Der Schauspieler, Dramaturg und Regisseur Rudolf Wessely wurde am 19. Januar 1925 in der österreichischen Hauptstadt Wien geboren; sein schauspielerisches Handwerkszeug erlernte er am dortigen "Max-Reinhardt-Seminar"1) und spielte nach Ende des 2. Weltkrieges an verschiedenen Wiener Theatern. 1950 wechselte er an das "Deutsche Theater" in Ost-Berlin, ging dann zur Spielzeit 1959/60 nach Düsseldorf, anschließend für zwei Jahre an die "Städtischen Bühnen Wuppertal". Zwischen 1962 und 1965 leitete er als Direktor das "Atelier-Theater" in Bern um dann für weitere zwei Jahre als Schauspieler am "Bayerischen Staatsschauspiel" zu wirken. 1967 berief man Wessely zum Direktor der "Kammerspiele" in Düsseldorf, eine Funktion, die er bis 1970 ausübte. Nach einem Engagement am Schauspielhaus Zürich (1979/71) stand der Charaktermime ab 1972 viele Jahre lang (bis 1987) am Wiener "Burgtheater" auf der Bühne, gastierte zusätzlich zu diesem Engagement zwischen 1976 und 1987 auch an den "Münchner Kammerspielen", dessen festes Mitglied er bis 2001 war. Zur Spielzeit 2001/02 ging Rudolf Wessely zusammen mit Dieter Dorn an das "Bayerische Staatsschauspiel", dem er bis 2011 angehörte. Zuletzt war er zur Spielzeit 2009/10 im "Residenz Theater" als Pheres in Dieter Dorns Euripides-Inszenierung "Alkestis" zu sehen (Premiere: 21.11.2009).
Rudolf Wessely; Copyright Werner Bethsold Das Repertoire Wesselys war breit gefächert, sowohl in klassischen, aber vor allem in zeitgenössischen Stücken bewies er immer wieder seine schauspielerische Dominanz. So gab er beispielsweise den Narr in Shakespeares "König Lear"1) oder die Titelrolle in Lessings "Nathan der Weise"1) ebenso brillant wie den Davies in Harold Pinters "Der Hausmeister"1) oder den Herbert in Herbert Achternbuschs viel beachteten, clownesken Aufführung "Der Stiefel und sein Socken". In nachhaltiger Erinnerung bleibt Wesselys Interpretation des "Weltverbesserers"1), einem Werk des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard, den der Schauspieler besonders schätzte und dem Publikum auch durch zahlreiche Lesungen nahe brachte. "Die Welt" bezeichnete ihn einmal als "einen Meister der abgründig skurrilen Gestalten, der sogar Nebenfiguren in Protagonisten verwandeln kann."

Foto: © Werner Bethsold
Das Foto entstand 1985 während einer Hörspielproduktion.
Neben seiner umfangreichen Arbeit für das Theater – seiner eigentlichen Domäne – übernahm Wessely seit den 1960er Jahren auch sporadisch interessante Aufgaben für Film und Fernsehen. Populär wurde er auf dem Bildschirm durch unterschiedlichste Rollen in vielen beliebten Krimi-Reihen wie "Der Alte", "Derrick", "Der Bulle von Tölz", "Donna Leon", "Die Verbrechen des Professor Capellari" oder "Tatort" , man sah ihn unter anderem in "Tevya und seine Töchter" (1962), "Tragödie auf der Jagd" (1968), "Kaddisch nach einem Lebenden" (1969) oder "Alexander März" (1976). Er stand für Serien wie "Monaco Franze – Der ewige Stenz" (1983), "Kir Royal" (1986), "Salzburger Nockerln" (1993) oder "Frauen morden leichter" (1997) vor der Kamera, Oliver Hirschbiegel besetzte ihn neben Klaus Löwitsch und Matthias Habich in seinem preisgekrönten Thriller "Das Urteil"1) (1997), ebenso wie in dem Krimi "Todfeinde – Die falsche Entscheidung" (1998) mit Heino Ferch und Tobias Moretti. In der zwölfteiligen Literaturverfilmung "Klemperer – Ein Leben in Deutschland"1) (1999) spielte er den Professor Abendroth, in Heinrich Breloers dreiteiligem Doku-Drama "Die Manns – Ein Jahrhundertroman"1) (2001) den Alfred Pringsheim1) (1850 – 1941), Vater von Katia Mann1) (1883 – 1983; dargestellt von Monica Bleibtreu). Einprägsam war auch seine Verkörperung des DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker1) (1912 – 1994) in Hans-Christoph Blumenbergs vielbeachtetem szenischen Doku-Zweiteiler "Deutschlandspiel"1) (2000) über die deutsche Geschichte der Jahre 1989 bis 1990 bzw. über den Fall der Mauer. Eine intensive Rolle hatte Wessely als Heimleiter Karl Kranz in der "Tatort"-Folge "Schöner Sterben"2) (2003), ebenso wie als verzweifelter Witwer Kehl, der sich in in dem "Tatort" mit dem Titel  "Hundeleben"1) (2004) als Verschwörungsopfer sieht. Eine kleine, dennoch prägnante Figur war die des Vaters der Titelheldin (Senta Berger) in dem sozialkritischen ARD-Zweiteiler "Emilia" (2005, Die zweite Chance/Familienbande). In jüngerer Zeit agierte Wessely in den Serien "Vier Frauen und ein Todesfall" (2007) und "Siska" (2007), eine schöne Rolle war auch die des alten Willi Mattusch in der Verwechslungskomödie "Schokolade für den Chef"3) (2008) neben dem Protagonisten Götz George. Als Juwelier tauchte er in der Episode "Tödliches Alibi" (2010) aus der Krimiserie "Der Alte" auf, war auch in zwei Folgen der von Doris Dörrie inszenierten, provokanten Miniserie "Klimawechsel" zu sehen. Zuletzt zeigte sich Wessely in der ZDF-Beziehungskomödie "Lüg weiter, Liebling"3) (EA: 03.05.2010) mit Hannelore Elsner und Götz George in den Hauptrollen, in der Wessely einen herrlichen Kurzauftritt als reicher, sexbesessener Vater des abgehalfterten Umweltaktivisten Hape (Götz George) hatte.
 
Auf der Leinwand agierte Rudolf Wessely eher selten: So beispielsweise in Kinoproduktionen wie der Simmel-Verfilmung "Lieb Vaterland magst ruhig sein"4) (1976), der Literatur-Adaption "Die Kleine Figur meines Vaters" (1979) nach Peter Henisch, der Filmversion des Romans "Der Schüler Gerber"1) (1981) oder in dem Drama "Lieber Karl" (1985). In Peter Patzaks "Wahnfried"4) (1987, auch: Richard und Cosima) mit Otto Sander als Richard Wagner und Tatja Seibt als Cosima Wagner war er ebenso zu sehen wie mit der Hauptrolle des Rudolf Pawlik in Götz Spielmanns psychologischem Drama "Der Nachbar" (1993). Joseph Vilsmaier übertrug ihm die Rolle des jüdischen Kaufmanns Grünbaum in seinem hochgelobten Film über die "Comedian Harmonists"1) (1997), der die Geschichte der legendären Gesangsgruppe frei zum Vorbild nahm. Zu Wesselys weiteren Arbeiten für das Kino zählen "Wer liebt, dem wachsen Flügel"1) (1999) sowie die Rolle des Tucholsky-Verlegers in Xavier Kollers Remake "Gripsholm"1) (2000), frei nach Motiven von Kurt Tucholskys Roman "Schloss Gripsholm".
  
Während seiner Karriere erhielt Rudolf Wessely zahlreiche Auszeichnungen: so wurde er unter anderem 1997 von den Regisseurinnen und Regisseuren des Ö1-Hörspiels zum "Schauspieler des Jahres" gewählt, seit 2000 war er Mitglied der "Bayerischen Akademie der Schönen Kunst". 
Von Nina Hager stammt die Dokumentation "Abendläuten" über den Schauspieler, die Ende 2004 fertiggestellt wurde → www.worthaus.de.
 
Der Charakterschauspieler, Dramaturg und Regisseur Rudolf Wessely starb am 25. April 2016 im hohen Alter von 91 Jahren in München. Die Trauerfeier sowie anschließende Beisetzung fand am 4. Mai 2016 auf dem dortigen Nordfriedhof statt.
 
Siehe auch Wikipedia; Filmografie bei der Internet Movie Database
Link: 1) Wikipedia, 2)  tatort-fundus.de, 3) www.prisma.de, 4) filmportal.de
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