Übersicht (Auswahl) Theater / Film
Der Theater- und Filmschauspieler Alfred Müller erblickte am 4. Juli 1926 im Berliner Arbeiterviertel Wedding1) – ausgerechnet in der Müllerstraße – das Licht der Welt. Sein Vater war Hilfsarbeiter und Taxifahrer, seine Mutter arbeitete als Sekretärin. Nach der Schule ging er zu "Siemens" und absolvierte dort ab 1940 eine dreijährige Lehre zum Mechaniker, anschließend wurde er zum Arbeitsdienst bzw. als Soldat eingezogen – das Ende des 2. Weltkrieges erlebte er in mehrjähriger französischer Gefangenschaft. Nach der Entlassung entschied er sich für eine künstlerische Laufbahn, ergriff ab 1949 ein Musikstudium und wirkte in Theatervereinen und Laienspielgruppen mit. Zwischen 1952 und 1955 erwarb er sich sein darstellerisches Rüstzeug an der "Staatlichen Schauspielschule Berlin" (heute "Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin"1)), ein erstes Engagement am "Stadttheater Senftenberg"1) schloss sich an. Auf die Frage, warum er den Allerweltsnamen "Müller" beibehielt und sich nicht einen anderen Künstlernamen zulegte, zitierte er später die Senftenberger Regisseurin Anneliese Thomas "Wer Müller heißt, muss was können!"
Alfred Müller (links) als Phileas Fogg in "Die Reise um die Erde in 80 Tagen" mit Uwe-Detlef Jessen (Diener Jean Passepartout); Regie: Horst Schönemann; Deutsche EA: 01.10.1962; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0004771_a_022); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 1962; Quelle: www.deutschefotothek.de Sein Bühnendebüt gab Müller als Muley Hassan, Mohr von Tunis, in dem Schiller-Drama "Die Verschwörung des Fiesco zu Genua"1), inszeniert von Oberspielleiter bzw. Regisseur Horst Schönemann1) (1927 – 2002), der an Müllers künstlerischer Entwicklung nicht unwesentlich beteiligt war. "Das experimentierfreudige Theater gilt in den 50er und 60er Jahren als Talentschmiede für die hauptstädtischen Bühnen" notiert die DEFA Stiftung. Zudem lernte der aufstrebende Schauspieler in Senftenberg seinen Freund, den Schriftsteller und Dramaturgen Armin Stolper1), sowie seine spätere Ehefrau, die Kostümbildnerin Eva Drechsler, kennen. Als Schönemann 1959 Senftenberg verließ und als Regisseur an das Berliner Maxim-Gorki-Theater"1) wechselte, ging auch Müller an diese renommierte Bühne, dessen Ensemble er mit Unterbrechungen zwischen 1959 und 1967 sowie von 1972 bis 1984 angehören sollte. Hier gelang ihm der Durchbruch zum anerkannten Charakterdarsteller, Müller empfahl sich als wandlungsfähiger Mime in Klassikern ebenso wie in Stücken der Moderne. Einen großen Erfolg verzeichnete er 1962 mit der Figur des Gentleman Phileas Fogg in "Die Reise um die Erde in 80 Tagen" von Pavel Kohout1) nach dem Roman von Jules Verne1), einmal mehr in einer Inszenierung von Horst Schönemann. Den klassischen "British Gentleman" der viktorianischen Ära Englands bzw. dessen Snobismus und distinguierte Ruhe vermittelte Müller dem Publikum mit Ironie und Intelligenz. Später glänzte er unter anderem als Göran Persson in dem Historiendrama "Erik XIV" (1974) von August Strindberg1), als Adolf Hitler1) in "Das Ende – die letzten Tage in Hitlers Hauptquartier" (1975) von Michail Schatrow, als "Papa" in Franz Xaver Kroetz'1) Bearbeitung von Hebbels "Maria Magdalena" (1976) oder als Hospitalverwalter Artemi Filippowitsch Semljanika in "Der Revisor"1) (1980) von Nikolai Gogol → mehr zum Theater-Wirken.

Alfred Müller (links) als Phileas Fogg in "Die Reise um die Erde in 80 Tagen"
mit Uwe-Detlef Jessen1) (Diener Jean Passepartout)
Regie: Horst Schönemann; Deutsche EA: 01.10.1962
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0004771_a_022)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: 1962
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Erste Erfahrungen vor der Kamera machte Alfred Müller mit dem winzigen Part eines Gestapo-Mannes in dem DEFA-Streifen "Die heute über 40 sind"2) (1960), von Kurt Jung-Alsen1) gedreht nach der Filmerzählung von Franz Fühmann1). Doch zunächst gestaltete sich seine filmische Karriere bei der DEFA1) und dem "Deutschen Fernsehfunk"1) (DFF) eher schleppend. Mit der Hauptrolle des tollkühnen DDR-Kundschafters bzw. Stasi-Agenten Hansen in János Veiczis1) spannendem Spionagefilm "For Eyes Only"1) (1963) schaffte Müller dann den Sprung in die erste Riege der DDR-Filmschaffenden. Die DEFA-Stiftung schreibt: "Erzählt wird die Geschichte eines DDR-Geheimdienstlers, der an hoher Position in den amerikanischen CIA eindringt, dort einen wichtigen Plan des CIA-Hauptquartiers für einen militärischen Schlag gegen die DDR entwendet und dann in seine Heimat zurückkehrt. Alfred Müller gibt den Spion mit Understatement und ohne jede Heldenposse, er ist liebenswert, klug, mutig. Der Charakter überzeugt auch wegen der Normalität, in der der Schauspieler agiert, ohne Rückgriff auf die klassischen Spionage-Klischees agiert er als Meisterspion. Die Rolle begründet die bis heute anhaltende Popularität des Schauspielers." Und der Dramaturg Dieter Wolf vermerkte 1983: "Mit Alfred Müller (…) hat Veiczi eine geradezu ideale Besetzung gefunden. Sein gar nicht modisch kokettes Understatement, das unauffällig Normale seiner Erscheinung und Ausstrahlung bedient trotz gefahrumwitterter Doppelrolle die Tatsachennähe der Story".*) Diese und später ähnlich gelagerte Rollen sollten Müller den Ruf eines "James Bond des Ostens" einbringen. Dass er in etlichen Presse-Artikeln immer wieder auf den Stasi-Spion reduziert wurde, ärgerte den vielseitigen Mimen noch im hohen Alter, "als hätte ich nichts anderes gemacht", schimpfte er kurz vor seinem 80. Geburtstag.
 
Auf der Leinwand erlebte man den Schauspieler mit prägnanten Figuren, etwa als den skrupellosen, fragwürdige Rechtsauffassungen vertretenden Richter Paul Deister in der 1965 mit Aufführungsverbot belegten Literaturadaption bzw. Kurt Maetzigs Problemfilm "Das Kaninchen bin ich"1) (UA: 13.12.1989), als Großindustrieller Gustav Krupp von Bohlen und Halbach1) in dem Biopic über Karl Liebknecht1) mit dem Titel "Solange Leben in mir ist"1) (1965) oder als Philosoph Karl Marx1) in "Mohr und die Raben von London"1) (1969), gedreht nach dem dem Jugendbuch von Vilmos und Ilse Korn1) – der "Nationalpreis der DDR1) III. Klasse" war der Lohn "für seine künstlerisch überzeugenden, hohen schauspielerischen Leistungen, insbesondere als Darsteller von Karl Marx in "Mohr und die Raben von London". Die zeitgenössische Kritik lobte Darsteller Alfred Müller, der es verstehe "in vielen (…) alltäglichen Kleinigkeiten die Charakterstärke, den Gerechtigkeitssinn, die Gedankenklarheit von Marx sichtbar werden zu lassen." (Helmut Ullrich in "Volksstimme"1), 18.10.1969). In "KLK an PTX – Die Rote Kapelle"1) (1971) über die Widerstandsgruppe "Rote Kapelle"1) gab er dem Regisseur Wolfgang Langhoff ein Gesicht, in der amüsanten Geschichte "Hiev up"1) (1978) war er der Kapitän Odje Fuhlbrandt, der das Brigadeleben der Kuttermannschaft auf Vordermann bringt, und konnte diesmal sein komödiantisches Talent unter Beweis stellen.
Das Fernsehen bot Alfred Müller vielfältige Aufgaben, er überzeugte im heiteren Genre ebenso wie mit den "Intellekt ansprechenden" Parts, "spielt Rollen in antifaschistischen Filmen oder Kundschafter-Serien ebenso ernsthaft wie er Lebemännern bei Oscar Wilde oder Heinrich Mann seine Ironie verleiht."*) Als Oscar Wilde-Interpret erfreute er die Zuschauer mit der Rolle des Sir Robert Chiltern in "Ein idealer Gatte"3) (1962) und auch als Jack Worthing machte er in "Keine Hochzeit ohne Ernst oder Bunbury"3) (1964) eine gute Figur, gab den Schriftsteller Friedrich Köpf, Verführer und falscher Mentor des Kunst beflissenen Andreas Zumsee (Jan Spitzer), in der Heinrich Mann-Verfilmung bzw. Bourgeois-Satire "Im Schlaraffenland"3) (1975). In dem Fünfteiler über den berühmten Rennfahrer Manfred von Brauchitsch1) (gespielt von Jürgen Frohriep) mit dem Titel "Ohne Kampf kein Sieg"3) (1966) verlieh er dem nicht minder berühmten Kunstflieger Ernst Udet1) Profil, Furore machte Müller als Oberleutnant Werner Schütt in den jeweils dreiteiligen, ideologischen Abenteuern "Geheimkommando Bumerang"3) (1966), "Geheimkommando Ciupaga"3) (1968) und "Geheime Spuren"3) (1969); alle drei Mehrteiler sind inzwischen auf DVD im Handel erhältlich. In der Serie "Rendezvous mit unbekannt"1) (1969) mit dem Untertitel "Berichte aus der Pionierzeit der Abwehrorgane der DDR" kam er als Protagonist MfS-Major Wendt daher, der gemeinsam mit seinem Kollegen Leutnant Faber (Ingolf Gorges1)) für die Aufklärung und Verhinderung von Sabotageakten sowie die Aufdeckung und Verhinderung von Spionage zuständig ist.
 

"Geheimkommando Bumerang" / Geheimkommando Ciupaga
ist seit Ende April 2013 als DVD im Handel erhältlich.
Abbildung DVD-Cover  mit freundlicher Genehmigung
von "Studio Hamburg Enterprises GmbH"
Quelle: presse.studio-hamburg-enterprises.de

Geheimkommando Bumerang / Geheimkommando Ciupaga: Abbildung DVD-Cover  mit freundlicher Genehmigung von "Studio Hamburg Enterprises GmbH"; Quelle: presse.studio-hamburg-enterprises.de
Eine schöne Rolle war auch die des Michael Hollmann in der fünfteiligen Familienchronik "Die lange Straße"3) (1979), die die zum 30. Jahrestag der DDR-Gründung in Auftrag gegeben worden war. "Die Filmreihe folgt den Mitgliedern der Familie Hollmann aus dem märkischen Grafenberg auf ihrem Lebensweg zwischen Alltag und besonderen Ereignissen wie dem Mauerbau. Vater Michael wechselt von der Arbeit im Straßenbau ins fortschrittliche Reifenwerk, Sohn Heinz (Detlef Gieß1)) hat mit dem Studium zu kämpfen, Tochter Gerda (Regine Heintze) flieht in den Westen, und Schwager Hermann (Klaus Manchen1)) legt sich mit dem alten Stegemann (Rolf Hoppe) an, der ihm seine Fischerei kaputtmachen will. Persönliche Geschichte wird mit dem Zeitgeschehen verknüpft." kann man bei filmportal.de lesen. 1984 gab das Fernsehen Müller mit "Quizmühle" eine eigene Spiel- und Ratesendung, nicht zuletzt für seine eindrückliche Darstellung des Kriminalpolizei-Hauptmanns Hannes Bergemann in dem Psycho-Krimi "Klassenkameraden"1) (1984) wurde er im darauffolgenden Jahr von den Lesern der Programmzeitschrift "FF dabei"1) zum "Fernsehliebling"1) gekürt.
Zur Hochform lief Alfred Müller in der sechsteilige Lustspielreihe "Ferienheim Bergkristall"1) auf, die von 1983 bis 1987 sowie 1989 jeweils am Silvesterabend ausgestrahlt wurde. Hier präsentierte er sich als in "Mundart nuschelnder" Alois Wachtel, der eigentlich als Briefträger bei der "Deutschen Post" arbeitet, aber sein Herz an das Ferienheim verloren hat. Zusammen mit dem völlig gestressten Heimleiter Helmut Oberpichler (Willi Scholz1)), der seiner Meinung nach bei den Silvestervorbereitungen immer alles im Griff hat, gehörte Alois Wachtel als Unterstützer Oberpichlers zu den Protagonisten dieser legendären Reihe. Autor und Regisseur war Hans-Joachim Preil1), der als Oberkellner Hugo Stieglitz auch in den letzten drei Geschichten mitspielte; einen Ausschnitt der 1986/1987er Folgen findet man bei www.youtube.com.
Was für ein begnadeter Komödiant Alfred Müller war, zeigte der Schauspieler auch mit verschiedenen Sketchen, unvergessen bleibt die Gerichtsszene zwischen der Kabarettistin Helga Hahnemann alias Frau Hoppe und Alfred Müller als "Scharfrichter" in der 100. Sendung "Ein Kessel Buntes"1) am 23. September 1989 aus dem "Palast der Republik"1). Im Mittelpunkt dieses Kabinettstückens des Humors steht neben den witzigen Dialogen hier vor allem der unfreiwillig zerbrochene Hammer des Richters, der für zusätzlich große Lacher sorgte → www.youtube.com. Müller selbst meinte einmal in einem Interview: "Damals hatte ich bereits 35 Jahre Theater gespielt. Und erst mit dieser Geschichte bin ich richtig berühmt geworden."
Eine der letzten Produktionen, an denen der DFF vor der Einstellung des Sendebetriebs beteiligt war, hieß "Sherlock Holmes und die sieben Zwerge"1) (1992). "Diese achtteilige Serie gilt als so genannte DFF-Überläuferproduktion zum MDR/ ORB/ NDR/ SFB1) und bot einen phantastischen Ausflug in die Märchenwelt der Brüder Grimm. Wenn man so will, dann war diese spannend-vergnügliche Serie ein Abschiedsgeschenk des DFF-Kinderfernsehens an die neu gegründeten Landessender MDR und ORB". vermerkt das fernsehenderddr.de. Müller tauchte hier als liebenswerter, pensionierter Kriminalhauptkommissar Hans Holms auf, der eigentlich einen geruhsamen Lebensabend mit Freundin Helene (Ellen Schwiers) verbringen möchte – doch daraus wird nichts, als Tochter Heidemarie die Enkelkinder Anne (Ulrike Haase) und Martin (Stefan Limprecht) für eine Woche im Hause des Großvaters einquartiert; die einzelnen Folgen, welche Motive aus den Märchen der Gebrüder Grimm mit Krimi-Elementen vermischten, wurden überdies zu einer 90-minütigen Filmfassung zusammengeschnitten und erstmals am 26. Dezember 1995 in der ARD gezeigt → filmportal.de.
 
Nach der so genannten Wende hatte Alfred Müller, wie etliche seiner ostdeutschen Kollegen, zunächst Schwierigkeiten in der gesamtdeutschen Film- und Fernsehszene Fuß zu fassen. Seit 1993 war er dann wieder sporadisch auf dem Bildschirm präsent, mimte beispielsweise den Kommissar Ballmann in der "Tatort"-Folge "Verbranntes Spiel"1) (1993) oder den Chef der Mordkommission Schorn in den zwei "Polizeiruf 110"-Episoden "Totes Gleis"1) (1993) und "Der Sohn der Kommissarin"1) (1997). Frank Beyer1) besetzte ihn als Linus Bornowski, alter Freund von Marianne Bacher (Annemone Haase1)), in der Verfilmung von Erich Loests "Nikolaikirche"1) (1995), er tauchte mit Episodenrollen in verschiedenen Serien auf, so unter anderem als Reinhold Palme in "Für alle Fälle Stefanie"1) (1997–2003) oder als Opa Gustav Schimmelpfennig in der Jugendserie "Pengo! Steinzeit!"4) (2002). 2004 sah man ihn als Portier Friedermann Ellermann, der sich in der Komödie "Finanzbeamte küsst man nicht"5) liebevoll um die alte, gebrechliche Hotel-Besitzerin Adele Auerwald (Gisela Trowe) kümmert. Letzte TV-Auftritte hatte er als Rentner Eddie Ochs in der Folge "Feuerstühle"4) (2007) aus der Krimiserie "SOKO Wismar"1) sowie 2009 als störrischer Bauer Gustav Jansen in zwei Folgen der Unterhaltungsserie "Unser Charly"1). Auf der Leinwand sah man ihn noch einmal als Maries Großvater in "Spuk am Tor der Zeit"6) (2003), einer Kinofassung der gleichnamigen Kinderserie1)  → mehr Filmografie.

Da die Angebote vor der Kamera spärlicher geworden waren, intensivierte Alfred Müller seine Arbeit für das Theater. Vor allem am Berliner "Theater des Westens"1) feierte er in verschiedenen Musicals Erfolge, konnte sein Tanz- und Gesangstalent voll ausleben – noch im fortgeschrittenen Alter hatte der damals über 65-Jährige für eine Rolle in der Revue "Blue Jeans" (1994), einer musikalischen Zeitreise in die 1950er Jahre, das Rock'n'Roll-Tanzen erlernt. Zu nennen sind beispielsweise der Part des Börsenmaklers Elisha Whitney in dem Cole Porter-Musical "Anything goes"1) (1993), der eigenbrötlerische und geizige Horace Vandergelder in "Hallo Dolly"1) (1995) oder der Oberst Pickering in "My Fair Lady"1) (1997). Seine Traumrolle des Schusters Wilhelm Voigt in Carl Zuckmayers Schauspiel "Der Hauptmann von Köpenick"1) konnte er 1992 am "Landestheater Dessau" in einer Inszenierung von Helmut Straßburger und Ernstgeorg Hering1) verwirklichen, fünf Jahre später gab er diese Figur erneut am Berliner "Theater am Kurfürstendamm"1) in dem Revue-Musical "Wilhelm heeßt er – Sehn'se, det war Berlin". Als das Ensemble des Kudamm-Theaters 2007 mit dem unverwüstlichen Schwank "Pension Schöller"1) auf Tournee ging, trat Müller als der zackige Major a. D. von Mühlen in Erscheinung – er hatte diese Rolle von Friedrich Schönfelder übernommen. An der "Comödie Dresden"1) war Müller ebenfalls ein gern gesehener Gast, unvergessen sein zerstreuter Gymnasialprofessor Dr. Martin Gollwitz in dem Lustspiel "Der Raub der Sabinerinnen"1), den er brillant seit der Premiere am 15. Januar 1999 in der Inszenierung von Michael Günther1) gab – Hans Teuscher war als schlitzohriger "Schmierendirektor" Emanuel Striese ein ebenbürtiger Partner. Auch das Publikum der Hamburger "Komödie Winterhuder Fährhaus"1) und des "Theaters am Kurfürstendamm" kam in den Genuss, Müllers einzigartiges Spiel zu bewundern, ebenso wieim Jahre 2000 die Fernsehzuschauer. So schrieb Frank Dietschreit in "Der Tagesspiegel" (26.03.2000) anlässlich der Berliner Aufführung unter anderem: "Alfred Müller bringt das Kindliche, ja auch Kindische in diesem distinguierten Professor mit ein paar linkischen Bewegungen zur Geltung. Er desavouiert den verhinderten Dichter nicht als eitlen Popanz, sondern skizziert ihn als sympathischen Schulmeister, dem die Kraft zum Träumen noch nicht abhanden gekommen ist." Und die "Berliner Zeitung" (Irene Bazinger, 28.03.2000) meinte "Diesen arg gerupften Gymnasiallehrer spielt Alfred Müller mit korrekten Manieren und mühsam bewahrter Fassung, als wär' er ein Verwandter der Loriot'schen Unglücksraben.". Zu erwähnen ist an der "Comödie Dresden" zudem sein Pastor Riesling in der Curt Goetz-Komödie "Das Haus in Montevideo"1) (2000) sowie seit 2006 der Pensionist bzw. das "Ekelpaket" Fred Kowinski in dem von Helmut Straßburger in Szene gesetzten amüsanten Boulevardstück "Eine gute Partie" von Stefan Vögel1). Der Berliner Fabrikant Wilhelm Giesecke in dem Singspiel "Im weißen Rößl"1), aufgeführt 2002 im Theaterzelt "Chapeau Rouge" in Heringsdorf, war ebenfalls eine Paraderolle für den Vollblutschauspieler.
Darüber hinaus erfreute der leidenschaftliche Hobbyfilmer Müller mit literarisch-musikalischen und kabarettistischen Programmen, las unter anderem gemeinsam mit Gisela May Texte von Kurt Tucholsky, Bertolt Brecht und Erich Kästner und fand im Rahmen von Tourneen, unter anderem 1978 in Schweden, damit auch internationale Beachtung. Mehrfach trat er mit Helga Hahnemann im Berliner "Friedrichstadt-Palast"1) in Revuen auf, unter anderem in "Hallo, Berlin 7-5-0" (1987) und "Kiek ma an" (1990). Im Jahre 2000 präsentierte er als Gastgeber die Weihnachtsrevue "Jingle Bells" → www.tagesspiegel.de.
 
Alfred Müller, der sich vor allem als Erzkomödiant in die Herzen der Zuschauer spielte und für seine feinsinnig-ironische Ader gerühmt wurde, starb am 2. Dezember 2010 im Alter von 84 Jahren in Berlin nach kurzer Krankheit an den Folgen einer Krebserkrankung. Auf eigenen Wunsch fand im engsten Familienkreis eine Bestattung in der Ostsee vor der Insel Usedom statt, wo er seit mehr als 40 Jahren in seinem Ferienhaus in Quilitz1) immer wieder Kraft getankt hatte.
Mit Ehefrau Eva war der Ur-Berliner seit 1958 bis zu deren Tod Mitte der 2000er Jahre fast fünf Jahrzehnte verheiratet, der gemeinsame Sohn Nico erblickte 1967 das Licht der Welt; viele Jahre lebte die Familie im idyllischen Berlin-Grünau1) → Foto aus dem Jahre 1970 bei "Deutsche Fotothek". Erst kurz vor seinem Tod hatte der als bescheiden und zurückhaltend geltende Müller sein Haus in Grünau verkauft und war nach Berlin-Pankow gezogen. Zuletzt war die Schauspielerin Solveig Müller1) an seiner Seite, die mehrfach mit ihm vor der Kamera (u.a. in "Hiev up") gestanden hatte und mit der er in verschiedenen Städten bis zum Schluss ein Tucholsky-Programm präsentierte.
 
Anlässlich des 85. Geburtstages widmete der MDR dem Schauspieler 2011 das filmische Porträt "Alfred Müller – so wunderbar komisch!" und ehrte einen Künstler, der "mit seiner vielseitigen Schauspielkunst auf der Bühne und vor der Kamera nie in eine Schublade passte" (…) er "blieb vor allem mit seinen komischen Rollen in Erinnerung. Und deshalb schauen Kollegen, Freunde, seine letzte Lebenspartnerin, die Schauspielerin Solveig Müller auf die heiteren Seiten des populären Mimen zurück." → programm.ard.de. Bereits am 4. Oktober 2000 hatte der MDR in der Reihe "Lebensläufe" die Dokumentation "Mein Künstlername ist Müller – Der Schauspieler Alfred Müller" ausgestrahlt, "die Sendung begleitet Alfred Müller auf einer Reise nach Senftenberg, in sein Ferienhaus auf Usedom und beim Tourneeprogramm "Fromme Sprüche eines Atheisten" – gemeinsam mit Dramaturg Armin Stolper." hieß es damals in einer Pressemiteilung des MDR → www.fernsehserien.de.
Neben den erwähnten Auszeichnungen war Müller bereits am 1. Februar 1964 mit dem "Kunstpreis der DDR"1) geehrt worden, rund zehn Jahre später erhielt er 1975 den "Goethe-Preis der Stadt Berlin"1). Auch der "Vaterländischer Verdienstorden"1) in Silber, die "Fritz Heckert-Medaille"1) des FDGB1), und der "Kunstpreis des FDGB"1) befanden sich in seiner Sammlung. Müller war etliche Jahre als Gewerkschafter aktiv, so fungierte er am "Maxim-Gorki-Theater" als Vorsitzender der "Betriebsgewerkschaftsleitung" (BGL), engagierte sich in der "Gewerkschaft Kunst" – 1968 war er Mitglied im Zentralverbandes und seit Anfang der 1970er Jahre Vorsitzender des Berliner Bundesverbandes.
 
Der schriftliche Nachlass befindet sich im Archiv der Berliner "Akademie der Künste"1) → Alfred-Müller-Archiv.
Quellen: "Lexikon der DDR-Stars"*), Wikipedia, www.film-zeit.de, www.defa-stiftung.de sowie
ehemalige Seite defa-sternstunden.de → Memento bei web.archive.org
*) "Lexikon der DDR-Stars" von F.-B. Habel und Volker Wachter (Ausgabe 1999, S. 234/235)
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) defa-stiftung.de, 3) fernsehenderddr.de, 4) fernsehserien.de, 5) prisma.de, 6) filmportal.de
           
Theater-Wirken (Auszug)
Quellen (unter anderem): Wikipedia, Alfred-Müller-Archiv sowie
www.gorki.de
: Spielzeit 1952–1960 / Spielzeit 1961–1970 / Spielzeit 1971–1980
(Fremde Links: Wikipedia, tls.theaterwissenschaft.ch;
 R = Regie, UA = Uraufführung, EA = Erstaufführung, P= Premiere)
Filme
Kino / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Fremde Links:  defa-stiftung.de, Wikipedia, filmportal.de,
fernsehenderddr.de, fernsehserien.de, prisma.de)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
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