) (1925–2019)
Das Foto entstand Mitte der 1980er Jahre während einer Hörspielproduktion.
© Werner Bethsold

Heinz Moog; Copyright Werner Bethsold
Am Theater hatte sich der junge Schauspieler rasch einen Namen als vielschichtiger Charakterdarsteller gemacht, der im Verlaufe der Jahre nicht auf einen bestimmten Rollentypus festzulegen war. Moog brillierte sowohl im ernsten als auch komischen Fach, interpretierte klassische Figuren ebenso eindrucksvoll wie moderne Charaktere. Seine mehr als 500 herausragenden Bühnendarstellungen lassen sich nicht alle aufzählen, genannt werden sollen die Titelrolle in Moličres "Tartuffe"1), der Sekretär Wurm in Schillers "Kabale und Liebe"1), der Mephisto in Goethes "Faust"1) (1. und 2. Teil) und der schwarze Sklave Zanga in Grillparzers dramatischem Märchen "Der Traum ein Leben"1).
"Salzburger Festspiele" 1948, Heinz Moog als Oberpriester in "Des Meeres und der Liebe Wellen"; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Körperschaft: United States Information Service (USIS); Copyright ÖNB Wien/USIS; Bildarchiv Austria (Inventarnummer US 20.305) Einen triumphalen Erfolg verzeichnete Moog noch in seinen letzten Jahren in Peter Turrinis1) Schauspiel "Josef und Maria", uraufgeführt am 8. November 1980 in Graz im Rahmen des Festivals "Steirischer Herbst"1) als Gastspiel des Wiener "Volkstheaters"1) und mit Elisabeth Epp1) als Partnerin. Bei den "Salzburger Festspielen"1) wirkte er bereits 1948 mit, gestaltete den Oberpriester in Ernst Lothars Inszenierung des Stücks "Des Meeres und der Liebe Wellen" von Franz Grillparzer1), an der Seite von Paula Wessely (Hero), Horst Caspar (Leander), Karl Paryla (Naukleros), Judith Holzmeister (Janthe), Karl Skraup1) (Hüter des Tempels), Gustav Waldau (Heros Vater) und Lotte Medelsky1) (Heros Mutter).
 
Moog war mit seiner unverwechselbaren Sprache und scharf zeichnenden Nuancierungskunst einer der markantesten Schauspieler der Wiener Theaterszene. Bekannt vor allem für seine überzeugende Interpretation düsterer und zwielichtiger Charaktere (z. B. Wurm, Mephisto1) oder Melchior Kiesel1) im "Bruderzwist"1)), setzte er doch in seinen komischen, menschlich zutiefst berührenden Rollen, etwa des Kesselflickers Sly in Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung"1), des Just in Lessings "Minna von Barnhelm"1) oder des Kolieski in der Uraufführung von J. B. Priestleys1) "Schafft den Narren fort" (1955) die Höhepunkte seiner Darstellungskunst.2)

  
"Salzburger Festspiele" 1948, Heinz Moog als Oberpriester
in "Des Meeres und der Liebe Wellen" → franzgrillparzer.at
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Körperschaft: United States Information Service1) (USIS)
© ÖNB Wien/USIS; Bildarchiv Austria (Inventarnummer US 20.305)
Zum Film war Heinz Moog Anfang der 1940er Jahre gekommen und hatte sein Leinwanddebüt als Komponist Ruggero Leoncavallo1) in dem Streifen "Lache Bajazzo"3) (1943) gegeben, gedreht von Leopold Hainisch1) nach Leoncavallos Oper "Der Bajazzo"1) mit Beniamino Gigli und unter anderem Paul Hörbiger. Im Verlaufe der Zeit trat der Schauspieler in mehr als 30 deutschsprachigen und internationalen Kinoproduktionen auf. In den frühen Jahren sind unter anderem das Melodram "Der gebieterische Ruf"1) (1944), der unvollendet gebliebene Krimi  "Der Fall Molander"1) (1945), das Drama "Der Prozeß"1) (1948) oder der Gerichtsfilm "Duell mit dem Tod"3) (1949) zu nennen. In den 1950ern folgten Auftritte in verschiedenen italienischen Streifen wie "Romanzo d'amore" (1950, "Toselli-Serenade"), "Senza bandiera" (1951), "Senso"1) (1954, "Sehnsucht") oder "Sinfonia d'amore" (1956, " Dein ist mein Herz – Schuberts große Liebe"). In Österreich drehte Moog beispielsweise die Dokumentationen "Symphonie Wien" (1952) und "Wienerinnen" (1952), die musikalische Geschichte "Verlorene Melodie"3) (1952), den Historienfilm "Spionage"1) (1955) um den Spionagefall des k. u. k. Oberst Alfred Redl1) (mit Ewald Balser), die Story "Solang' die Sterne glüh'n"1) (1958),das Biopic "Sebastian Kneipp"1) (1958, mit Carl Wery als Sebastian Kneipp1)) oder die Literaturadaption "Geliebte Bestie"1) (1959).

Heinz Moog im Februar 1953
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Körperschaft: United States Information Service1) (USIS)
© ÖNB Wien/USIS; Bildarchiv Austria (Inventarnummer US 10.925/1)

Heinz Moog im Februar 1953; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Körperschaft: United States Information Service (USIS); Copyright ÖNB Wien/USIS; Bildarchiv Austria (Inventarnummer US 10.925/1)
In dem US-amerikanischen Abenteuer "The Secret Ways"1) (1961, "Geheime Wege") mimte er an der Seite von Richard Widmark und Sonja Ziemann einen Minister, in der Simmel-Verfilmung "Und Jimmy ging zum Regenbogen"1) (1971) den Hofrat Groll und in Luchino Viscontis1) Meisterwerk "Ludwig II."1) (1972) an der Seite des von Helmut Berger dargestellten Bayernkönigs Ludwig II. und Romy Schneider als Kaiserin Elisabeth den Psychiater Professor Bernhard von Gudden1). Moogs letzte Arbeiten für das Kino waren Hans W. Geißendörfers1) Ibsen-Verfilmung "Die Wildente"1) (1976) mit der Figur des Konsul Werle, Peter Patzaks1) Film "Strawanzer"3) (1983, mit Elliott Gould1)) und Moogs glänzend gespielten Rolle eines alten Stadtstreichers, sowie Patzaks Komödie "Tiger – Frühling in Wien" (1984) und Miloslav Luthers wunderbarer Märchenfilm "Der treue Johannes" (1989, "Mahuliena, zlatá panna") nach Motiven des gleichnamigen Märchens1) der Gebrüder rimm1) mit Moog als der König → Übersicht Kinofilme.
Szenenfoto aus "Ein treuer Diener seines Herrn" (1967); Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von "Pidax film" Das Fernsehen bot dem Charakterdarsteller seit Anfang der 1960er Jahre ein weiteres Betätigungsfeld. Neben sporadischen Auftritten in beliebten Krimi-Reihen wie "Der Kommissar" oder "Derrick" waren es vor allem ambitionierte Literaturverfilmungen, mit denen Moog seine schauspielerische Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellte. So brillierte er als Sokrates1) in den von Walter Rilla in Szene gesetzten drei Fernsehspielen zu dem griechischen Philosophen mit den Titeln "Kümmert euch nicht um Sokrates" (1962), "Platons Gastmahl" (1965) und "Der Tod des Sokrates"4) (1967), jeweils aus der Feder von Josef Pieper1). In "Siegfrieds Tod" (1961) verkörperte er den Hagen von Tronje, war der Kunsthändler Martin Harkfast in der J. B. Priestley-Adaption "Die venezianische Tür"4) (1966) – Stücke, die ebenfalls von Walter Rilla in Szene gesetzt worden waren. Als Wilhelm Semmelroth1) Grillparzers Trauerspiel "Ein treuer Diener seines Herrn"4) 1967 für das Fernsehen realisierte, fand er in Moog eine ideale Besetzung für die Rolle des Statthalters Bancbanus, bedingungslos ergebener Diener des ungarischen Königs Andreas1), gespielt von Günter König1).

Szenenfoto aus "Ein treuer Diener seines Herrn" (1967) nach dem gleichnamigen Drama1)  
von Franz Grillparzer1): Heinz Moog als Statthalter Bancbanus
Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von "Pidax film",
welche die Produktion Ende August 2013 auf DVD herausbrachte.

In den 1970er Jahren erlebte man ihn unter anderem als Verleger Arthur Freesen in dem Krimi "Tod nach Mitternacht4) (1970), als den alten Weber Baumert in "Die Weber" (1971) nach dem gleichnamigen Drama1) von Gerhart Hauptmann1), als Priamos1) in dem italienischen Vierteiler "Die Äneis"1) (1971, "Eneide") nach der "Aeneis"1) des Vergil1), als Drehermeister Dummbach in "Der Datterich"4) (1972) nach der Darmstädter Lokalposse von Ernst Elias Niebergall1) mit Johannes Schauer1) in der Titelrolle, als Friedrich Götz in "Der Katzensteg"5) nach dem Roman von Hermann Sudermann1) oder als Baron von Chandoré in dem spannenden Dreiteiler "Der Strick um den Hals"(1975) nach dem Roman von Émile Gaboriau1). In den 1980ern präsentierte er sich in TV-Spielen wie dem Zweiteiler "Der Schatz des Priamos"1) (1981), wo er neben Tilo Prückner als Archäologe Heinrich Schliemann1) den Mediziner und Politiker Rudolf Virchow1)) darstellte. Er trat als Herr van Schuuten in dem Krimi "Tod eines Schaustellers"1) (1984) in Erscheinung, als Michelwirt in "Die Försterbuben"1) (1984) nach dem gleichnamigen Roman1) von Peter Rosegger1) mit Franco Nero als "der Fremde" und als Vater Eduard Kurawski in der Familienserie "Waldhaus"6) (1987/88). Einen seiner letzten Bildschirmauftritte hatte Moog als Schwiegervater des ranghohen BND-Mitarbeiters Friedrich Seyfried (Hansjörg Felmy) in dem Agententhriller "Affäre Nachtfrost"1) (1989), gedreht von Sigi Rothemund1) nach dem Roman von Stefan Murr1) → Übersicht TV-Produktionen.
Zudem stand der Schauspieler sporadisch im Hörspielstudio, unvergessen bleibt er mit der Interpretation des gealterten Adson von Melk1) in dem vierteiligen Hörspiel "Der Name der Rose"1) (1986) nach dem gleichnamigen Bestseller1) von Umberto Eco1); eine Auswahl der bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen findet man hier.
Heinz Moog wurde für seine darstellerischen Leistungen mehrfach ausgezeichnet: Bereits 1939 erhielt er die "Goethe-Medaille" des "Nationaltheaters Weimar"1), 1942 wurde ihm der "Ludwig-Dessoir-Orden"1) verliehen, seit 1955 konnte er den Titel "Kammerschauspieler"1) tragen. Das "Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse"1) der Republik Österreich erhielt Heinz Moog 1960, fünf Jahre später überreichte man ihm die "Goldene Medaille des ORF". Den "Ehrenring" des Wiener "Burgtheaters" trug er seit 1968, ihm gleichen Jahr wurde er in Japan beim "Osaka-Festival" mit der "Goldenen Medaille" ausgezeichnet. Weitere bedeutende Ehrungen waren die "Kainz-Medaille"1) (1977), die Ehrenmitgliedschaft des Wiener "Burgtheaters" (1978) sowie die "Ehrenmedaille der Stadt Wien in Gold"1) (1984).
 

Heinz Moog im März 1959
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Körperschaft: United States Information Service1) (USIS)
© ÖNB Wien/USIS; Bildarchiv Austria (Inventarnummer US 13.088/3)

Heinz Moog im März 1959; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Körperschaft: United States Information Service (USIS); Copyright ÖNB Wien/USIS; Bildarchiv Austria (Inventarnummer US 13.088/3)
Heinz Moog starb am 9. Mai 1989 im Alter von 80 Jahren in einer Wiener Privatklinik. Seine ihm ehrenhalber gewidmete Grabstätte befindet sich auf dem Döblinger Friedhof1) in Wien (Gruppe 11, Reihe 5, Nummer 9) → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Der Künstler war seit 1948 mit der ehemaligen Tänzerin Annette Geisen (1925 – 2003) verheirat; aus der Verbindung ging der 1950 geborene Sohn Thomas hervor, der später Malerei studierte.
Siehe auch Wikipedia, deutsche-biographie.de, geschichtewiki.wien.gv.at sowie
den kurzen Nachruf bei spiegel.de
Fremde Links: 1) Wikipedia, 3) filmportal.de, 4) Die Krimihomepage, 5) deutsches-filmhaus.de, 6) fernsehserien.de
2) Quelle: Marktl, Edith, "Moog, Heinz", in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 67; Onlinefassung: www.deutsche-biographie.de
        
Filme
Kinofilme / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Fremde Links: filmportal.de, Wikipedia (deutsch/englisch), karl-may-wiki.de, 
Die Krimihomepage, whoswho.de, fernsehserien.de, deutsches-filmhaus.de)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia (deutsch/englisch), tls.theaterwissenschaft.ch)
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