Manfred Krug 01; Copyright Virginia Shue Manfred Krug wurde am 8. Februar 1937 als Sohn des Eisenhütten-Ingenieurs Rudolf Krug und einer Sekretärin in Duisburg geboren. Als er zwölf Jahre alt war, siedelte er mit seinem Vater nach dessen Scheidung in die ehemalige DDR über und lebte in Leipzig; sein Bruder blieb bei der Mutter in Duisburg. Nach der Schule begann Krug vierzehnjährig eine Lehre als Stahlschmelzer und wurde drei Jahre später der jüngste Facharbeiter der Republik. Anschließend arbeitete er im Stahl- und Walzwerk Brandenburg, besuchte die Abendschule und beendete diese mit dem Abitur. Er entschloss sich, Schauspieler zu werden, absolvierte ab 1954 eine Ausbildung an der Ostberliner "Staatlichen Schauspielschule" in Berlin-Schöneweide, die er ein Jahr später wegen "disziplinarischen Schwierigkeiten" wieder verlassen musste. Er bewarb sich an dem von Bertold Brecht zusammen mit dessen Frau Helene Weigel gegründeten "Berliner Ensemble"1) und konnte dort seine "Bühnenreifeprüfung" ablegen.


Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Krug übernahm gleichzeitig Statistenrollen bei der DEFA sowie beim Fernsehen, spielte bald kleinere Rollen und wurde zunächst auf Typen wie Halbstarke, Ganoven und Kriminelle festgelegt. 1960 erhielt er dann eine erste größere anspruchsvolle Rolle als polnischer Interbrigadist Oleg in dem Streifen "Fünf Patronenhülsen"1). Zwei Jahre später hatte er dann seinen Durchbruch als Filmschauspieler mit der Rolle des Schauspielstudenten Martin Hoff in Ralf Kirstens Gegenwartskomödie "Auf der Sonnenseite"1), die mit autobiografischen Elementen angereichert war. Von da an war Krug ein Kassenmagnet, eine Wirkung, die sich verstärkte, als er seine Tourneen mit jazzhaften Chansons durch die DDR, Polen und die CSSR unternahm. Im Laufe der Zeit veröffentlichte er erfolgreich zehn Langspielplatten, wie beispielsweise 1964 "Jazz und Lyrik" oder 1966 "Lyrik-Jazz-Prosa". Seine musikalische Karriere führte ihn später bis an die Komische Oper Berlin, wo er zwischen 1970 und 1976 in Gershwins "Porgy and Bess" auf der Bühne stand.  

Foto: © Werner Bethsold
Das Foto entstand 1983 während einer Hörspielproduktion.
Manfred Krug; Copyright Werner Bethsold
Während seiner DEFA-Zeit spielte Krug verwegene Helden in der Tradition der Mantel-und-Degen-Filme wie beispielsweise 1964 in "Mir nach, Canaillen!"1), aber auch immer wieder Figuren in Gegenwartsfilmen. Er gab Parteisekretäre und andere Funktionäre sowie deren Gegenspieler, trat gelegentlich in Episodenrollen von Literaturadaptionen auf. In einer seiner wichtigsten Rollen, dem Hannes Balla in Frank Beyers DDR-kritischen Film "Spur der Steine"1), war er nur wenige Tage zu sehen, dann wurde der Film für rund zweieinhalb Jahrzehnte verboten und erst Ende 1989 erneut uraufgeführt. Krug spielte den Brigadier Balla mit einem Hang zum Anarchismus, der gute Arbeit leistet, sich aber kollektiven Bemühungen nicht unterordnen will. Eine mögliche Diskussion, die dieser Film hätte auslösen können, war für die maßgeblichen Funktionäre damals undenkbar.
Manfred Krug 02; Copyright Virginia Shue Krug interpretierte seine Figuren mit Ironie und komödiantischer Verve, wenn er z. B. in dem Lustspiel "Mit mir nicht, Madam!"1) (1969) in mehreren Rollen auftrat. Mitunter waren in einigen Filmen auch nur seine Stimme zu hören, wenn er jazzige Lieder beisteuerte, wie beispielsweise 1972 in "Der Mann, der nach Opa kam". Manfred Krug wurde für seine Leistungen mehrfach ausgezeichnet, darunter zwei Mal mit dem "Nationalpreis" (1968 und 1971) und der "Verdienstmedaille" der DDR (1973).
Als Krug im Spätherbst 1976 zusammen mit anderen Künstlern gegen die Ausbürgerung des Dissidenten und Liedermachers Wolf Biermann1) protestierte, wurden seine fertigen Filme nicht abgenommen, Dreharbeiten für neue Projekte annulliert und seine Konzerte boykotiert. 1977 entschloss er sich, mit seiner Frau Ottilie und den Kindern Daniel, Stephanie und Josephine nach West-Berlin auszureisen.
In der Bundesrepublik schlief Krugs Gesangskarriere anfangs langsam ein, er konnte jedoch als Schauspieler an seine alten DDR-Zeiten anknüpfen und avancierte vor allem auf dem Bildschirm schnell zum Publikumsliebling. 1978 drehte er die populäre Vorabendserie "Auf Achse"1) und spielte darin den Trucker Franz Meersdonk, eine Rolle, der er bis 1996 treu blieb.

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Seine Beliebtheit wurde dann noch "getoppt", als er ab 1984 als Hauptkommissar Paul Stoever in den "Tatort"-Folgen aus Hamburg zu sehen war. Zusammen mit Hauptkommissar Peter Brockmöller alias Charles Brauer2) löste der stets grummelnde Stoever 38 Folgen so manchen verzwickten Fall. "Stoever" und "Brocki" waren zweifellos die beliebtesten Fernseh-Kommissare, zur absoluten Ausnahmeerscheinung wurden sie am 24. März 1996, als sie in der Tatort-Folge "Tod auf Neuwerk" den Klassiker " Somewhere Over The Rainbow" zu singen begannen. Immer wieder erfreuten die Jazz-singenden "gereiften" Polizisten nun die Zuschauer mit ihren musikalischen Einlagen und ihre CD "Tatort – Die Songs" ist bis heute über 150 000 Mal verkauft worden.
Am 7. Januar 2001 ging der letzte "Tatort – Tod vor Scharhörn" mit Krug und Brauer über den Sender – sehr zum Leidwesen der Zuschauer.
  
Manfred Krug und Edgar Bessen in HAIE VOR HELGOLAND; Copyright Virginia Shue

Manfred Krug in HAIE VOR HELGOLAND 02; Copyright Virginia Shue

Manfred Krug (links mit und Edgar Bessen) im Tatort "Haie vor Helgoland" (1983)
Die Fotos wurden mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
  
Enormen Erfolg brachte Krug ab Mitte der 1980er Jahre auch die Rolle des schnoddrigen Berliner Rechtsanwalts Robert Liebling in dem Dauerbrenner "Liebling-Kreuzberg"1) sowie ab 1986 die Titelfigur in der Serie "Detektivbüro Roth"1). Zwischen Tatort-Drehs fand Manfred Krug immer wieder mal Zeit, auch andere Rollen zu verkörpern. So sah man ihn beispielsweise 1986 als Vater Paletti in dem Kinofilm "Whopper Punch" und 1993 wirkte er in Lienhard Wawrzyns "Der Blaue" mit, einem Film, der sich mit dem Verrat und Vergangenheitsbewältigung in Zusammenhang mit dem Ministerium für Staatssicherheit auseinander setzte. Ein Jahr später übernahm er die Hauptrolle in der satirischen Fernsehspielreihe "Wir sind auch nur ein Volk".
 
Auch in der Bundesrepublik wurde Manfred Krug mit Preisen überhäuft: So erhielt er beispielsweise 1988 den "Adolf Grimme Preis in Silber" für "Liebling Kreuzberg", 1991 den "Ernst-Lubitsch-Preis" sowie den "Bayerischen Filmpreis" und 1998 einen "Goldenen Löwen"; 2006 wurde sein Lebenswerk mit der "Platin Romy" gewürdigt. Zuletzt konnte Krug am 4. Mai 2010 in Schwerin anlässlich des "Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern" den "Goldenen Ochsen"1) als Ehrenpreis entgegen nehmen; siehe auch die Liste der Auszeichnungen bei Wikipedia.
Nach seiner "Pensionierung" als Tatort-Kommissar konzentrierte sich Krug zunächst wieder verstärkt auf seine musikalischen Wurzeln und strebte eine zweite Karriere als Sänger an. Zusammen mit Tochter Fanny tourte der Künstler mit dem Programm "Jazz'In the Blues" durch die Lande, welches das einstmals im Osten so erfolgreiche Konzept "Jazz & Literatur" fortführt; Ende 2001 erschien erfolgreich ein Live-Album mit Titeln aus dem Programm. Den Zuschauern blieb der deutschen Fernsehstar mit Weltniveau eine Zeit lang in zahlreichen Werbespots der Telekom erhalten. Nach einer Interviewbemerkung im "Stern", in der er sich für die Verluste entschuldigte, die die Telekom-Aktionäre erlitten hatten, trennte sich die Telekom von Krug.3)
Danach zog sich Krug mehr und mehr ins Privatleben zurück und tritt nur noch sporadisch in der Öffentlichkeit in Erscheinung. Beispielsweise um seine Zuhörer mit Lesungen aus seinen Büchern zu erfreuen oder Konzerte zusammen mit der Jazzsängerin Uschi Brüning zu geben.
 
Das Foto wurde mir freundlicherweise von dem Fotografen Heinz Hammer zur Verfügung gestellt.
© Heinz Hammer (www.hammer-fotografie.de)
Manfred Krug; Copyright Heinz Hammer
Seine Zeit von der Biermann-Ausbürgerung bis zu seiner Ausreise aus der DDR schilderte Manfred Krug 1996 unter dem Titel "Abgehauen. Ein Mitschnitt und ein Tagebuch". 1998 wurde das Buch von Frank Beyer mit Krug als Kommentator für das Fernsehen verfilmt4), Krug selbst wurde von dem Schauspieler Peter Lohmeyer1) verkörpert. Weitere Memoiren des Schauspielers mit Kindheits- und Jugenderinnerungen erschienen 2005 unter dem Titel "Mein schönes Leben", 2008 publizierte Krug die Sammlung von Kurzgeschichten "Schweinegezadder".
Fans der Tatort-Reihe können interessantes in dem 1999 veröffentlichten Buch "Swinging Cops. Manfred Krug und Charles Brauer" von Almut Oetjen und Holger Wacker nachlesen. Das 1997 erschienene Buch "Manfred Krug. Die großen Kinofilme" erinnert an die großen Kinoerfolge des Schauspielers bei der DEFA. Von Berndt Schulz wurde 1989 die Biografie "Manfred Krug. Porträt des Sängers und Schauspielers" veröffentlicht.
 
Manfred Krug ist ist seit 1963 mit Ehefrau Ottilie verheiratet. Aus der Verbindung stammen drei Kinder, darunter die 1970 geborene Tochter Stephanie "Fanny" Krug1), die sich inzwischen als Sängerin einen Namen gemacht hat.
  
Textbausteine des Kurzportraits aus "Lexikon der DDR-Stars", Ausgabe 1999, S. 184/185
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 4) deutsches-filmhaus.de
3) siehe auch www.stern.de
Stand: November 2011
Siehe auch Stiftung Deutsches Historisches Museum, Wikipediawww.mdr.de
www.prisma-online.de, www.defa-sternstunden.de
sowie den Artikel zum 70. Geburtstag (08.02.2007) bei www.stern.de
  
Manfred Krug als als Dorfrichter Adam; Copyright Virginia Shue
Manfred Krug wie ihn wenige kennen …
… als Dorfrichter Adam in
"Der zerbrochene Krug" von Kleist
Das Foto wurde mir freundlicherweise von
der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) 
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
  
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei www.imdb.de
(Link: Wikipedia)
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