David Niven (James David Graham Niven) wurde am 1. März 1910 als Sohn des britischen Berufsoffiziers William Graham Niven und der französisch-britischen Henrietta de Gacher in Kirriemuir im schottischen Hochland (nach anderen Quellen in London ) geboren. Sein Vater wurde 1915 während des 1. Weltkrieges im Alter von 26 Jahren bei der Schlacht von Gallipoli1) getötet – der kleine David war grade sechs Jahre alt. Niven galt als schwer erziehbares Kind und wurde von mehreren Schulen verwiesen, ging dann nach dem Schulabschluss in die traditionsreiche Akademie von Sandhurst. Annschließend diente er vier Jahre lang bei der "Highland Light Infantry" und wollte Berufssoldat werden. Er kam nach Malta, dort jedoch verließ er die Armee, ging nach Kanada und arbeitete in den verschiedensten Berufen, er war Holzfäller, Brückenbauer, Journalist und Whiskey-Verkäufer. Mit einer in New York gegründeten Rennpferde-Vermittlung scheiterte er, ging daraufhin nach Kuba und landete 1934 in Kalifornien. Dort stand er in Hollywood zunächst als Edelkomparse, Typ "britischer Gentleman", für eine Reihe von Filmen vor der Kamera.
 
Foto: David Niven, aufgenommen im Jahre 1973 in London
Quelle: commons.wikimedia.org bzw. Wikipedia
Urheber: Allan Warren*) (www.allanwarren.com)
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David Niven, aufgenommen im Jahre 1973 in London; Quelle: commons.wikimedia.org bzw. Wikipedia; Urheber: Allan Warren (www.allanwarren.com);  Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert. Es ist erlaubt, die Datei unter den Bedingungen der GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2 oder einer späteren Version, veröffentlicht von der Free Software Foundation, zu kopieren, zu verbreiten und/oder zu modifizieren; es gibt keine unveränderlichen Abschnitte, keinen vorderen und keinen hinteren Umschlagtext. Der vollständige Lizenztext ist im Kapitel GNU-Lizenz für freie Dokumentation verfügbar.
David Niven hatte wohl früh bei seiner Militärausbildung eine Art Schliff erhalten, der ihn oft zu Uniformrollen prädestinierte. Die ersten bedeutenden Rollen hatte er als Major Lockert in William Wylers "Zeit der Liebe, Zeit des Abschieds"1) (1936, Dodsworth), als Captain Randall in Michael Curtiz' "Der Verrat des Surat Khan"1) (1936, The Charge of the Light Brigade) sowie als Leutnant Scott in "The Dawn Patrol" (1938) von Edmund Goulding – beide Male an der Seite von Errol Flynn. David Niven drehte bis zum Kriegsausbruch so unterschiedliche Filme wie den Kostümfilm "Der Gefangene von Zenda"1) (1937, The prisoner of Zenda) von John Cromwell, die Ernst-Lubitsch-Komödie "Blaubarts achte Frau"1) (1937, Bluebeard’s eighth wife), die ganz auf Ginger Rogers abgestellte heitere Geschichte "Die Findelmutter"1)  (1939, Bachelor Mother) oder die Emily-Bronté-Verfilmung "Sturmhöhe"1)  (1939, Wuthering Heights) von William Wyler.
Dann wurde Nivense Filmkarriere durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen. In den USA schließlich wurde er vom Militärdienst zurückgestellt, weil man ihn in kritischen Kriegsfilmen für Offiziersrollen brauchte. Zwischendurch aber war auch er immer wieder an der Front: er erlebte den Sturm auf Dünkirchen, wurde 1944 zum Oberst befördert, um 1945 sofort wieder vor der Kamera zu stehen. General Eisenhower dekorierte ihn für seine Verdienste mit den Orden der "American Legion of Merit".

Während des Krieges drehte Niven Propagandafilme wie "Spitfire" (1942, auch: The First of the Few) von Leslie Howard oder "The Way Ahead" (1944) von Carol Reed. Nach dem Zweiten Weltkrieg pendelte er zwischen Hollywood und den Londoner Studios hin und her und drehte zahlreiche Filme. Eine seiner schönsten Rollen spielte er 1946 unter der Regie von Michael Powell und Emeric Pressburger in "Irrtum im Jenseits"1) (A Matter of Life and Death), als englischer Kriegspilot wird aus Versehen abgeschossen und darf noch einmal ins Leben zurückkehren. Auch die mit Ginger Rogers gedrehte Liebesgeschichte "Die wunderbare Puppe"1) (1946, Magnificent Doll) fand beim Publikum Anklang, ebenso wie der Streifen "Irrtum im Jenseits"1) (1947, A Matter of Life and Death).
 
Danach spielte Niven endgültig in Hollywood-Produktionen, tauchte beispielsweise als Bischof Henry Brougham neben Cary Grant und Loretta Young in Henry Kosters Romanze "Jede Frau braucht einen Engel"1) (1947, The Bishop’s Wife) oder als Operndirektor Jacques Riboudeaux an der Seite von Mario Lanza in "Der Fischer von Louisiana"1) (1950, The Toast of New Orleans) auf. Zu seinen größten Nachkriegserfolgen gehören "Die Jungfrau auf dem Dach" (1953, The Moon is Blue) und das Drama "Bonjour Tristesse"1) (1957) von Otto Preminger. Seine glanzvollste Filmfigur jedoch spielte er in Michael Andersons Jules-Verne-Adaption als britischer Gentleman Phileas Fogg in "In 80 Tagen um die Welt"1) (1956, Around the World in Eighty Days2)). Für seine Rolle des Major Pollock in Delbert Manns "Getrennt von Tisch und Bett"1) (1958, Separate Tables), das nach dem erfolgreichen Bühnenstück von Terence Rattigan entstanden war, erhielt Niven 1959 den Oscar als "Bester Hauptdarsteller". 
Weitere brillante Rollen spielte er in den Komödien "Ehegeheimnisse" (1959, Happy Anniversary) und "Die kleine Hütte"2) (1957, The Little Hut), in dem Kriegsfilm "Die Kanonen von Navarone"1) (1960, The Guns of Navarone2)), dem Monumentalfilm "55 Tage in Peking"1) (1963, 55 Days in Peking2)), in der Gaunerkomödie "Der rosarote Panther"1) (1963, The Pink Panther2)), in der heiteren Geschichte "Zwei erfolgreiche Verführer"1) (1964, Bedtime Story) und in der amüsanten Bond-Paodie "Casino Royale"1) (1966, Casino Royale2)). Sehenswert ist auch J. Lee Thompsons Gruselballade "Die schwarze 13"1) (1965, The Eye of the Devil2)), ambivalente Kritiken erhielt die Filmkomödie "Die Pille war an allem schuld"1) (1968, Prudence and the Pill) mit Deborah Kerr als Partnerin.
Auch in Kinoproduktionen der späteren Jahre gab Niven mit seinem Auftritt respektive nuancenreichen Spiel dem Film eine eigene Note, so etwa als Graf Dracula in Clive Donners "Vampira" (1974), als Dick Charleston in Robert Moores Krimi-Parodie "Eine Leiche zum Dessert"1) (1976, Murder by Death) oder als Colonel Johnny Race in John Guillermins Agatha Christie-Adaption "Tod auf dem Nil"1) (1978, Death on the Nile). In Don Siegels Krimikomödie "Der Löwe zeigt die Krallen" (1980, Rough Cut) mimte er den Chefinspektor Cyril Willis, der kurz vor seinem Ruhestand auf die schiefe Bahn gerät, in dem Kriegsabenteuer "Die Seewölfe kommen"1) (1980, The Sea Wolves) gab er den Colonel Lewis Pugh an der Seite von Gregory Peck und Roger Moore; eher zu vernachlässigen ist der britische Kriegsfilm "Flucht nach Athena"1) (1979, Escape to Athena) mit Roger Moore und Telly Savalas.

In Brian Forbes' "Ein Opa kommt selten allein" (1982, Better Late Than Never) zeigte Niven mit Partner Art Carney einmal mehr seine außergewöhnliche schauspielerische Vielseitigkeit. In seinen letzten beiden Filmen spielt er noch einmal unter der Regie von Blake Edwards in den Filmen "Der rosarote Panther wird gejagt"1) (1982, Trail of the Pink Panther) und "Der Fluch des rosaroten Panthers"1) (1983, Curse of the Pink Panther) und gab den Sir Charles, den ehemaligen Meisterdetektiv: Inspektor Clouseau alias Peter Sellers ist tot, die Filme spinnen die Geschichte mehr oder weniger originell weiter und Niven ist dabei – zum letzten Mal.
 
David Niven war der Mann mit diesem unnachahmlichen Schnauzbart, mit dieser immer durchscheinenden Ironie, wenn es galt den Gentleman rauszubeißen, besonders den britischen Gentleman, immer formvollendet und doch von einem so eigenen Witz und einer Exzentrik, letztlich aber auch sehr menschlich und transparent.
Neben der Filmarbeit war Niven in den 1950er und 1960er Jahren auch erfolgreich für das Fernsehen tätig. 1952 gründete er mit Charles Boyer sowie anderen Kollegen die Fernsehproduktion "Four Star TV" und trat in den eigenen TV-Serien "The David Niven Show" (1959) und "Gauner gegen Gauner"3) (1964 bis 1965; The Rogues) auf. Insgesamt wirkte er in über 100 Filmen mit. Niven galt als einer der besten und köstlichsten Geschichtenerzähler Hollywoods. Er hat selbst autobiographische Bücher geschrieben: "The Moon's a Balloon" (1975, Vielleicht ist der Mond nur ein Luftballon. Mein bewegtes Leben) und "Bring On the Empty Horses" (1979, Stars, die nicht vom Himmel fielen. Hollywood und alle meine Freunde), in denen er geistreich über die Branche witzelt; seine Romane und seine Memoiren wurden Bestseller.

Niven, der in den letzten Jahren an der Cote d'Azur und in der Schweiz lebte, litt seit Anfang der1980er Jahre an der Nervenkrankheit ALS, die zu Muskelschwund führt, einer tückischen Krankheit, der er am 29. Juli 1983 im Schweizerischen Chateau-D'Oex erlag. Einen Teil seines Geldes vermachte er der Forschung.
Seit 1940 war der Schauspieler mit der 1918 geborenen Primula Rollo verheiratet, seine beiden aus dieser Verbindung stammenden Söhne David jr. und Jamie waren 1942 und 1946 geboren worden. Die Ehe dauerte bis zum tragischen Tod seiner Frau, sie erlag nach einem unglücklichen Sturz im Hause Tyrone Powers am 18. Mai 1946 ihren schweren Kopfverletzungen. 1948 heiratete Niven das schwedische Model Hjordis Tersmeden (1921 – 1997), aus dieser Ehe stammen die beiden Adoptiv-Töchter Kristina und Fiona.
 
Foto: David Niven, aufgenommen im Jahre 1973
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