Lya de Putti
Lya de Putti wurde am 10. Januar 1899 (nach anderen Quellen 1896) als Amália de Putty in der Provinzstadt Vecsés (heute Ungarn) geboren; nach eigenen Angaben soll sie die Tochter eines adligen Ulanen-Offiziers italienischer Abstammung und einer Gräfin gewesen sein. Sie wuchs in Rumänien auf, besuchte eine Klosterschule und erhielt von ihren Eltern schon früh eine Ausbildung im klassischen Ballett. 1913 heiratete sie auf Drängen ihrer Eltern den Landrat Zoltan Szepessy und bekam zwei Töchter, 1918 wurde die Ehe wieder geschieden. Lya de Putti ging nach Budapest, arbeitete dort als Krankenschwester und nahm gleichzeitig Schauspielunterricht. Ein erstes Engagement erhielt sie unter anderem am Budapester Revue-Theater "Royal Orpheum". Bald war der Stummfilm auf die attraktive Schauspielerin aufmerksam geworden, 1918  gab sie bei den Budapester Phönix- und Astra-Filmstudios ihr Leinwanddebüt in "A Császár katonái" (Die Soldaten des Kaisers), eine erste Hauptrolle spielte sie 1920 in dem rumänischen Film "Pe valurile fericirii" (Die Wellen der Liebe).
 
Im gleichen Jahr trat sie in Berlin an der "Scala" in "Die schöne Zigeunerin" auf und debütierte auf der deutschen Leinwand in "Zigeunerblut". Nebenrollen in Streifen wie "Das Indische Grabmal" (1921) oder "Othello" (1922) folgten, dann besetzte sie der legendäre Regisseur Friedrich Murnau (1888 – 1931) als Tochter des Grafen Rudenburg alias Eduard von Winterstein in seinem Drama "Der Brennende Acker" (1922), danach gehörte Lya de Putti zu den Leinwandstars jener Zeit und wurde als "Vamp von Berlin" bezeichnet, doch nicht alle Kritiker waren von ihrer schauspielerischen Leistung angetan. Zu ihrer Verkörperung der Hauptrolle in Robert Dinesens stummen Streifen "Thamar, das Kind der Berge" schrieb der ungarische Filmkritiker und Schriftsteller Béla Balázs am 7.11.1924 in "Der Tag" unter anderem: "Der Film ist zum Einschlafen gut. Letztere hypnotische Wirkung ist besonders auf Lya de Putti zurückzuführen, die immer so spielt, als wäre sie direkt aus dem Bett, im Halbschlaf noch ins Atelier geschleppt. Kein Gefühl, keine Erregung kommt ganz an die Oberfläche dieser schlaffen, faulen Epidermis. Wie ist diese unbegabte Frau ein 'Filmstar' geworden."
1925 beispielsweise drehte sie unter der Regie von Ewald André Dupont den Film "Variété" und spielte die Hauptrolle der Bertha an der Seite von Emil Jannings; im Programmheft zu dem Film war damals zu lesen "Lya de Putti spielt die Frau, die den reifen Mann noch einmal zum Jüngling werden lässt". Mit Erich Kaiser-Titz als Partner erlebte man sie im gleichen Jahr in "Im Namen des Kaisers" auf der Leinwand. In Arthur Robisons aufwendigem Kostümfilm "Manon Lescaut" (1926), nach dem gleichnamigen Roman von Abbé Prevost, spielte sie die Titelrolle der Courtisane, die in der Verbannung endet. Ihr vorläufig letzter Film in Deutschland war 1926 Manfred Noas "Junges Blut", noch im gleichen Jahr ging der Stummfilmstar nach Hollywood und konnte sich auch dort im Filmgeschäft behaupten.
Sie agierte in Filmen wie D. W. Griffiths "Sorrows of Satan" (1927, Lord Satanas), "Midnight Rose" (1927) oder "Buck Privates" (1927), kehrte jedoch ein Jahr später wieder nach Berlin zurück und drehte dort 1928 "Charlotte etwas verrückt".
  
Während ihres Deutschlandaufenthaltes erlitt die Stummfilmdiva durch einen Sturz aus einem Fenster schwere Verletzungen, der Unfall wurde von der Presse auch als Selbstmordversuch interpretiert. Nach ihrer Genesung drehte sie dann 1928 in den USA den Film "The Scarlet Lady" (Die rote Lady) sowie 1929 ihren ersten, auf dem Roman von Liam O'Flaherty basierenden Tonfilm "The Informer" (Die Nacht nach dem Verrat) unter der Regie Arthur Robisons und übernahm darin die Hauptrolle der Katie Fox, doch aufgrund ihres ungarischen Akzents stellte sich heraus, dass sie für den Tonfilm wenig geeignet war.

Am 27. November 1931 verstarb Lya de Putti in New York mit an den Komplikationen einer Operation: Sie hatte einen Hühnerknochen verschluckt, der ihr operativ entfernt werden musste, eine sich anschließende Blutvergiftung sowie Lungenentzündung überlebte sie nicht. Über ihren zweiten Ehemann, mit dem Lya de Putti seit 1922 verheiratet war, gibt es verschiedene Angaben, so wird der schwedische oder norwegische Diplomat Baron Louis Christianson bzw. Louis Janke genannt, der 1925 an einem Herzinfarkt verstarb. Ihr erster Mann Szepessy beging kurz nach dem Tod der Schauspielerin Selbstmord.
Von Johannes Zeilinger stammt das 1991 veröffentlichte Buch "Lya de Putti. Ein vergessenes Leben".
 
Lya de Putti spielte gern Doppelrollen, war gutes oder abgründiges Mädchen, welches Männer anlockte und ins Unglück stürzte – beides oft in einer Person. Hypnotische Wirkung entfaltete sie vor allem im Stummfilm, wo ihre Figuren schläfrig umschattet erschienen, von einem Rätsel umgeben, im Halbschlaf der Somnambulen. "Schön, schlangenhaft und wollüstig" erschien sie dem Filmkritiker Rudolf Arnheim, ihre Fähigkeit, erotische Erregung optisch zu demonstrieren war exzellent ausgebildet. Neben ihren sinnlichen Tragödien, in denen sie Mädchen, schöne Russinnen oder exotische Prinzessinnen mit halbgeschlossenen Augen spielte, überzeugte sie später als bedingungslos Liebende oder Gläubige, die jedes Ungemach in Kauf nimmt. ("Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz)
 

Siehe auch wikipedia.org, www.cyranos.ch, www.djfl.de
Filmografie bei der german.imdb.com, Fotos bei film.virtual-history.com und silentladies.com
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