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Hanna Schygulla wurde am 25. Dezember 1943 als Tochter eines
Holzhändlers im oberschlesischen Königshütte (Chorzów,
heute Polen) geboren. 1945 siedelte sie
mit ihrer Mutter nach München über und begann dort nach
einem Ausflug in die französische Hauptstadt Paris, wo sie als Au-pair-Mädchen arbeitete, 1964 ein Studium
der Germanistik und Romanistik, da sie ursprünglich
Lehrerin werden wollte. Nebenher nahm sie Schauspielunterricht am
"Fridl-Leonhard-Studio" und lernte dort auch Rainer Werner Fassbinder1)
(1945 1982) kennen.
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Danach machte sich die Charakterschauspielerin vor der Kamera rar, drehte in den kommenden Jahren wenige, aber ambitionierte internationale Kino- und Fernsehstreifen. In Andrzej Wajdas Literaturverfilmung "Eine Liebe in Deutschland"1) nach Rolf Hochhuths Roman beeindruckte sie ebenfalls 1983 als Partnerin von Armin Müller-Stahl mit der Hauptrolle der Gemüsehändlerin Paulina Kropp, sowie wie ein Jahr später als Anna in Ferreri's "Die Zukunft heißt Frau" (Il futuro č donna). In dem historischen, amerikanischen TV-Mehrteiler "Peter the Great"2) (Peter der Große) schlüpfte sie 1986 in das Kostüm der Katharina die Große neben Maximilian Schell in der Titelrolle. In Amos Kolleks Großstadtkomödie "Für immer: Lulu" (Forever Lulu) übernahm sie ein Jahr später die Hauptrolle der Emigrantin und angehenden Schriftstellerin Elaine oder war als Tingeltangel-Sängerin Mitzi in Pál Sándors Tragikkomödie "Miss Arizona" wieder neben Marcello Mastroianni auf der Leinwand zu sehen. Im Fernsehen spielte sie beispielsweise 1986 die Rolle der Jenny Lind in dem biografischen Drama "Barnum" um das Leben des Zirkuskönigs P. T. Barnum1) (1810 1891), der von Burt Lancaster dargestellt wurde. 1987 war sie die Mutter des Titelhelden "Casanova" alias Richard Chamberlain oder 1987 in Jaime Humberto Hermosillos Literaturverfilmung "Der Sommer mit Frau Forbes" (La Verano de la seńora Forbes) als deutsche, nach außen gestrenge Gouvernante selbst die Titelheldin.
In den 1990ern arbeitete die Schauspielerin wieder verstärkt für das Theater, übernahm aber sporadisch immer mal wieder Aufgaben für den Film. So stand sie beispielsweise 1990 als Fanny Hohenstein in Pierre Beuchots "Aventure de Catherine C."1) vor der Kamera, spielte zwei Jahre später die Hauptrolle in "Golem, l'esprit de l'exil" (Golem, der Geist des Exils) unter der Regie von Amos Gitai, sowie die Stephania in Janusz Kijowski's "Warszawa. Année 5703" (Der Daunenträger). In Franz Xaver Bogners Romanze "Madame Bäurin"1) nach dem Roman von Lena Christ verkörperte sie 1993 die Figur der Tante Agathe, für den dramatischen TV-Mehrteiler "Associations de bienfaiteurs" übernahm sie 1995 die Hauptrolle der Janet P. Sanders. In den letzten Jahren stand Hanna Schygulla unter anderem als Magda Goebbels in "Das Mädchen Deiner Träume"1) (1998, La Nińa de tus ojos) vor der Kamera, wirkte in Béla Tarrs "Die Werckmeisterschen Harmonien"1) (2001, Werckmeister harmóniák) nach dem Roman "Die Melancholie des Widerstandes" von Lászlo Krasznahorkai mit. Es folgte Hiner Salems Drama "Absolitude" (2001), Amos Gitais "Gelobtes Land" (2004, Promised Land) und nach vielen Jahren wieder mal eine deutsche Produktion, Till Franzen Erstlingswerk "Die Blaue Grenze"1) (2005). Danach erlebte man die charismatische Schauspielerin in Hans Steinbichlers Kinofilm "Die Winterreise"1) (2006) als erblindende Frau Martha des Protagonisten Franz Brenninger alias Josef Bierbichler. Zu ihren jüngeren Aktivitäten vor der Kinokamera zählt auch der vom Hamburger Filmemacher Fatih Akin in Szene gesetzte Ensemblefilm "Auf der anderen Seite"1), welcher im Mai 2007 auf dem 60. Filmfestival von Cannes Premiere feierte und den Preis für das "Beste Drehbuch" sowie den Sonderpreis "Prix du Jury oecuménique" gewann. Darüber hinaus wurde das Werk als deutscher Beitrag für die Oscarverleihung 2008 in der Kategorie "Bester Auslandsfilm" ausgewählt, Kinostart war der 27. September 2007. Erzählt wird die ungewöhnliche Liebes- und Familiengeschichte zwischen Deutschen und Türken, Hanna Schygulla zeigt hier als trauernde Mutter einmal mehr alle Facetten ihrer überragenden Schauspielkunst. Hanna Schygulla wirkte sie in dem von Lucio Fiorentino inszenierten Kinodrama "Pandemia" (2009) mit, spielte die Clara Schreiber in dem französischen, historischen TV-Film "Clara, une passion française" (2009). Abgedreht ist die "Faust"-Version des russischen Star-Regisseurs Aleksandr Sokurov: In dem nach Motiven von Goethes "Faust" entstandenen Kinofilm hat Hanna Schygulla neben dem russischen Künstler Anton Adassinsky (Gründer und Leiter der russischen Tanzcompagnie DEREVO1)) als Mephisto eine tragende Rolle übernommen und spielt eine Frau, die "behauptet, mit Mephisto verheiratet zu sein"; Faust wird von dem österreichischen Theaterschauspieler Johannes Zeiler1) dargestellt, das Gretchen spielt Isolda Dychauk1). Seine Premiere feierte der Film 2011 anlässlich der 68. Internationalen Filmfestspiele von Venedig (31.08. 10.09.2011) und errang einen "Goldenen Löwen", allgemeiner Kinostart war der 19. Januar 2012. Die deutschen Fernsehzuschauer sahen Hanna Schygulla zuletzt in der Episode "Tod im Wald" (EA: 22.02.2008) aus der Krimi-Reihe "Kommissar Stolberg". Die Schauspielerin lebt heute in Paris und startete vor einigen Jahren mit Liederabenden, bei denen sie unter anderem mit Chansons nach Kompositionen von Jean-Marie Sénia auftritt, eine zweite Karriere als Sängerin. Mit dem in Frankreich hoch gelobten Liederabend "Brecht hier und jetzt" gastierte sie 2001 in Deutschland und mit "Der Tango, Borges und ich" ging sie 2003 auf Tournee; 2001 erschien ihre CD "Hanna Schygulla chante-singt". Seit einigen Jahren erfreut Hanna Schygulla das Publikum mit ihrer musikalischen Autobiografie "Aus meinem Leben". Sie erzählt, als ob sie gerade in diesem Augenblick ihre Lebensgeschichte, ihre Lebensgeschichten "erfindet", in Worte fasst. Erzähltes, mit sprachlicher Brillanz formuliert, geht nahtlos über in Lieder, die in ihrer Interpretation neu und ganz anders klingen. Kinderlieder, Schlaflieder, Weihnachtslieder, Traumlieder und Volkslieder, die sich immer auf Erlebtes, auf Begegnungen mit Menschen beziehen. Lied für Lied, in einen historischen Kontext gestellt und mit persönlichen, ganz intimen Erinnerungen drapiert, blättert die Künstlerin mit ihrem wunderbaren Pianisten Stephan Kanyar ihr "Lebensbuch" auf.4) Außerdem hält die Schauspielerin in europäischen Theatern Lesungen mit Lyrik und Prosa von Rainer Werner Fassbinder ab, rezitiert Texte von Peter Handke, Heiner Müller, Thomas Bernhard, Arthur Rimbaud und Baudelaire.
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Im Dezember 2004 erschien von Lothar Schirmer der Bildband: "Du
Augen wie Sterne. Das
Hanna Schygulla Album"; "Es ist ein Familienalbum geworden. Keine Biografie eine Hommage.
Weggefährten und Freunde würdigen das
"Mysterium der Hanna Schygulla" (Günter Rohrbach) oder, wie der New Yorker MoMA-Chef Laurence Kardish es nennt,
den "Schygulla-Faktor". (
) Auch Schygulla selbst hat viele Texte beigesteuert.
Aber es sind vor allem die Fotos und Film-Stills, die dieses Album so reizvoll machen, Bilder
einer schönen, von einem Geheimnis umflorten Frau." notierte www.sueddeutsche.de. |
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Link: 1) Wikipedia, 2) prisma-online.de, 3)
www.deutsches-filmhaus.de 4) Quelle: Magdeburger Volksstimme vom 21.02.2006, bei www.kulturinitiative.de |
Stand: Februar 2012 | ||||||||
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Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma-online.de Siehe auch Wikipedia, www.fembio.org, www.deutsches-filmhaus.de, Dirk Jaspers Filmlexikon |
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