Edgar Selge 01; Copyright Nadja Klier/Agentur Studlar Edgar Selge wurde am 27. März 1948 als Sohn eines Beamten im sauerländischen Brilon geboren und wuchs in Herford auf. Nach Schule und Abitur studierte er in München bzw. Dublin Philosophie und Germanistik, ein Studium in klassischem Klavier schloss sich in Wien an. Dann entschloss er sich Schauspieler zu werden und besuchte die renommierte Otto-Falckenberg-Schule in München, 1975 machte er seinen Abschluss. Sein Bühnendebüt hatte Selge bereits ein Jahr zuvor als "Ariel" in Shakespeares "Der Sturm" am Deutschen Theater in Göttingen gegeben, ein Jahr später wurde er Ensemblemitglied des Berliner Schiller-Theaters, wo er bis 1978 viele große Rollen interpretierte. Anschließend wechselte er an die Münchner Kammerspiele und arbeitete dort bis 1996 mit so bedeutenden Regisseuren wie Dieter Dorn, Thomas Langhoff, Bob Wilson, Hans Lietzau und Franz-Xaver Kroetz zusammen.
 
 
Foto mit freundlicher Genehmigung der Agentur Studlar sowie der Fotografin Nadja Klier
© Nadja Klier (www.klier-art.de)
Nach seiner Zeit an den Münchner Kammerspielen gab er viele Gastspiele, begeisterte unter anderem am Wiener Burgtheater, am Schauspielhaus Zürich und am Deutschen Theater in Berlin; am Münchener Residenztheater beispielsweise brillierte er als "Faust" in Christian Dietrich Grabbes Tragödie "Don Juan und Faust", bis Ende Juli 2001 gab er dort Friedrich Schillers "Wallenstein". Vielen großen Figuren verlieh Edgar Selge im Verlaufe der Jahre mit seinem facettenreichen Spiel, auch an der Seite legendärer Mimen, eindrucksvolle Bühnenpräsenz; so erlebte man ihn am Schiller-Theater unter anderem neben Marianne Hoppe als "Edmund" in O'Neills "Eines langen Tages Reise in die Nacht" sowie in in der Uraufführung von Langes "Frau von Kauenhofen", mit Bernhard Minetti spielte er in Shakespeares "Der Sturm". In den Dieter Dorn-Inszenierungen "Groß und Klein" von Botho Strauß und "Dantons Tod" von Büchner spielte er an den Münchner Kammerspielen ebenso brillant wie in Dorns Umsetzung der Klassiker "Was ihr wollt" (von Shakespeare, Rolle: Bleichenwang) und "Iphigenie auf Tauris" (von Goethe, Rolle: Arkas) – um nur Einiges von Selges herausragendem Theaterwirken zu nennen. Seine Leistungen wurden schon früh gewürdigt, bereits 1977 erhielt er den Preis der Berliner "Akademie der Künste" für die Rolle in "Eines Tages lange Reise in die Nacht", sechs Mal (1979, 1982 1983, 1984, 1994, 1995) wurde er von der Zeitschrift "Theater Heute", dem führenden Fachmagazin der Theaterwelt, zum "Schauspieler des Jahres" gekürt.
  
Zu Edgar Selges jüngeren Theaterarbeiten zählt "Faust I" von Johann Wolfgang von Goethe in einer Inszenierung des Regisseurs Jan Bosse, das 2004 am Deutsches Schauspielhaus Hamburg Premiere hatte und seither – bis auf die Spielzeit 2008/2009 – stets vor ausverkauftem Haus lief: Bosse hat das Stück zum Kammerspiel ganz ohne historische Kulisse " entrümpelt", "Edgar Selge, der 'Faust', gibt einen Altachtundsechziger, zottelig, betont unschick, hochtrabend in den Erwartungen, aber verklemmt, verhemmt, wenn es zur Praxis kommt. Voller Zweifel und auf der Suche nach Erkenntnis. Nicht unbedingt so, wie man sich einen älteren Herren vorstellt – eher einen Turbo-Talker mit eingebautem Hyperventilator (DER SPIEGEL)". (Zitat www.hr-online.de). Während einer Gastspielreise wurde das Stück unter anderem Mitte Mai 2005 auch am Frankfurter Schauspielhaus aufgeführt, eine Wiederaufnahme fand in Hamburg zur Spielzeit 2009/2010 statt.
 
Seit Mitte der 80er Jahre arbeitete Edgar Selge vermehrt für das Fernsehen und wurde bald einem breiten Publikum bekannt. Zunächst waren es noch kleinere Parts wie in der Kult-Reihe "Kir Royal", mit der Zeit wurden die Aufgaben größer. Neben verschiedenen Gastauftritten in populären Serien wie "Der Alte", "Derrick" und "Tatort" spielte er in Einzelproduktionen, wie beispielsweise den Rechtsanwalt Block in Norbert Kückelmanns "Abgetrieben" (1992), dem eindrucksvollem Doku-Drama um den Memminger Prozess von 1988/89 gegen den Abtreibungsarzt Dr. Theissen; zuvor hatte man ihn unter der Regie von Konrad Sabrautzky in der Komödie "Der Neue Mann" (1990)auf dem Bildschirm sehen können. Es folgte der Krimi "Ausgespielt" (1994), in dem mit dem "Adolf Grimme-Preis" ausgezeichneten packenden Psychothriller "Das Böse"1) von Christian Görlitz beeindruckte er 1997 dann erstmals mit der sensibel und unaufdringlich gespielten Rolle eines Kommissars.
  
Drei Jahre später schlüpfte er dann mit der Figur des Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber in der BR-"Polizeiruf 110"-Folge "Spurlos verschwunden" endgültig in die Ermittler-Rolle und gehört seither zu den beliebtesten TV-Kommissaren: Jürgen Tauber, der bei einem Diensteinsatz seinen rechten Arm verloren hat, ist eine ungewöhnlicher Typ, in sich gekehrt, eigenbrötlerisch, manchmal fast misanthropisch wirkend, mit Hang zum Zynismus und oftmals undurchschaubar. In den ersten Folgen war Gaby Dohm als Polizeipsychologin Dr. Sylvia Jansen seine Partnerin, seit 2001 wird Tauber bei seinen Fahndungen in München von Kriminalhauptkommissarin Jo Obermaier alias Michaela May unterstützt, die genau das Gegenteil des Kopfmenschen Tauber ist und es nicht immer leicht mit dem Kollegen hat. "Der Spiegel" schrieb unter anderem 2001: "Ein Paar hat sich gefunden und den deutschen Krimi aus den Fesseln des Berufsbeamtentums befreit". Des öfteren kommen die Folgen auch mit einer Portion Humor daher, so wie in der Folge "Die Prüfung", der am 3. Juli 2005 ausgestrahlten zehnten Geschichte mit dem Gespann Selge/May: Hier hatte sich Drehbuchautor Boris Gullotta in Sachen Behinderung noch eine Steigerung für den einarmigen Tauber ausgedacht: Wegen eines zerborstenen Rotweinglases ist dessen verbliebene Hand schwer verletzt und Tauber ist noch mehr auf die Hilfe seiner Kollegen angewiesen, was nicht ohne manche Situationskomik abgeht.
Für seine Leistungen im "Polizeiruf 110" wurde Edgar Selge Ende September 2003 bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises in der Kategorie "Bester Fernsehfilm" als "Bester Deutscher Schauspieler" ausgezeichnet, speziell für seine Rolle in den beiden Folgen "Tiefe Wunden" und "Pech und Schwefel". Die Jury begründete die hohe Auszeichnung damit, dass Selge mit dem rauen Melancholiker Tauber eine ganz eigene Figur kreiert habe: "den Kommissar, dem man in die Seele blickt…"; seit Mitte Dezember 2004 sind Selge und May Münchner Ehrenkommissare der bayerischen Polizei. Bei "prisma-online" werden die Krimis "Taubers Angst"1) (2007), "Jenseits"1) (2007) und "Rosis Baby"1) (2008) näher behandelt. Für die Polizeiruf 110-Folge "Rosis Baby" erhielt Selge übrigens 2009 gemeinsam mit Juliana Götze und Michaela May den Medienpreis "Bobby"2).
Am 8. November 2009 erfolgte mit der "Polizeiruf 110"-Folge "Endspiel"1) das "große Finale" für das erfolgreiche Ermittler-Duo. Edgar Selge und Michaela May gingen damit nach 17 gemeinsamen Fahndungserfolgen zum letzten Mal als Kommissare auf Verbrecherjagd. Ihren Abschied feiern Michaela May und Edgar Selge unter der Regie eines der renommiertesten deutschen Kino- und Fernsehregisseure: Andreas Kleinert ("Wege in die Nacht", "Polizeiruf 110 – Rosis Baby"). Das Buch zum großen Finale schrieb der mehrfach ausgezeichnete Autor Alexander Adolph ("Tatort: Der oide Depp", "Die Hochstapler"). (Quelle: ARD)
Bereits im Sommer 2006 hatte Selge angekündigt, dass er ab 2009 die Produktion verlassen werde, auch Michaela May, die Tauberts Kollegin Jo Obermaier spielte, scheidet aus. Als Nachfolgeteam treten nun Jörg Hube als Hauptkommissar Friedl Papen und Stefanie Stappenbeck als (Noch-)Feldhauptmann Uli Steiger in Erscheinung, am 21. Oktober 2008 starteten die Dreharbeiten zu "Klick gemacht"1), die Erstausstrahlung erfolgte am 29. November 2009 (siehe auch br-online.de). Durch den plötzlichen Tod von Jörg Hube am 19. Juni 2009 wird ab 2010 der Schauspieler Matthias Brandt neuer Kommissar in den "Polizeiruf 110"-Folgen aus München (mehr bei br-online.de).
Doch neben seiner Dauerrolle als Kommissar Tauber zeigt Edgar Selge auch in anderen Filmen stets seine schauspielerische Vielseitigkeit, die sich durch eine dezidierte Mimik und Gestik auszeichnet: Er stand beispielsweise für Margarethe von Trottas für den "Adolf Grimme-Preis" nominierten Vierteiler "Jahrestage"2) (2000) nach dem Roman von Uwe Johnson vor der Kamera, spielte in Peter Patzaks Gesellschaftsdrama "Die Wasserfälle von Slunj" (2002), nach Motiven des Romans von Heimito von Doderer, den englischen Industriellen Robert Clayton, der die zunehmende Industrialisierung um die Jahrhundertwende nutzt, um von Wien aus ins "Ostgeschäft" zu expandieren. In "Väter – Denn sie wissen nicht was sich tut" (2006), einer vergnüglichen Geschichte, die den Kampf der Generationen humorvoll thematisiert, brillierte er unter der Regie von Hermine Huntgeburth als kongenialer Partner von Armin Rohde (siehe auch www.berlinonline.de).
 
 
Foto mit freundlicher Genehmigung der Agentur Studlar sowie der Fotografin Nadja Klier
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Edgar Selge 02; Copyright Nadja Klier/Agentur Studlar
Ende September 2007 zog der Charakterdarsteller in der in der ARD ausgestrahlten nachdenklich-amüsanten Geschichte "Angsthasen"2) mit seinem facettenreichen Spiel erneut alle Register seines schauspielerischen Könnens. Regisseurin Franziska Buch inszenierte hier eine von Edgar Selge grandios interpretierte Tragikomödie mit vielen witzigen Details. (…)  Hauptdarsteller Selge, der den meisten Zuschauern als einarmiger und trockener Ermittler aus der "Polizeiruf 110"-Krimireihe bekannt sein dürfte, kann sich hier endlich mal nach Herzenslust austoben und zeigt sein großes komödiantisches und schauspielerisches Potential in der Rolle des Angsthasen Adrian. 
(Quelle: www.prisma-online.de
Die Paraderolle des hypochondrischen Neurotikers Adrian Zumbusch, der erst auflebt, als er erfährt, dass er bald stirbt, hatte ihm Filmproduzent und Drehbuchautor Ulrich Limmer auf den Leib geschrieben. Die gesamte TV-Presse war in der Vorankündigung einhellig von Selges Spiel begeistert und lobte seine großartige Schauspielkunst. "Goldene-Kamera"-Preisträger Edgar Selge lockt die Zuschauer auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle, bei der Lachen und Weinen manchmal dicht beieinander liegen", schrieb beispielsweise die HörZu, "als lebensfroher Liebhaber in der ARD-Tragikomödie Angsthasen erfindet sich Edgar Selge neu" untertitelte der GONG seine Reportage zu dem TV-Film.
 
Freuen konnte man sich auch auf das von Josh Broecker für den NDR gedrehte Beziehungsdrama "Die Freundin der Tochter"1), für das Edgar Selge mit seiner Kollegin Katrin Saß im Frühjahr 2008 gemeinsam vor der TV-Kamera stand: Hannah (Katrin Saß) und Paul (Edgar Selge) sind beinahe 25 Jahre verheiratet – glücklich, wie Hannah meint. Doch dann findet sie Hinweise, dass ihr Mann sie betrügt. Wut, Verzweiflung und kleine Hoffnungsschimmer lösen einander ab; der sensibel inszenierte Film wurde am 15. Mai 2009 erstmals bei ARTE ausgestrahlt. "Regisseur Josh Broecker drehte dieses ergreifende Beziehungsdrama mit Top-Besetzung. In der Rolle der betrogenen Ehefrau überzeugt Katrin Saß bis in die kleinste Einstellung, als der gebeutelte Ehemann und überforderte Fremdgänger hätte Broecker keine bessere Besetzung als Edgar Selge finden können." meint prisma-online (siehe auch www.dieterwunderlich.de).
"Jenseits der Mauer"1) hieß ein weiterer Fernsehfilm, in dem Selge eine Hauptrolle verkörpert. Friedemann Fromm führte Regie bei dem ARD-Drama rund um die Ereignisse im Herbst 1989, neben Selge spielt Katja Flint seine Filmehefrau. Die Dreharbeiten begannen im Sommer 2008 in der Thüringer Landeshauptstadt Erfurt, weitere Drehorte waren Leipzig, Weimar und Berlin. Die emotionale Geschichte reicht zurück bis in das Jahr 1974: Grenzübergang Bösebrücke: Heike (Katja Flint) und Ulrich Molitor (Edgar Selge) sowie ihre beiden kleinen Kinder Klaus und Miriam werden bei einem Fluchtversuch gestellt. Nach ihrer Verurteilung stehen die Eltern vor einer schrecklichen Alternative: Sie können mit ihrem siebenjährigen Sohn in die BRD ausreisen, ihre zweijährige Tochter Miriam muss allerdings in der DDR zurückbleiben und wird zur Adoption freigegeben. Verweigern die Molitors diese Zwangsadoption, bleiben beide auf Jahre im Gefängnis und dann wird ihnen auch Klaus weggenommen. Aus dieser Situation heraus wird eine emotionale Geschichte erzählt, in der sich verschiedene Schicksale in Ost und West miteinander verbinden bis hin zum dramatischen Höhepunkt, dem Fall der Mauer.3) Weitere Darsteller sind unter anderem Henriette Confurius, Ulrike Krumbiegel, Herbert Knaup und Renate Krößner. Das Geschichtsdrama "Jenseits der Mauer" wurde am 30. September 2009 in der ARD gesendet, begleitet von einer Dokumentation über die dann zwanzig Jahre zurückliegenden historischen Ereignisse; siehe auch www.ziegler-film.com). Selges herausragendes Spiel wurde wenig später am 26. November 2009 im Rahmen der Gala in Potsdam mit dem Medienpreis "Bambi" gewürdigt, Selge konnte das begehrte goldene Reh in der Kategorie "Bester deutscher Schauspieler" mit nach Hause nehmen. Dr. Barbara Buhl, WDR-Programmgruppenleiterin Fernsehfilm und Kino, sagt zu der Auszeichnung: "Edgar Selges großartige Darstellung vermittelt eindringlich und realistisch, was Menschen teilweise über Jahre durchleben und -leiden mussten, wenn die Staatsmacht der ehemaligen DDR in die persönlichen Lebensumstände eingegriffen und diese für ihre Zwecke instrumentalisiert hat".

Einen großartig aufspielenden Edgar Selge sah man am 22. September 2010 in dem von Hermine Huntgeburth inszenierten ARD-Beziehungsdrama "Der verlorene Vater"1), wo er als Mitvierziger Arndt Salzbrenner alle Facetten seines Könnens zeigte, mit den Gefühlen seiner (nicht minder brillant spielenden) Geliebten (Ulrike Krumbiegel) und seiner Ex-Frau (Jeanette Hain) förmlich jonglierte. Der Schauspieler tritt in den Hintergrund, quälend ist es auch für den der Zuschauer, den unberechenbaren Reaktionen eines zutiefst verletzten, einsamen Mannes zu folgen, dessen vermeintliche Vaterliebe zu allen Mitteln greift, um seine Kinder an sich zu ziehen – das ist exzellente Schauspielkunst. "Niemand kann Einsamkeit so authentisch darstellen wie Edgar Selge. Dass "Der verlorene Vater" die Paraderolle für den Schauspieler bietet, beweist er nun als neurotischer Vater zweier Kinder, der die späte Liebe entdeckt." schreibt die F.A.Z..
In eine ungewöhnliche Rolle schlüpfte der Schauspieler in dem "Tatort" aus Köln "Altes Eisen"1) (EA: 04.09.2011), dem 50. Fall des populären Ermittlerteams Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär). Selge zeichnete in dieser Geschichte um eine ermordete Hausbesitzerin die transsexuelle Trudi Hütten, die in das Visier der Kommissare gerät. "Edgar Selge spielt das Schicksal eine Frau im Männerkörper anrührend, tragisch-traurig und doch mit Augenzwinkern. (…) Am Ende gelingt sogar eine überraschende Auflösung des Falls. Trudis Tod bewegt, an Selges Auftritt wird man sich erinnern." notiert rp-online.de, Für www.stern.de verleiht Edgar Selge "dem "Tatort" die "Ganz großes Kino"-Momente" (…) "Wenn Behrendt und Bär auch über die Jahre eins geworden zu sein scheinen mit Ballauf und Schenk, wird dieser "Tatort" doch von einer anderen Figur überstrahlt: Edgar Selge brilliert als einfühlsame, sorgende und sympathische Trudi, sodass jede Szene ohne ihn ein Gefühl der Leere hinterlässt."
Noch nicht ausgestrahlt wurde das von Friedemann Fromm inszenierte, historische TV-Movie "Hannas Entscheidung" (AT) mit Selge in der männlichen Hauptrolle bzw. als Partner von Christine Neubauer. Die Dreharbeiten für den ARD-Film begannen bereits am 2. Oktober 2010, Christine Neubauer und Edgar Selge verkörpern darin ein Ehepaar, das sich in den Jahren des Wirtschaftswunders mit einer völlig veränderten Lebenssituation auseinandersetzen muss; ein Sendetermin steht noch nicht fest. (Quelle und mehr: www.ziegler-film.com)
  
Auf der Leinwand erlebte man Selge beispielsweise als Direktor Prof. Dr. Dr. Quirin Bartels in dem Kinderfilm "Bibi Blocksberg und das Geheimnis der blauen Eulen"2) (2004). Seine erste Kinorolle hatte der Schauspieler in Hermine Huntgeburths "Im Kreis der Lieben" (1991) gespielt; ein Jahr später folgte Konrad Sabrautzkys psychologischer Streifen "Der Nächtliche Besucher" (1992). Peter Timm besetzte ihn in der Komödie "Rennschwein Rudi Rüssel" (1995), neben Max von Sydow spielte er in Jan Troelles Kino-Biografie "Hamsun" (1996) und in Benjamin Herrmanns Kurzfilm "Der Große Lacher" (1997) wirkte er ebenfalls mit. 1997 agierte er in Helmut Dietls Kassenschlager "Rossini"2), weitere Produktionen waren Thomas Jahns Krimikomödie "Kai Rabe gegen die Vatikankiller" (1998), Dagmar Knöpfels Melodram "Requiem für eine romantische Frau" (1999) und Klaus Krämers bissiger Filmspaß "3 Chinesen mit dem Kontrabass"2) (2000), wo Selge als penetranter Nachbar Rüdiger auftauchte und für seine Darstellung den Deutschen Filmpreis einheimste. Zur Kino-Filmografie zählen der Debüt-Film des Malers Jochen Kuhn "Fisimatenten" (2000), Matthias Lehmanns Road-Movie "DoppelPack" (2000), Oliver Hirschbiegels beklemmender Psychothriller "Das Experiment – Black Box"2) (2001) und Oskar Roehlers schräge Geschichte "Suck My Dick"1) (2001) mit der Hauptrolle des Autors Dr. Jekyll, der ein großes Problem mit seiner Hauptfigur Hyde hat, die eine unüberschaubare Eigendynamik entwickelt und das Leben seines Schöpfer bedroht. Nach der hochgelobten Komödie "Im Schwitzkasten"1) (2005) von Regisseur Eoin Moore stand er für Ingo Raspers Regiedebüt "Reine Geschmacksache"1) (2007; siehe auch Wikipedia) als despotischer, biederer Damenoberbekleidungs-Vertreter "Wolfi" vor der Kamera und erntete auch hier wieder überragende Kritiken für sein exzellentes Spiel (siehe auch www.reinegeschmacksache.de).
Zu Edgar Selges aktuelleren Arbeiten vor der Kinokamera zählt die internationale Produktion "The Dept" (2007), ein Thriller von Regisseur Assaf Berenstein, sowie das Drama mit Krimi-Elementen "Im nächsten Leben" (2008) von Marco Mittelstaedt (Regie und Drehbuch). Selge spielt den im Mittelpunkt der Geschichte stehenden ostdeutschen Polizeireporter Wolfgang Kerber, der nach einem vermissten Mädchen sucht, dabei mit Ereignissen aus seinem eigenen Leben konfrontiert wird und den Teufelskreis aus Verdrängung und Manipulation durchbrechen muss. Kinopremiere war der 28. Mai 2009, 
Edgar Selge Anfang Februar 2011 bei "Markus Lanz"; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Urheber: Udo Grimberg; Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert. Ein TV-Sendetermin für den in Koproduktion mit dem ZDF (" Das kleine Fernsehspiel") und ARTE entstandenen Film steht noch nicht fest. Marco Mittelstaedt konnte für seinen Film, der auf autobiographischen Stützen seitens seines Vaters steht, namhafte Schauspieler verpflichten. So spielt die Hauptfigur der Geschichte, Wolfgang Kerber, der durch und durch überzeugende Edgar Selge. Mit einer unglaublichen Präsenz dominiert der Schauspieler seine Szenen und spielt seine Figur stark und ehrlich. In einer kurzen Szene ist auch Ludwig Trepte zu sehen, der durch eine sensationelle Wirkung ein mehr als würdiger Gegner des großen Edgar Selge ist. (Quelle: www.moviesection.de) Und br-online schreibt "Im nächsten Leben" ist eine berührende, unprätentiöse Geschichte über jemanden, der gewendet hat, als der Wind bereit stand und nun mit dem neuen Tempo nicht zurechtkommt. Am Steuer: Ein wie immer großartiger Edgar Selge.
 
 
Foto: Edgar Selge Anfang Februar 2011 bei "Markus Lanz"2)

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Auf der Berlinale 2009 konnte eine Neuverfilmung von "Lippels Traum"1) nach dem gleichnamigen Jugendbuchklassiker2) von Paul Maar Premiere feiern. Regisseur Lars Büchel hatte die Geschichte um den verträumten zehnjährigen Schuljungen Philipp Mattenheim (Karl Alexander Seidel), den seine Eltern nur "Lippel" rufen mit Moritz Bleibtreu, Anke Engelke, Christiane Paul und Eva Mattes gedreht. Edgar Selge ist als Herr Schmiedle zu sehen, Kinostart war der 15. November 2009. Im Herbst 2008 starteten in der Schweiz die Dreharbeiten zu der Romanverfilmung "Der grosse Kater"2) nach dem gleichnamigen Erfolgsroman des Schweizer Schriftstellers Thomas Hürlimann2), bei dem Hürlimanns Vater Hans (ehemaliges Mitglied des Schweizer Bundesrates und 1979 Schweizer Bundespräsident) offenbar als literarisches Vorbild diente. Regie führt in der schweizerisch-deutschen Koproduktion Wolfgang Panzer, das Familiendrama spielt zur Zeit des Besuchs des spanischen Königspaars 1979 in der Schweiz. Die von Bruno Ganz in der Geschichte dargestellte Titelfigur "Kater" ist der eidgenössische Bundespräsident, der die hohen Gäste empfängt, beim Festessen allerdings einen peinlichen Ehekrach erleidet. Er entdeckt, dass sein wichtigster Verbündeter eine perfide Intrige gesponnen hat, um ihn zu Fall zu bringen. Während "Kater" versucht, den Schaden in Grenzen zu halten, wird ihm bewusst, dass sein rücksichtsloser Aufstieg an die Macht nun doch Konsequenzen haben wird … An der Seite von Bruno Ganz in der Titelrolle spielt Marie Bäumer (Marie), ebenfalls zur Topbesetzung gehören neben Edgar Selge (Nuntius) unter anderem Ulrich Tukur (Dr. Stotzer/Pfiff), Christiane Paul (Dr. Bässler) und Walo Lüönd (Schneider Feinstein); Kinopremiere war im Januar 2010 in Bern, mehr zum Film bei www.dergrossekater.ch.
 
In Estland begannen im Juni 2009 die Dreharbeiten zu der SWR-Kino-Coproduktion "Poll"2), dem dritten Spielfilm von Regisseur Chris Kraus ("Scherbentanz", "Vier Minuten"). Die internationale Produktion spielt im Sommer 1914, der Umbruchzeit kurz vor Ausbruch des Krieges. Auf dem Gut Poll in Estland, am Rande der europäischen Zivilisation, verliebt sich die 14-jährige Oda in den jungen estnischen Anarchisten Schnaps. Sie versteckt den Verletzten vor den Kosaken, die auf dem Gut stationiert sind, und vor ihrer Familie: ihrem Vater Ebbo, dessen Leidenschaft dem Sezieren von Gehirnen gilt, seiner zweiter Frau, der in eine Affäre mit Verwalter Mechmershausen verstrickten Milla, und vor Cousin Paul. Im Laufe des Sommers steigt die innere Temperatur der Menschen auf Poll. Ohne Bewusstsein von der äußeren Bedrohung ihrer Welt steuern die Gutsbewohner auf ihre eigene Katastrophe zu.4) Die 14-jährige Oda wird von der Nachwuchsschauspielern Paula Beer dargestellt, Selge spielt deren frustrierten Vaters Ebbo, einen verschrobenen Arzt und Hirnforscher; Jeanette Hain verkörpert die Milla, Tambet Tuisk den estnischen Revolutionär Schnaps. Kinostart war der 3. Februar 2011, mehr bei der ausführenden Filmfirma "Kordes & Kordes" bzw. www.poll-derfilm.de).
Bei der Verleihung des "Bayerischen Filmpreises 2011" am 14. Januar 2011 im Rahmen einer festlichen Galaveranstaltung im Münchner Prinzregententheater gehörte auch Edgar Selge zu den Preisträgern. Er erhielt die begehrte Porzellanfigur "Pierrot" als "Bester Darsteller" für seine Rolle im Film "Poll", darüber hinaus wählte die Jury Paula Beer zur "Besten Nachwuchsdarstellerin", einen dritten Preis für "Poll" gab es für Silke Buhr für das "Beste Szenenbild".
Franziska Walser und Edgar Selge;  Copyright Nadja Klier/Agentur Studlar Edgar Selge ist seit 1985 mit der Schauspielkollegin Franziska Walser2), der ältesten Tochter des Schriftstellers Martin Walser2), verheiratet; er hat zwei Kinder und lebte mit seiner Familie lange Zeit in München; jüngst zog er nach Zürich, da er seit der Spielzeit 2005/06 für zwei Jahre zum Ensemble des Schauspielhauses Zürich gehörte, das seit Sommer 2005 von Matthias Hartmann geleitet wird. Im Februar 2006 war Selge in der Premiere von Kleists "Der Zerbrochene Krug" (Regie: Jan Bosse) als Dorfrichter Adam gemeinsam mit seiner Frau auf der Bühne zu sehen, die die "Marthe Rull" spielte.
   
 
Links: Franziska Walser und Edgar Selge
Foto mit freundlicher Genehmigung der Agentur Studlar sowie der Fotografin Nadja Klier
© Nadja Klier (www.klier-art.de)
"Jan Bosse gelang 2006 am Schauspielhaus Zürich eine Inszenierung, die so schlank und gegenwärtig wie sein furioser Hauptdarsteller Edgar Selge war." notiert das Berliner "Maxim Gorki Theater", wo das Stück am am 27. März 2010 eine erneute Premiere feierte. Die Adaption der Produktion des Schauspielhauses Zürich in Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen steht auch 2011 auf dem Spielplan des Hauses, bis Ende März 2011 kann man Edgar Selge und seine Frau Franziska Walser noch in der Inszenierung von Jan Bosse bewundern. "Es ist ein Abend nicht für die Kleist-Schriftgelehrten. Aber ein deftiges Update mit hochlebendigen komödiantischen Menschenfiguren." vermerkt Peter Hans Göpfert vom "rbb kulturradio".
Weitere gemeinsame Arbeiten des Ehepaares auf der Theaterbühne gab es unter anderem am Schauspielhaus Zürich in der "Hamlet"-Inszenierung von Jan Bosse, die seit März 2007 auf dem Spielplan stand; hier hatte Selge die Rolle des "Claudius" übernommen, Franziska Walser verkörperte die "Gertrud". Auch vor der Kamera trat das Paar schon mehrfach auf, so beispielsweise mit Hauptrollen in Diethard Klantes beeindruckendem TV-Ehedrama "Im Chaos der Gefühle" (2002), in der "Polzeiruf 110"-Folge "Vater unser" spielte Franziska Walser 2004 die Schwester des Kommissar Tauber.

Neben den erwähnten Preisen erhielt Selge im Jahr 2000 den "Deutscher Filmpreis" als bester Nebendarsteller in Klaus Krämers Filmkomödie "Drei Chinesen mit dem Kontrabass", von der Zeitschrift "Theater heute" wurde er bisher sechs Mal zum "Schauspieler des Jahres" gewählt. Ein Höhepunkt in der Karriere des Charakterdarstellers war sicherlich auch die Verleihung der "Goldenen Kamera" der deutschen Medienillustrierten "HörZu" am 1. Februar 2007. Anlässlich der Gala-Veranstaltung in der mit viel Prominenz besetzten Ullstein-Halle des Axel-Springer-Hauses in Berlin wurde Selge für seine Rolle als Kommissar Tauber in "Polizeiruf 110" geehrt. In der Begründung der Jury hieß es, er habe mit "seinem hochsensiblen Prädikatsschauspiel" eine der spannendsten Figuren der deutschen Fernsehkrimi-Geschichte dargestellt.
Zu Selges Auszeichnungen, mit denen seine eindrucksvollen Interpretationen gewürdigt werden, gesellte sich am 9. Mai 2008 mit dem Bayerischen Fernsehpreis, dem "Blauen Panther", ein weiterer wichtiger Medienpreis. Selge konnte anlässlich der Gala im Münchner Prinzregententheater den Preis für sein laut Jury "virtuoses Spiel als panikgeplagter Hypochonder in "Angsthasen" (BR/ARD) in der Kategorie "Bester Schauspieler Fernsehfilm" entgegennehmen (der Link führt zu br-online.de).

Link: 1) prisma-online.de, 2) Wikipedia
Quelle: 3) www.ziegler-film.com, 4) www.presseportal.de
Stand: September 2011
Lizenz Foto Edgar Selge (Urheber Udo Grimberg):
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Edgar Selge bei der Agentur Carola Studlar
Siehe auch www.prisma-online.de, Wikipedia, www.br-online.de, www.deutsches-filmhaus.de
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