Gedenktafel: Gründung der "Comedian Harmonists" in Berlin-Friedenau, Stubenrauchstraße 47; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Urheber: Wikimedia-Benutzer OTFW, Berlin, Lizenz CC-BY-SA 3.0. Die Erfolgsstory des Berliner Vokal-Ensembles "Comedian Harmonists" begann Ende der 1920er Jahre: Der gerade volljährig gewordene Harry Frommermann gab am 18.12.1927 im "Berliner Lokal-Anzeiger" eine winzige Anzeige auf:

"Achtung. Selten. Tenor, Bass (Berufssänger, nicht über 25),
sehr musikalisch, schönklingende Stimmen,
für einzig dastehendes Ensemble unter Angabe der täglich verfügbaren Zeit gesucht."

Frommermann hatte – wie außer ihm im späteren Ensemble nur Robert Biberti – keinerlei akademische Gesangs- und Musikausbildung, war jedoch begeisterter Fan des US-amerikanischen Vokal-Quartetts "The Revelers"1) und wollte etwas Ähnliches in Deutschland ins Leben rufen.
 
  
Foto: Gedenktafel: Gründung der Comedian Harmonists
in Berlin-Friedenau, Stubenrauchstraße 47
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons
Urheber: Wikimedia-Benutzer OTFW, Berlin, Lizenz CC-BY-SA 3.0.

Man befand sich mitten in der Wirtschaftskrise, die Annonce des jungen Mannes rief über 70 Interessenten auf den Plan (darunter auch angeblich Johannes Heesters2)), die jedoch meist nicht über das notwendige gesangliche Talent verfügten. Enttäuscht wollte Frommermann seine Pläne schon ad acta legen, als eines Tages ein gewisser Robert Biberti bei ihm zum Vorsingen auftauchte. Biberti hatte eine außergewöhnlich schön klingende Bass-Stimme, außerdem teilte er Frommermanns Begeisterung für "The Revelers". Als dann Biberti wenige Tage später zwei Chorkollegen aus dem "Großen Schauspielhaus", den Bulgaren Ari Leschnikoff (1. Tenor) und den Polen Roman Cycowski (Bariton), mitbrachte, war der Anfang gemacht. Als weiteres Mitglied stieß Walter Nussbaum (2. Tenor) zu der Formation, der jedoch aus heute unbekannten Gründen im März 1929 durch Erich A. Collin ersetzt wurde. Ein Jahr zuvor, im März 1928, hatte Ari Leschnikoff dann noch seinen Freund, den Pianisten Erwin Bootz, überreden können, der Gruppe beizutreten; Bootz, der als Lebemann galt, war der Jüngste und verfügte über ein nicht unerhebliches Vermögen.
Die erste Probe fand am 16. Januar 1928 in Frommermanns Mansardenwohnung in der Stubenrauchstraße 47 (Berlin-Friedenau) statt, erste Versuche der "Melody Makers", wie sich das Sextett zunächst nannte, in der Branche Fuß zu fassen, waren wenig erfolgreich.
Im Juni 1928 durften die sechs Sänger in der Berliner "Scala" erstmals vorsingen. Das misslang, weil ihr Stil nicht den Musikvorstellungen dieses Vergnügungslokals entsprach. Schließlich fand im Spätsommer bei dem Agenten Bruno Levy, mit dem Frommermann verwandt war, ein zweites Vorsingen statt. Levy hörte sich den Vortrag an, griff zum Telefonhörer und rief den Berliner Varietékönig Erik Charell1) (1894 – 1974) an, bei dem das Sextett sein gesamtes Repertoire noch ein zweites Mal vortrug. Charell machte ein Angebot, das Levy zu Überraschung der jungen Männer ablehnte. Er ging mit ihnen zu Charells größtem Konkurrenten, dem Operettenregisseur Herman Haller1) (1871 – 1943), der seit 1923 Direktor im "Admiralspalast" war. Haller überbot Charells Gage, zahlte eine Abendgage von 120 Reichsmark und schlug den Namen "Comedian Harmonists" vor.3)
 
Nun ging es aufwärts, zum ersten Auftritt kam es am 28. September 1928 im Berliner "Großen Schauspielhaus" in der Revue-Operette "Casanova" von Johann Strauß, wo die "Comedian Harmonists" als sogenannte "Zwischenaktmusikanten" in Erscheinung traten. Der Erfolg stellte sich nun rasch ein, die Gruppe erhielt weitere Engagements, zunächst in Berlin wie im "Kabarett der Komiker", dann auch außerhalb der Metropole, etwa im Hamburger "Hansa-Theater" und in Köln sowie Leipzig. Hier erlebte das Sextett seinen Durchbruch, denn die ausverkauften Abende fanden vor einem begeisterten Publikum statt. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die "Harmonists" lediglich Teil eines größeren Revueprogramms. Ein erster Radioauftritt fand am 18. Dezember 1929 in der "Funk-Stunde Berlin" statt. Bei aller Popularität, die durch Grammophonplatten und zahlreiche Rundfunkauftritte gefördert wurde, waren sie doch noch nicht landesweit bekannt. Deshalb bedeutete eine eigene Konzerttournee ein größeres Risiko für die Veranstalter, sodass das Ensemble Säle für die Auftritte selbst mieten und sämtliche Veranstalter-Risiken zu tragen hatte. Als erster Auftrittsort für die eigene Vorstellung wurde Leipzig festgelegt, weil man vier Wochen zuvor hier gefeiert worden war. Das wiederholte sich auch bei der Premiere am 26. Januar 1930. Die Popularität hatte rasch zugenommen, und ab 1930 genügte eine Zeitungsnotiz, dass die "Comedian Harmonists" auftreten würden; aufwendige Werbung war nicht mehr nötig, meistens waren die Säle ausverkauft.3)

   
Die "Comedian Harmonists" 1930 in Breslau; v.l.n.r.: Erwin Bootz, Roman Cycowski, Robert Biberti, Ari Leschnikoff, evtl. Frommermanns spätere Frau, die Sängerin Marie Erna Eggstein (Marion Kiss), evtl. der Komponist, Arrangeur, Librettist und Pianist Brt Reisfeld, Erich A. Collin, Harry Frommermann; Quelle: Bulgarian Archives State Agency (BASA); (Zugangs-Nr.: Fonds 1868K "??????? ????????", Bestand 1, Archiv 44, Blatt Nr. 5) bzw. Wikimedia Commons
Die "Comedian Harmonists" 1930 in Breslau
v.l.n.r.: Erwin Bootz, Roman Cycowski, Robert Biberti, Ari Leschnikoff,
evtl. Frommermanns spätere Frau, die Sängerin Marie Erna Eggstein (Marion Kiss),
evtl. der Komponist, Arrangeur, Librettist und Pianist Bert Reisfeld*),
von dem der Text zu "Mein kleiner, grüner Kaktus" stammt → www.dra.de,
Erich A. Collin, Harry Frommermann
Quelle: Bulgarian Archives State Agency (BASA) → Homepage (englisch)
(Zugangs-Nr.: Fonds 1868K "Аспарух Лешников", Bestand 1, Archiv 44, Blatt Nr. 5)
bzw. Wikimedia Commons; Angaben zur Lizenz siehe hier
Link: *) lexm.uni-hamburg.de

Die "Comedian Harmonists" machten mit ihren Konzert-Tourneen und Schallplattenaufnahmen Furore, Lieder im typischen "Harmonists"-Sound wie "Ich hab’ für Dich 'nen Blumentopf bestellt", "Schöne Isabella aus Kastilien", "Mein kleiner grüner Kaktus" oder "Veronika, der Lenz ist da" sind bis heute unvergessen. DER SPIEGEL (1/1983) notierte unter anderem in einem Nachruf zum Tode von Erwin Bootz: "Die "Harmonists" waren die vergötterten Funnyboys im verrückten Berlin. Wenn sie, im graziös-schmelzenden Falsett "Veronika, der Lenz ist da" anstimmten oder "Liebling, mein Herz lässt dich grüßen", geriet das Publikum in Verzückung. Der "schöne Erwin" Bootz bediente dabei das Klavier und arrangierte, neben Frommermann, die leichtlockeren Melodien." Foto der "
Auch auf der Leinwand konnten das Sextett die Zuschauer begeistern, in dem berühmten Tonfilmklassiker "Die Drei von der Tankstelle"1) (1930) mit Heinz Rühmann, Willy Fritsch, Oskar Karlweis und Lilian Harvey sangen sie als Barmixer "Liebling, mein Herz läst Dich grüßen". In der musikalischen Komödie "Gassenhauer"4) (1931) von Regisseur Lupu Pick konnte man sie erstmals mit dem Song "Marie, Marie" hören, standen jedoch nicht selbst vor der Kamera, sondern liehen ihre Stimmen den Hinterhofsängern, gespielt von Ernst Busch, Albert Hoermann, Hans Deppe, Martin Jacob und Wolfgang Staudte (bzw. in der französischen Version "Les quatres vagabonds" Aimé Simon-Girard, Alain Guivel, René Donnio, Henri Poussard und Serge Nadaud). Weitere Auftritte hatten sie unter anderem in "Bomben auf Monte Carlo"1) (1931, mit Hans Albers) und den Liedern "Wenn der Wind weht über das Meer" und "Das ist die Liebe der Matrosen", als singende Köche mit "Bisschen dies und bisschen das" in "Ihre Hoheit befiehlt"4) (1931; mit Willy Fritsch und Käthe von Nagy) oder mit "Es führt kein andrer Weg zur Seligkeit" in "Der Sieger"4) (1931) mit Hans Albers. In der Kriminalkomödie "Spione im Savoy-Hotel" (1932, → film.at) brachten sie "Wenn ich Sonntags in mein Kino geh'" zu Gehör, die Komödie "Ich bei Tag und du bei Nacht"4) (1932) war ihr vorletzter großer Ufa-Film. Alle Szenen mit den "Comedian Harmonists" in Fritz Wendhausens Fallada-Verfilmung "Kleiner Mann –  was nun?"1) (UA: 03.08.1933) fielen auf Anweisung der Filmprüfstelle vom 7. Juli 1933 der Zensur zum Opfer. Das Vokalensemble sang im Film neben dem Titelschlager bzw. dem Tango-Lied "Kleiner Mann, was nun?" der zuvor am 11. Mai 1933 aufgenommen worden war, unter anderem auch den Song "Was Dein roter Mund im Frühling sagt". Der Streifen soll heute als verschollen gelten, lediglich die Lieder der "Comedian Harmonists" haben auf diversen Schallplatten bzw. CDs die Zeiten überdauert → → www.rowohlt-medienagentur.de.
 
Das Repertoire der "Comedian Harmonists" war mit mehr als 300 Titeln breit gefächert und vielseitig, reichte vom Nonsens-Schlager wie "Mein kleiner grüner Kaktus" über Operetten- und Filmlieder, deutsche Volkslieder wie "Ach, wie ist's möglich dann" oder "Muss'i denn" bis hin zu modernen Rhythmen wie "Daisy" oder Cole Porters "Night and Day". Zum musikalischen Stil der "Comedian Harmonists" – vor allem im Vergleich zu ihrem ursprünglichem Vorbild, den "Revelers" – schreiben ihre Biografen Peter Czada und Günter Große: "Hot- und Swingelemente treten bei den "Comedian Harmonists" gegenüber einer an Wohlklang und Melodik orientierten Stimmführung zurück. Dies erlaubte es ihnen, auch Volkslieder und sogar Weihnachtslieder ganz schlicht in vollendeter, inniger Harmonie zu singen. Ihre Interpretation von Schlagern und Tanzmusik war äußerst flott, rhythmisch präzise und vielfach von praodistischem Witz geprägt, zugleich aber stets so gehalten, daß selbst banale Melodien "veredelt" wurden. (…) Die Mischung aus seriöser Vokalistik und spaßiger Darbietung verblüffte und kam an. Sie entsprach auch durchaus dem Naturell der Ensemblemitglieder, die ja alle von ihrer Schulung am "klassischen" Repertoire geprägt waren, zugleich aber in Frommermann und Biberti zwei durchaus unterschiedliche Komiker-Talente besaßen. (Czada/Große, 1993).5)

Auf dem Höhepunk ihrer Karriere – die auch international gefeierte Gruppe verdiente Unsummen und konnte sich einen aufwendigen Lebensstil leisten – kam es mit der Machtergreifung der Nazis im Jahre 1933 zu ersten Absagen vertraglich vereinbarter Konzerte. Drei der sechs Mitglieder der "Comedian Harmonists", Harry Frommermann, Erich A. Collin und Roman Cycowski waren Juden bzw. Nichtarier, bis zum 1. Mai 1934 durften die Formation noch die eingegangenen Konzertverpflichtungen erfüllen, nach dieser Übergangsfrist griff die am 1. November 1933 erlassene "Verordnung zur Durchführung des Reichskulturkammergesetzes", die in § 10 forderte, dass jeder Künstler Mitglied der "Reichskulturkammer" sein müsse, wenn er weiter arbeiten wolle; faktisch bedeutete dies ein Auftrittsverbot. Am 13. März 1934 fand in München ein legendäres Konzert statt, dass nur mit einer Sondergenehmigung und einer von der Konzertdirektion eigens erwirkten Aufhebung eines ergangenen Konzertverbots durchgeführt werden konnte. Die vor einem jubelnden Publikum gesungenen Abschlusslieder "Auf Wiederseh'n, my Dear" und "Lebewohl, gute Reise" hatten Symbolcharakter.
Nach Auslandsauftritten ab April 1934 in Dänemark, Norwegen und in den USA kam es im Februar 1935 in Norwegen zum letzten gemeinsamen öffentlichen Auftritt der "Comedian Harmonists". Die letzte legale gemeinsame Plattenproduktion erfolgte am 13. Februar 1935 im Berliner "Electrola-Studio" mit dem bezeichnenden Titel "Morgen muss ich fort von hier".
Die Gruppe trennte sich gezwungenermaßen, die "Nichtarier" gingen ins Ausland, die "Arier" Biberti, Bootz und Leschnikoff blieben in Deutschland. Am 22. Februar 1935 wurden Letztere in die "Reichsmusikkammer" aufgenommen, gleichzeitig das Verbot erteilt, "weiterhin mit diesen Nichtariern zu musizieren. Jedoch bleibt es Ihnen unbenommen, mit anderen arischen Musikern nach Zulegung eines deutschen Namens anstelle der Bezeichnung "Comedian Harmonists" Ihre musikalische Tätigkeit auszuüben." Wieder im Berliner "Lokal-Anzeiger" erscheint am 3.3.1935 eine Anzeige, in der ein "weltberühmtes deutsches Gesangsensemble" zwei Tenöre und einen Bariton sucht. Die neuen Sänger – 2. Tenor Richard Sengeleiter, Bariton Walter Blanke und der ungarische Tenor-Buffo Janos Kerekes, noch während der Proben durch Fred (Alfred) Kassen ersetzt – werden von den Stammmitgliedern als Angestellte engagiert. Allerdings kommt es in der Folge zu zahlreichen Personalwechseln: 1936 hilft zeitweise Zeno Coste aus, ein Engagement Rudi Schurickes scheitert am Einspruch von Leschnikoff, schließlich werden 1936/37 – neben Kassen – Alfred Grunert (2. Tenor) und Herbert Imlau (Bariton) für einige Jahre Mitglieder.5)
Die Existenz des nicht mehr so erfolgreichen "Meistersextetts" endete Mitte November 1941.
 
Harry Frommermann, Erich A. Collin und Roman Cycowski versuchten im Wiener Exil einen neuen Start, seit Mai 1935 traten sie zusammen mit den beiden Österreichern Hans Rexeis (Tenor, verstorben 1980) und Rudolf Mayreder (Bass, verstorben 1978) sowie dem deutschen Juden Ernst Engel (Piano) anfangs als "Wiener Gruppe", dann wieder unter dem Namen "Comedian Harmonists", ab 1937 als "Comedy Harmonists" auf. Nach einer Europatournee außerhalb Deutschlands bzw. Konzerten in Australien, Amerika, Südamerika und Russland zerfiel die Gruppe im Jahre 1941 und löste sich auf → www.comedian-vocalists.at.
 
Ende der 1990er Jahre drehte Regisseur Joseph Vilsmaier mit "Comedian Harmonists: Eine Legende kehrt zurück – Der Film"1) (Kinostart 25.12.1997) eine Musikerbiografie über den Aufstieg und Fall des Sextetts in glänzenden Bildern mit hochkarätiger Besetzung: Harry Frommermann wurde von Ulrich Noethen1) dargestellt, Robert Biberti von Ben Becker1), Roman Cycowski von Heino Ferch1), Erich Collin von Heinrich Schafmeister1), Ari Leschnikoff von Max Tidof1) und Erwin Bootz von Kai Wiesinger1). Otto Sander2) mimte den Künstleragenten Bruno Levy, Günter Lamprecht2) den Berliner Varietékönig Erik Charell. In weiteren Rollen sah man unter anderem Meret Becker1) als Sängerin bzw. Frommermanns Ehefrau Marie Erna Eggstein, Katja Riemann1) als Mary Cycowski, Dana Vávrová2) als Ursula Bootz und Rolf Hoppe2) als Gauleiter Streicher. Am 12.März 1999 lief der Film auch in den amerikanischen Kinos unter dem Titel "The Harmonists" an, in deutsch mit englischen Untertiteln.
Das "Lexikon des Internationalen Films" notiert zu dem 1998 mit dem "Bayerischen Filmpreis" sowie "Deutschen Filmpreis" ausgezeichneten Streifen unter anderem "Der anekdotisch konzipierte Unterhaltungsfilm beschreibt mit einigem äußerlichen Aufwand, aber auch mit vielen vermeintlich "griffigen" Klischees die Musikerkarrieren in einer "bewegten Zeit", die lediglich als Projektionsfläche für gepflegte Oberflächlichkeiten dient." Wogegen "Kino.de" meint: "Der ehrgeizige Regisseur, Kameramann und Produzent in Personalunion lieferte mit seiner Hommage ein Stück Kino, das alles hat: Witz, Dramatik, Glamour und Historie, auch wenn bei der schieren Masse des Materials das eine oder andere dramatische Detail untergehen muss."
 
Viel ist über das weltberühmte Vokalensemble geschrieben worden. Prof. Dr. Peter Czada und Günter Große schildern in "Comedian Harmonists: Ein Vokalensemble erobert die Welt" (1993) den Werdegang und das Wirken der ersten deutschen "Boygroup". Regisseur Eberhard Fechner1) (1926 – 1992) setzte mit "Die Comedian Harmonists: Sechs Lebensläufe" (1988; Quadriga Verlag; mit einem Geleitwort von Roman Cycowski) den Sängern ein würdiges Denkmal. Das Buch dokumentiert die Interviews, die Eberhard Fechner in den 1970er Jahren mit den damals noch lebenden Mitgliedern der "Comedian Harmonists", Ari Leschnikoff, Roman Cycowski, Robert Biberti und Erwin Bootz, geführt hat. Die damals alten Männer beschreiben großartig die Zeit der "Comedian Harmonists". Hierbei wird auch auf die Trennungsphase mit ihren Problemen und Konflikten ausführlich eingegangen, wobei teilweise starke Diskrepanzen in den Erinnerungen der einzelnen Mitglieder auftreten. Die Interviews existieren auch als vielbeachteter zweiteiliger Fernsehfilm (Erstsendung 18./20.12.1976, ARD → www.eberhardfechner.de).
Pit Holzwarth und Renato Grünig publizierten "Comedian Harmonists: Phantasie über einen Mythos" (1997), weitere Veröffentlichungen sind unter anderem "Comedian Harmonists" (1998) von Carsten Gerlitz und "Comedian Harmonists" (1999) von Tilo Köhler (Buch zum Vilsmaier-Film).
1997 schrieben Franz Wittenbrink1) (Musik) und Gottfried Greiffenhagen1) (Text) das musikalische Schauspiel "Die Comedian Harmonists" über den Aufstieg und Zerfall des Ensembles.
 
Die Musik der legendären "Comedian Harmonists" hat in den letzten Jahrzehnten einen neuerlichen Siegeszug angetreten, Neuveröffentlichungen ihrer Platten und Nachahmergruppen sind aus dem Boden geschossen, der "kleine grüne Kaktus" ist heute immer noch so populär und in aller Munde wie aktuelle Tagesschlager. Auch der unvergessene Vicco von Bülow2) alias Loriot (1923 – 2011) hat den Sängern einen Cartoon gewidmet bzw. diese als animierte, knollennasige Figuren mit dem Lied "So ein Kuss kommt von allein" in die Loriot-Welt einziehen lassen.
1998 erhielten die Gruppe posthum den Musikpreis "Echo" für ihr Lebenswerk.

   
Siehe auch Wikipedia, www.cinegraph.de, www.wissen.de
sowie die Fanpage userpage.fu-berlin.de
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 4) Murnau Stiftung
Quelle: 3) Wikipedia (abgerufen 22.08.2012), 5) www.cinegraph.de
Angabe Lizenz Foto "Comedian Harminist (1930): This file was provided to Wikimedia Commons by the" Bulgarian Archives State Agency" as part of a cooperation project. The "Bulgarian Archives State Agency" provides images, which are public domain. For attribution/citation of the source, "Bulgarian Archives State Agency", please use the identification numbers of the document's fonds, inventory, archival unit and sheet. Dieses Medium (Bild, Gegenstand, Tondokument, …) ist gemeinfrei, da das Urheberrecht abgelaufen ist und die Autoren unbekannt sind. Das gilt in der EU und solchen Ländern, in denen das Urheberrecht 70 Jahre nach anonymer Veröffentlichung erlischt.
Die "Comedian Harmonists" waren …
Harry Frommermann (in der Emigration Harry Frohman), Gründer, Arrangeur und 3. Tenor
Geboren am 12. Oktober 1906 in Berlin,
gestorben am 29. Oktober 1975 in Bremen.
 
Frommermanns Vater, der Oberkantor Alexander Frommermann, war ein aus der Ukraine stammender Russe, die gesamte Familie jüdischen Glaubens. Mit nur 16 Jahren beschloss der junge Harry nach der Mittelschule im Jahre 1922 gegen den Willen seines Vaters eine Schauspielschule zu besuchen, die er jedoch knapp zwei Jahre später wieder verlassen musste.
Mit dem Vater zerstritten, war Harry Frommermann nach dem Tod seiner Mutter auf sich allein gestellt, kam mit der Musikerszene in Berührung und gab, begeistert von dem US-amerikanischen Vokal-Quartetts "The Revelers"1) die legendäre Anzeige zwecks Suche nach gleichgesinnten Sängern auf – der Rest ist Geschichte.
Nach der Trennung der "Comedian Harmonists" bzw. dem Zerbrechen der Nachfolge-Gruppe im Wiener Exil blieb er in den USA und nahm die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an, der Versuch, in New York mit einem anderen Ensemble neu anzufangen, scheiterte an Geldmangel. Frommermann wurde von der US-Armee eingezogen und änderte seinen Namen in Frohman. Wegen eines Dienstunfalls musste er nicht an die Front, sondern unterhielt als Entertainer die Verwundeten.2)
Nach Ende des 2. Weltkrieges kam Frommermann nach Deutschland in seine Geburtstadt Berlin zurück und war als Dolmetscher (u.a. bei Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozessen), später als Nachrichtenoffizier tätig. Aus der amerikanischen Armee entlassen ließ er sich als Immobilienmakler in Zürich (Schweiz) nieder; ein Versuch, mit Erich Collin ein neues Vokal-Ensemble aufzubauen, scheiterte.
 
1949 ging Harry Frommermann nach Rom und arbeitete kurzfristig als künstlerischer Beirat beim Hörfunk, wechselte dann jedoch 1951 wieder in die Schweiz und versuchte sich im Im- und Export. Wenig erfolgreich ging er erneut in die USA, konnte seine Pläne, beim Fernsehen Fuß zu fassen, jedoch nicht realisieren. Er hielt sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, arbeitete als Packer im Hafen von New York, Hilfsbuchhalter, Taxifahrer und verkaufte Küchenmöbel.
Der inzwischen gesundheitlich angeschlagene ehemalige Gesangsstar hatte auch privat wenig Glück. Seine erste, am 12 Mai 1931 geschlossene Ehe mit der Sängerin Marie Erna Eggstein (geborene Marion Kiss) wurde 1952 geschieden, auch seine zweite Ehe mit Paula Wolff hatte nur wenige Jahre Bestand.
Bereits während seiner Zeit als amerikanischer Soldat hatte Frommermann die Deutsche Erika von Späth kennengelernt und über Jahre mit ihr Briefkontakt gehalten. 1960 beantragte er auf ihren Rat Entschädigung für den Verlust seiner Existenz durch die Rassegesetze des Dritten Reichs. 1962 erhielt er eine lebenslange Rente zugesprochen, kehrte nach Deutschland zurück und zog mit Erika von Späth zusammen. Er war nun ständig krank und starb 1975 mit 69 Jahren in Bremen. Er liegt dort auf dem Riensberger Friedhof, Grabstelle T299.2) → Foto der Grabstelle bei knerger.de

 
Link: 1) Wikipedia
Quelle: 2) Wikipedia (abgerufen 22.08.2012)

Siehe auch Wikipedia, www.exilarchiv.de

Robert Biberti, Bass-Stimme
Geboren am 5. Juni 1902 in Berlin.
gestorben am 2. November 1985 in Berlin.
 
Der Sohn des vormals berühmten Opernsängers Georg Robert Biberti, der seine Stimme durch ungesunden Lebenswandel ruiniert hatte, und dessen Ehefrau Emilie Béral, die als Klavierlehrerin und Kinopianistin arbeitete, wurde mit zwölf Jahren der Schule verwiesen. Daraufhin machte er bei seinem Vater eine Holzschnitzerlehre, entdeckte jedoch bald seine Liebe zur Musik, sang mit seiner schönen Bass-Stimme als Chorist an der Oper und am Theater und hielt sich auch als Sänger auf Hinterhöfen über Wasser.
Seine kurze, fulminante Karriere mit den "Comedian Harmonists" wurde bereits beschrieben, nach der durch die Nazis erzwungenen Trennung der Gruppe bzw. dem Zerbrechen des "Meister-Sextetts" Mitte November 1941 wurde Biberti zur Berliner Luftschutzwarnzentrale, später wegen seines handwerklichen Geschicks zur Waffenmeisterei eingezogen.
Nach Ende des 2. Weltkrieges unterhielt er zwischen 1950 und 1980 einen Antiquitätenhandel und schrieb Artikel bzw. gestaltete Sendungen über die " Comedian Harmonists" für den Hörfunk. Zusammen mit den Tantiemen aus den "Comedian Harmonists"-Veröffentlichungen, die er sich vollständig auszahlen ließ, konnte er recht gut leben.
 
Robert Biberti starb 1985 starb er im Alter von 83 Jahren an Nierenversagen und fand seine letzte Ruhe auf dem Berliner Friedhof Wilmersdorf → Foto der Grabstätte bei Wikipedia. Sein Nachlass befindet sich in der "Staatsbibliothek zu Berlin" → staatsbibliothek-berlin.de.
Seit 1944 war er mit seiner langjährige Freundin Hilde Longino verheiratet; 1973 nahm er die Schauspielerin, Regisseurin und Autorin Ilse Biberti (geb. 1958) als seine Nenntochter an → www.biberti.de.
Sein Bruder Leopold Biberti1) (1894 – 1969) war in der Schweiz als Schauspieler sowohl am Theater als auch beim Film tätig; ab 1960 drehte er auch Fernsehfilme in Deutschland.
 
Link: 1)  Kurzportrait innerhalb dieser HP

Siehe auch Wikipedia sowie den kurzen Nachruf bei www.spiegel.de

Ari Leschnikoff (Asparuch Leschnikoff), 1. Tenor
Geboren am 16. Juni 1897 in Chaskowo (Bulgarien, damals Teil des Osmanischen Reichs),
gestorben am 31. Juli 1978 in Sofia (Bulgarien).
 
Aufgewachsen in seiner Geburtsstadt Chaskowo, besuchte der Sohn des örtlichen Postmeisters und einer Lehrerin nach der Volksschule bis 1916 ein Gymnasium, wechselte dann aus finanziellen Gründen auf eine Kadettenanstalt in Sofia. Schon während seiner Schulzeit war er durch seine außergewöhnlich schöne Stimme aufgefallen, sang auch als Sopran im Kirchenchor. Während des 1. Weltkrieges brachte er es bis zum Kavallerie-Leutnant, nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst nahm er zunächst Gesangsunterricht bei dem bulgarischen Opernsänger Ivan Vulpe (1876 – 1929). 1922 entschloss er sich, seine Heimat zu verlassen, um in Deutschland bzw. Berlin weiter Musik zu studieren; seinen Lebensunterhalt verdiente er sich unter anderem als Kellner.
Nach einer dreijährigen Ausbildung am "Stern'schen Konservatorium" mittels eines Stipendiums erhielt er 1926 einen ersten Vertrag als Chorsänger am "Großen Schauspielhaus", wo er auch Robert Biberti und Roman Cycowski kennenlernte. Biberti brachte sowohl Leschnikoff als auch Cycowski zu Harry Frommermann, somit zählten nun auch diese zu den Gründungsmitgliedern der "Comedian Harmonists".

Ari Leschnikoff in Berlin 1922
Urheber: Unbekannt; Quelle: Bulgarian Archives State Agency bzw.
Wikimedia Commons; Weitere Angaben sowie zur Lizenz siehe hier

Ari Leschnikoff in Berlin 1922; Urheber: Unbekannt; Quelle: Bulgarian Archives State Agency bzw. Wikimedia Commons

Nach der erzwungenen Auflösung des Vokalsextetts im Jahre 1935 gehörte Leschnikoff gemeinsam mit Robert  Biberti und Erwin Bootz sowie den neuen Mitgliedern Herbert Imlau (Bariton), Alfred Grunert (2. Tenor) und Fred Kassen (Tenor buffo) zunächst zu der Nachfolgeformation "Meister-Sextett". Mit Ausbruch des 2. Weltkrieges ging Ari Leschnikoff wenig später zurück nach Bulgarien, sein Versuch in Deutschland als auch in seinem Heimatland eine Solokarriere zu starten, blieb ein Intermezzo.
1941 wurde Leschnikoff als Hauptmann der Reserve eingezogen, konnte jedoch in Sofia bleiben, wo er sein Vermögen bzw. seine Tantiemen in einem mehrstöckigen Wohnhaus anlegte, das ;1944 bei einem Bombenangriff völlig zerstört wurde – somit stand Ari Leschnikoff vor dem finanziellen Ruin, konnte sich nur mit Hilfe guter Freunde über Wasser halten.
Auch in Liebesdingen war ihm nicht viel Glück beschieden, seine 1932 geschlossene Ehe mit dem aus London stammenden Tiller-Girl Delphine David wurde 1947 geschieden, der gemeinsame Sohn Simon blieb bei der Mutter. 1952 ging er eine zweite Ehe mit Sashka Siderova ein und wurde 1958 noch einmal Vater eines Sohnes, Anri. Er verdiente den Lebensunterhalt für seine Familie als Gärtnergehilfe sowie als Lagerverwalter in einer Fabrik. Ab 1962 erhält er eine geringe Rente. Briefliche Bitten an Biberti, ihn an den von ihm vereinnahmten Tantiemen zu beteiligen, schlägt dieser – trotz Intervention der "Electrola" – aus. 1965 wird er von einem Fan nach Dresden eingeladen, woraus sich verschiedene Ehrungen in der DDR ergeben. Durch diese Aktivitäten werden nun auch die Bulgaren auf ihn aufmerksam, es erscheint eine LP mit seinen Aufnahmen aus den 40er Jahren und einigen Songs der "Comedian Harmonists", was allerdings an seiner Armut nicht viel ändert.1)

Ari Leschnikoff starb 1978 im Alter von 81 Jahren völlig verarmt in Sofia.
 
Quelle: 1) www.cinegraph.de

Siehe auch Wikipedia

Roman Cycowski, Bariton
Geboren am 25. Januar 1901 in Tussyn bei Łódź (Polen, damals Russland),
gestorben am 9. November 1998 in Palm Springs (Kalifornien).
 
Der Sohn eines orthodox-jüdischen Besitzers einer kleinen Spinnerei besuchte ab 1909 fünf Jahre lang die Talmudschule in Piotrkow und erhielt auch Gesangsunterricht; während des 1. Weltkrieges erlernte er von einem deutschen Offizier die deutsche Sprache.
1920 verließ er seine Heimat und ging nach Berlin, war zunächst als Ladengehilfe in einer Eisenwarenhandlung in Beuthen (Oberschlesien) tätig, erhielt dann eine Anstellung als Chorsänger in der dortigen Synagoge sowie am Stadttheater. Engagements an verschiedenen Theatern (Zoppot, Danzig, Stralsund, Bad Oeynhausen) schlossen sich an, zwischen 1923 und 1925 war er in Guben (Niederlausitz) verpflichtet, wo ihm bereits große Opernpartien (u.a. der Wolfram in "Der Tannhäuser") anvertraut wurden. Über Cottbus und Rostock kam Cycowski 1926 nach Berlin und nahm ein Studium auf, um seine Gesangsstimme weiter zu schulen, seinen Lebensunterhalt verdiente er sich unter anderem als Begleitsänger von Stummfilmen.
Im September 1927 erhielt er der blondgelockte, gut aussehende junge Mann dann ein Engagement von Erik Charell am " Großen Schauspielhaus" als Chorsänger, lernte dabei Robert Biberti und Ari Leschnikoff kennen. Biberti brachte sowohl Leschnikoff als auch Cycowski zu Harry Frommermann, somit zählten nun auch diese zu den Gründungsmitgliedern der " Comedian Harmonists".
 
Nach der von den Nazis erzwungenen Auflösung des Vokal-Sextetts, emigrierte Cycowski 1935 gemeinsam mit Harry Frommermann und Erich A. Collin nach Wien, mit den drei neuen Mitgliedern, den Österreichern Hans Rexeis (Tenor, verstorben 1980) und Rudolf Mayreder (Bass, verstorben 1978) sowie dem deutschen Juden Ernst Engel (Piano), konnte die neu gegründete Formation anfangs als "Wiener Gruppe", dann wieder unter dem Namen "Comedian Harmonists", ab 1937 als "Comedy Harmonists" an alte Erfolge anknüpfen.
Als sich die Gruppe im Jahre 1941 auflöste, blieb Cycowski in den USA und ließ in Los Angeles nieder. Er versuchte sich in der Nähe von Palm Springs wenig erfolgreich als Besitzer eines Nightclubs, in dem er auch als Sänger auftrat, musste den Betrieb jedoch, finanziell schwer angeschlagen, wieder aufgeben. Er nahm anschließend sechs Jahre lang den Posten eines Kantors in der orthodoxen Synagoge (Shaarei Tefila Congregation) in Los Angeles wahr.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr er, dass drei seiner Geschwister dem nationalsozialistischen Völkermord zum Opfer gefallen waren. Nur eine Schwester hatte in Auschwitz überlebt. 1947 wurde er Kantor des "Beth-Israel-Tempels" in San Francisco. 1971 gab er im Alter von 70 Jahren sein Amt als Kantor auf und zog mit seiner Frau nach Palm Springs. Dort übernahm er aus Liebe zu seinem Beruf bald wieder eine Kantorstelle. 1998 starb er 97-jährig in Palm Springs. Er war der letzte Lebende der sechs " Comedian Harmonists".1) → Foto der Grabstelle auf dem Friedhof in Palm Springs bei knerger.de
Roman Cycowski war seit 1937 mit seiner langjährigen Freundin Maria/Mary Panzram verheiratet; die Ehe blieb kinderlos.
 
Quelle: 1) Wikipedia (abgerufen 23.08.2012)

Siehe auch Wikipedia

Erich A. Collin (Erich Abraham Collin), 2. Tenor (ab 1929)
Geboren am 26. August 1899 in Berlin,
gestorben am 28. April 1961 in Los Angeles (USA).
 
Der Sohn des wohlhabenden Kinderarztes Dr. Paul Abraham und dessen Frau Elsbeth (geb. Collin) stammte aus einer Familie jüdischen Glaubens. Seine Eltern ließen sich scheiden, da war der kleine Erich erst drei Jahre alt. Wie seine Schwestern aufgewachsen bei seiner Mutter, nahm er deren Mädchennamen an.
Schon früh machte der Junge durch seine schöne Gesangsstimme auf sich aufmerksam, erhielt von einer wohlhabenden Gönnerin eine Gesangsausbildung.
Nach einem abgebrochenen Medizinstudium und dem Tod seines Vaters begann Collins 1923 ein Studium an der Berliner "Hochschule für Musik", wo er Erwin Bootz kennenlernte, der ihn 1929 mit Harry Frommermann bzw. den "Comedian Harmonists" bekannt machte. Wenig später wurde Collins als Ersatz von Walter Nussbaum Mitglied des Vokal-Ensembles.
Nach der von den Nazis erzwungenen Trennung der "Comedian Harmonists" bzw. der Auflösung der im Wiener Exil gegründeten Nachfolge-Gruppe ging Collins nach Los Angeles und war dort unter anderem als Weinverkäufer tätig. Als die Firma 1942 Bankrott anmelden musste, konnte er auf Vermittlung Albert Einsteins ein Lektorat an einer New Yorker Universität antreten und arbeitete dort eine Zeit lang als Referent für altdeutsche Musik.
Nach dem Auslaufen des Vertrages machte er sich 1956 mit einer kleinen Werkstatt selbständig.
 
Am 28. April 1961 starb Erich A. Collin im Alter von 61 Jahren während einer Blinddarmoperation an Herzversagen.
Er war seit Anfang der 1930er Jahre mit der Französin Fernande Currie verheiratet und Vater einer Tochter.

Siehe auch Wikipedia

Erwin Bootz, Pianist, Arrangeur und musikalischer Leiter
Geboren am 30. Juni 1907*) in Stettin,
gestorben am 27. Dezember 1982 in Hamburg.
Erwin Bootz 1938 im "Kabarett der Komiker"; Urheber: Willy Pragher; Lizenz: CC BY 3.0; Quelle: Deutsche Digitale Bibliothek bzw. Wikimedia Commons Erwin Bootz wuchs gemeinsam mit sechs Geschwistern in seiner Geburtsstadt auf. Die Eltern waren Inhaber eines Geschäfts für Musikalien, Grammophone und Schallplatten, so dass Sohn Erwin schon früh mit der Musik in Berührung kam. Bereits mit vier Jahren erhielt er Klavierunterricht, ab 1920 besuchte er das "Loewe-Konservatorium", anschließend begann er ab 1924 ein Studium in der Meisterklasse an der "Musikhochschule Berlin", das er 1927 mit Auszeichnung beendete.
Im März 1928 stieß der damals noch minderjährige Erwin Bootz durch Ari Leschnikoff zu den "Comedian Harmonists", die er auf dem Piano musikalisch begleitete.
Nach der Auflösung des Vokal-Ensembles war Bootz seit 1938 beim Berliner "Kabarett der Komiker"1) als Autor, Orchesterleiter, Komponist und Komiker tätig. 1942 zum Wehrdienst während des 2. Weltkrieges einberufen, wurde Bootz als Alleinunterhalter zur Truppenbetreuung sowie als Rundfunkmoderator beim Berliner Reichssender eingesetzt.
 
Nach Kriegsende konnte er erfolgreich in der Filmbranche Fuß fassen, synchronisierte Zeichentrickfilme bei der Münchener "Bavaria", schrieb über 180 Dialog-Drehbücher und übernahm die Dialog-Regie für etwa 100 Filme.
 
 
 
Erwin Bootz 1938 im "Kabarett der Komiker"1)
Urheber: Willy Pragher1); Lizenz: CC BY 3.0; Rechteinhaber: Landesarchiv Baden-Württemberg
Quelle: Deutsche Digitale Bibliothek bzw. Wikimedia Commons
1959 wanderte Bootz nach Kanada aus, wo er zunächst als Versicherungsvertreter arbeitete, aber auch als Pianist sowie als Moderator in einigen TV-Shows in Erscheinung trat. Zurück in Deutschland Anfang der 1970er Jahre war er an Theatern in Bochum, Bremen und Berlin tätig. Im Mai 1980 trat er zur Eröffnung des Berliner "Tempodrom" auf. Im Schauspielhaus Bochum war Erwin Bootz für die musikalische Leitung in der Revue "Kleiner Mann – was nun?" von Peter Zadek und Tankred Dorst, nach Hans Fallada, verantwortlich.2)

Erwin Bootz starb 1982 im Alter von 75 Jahren in Hamburg an den Folgen eines Herzinfarktes; seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof Hamburg-Blankenese → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Bootz war in erster Ehe mit seiner Frau Ursula, der Tochter des Bildhauers Benno Elkan1) (1877 – 1960), verheiratet, von der er sich 1938 wegen "unüberbrückbarer Gegensätze" scheiden ließ. Seine Freunde warfen ihm jedoch vor, er habe Ursula aus Angst vor den Nürnberger Rassengesetzen verlassen, weil sie Jüdin war. Diese Vorwürfe hat er jedoch immer abgestritten.2)
Nach der Scheidung bzw. einer zweiten gescheiterten Ehe heiratete Bootz in Kanada ein drittes Mal.
 
Link: 1) Wikipedia
Quelle: 2) Wikipedia (abgerufen 23.08.2012)
*) Geburtsjahr laut Wikipedia, laut knerger.de geboren 1901

Siehe auch Wikipedia sowie den kurzen Nachruf bei www.spiegel.de
und den Artikel zum 5. Todestag bei www1.wdr.de

Lizenz Foto Ari Leschnikow (Quelle: Bulgarian Archives State Agency (BASA) → Homepage (englisch); (Zugangs-Nr.: Fonds 1868K "Аспарух Лешников", Bestand 1, Archiv 42, Blatt Nr. 7): This file was provided to Wikimedia Commons by the" Bulgarian Archives State Agency" as part of a cooperation project. The "Bulgarian Archives State Agency" provides images, which are public domain. For attribution/citation of the source, "Bulgarian Archives State Agency", please use the identification numbers of the document's fonds, inventory, archival unit and sheet.Dieses Medium (Bild, Gegenstand, Tondokument, …) ist gemeinfrei, da das Urheberrecht abgelaufen ist und die Autoren unbekannt sind. Das gilt in der EU und solchen Ländern, in denen das Urheberrecht 70 Jahre nach anonymer Veröffentlichung erlischt.
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