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Myrna Loy wurde am 2. August 1905 als Catharina Myrna Adele Williams und Tochter eines
Politiker in
Radersburg
(Montana) auf einer Rinderfarm geboren; nach anderen Quellen war der Vater
Rancher. Ihre Mutter, Della Williams, war eine begabte Pianistin und
unterstützte die musischen Anlagen ihrer Tochter. Als der Vater starb Myrna
war erst 13 Jahre alt zog die Familie nach Los Angeles, wo sie die
"Westlake School" besuchte und Ballett-Unterricht
nahm. 1923 trat sie als Tanzgirl in Graumans "Chinese Theatre"
auf, ihre Filmkarriere begann im gleichen Jahr mit ersten Auftritten als
Tänzerin und Vamp in orientalischen Szenen historischer Stummfilme, so in
Cecil B. De Mille's ersten Version von "Die zehn Gebote"1) (1923,
The Ten Commandments). 1926 erhielt Myrna Loy einen Vertrag von der Filmfirma
"Warner Brothers" und wurde in zahllosen Streifen vor allem als Vamp und
exotische Schönheit besetzt. In den 1930er Jahren begann sich mit
dem Wechsel zu MGM und dem Beginn des Tonfilms ihr Rollenspektrum zu
erweitern.
Nach ihren Erfolgen unter anderem in dem Krimi "Thirteen
Women"1) (1932), dem Horrorstreifen "The
Mask of Fu-Manchu"1) (1932, Die Maske des
Fu-Manchu2)), der Komödie "The
Prizefighter and the Lady"1) (1933, Der Boxer und die
Lady2))
und dem Krimi "Manhattan Melodrama"1) (1934, Mord in Manhattan) neben Clark Gable und William Powell wurde
sie ebenfalls 1934 von Regisseur W. S. Van Dyke in der nach
einem Roman von Dashiell Hammett gedrehten Krimikomödie
"The Thin Man"1)
(Der dünne
Mann2))"
in der Rolle der Nora Charles
besetzt. Hier avancierte Myrna Loy an der Seite des smarten,
aber dem Alkohol nicht abgeneigten Detektivs Nick Charles alias
William Powell zum Star.
In den Fortsetzungen "After the Thin
Man"1) (1936, Nach dem dünnen
Mann2)),
"Return of the
Thin Man"1) (1939, Noch ein dünner Mann),
"Shadow of the Thin
Man"1) (1941, Der Schatten des dünnen Mannes),
"The Thin Man Goes Home"1) (1944, Der Dünne Mann kehrt heim)
und "Song of the Thin Man"1) (1947, Das Lied vom dünnen Mann) spielte sie ebenfalls die weibliche
Hauptrolle. Der Erfolg von Myrna Loy lässt sich nur mit dem von
Claudette Colbert in Frank Capras "It Happened One Night" (1934, Es geschah in einer Nacht) vergleichen.
Der deutsche Filmhistoriker und -kritiker Enno Patalas schrieb unter anderem
"Myrna Loy war bereits in zahlreichen Nebenrollen aufgetreten, ohne darin
aufzufallen, ehe sie in "Der dünne Mann" zum ersten Mal den Typ der
modernen, ebenso verlässlichen wie munteren Ehefrau zu spielen hatte, die
sich gemeinsam mit ihrem Mann dem phlegmatisch-gentlemanhaften
William Powell im Kampf gegen eine Gaunerbande bewährt."
Als ewige Ehefrau ging Myrna Loy in die Filmgeschichte ein und wurde
als muntere Lebens- und Arbeitsgefährtin von William Powell3) (1892 1984) auch über
die "Dünne Mann"-Filme hinaus ein Begriff. Wie
Katherine Hepburn und Spencer Tracy galten Powell und Loy als
Traumpaar, und als Powell 1940 nach seiner gescheiterten Ehe mit dem
Hollywoodstar Carole Lombard3) (1908 1942) erneut heiratete,
nämlich Schauspielerkollegin Diana Lewis4) (1919 1984), waren die Filmfans enttäuscht,
glaubten sie doch, er habe Myrna schnöde verlassen.
An der Seite von William Powell sah man Myrna Loy beispielsweise auch in
dem musikalischen Biopic um die Lebensgeschichte des legendären
Theaterproduzenten Florenz Ziegfeld Jr.1) (1867 1932) "The Great Ziegfeld"1) (1936, Der große
Ziegfeld)) von Robert Z. Leonard, weiterhin in der klassischen Screwball-Liebeskomödie
"Libeled Lady"1) (1936, Lustige Sünder) von Jack Conway, in der turbulenten
Komödie "Double
Wedding"2) (1937, Irren ist menschlich) von Richard Thorpe und
in W. S. Van Dykes heiteren Geschichte "I
Love You Again"2) (1940, Liebling, du hast dich
verändert). Myrna Loy war als Film-Ehefrau emanzipiert, aber doch
grundsolide im Gegensatz zu Jean Harlow, die neben
Spencer Tracy in "Libeled Lady" den Gegenpart zum Team
Loy-Powell bildete.
Victor Flemings Fliegerromanze "Test Pilot"1) (1938, Der Testpilot) zeigte Myrna Loy
an der Seite von Clark Gable und Spencer Tracy: Gable ist der fesche
Abenteurer und Pilot, der bei der Notlandung eine attraktive
Farmerstochter kennenlernt, in die er sich Knall
auf Fall verliebt. Es kommt zur spontanen Hochzeit,
doch die Wirklichkeit hat nicht den Glanz des großen
Abenteuers, zumal der Pilot die Probleme seiner häufig
allein gelassenen Frau nicht einsieht. Der feinfühlige
Mechaniker des Luft-Helden hat da mehr Verständnis und
als dieser ums Leben kommt, wird auch der Luftikus zur Einsicht kommen.5)
Erneut mit Clark Gable spielte sie in dem komödiantischen Abenteuer
"Too Hot to Handle"1) (1938, Zu heiß zum Anfassen), gute Kritiken bekam auch Clarence Browns Abenteuer "The
Rains Came"1) (1939, Nacht über Indien), inszeniert nach dem Louis Bromfield-Roman
"Der große Regen", in dem Myrna Loy als Partnerin von Tyrone Power
die Herzen der Kinogänger eroberte.
Während des 2. Weltkrieges unterbrach Myrna Loy ihre Filmtätigkeit und
engagierte sich beim Roten Kreuz, nach Kriegsende folgten erfolgreiche
Produktionen wie William Wylers Kriegsheimkehrerdrama "The Best
Years of Our Lives" (1946, Die besten Jahre unseres Lebens), in dem die
Schauspielerin als Ehefrau eines Bankdirektors (Fredric March), der ins
Zivilleben zurückkehrt, glänzte. In den Komödien "The Bachelor and the
Bobby-Soxer" (1947, Der Backfisch und der Junggeselle) und "Mr. Blandings Builds His Dream House" (1948, Nur meiner Frau zuliebe) erlebte
man sie mit Cary Grant, Lewis Milestone besetzte sie in seiner John Steinbeck-Adaption "The Red Pony" (1949, Gabilan, mein bester
Freund) neben Robert Mitchum, in dem Melodram "That Dangerous Age" (1949, Frauen im gefährlichen Alter)
war Myrna Loy mit der Figur der Lady Cathy Brooke zu
sehen, deren Tochter sich mit ihrem Verehrer verlobt.
Die 1950er und 1960er Jahre zeigten den Star überwiegend in TV-Produktionen, nur
noch sporadisch stand sie vor der Kinokamera. So unter anderem mit Olivia de Havilland und John Forsythe
für die Komödie "The Ambassador's
Daughter" (1956, Die Große und die kleine Welt), mit Montgomery Clift
und Robert Ryan drehte sie das Melodram "Lonelyhearts" (1958, Das
Leben ist Lüge) und mit Doris Day und Rex Harrison den Krimi "Midnight
Lace"1) (1960, Mitternachtsspitzen). "Ich will keine alte Schachtel
spielen", sagte sie einmal, als man sie in den späten Jahren auf ihre
Kinoabstinenz ansprach. Doch in Stuart Rosenbergs Komödie "The April Fools"1) (1969,
Ein Frosch in Manhattan)
machte sie an der Seite von
Catherine Deneuve, Jack Lemmon, Peter Lawford und Charles Boyer
begeistert mit. Gern war sie auch in ihrem letzten Film dabei, unter der
Regie von Sidney Lumet agierte sie in der romantischen Komödie
"Just Tell Me What You Want" (1980, Sag' mir, was du willst!) neben
Ali MacGraw und Alan King.
Myrna Loy war viele Jahre lang als UNO- und UNESCO-Bevollmächtigte
aktiv; in den 1950er und 1960er Jahren beteiligte sie sich an Wahlkampagnen für
liberale Politiker wie Adlai Stevenson und Eugene McCarthy. In den 80er Jahren erhielt sie viele Ehrungen,
1991 wurde sie mit einem
Ehren-Oscar für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.
Privat war die solide und brave Kino-Ehefrau Myrna Loy vier Mal verheiratet:
Den Produzent Arthur Hornblow Jr.4)
(1893 1976) hatte sie Ende Juni 1936 geehelicht,
nach nur wenigen Jahren erfolgte am 1. Juni 1942 die
Scheidung. Wenig später gab sie John Hertz Jr.,
Mitglied der erfolgreichen Auto-Verleih-Firma, das Ja-Wort, doch nach nur zwei
Jahren erfolgte am 21. August 1944 die offizielle Trennung. Ehemann Nummer 3
wurde am 3. Januar 1946 der Produzent und Drehbuchautor Gene Markey4) (1895 1980),
von dem sie sich im August 1950 wieder scheiden ließ. Auch der
vierten, am 1. Juni 1951 geschlossenen Ehe mit dem
UNESCO-Delegierten Howland H. Sargeant4)
bzw. Präsidenten von "Radio Liberty" war kein langes Glück
beschieden, am 31. Mai 1960 erfolgte die Scheidung.
Myrna Loy, die auf der Leinwand in rund 130 Kinoproduktionen Millionen
von Menschen vergnügliche Stunden bereitet hatte und von vielen als
"Königin des Films" bezeichnet wurde, starb am 14. Dezember 1993
im Alter von 88 Jahren in Manhattan (New York City) während einer
Operation. Ihr Leichnam wurde eingeäschert und die Asche auf dem "Forestvale
Cemetery" in Helena (Montana) beigesetzt (siehe auch Foto des Grabsteins
bei www.knerger.de).
Ihre Autobiografie "Myrna Loy: Being and Becoming" hatte sie bereits 1987 veröffentlicht.
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