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Lya de Putti wurde am 10. Januar 1897
als Amália (Lia) de Putty in der Provinzstadt Vecsés (heute Ungarn) geboren; nach eigenen
Angaben war sie die jÜngste Tochter des adligen Ulanen-Offiziers
italienischer Abstammung Baron Pál Putty und dessen Ehefrau, der Gräfin
Gräfin Lili Holyos. Sie wuchs auf dem elterlichen Landsitz bei Kolozsvár (Rumänien) auf, besuchte eine Klosterschule und erhielt von ihren
Eltern schon früh eine Ausbildung im klassischen Ballett. 1913 heiratete sie
auf Drängen ihrer Eltern den Landrat Zoltán Szepessyy
und bekam zwei Töchter, Lucy (geb. 1914) und Judith (geb. 1916).
Kurz nach der Geburt der zweiten Tochter verließ Lya de Putti ihren Mann
und ging nach Budapest, 1918 wurde die Ehe unter strengster
Geheimhaltung wieder geschieden.
In Budapest arbeitete die junge Frau zeitweise als Krankenschwester
und nahm gleichzeitig Unterricht an der Schauspielschule von Szidi
Rákosi. Ein erstes Engagement
erhielt sie unter anderem am Budapester Revue-Theater "Royal
Orpheum". Bald war der Stummfilm auf die attraktive
Schauspielerin aufmerksam geworden, 1918 gab sie bei den
Budapester Phönix- und Astra-Filmstudios ihr Leinwanddebüt in "A
Császár katonái" (Die Soldaten des Kaisers), eine erste
Hauptrolle erhielt sie 1920 von Dolly A. Sigetti in Bukarest in dem rumänischen Film "Pe valurile fericirii"
(Auf den Wogen des Glücks).
Foto: Lya de Putti, um 1928 (ca. 1927 bis 1929)
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander
Binder1) (1888 1929)
Quelle: Wikipedia
bzw. Wikimedia
Commons; Ross-Karte Nr. 1028/1
Lizenz: Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre
urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische
Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit
einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers. |
Über Bukarest kam Lya de Putti 1920 nach Berlin und dort an der "Scala" in
"Die schöne Zigeunerin" auf und debütierte auf der deutschen
Leinwand in dem Streifen "Zigeunerblut" des Regisseurs Karl Otto Krause. Nebenrollen in Stummfilmproduktionen wie
"Das Indische Grabmal"1) (1921) oder "Othello" (1922)
folgten, dann besetzte sie der legendäre Regisseur Friedrich Wilhelm
Murnau1) (1888 1931) als Tochter
des Grafen Rudenburg alias Eduard von Winterstein
in seinem Drama "Der Brennende Acker"1) (1922),
von da ab gehörte
Lya de Putti zu den Leinwandstars jener Zeit und wurde als "Vamp von
Berlin" bezeichnet, doch nicht alle Kritiker waren von ihrer
schauspielerischen Leistung angetan. Zu ihrer Verkörperung der Hauptrolle
in Robert Dinesens stummen Streifen "Thamar, das Kind der Berge"
schrieb der ungarische Filmkritiker und Schriftsteller Béla Balázs1)
(1884 1949) am
7.11.1924 in "Der Tag" unter anderem: "Der Film ist zum Einschlafen gut.
Letztere hypnotische Wirkung ist besonders auf Lya de Putti zurückzuführen,
die immer so spielt, als wäre sie direkt aus dem Bett, im Halbschlaf noch ins Atelier geschleppt.
Kein Gefühl, keine Erregung kommt ganz an die Oberfläche dieser schlaffen, faulen Epidermis.
Wie ist diese unbegabte Frau ein 'Filmstar' geworden."
Foto: Lya de Putti, um 1928 (ca. 1927 bis 1929)
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander
Binder1) (1888 1929)
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Commons; Ross-Karte Nr. 1028/4
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Nach ihrer Titelrolle in dem Melodram "Ilona"2)
(1922) sowie der Figur der Melitta in Murnaus Gerhart Hauptmann-Adaption
"Phantom"2) (1922) drehte Lya de Putti unter anderem das Drama "S.O.S.
Die Insel der Tränen"2) (1923), unter der Regie von Ewald André Dupont
zeigte sie sich mit der weiblichen Hauptrolle der verführerischen Berta-Marie an
der Seite von Emil Jannings in dem Film "Variété"1) (1925); im Programmheft zu dem Film war damals zu
lesen "Lya de Putti spielt die Frau, die den reifen Mann noch einmal zum Jüngling werden lässt".
Ein weiterer Film des Jahres 1925 war die Komödie "Eifersucht"2)
mit Werner Krauss und Georg Alexander, mit Erich Kaiser-Titz als Partner erlebte man sie im gleichen Jahr
in "Im Namen des Kaisers" auf der Leinwand. In Arthur Robisons aufwendigem Kostümfilm
"Manon Lescaut"2) (1926), nach dem gleichnamigen Roman von Abbé Prevost, spielte sie
die Titelrolle der Courtisane Manon Lescaut, die in der Verbannung endet. Ihr vorläufig letzter Film in Deutschland
war 1926 Manfred Noas "Junges Blut"2), noch im gleichen Jahr ging der
Stummfilmstar nach
Hollywood und konnte sich auch dort im Filmgeschäft behaupten.
Sie agierte in Filmen wie D. W. Griffiths "Sorrows of Satan" (1927, Lord Satanas),
"Midnight Rose" (1927) oder "Buck Privates" (1927),
kehrte jedoch ein Jahr später wieder nach Berlin zurück und drehte dort 1928 "Charlotte etwas verrückt".
Foto: Lya de Putti um 1928 (ca. 1927 bis 1929)
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander
Binder1) (1888 1929)
Quelle: Wikimedia
Commons; Ross-Karte Nr. 1028/2
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Während ihres Deutschlandaufenthaltes erlitt die Stummfilmdiva durch einen
Sturz aus einem Fenster schwere Verletzungen, der Unfall wurde von der Presse
auch als Selbstmordversuch interpretiert. Nach ihrer Genesung drehte sie dann 1928 in den USA den
Film "The Scarlet Lady" (Die rote Lady) sowie 1929 ihren ersten,
auf dem Roman von Liam O'Flaherty basierenden Tonfilm "The Informer" (Die Nacht nach dem Verrat) unter der Regie Arthur Robisons und
übernahm darin die Hauptrolle der Katie Fox, doch aufgrund ihres ungarischen
Akzents stellte sich heraus, dass sie für den Tonfilm wenig geeignet
war. Der Streifen musste nachsynchronisiert werden und kam überdies beim
Publikum nicht an. Daraufhin verkündete Lya de Putti ihren Rückzug von der
Leinwand und versuchte sich als Theaterdarstellerin, doch auch dieser
Versuch, eine neue Karriere zu starten scheiterte. Die am 17. November 1930 in New York uraufgeführte Komödie "Made in France" wurde
schon nach wenigen Tagen wieder abgesetzt.3)
Am 27. November 1931 starb Lya de Putti mit nur 34 Jahren in New York
an den
Komplikationen einer Operation: Sie hatte einen Hühnerknochen verschluckt, der ihr operativ entfernt werden
musste, eine sich anschließende Blutvergiftung sowie Lungenentzündung
überlebte sie nicht. Ihre letzte Ruhestätte fand sie auf dem "Ferncliff Cemetery"
in Hartsdale (New York).
Nach ihrer kurzen ersten Ehe mit Zoltán Szepessyy, der wenige Wochen nach dem Tod
der Schauspielerin Selbstmord beging, soll Lya de Putty den schwedischen oder
norwegischen Diplomaten Baron Ludwig Christensen geheiratet haben, der 1922 an einem Herzinfarkt
verstarb; als dritter Ehemann wird ab 1922 bis zu ihrem Tod Louis Janke
genannt.4)
Lya de Putti spielte gern Doppelrollen, war gutes oder abgründiges Mädchen,
welches Männer anlockte und ins Unglück stürzte beides oft in einer
Person. Hypnotische Wirkung entfaltete sie vor allem im Stummfilm, wo ihre
Figuren schläfrig umschattet erschienen, von einem Rätsel umgeben, im
Halbschlaf der Somnambulen. "Schön, schlangenhaft und wollüstig"
erschien sie dem Filmkritiker Rudolf Arnheim, ihre Fähigkeit, erotische
Erregung optisch zu demonstrieren war exzellent ausgebildet. Neben ihren
sinnlichen Tragödien, in denen sie Mädchen, schöne Russinnen oder exotische
Prinzessinnen mit halbgeschlossenen Augen spielte, überzeugte sie später als
bedingungslos Liebende oder Gläubige, die jedes Ungemach in Kauf nimmt.5)
Von Johannes Zeilinger stammt das 1991 veröffentlichte Buch "Lya de Putti. Ein vergessenes Leben".
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