Der Schauspieler, Theaterregisseur und Schauspieldirektor Helmut Straßburger erblickte am 11. Januar 1930 als Sohn eines Kapitäns in Dessau (Sachsen-Anhalt) das Licht der Welt. Bereits nach Beendigung des Gymnasiums bzw. dem Abitur schnupperte der 18-Jährige Theaterluft, betätigte sich am "Landestheater Dessau"1) (ab 1994 "Anhaltische Theater Dessau") hinter den Kulissen als Bühnenbildner und Bühnentechniker. 1949 konnte er als Schauspieler Fuß fassen, nachdem er für einen erkrankten Kollegen in einem Weihnachtsmärchen eingesprungen war; dem Ensemble gehörte er dann bis 1957 an. Zur Spielzeit 1957/58 wurde Straßburger an das renommierte "Staatsschauspiel Dresden"1) berufen, 1963 wechselte er an die Berliner "Volksbühne"1), wo er sich mit Beginn der 1970er Jahre zudem einen Namen als Oberspielleiter und Regisseur machte – sein Regiedebüt gab er im Mai 1973 mit der Dialekt-Komödie "Kater Lampe"1) von Emil Rosenow. Weitere Inszenierungen realisierte er überwiegend zusammen mit dem Dramaturgen Ernstgeorg Hering1). Unvergessen bleibt die Aufführung von Diderots philosophischem Dialog "Rameaus Neffe"1), den Straßburger und Hering gemeinsam mit Brigitte Soubeyran1) auf die Bühne gebracht hatten. Hier glänzte Straßburger seit der Premiere am 3. Dezember 1973 zudem als titelgebende Hauptfigur "Er", sein Gegenpart, der Philosoph (Ich) wurde von Winfried Wagner1) dargestellt. Mit rund 300 Vorstellungen zählte diese Inszenierung zu den erfolgreichsten Produktionen der "Volksbühnen", wurde auch im Rahmen von nationalen und internationalen Gastspielen sowie in späteren Jahren im Fernsehen gezeigt (EA: 24.10.1981 → fernsehenderddr.de).
Im folgenden eine Auswahl von Aufführungen, in denen Helmut Straßburger als Darsteller sowie als Regisseur an der Berliner "Volksbühne" in Erscheinung trat:
(P = Premiere, EA = Erstaufführung, UA = Uraufführung, R = Regie; Quelle: .volksbuehne-berlin.de; Fremde Links: Wikipedia)

Anfang der 1990er Jahre verließ Straßburger nach knapp drei Jahrzehnten die "Volksbühne" und kehrte 1992 (gemeinsam mit Ernstgeorg Hering) mit einer Gast-Inszenierung von Carl Zuckmayers "Der Hauptmann von Köpenick"1) in seine Geburtsstadt bzw. an das "Landestheaters Dessau" zurück – Hering führte Co-Regie, Alfred Müller gab den Titelhelden. Wenig später wurde ihm von Intendant Johannes Felsenstein1) die Position des Schauspieldirektors angetragen, diese Funktion übte er bis 2004 aus. Auch Hering wurde von Felsenstein engagiert und so konnte das Regie-Duo seine erfolgreiche Arbeit fortsetzen. Zu den Höhepunkten der "Ära Straßburger" zählen die Aufführungen von Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame"1) mit Ursula Karusseit als Claire Zachanassian, Schillers "Maria Stuart"1) (1994, mit Astrid Krenz), Goethes "Faust I"1) (1994/95) und "Faust II"1) (1997) mit Bernd-Uwe Reppenhagen (→ agenturmosblech.de) als Faust und Karl Thiele1) als Mephisto oder Shakespeares "Hamlet"1) (2002, mit Astrid Krenz), in denen Straßburger, wie auch in anderen Stücken, Rollen übernahm. Erwähnt werden muss, dass er neben Klassikern auch mit musikalischen Inszenierungen Aufmerksamkeit errang, so brachte er "Der Silbersee – Ein Wintermärchen"1) mit der Musik von Kurt Weill1) sowie die Opern "La Cenerentola"1) von Gioachino Rossini und "La clemenza di Tito"1) von Wolfgang Amadeus Mozart auf die Dessauer Bühne. Einen letzten Auftritt als Darsteller hatte er zur Spielzeit 2001/2002 als "herrlich distinguierter Pozzo" – so die "Mitteldeutsche Zeitung" – in dem Stück "Warten auf Godot"1) von Samuel Beckett, die Inszenierung von Shakespeares "Der widerspenstigen Zähmung"1) sollte 2003/2004 sein Abschied als Regisseur werden.
 
Seit Mitte der 1950er Jahre stand Straßburger vor der Kamera, zeigte sich in diversen Kinoproduktionen sowie vor allem in Fernsehfilmen. Zu seinen nachhaltigen Leinwandauftritten zählt die Verkörperung des Kommunisten Friedrich Engels1) in Helmut Dziubas Literaturadaption "Mohr und die Raben von London"1) (1969) nach dem gleichnamigen Jugendbuch1) von Vilmos und Ilse Korn1), eine weitere Person der Zeitgeschichte spielte er als Politiker Emil Eichhorn1) in Günter Reischs Biopic über Karl Liebknecht1) mit dem Titel "Trotz alledem!"1) (1972). Auch wenn die zeitgenössische Kritik Iris Gusners Regiedebüt "Einer muß die Leiche sein"1) (1978) nach dem Krimi von Gert Prokop1) nicht unbedingt positiv bewertete, ist Straßburgers Rolle dennoch hervorzuheben – hier konnte er als Krimifan und Zahnarzt Dr. Franz Enderlein überzeugen, der unter den auf einer Insel gestrandeten Touristen ein Mörder-und-Detektiv-Spiel initiiert, aus dem unerwartet Ernst wird.
Überwiegend blieb Straßburger in den DEFA-Filmen jedoch auf Nebenrollen reduziert, die ihm allerdings auch einen Preis einbrachten: So wurde er für die Darstellung des Kowalski in Lothar Warnekes "Unser kurzes Leben"1) (1981), gedreht nach Motiven des teils autobiografischen Romans "Franziska Linkerhand"1) der Schriftstellerin Brigitte Reimann1), auf dem "2.  Nationalen Spielfilmfestival der DDR"1) 1982 als "Bester Nebendarsteller" ausgezeichnet (gemeinsam mit Rolf Ludwig in "Die Verlobte"1)).
Auf dem Bildschirm konnte der Mime um so mehr seine schauspielerische Vielseitigkeit unter Beweis stellen, neben der Übernahme verschiedener Theateraufführungen – unter anderem "Avantgarde"2) (1971) oder "Rameaus Neffe"2) (1981) – erlangte er mit etlichen Produktionen des "Deutschen Fernsehfunks"1) (DFF) einen großen Bekanntheitsgrad. Oftmals spielte er komödiantische Rollen, die er nicht selten hintergründig anlegte. Genannt werden muss beispielsweise die Figur des Junggesellen Hans Kabis alias John Kabys in "Der Schmied seines Glücks"2) (1962) nach der Humoreske von Gottfried Keller1) oder der Sachse Jobst in "Die drei gerechten Kammmacher"2) (1963), ebenfalls in Szene gesetzt nach einer Novelle von Gottfried Keller1). 1964 sah man ihn in "Hoffmann hat nicht nur erzählt"2), einem Stück über E. T. A. Hoffmann1), als Schauspieler Ludwig Devrient1), in "Der Streit um den Sergeanten Grischa"2) (1968), einem Zweiteiler nach dem Roman von Arnold Zweig1), mimte er den Unteroffizier Fritzke. In dem Vierteiler "Die Bilder des Zeugen Schattmann"1) (1971) nach dem Roman von Peter Edel1) überzeugte er als Arnold Gerson bzw. Freund der Familie Schattmann, gestaltete den Schlosser Andrej Mitritsch Kleschtsch in der Maxim Gorki-Adaption "Nachtasyl"2) (1974) ebenso glänzend wie den Alba-Diener Silva in dem Goethe-Schauspiel "Egmont"2) (1974). Beachtung fand Straßburger 1979 als Gotthold Ephraim Lessing1) bzw. mit dem Stück "Alle guten Leute gehen einander an"2), in Szene gesetzt nach dem Briefwechsel zwischen Lessing und dessen Ehefrau Eva König1), dargestellt von Ursula Karusseit. In dem Fünfteiler "Martin Luther"2) (1983) über den von Ulrich Thein dargestellten Reformator Martin Luther1) machte er als Papst Leo X.1) in Teil 3 "Die Geheimnisse des Antichrist"2) eine gute Figur, mit seiner Paraderolle des Sir John Falstaff konnte man ihn in "Die lustigen Weiber von Windsor"2) (1986) nach der Komödie von William Shakespeare1) bewundern. Bis zur endgültigen Auflösung des DFF (1990/91) im Zuge der Wiedervereinigung folgten nur noch wenige TV-Auftritte und Straßburger beendete im Grunde seine filmischen Aktivitäten. Lediglich in Bernd Böhlichs Drama "Tödliches Schweigen"3) (1996) übernahm er noch einmal einen kleineren Part.
Trotz seiner umfangreichen Arbeit für Theater, Film und Fernsehen fand der vielseitige Künstler noch die Zeit, junge Nachwuchstalente auf den Schauspielerberuf vorzubereiten. Mehr als 20 Jahre lehrte er als Dozent an der renommierten "Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin"1), zu seinen Schülern gehörte unter anderem Corinna Harfouch1). Zudem engagierte er sich eine Zeit lang als Sprecher, neben einigen DEFA-Animationsfilmen stand er auch sporadisch für Hörspielproduktionen vor dem Mikrofon. Eine Auswahl der in der ARD-Hörspieldatenbank aufgeführten Stücke findet man hier am Ende des Artikels.
 
Die Funktion als Schauspieldirektor am "Anhaltischen Theater Dessau" hatte Straßburger 2004 aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt. Nach mehreren Schlaganfällen innerhalb weniger Jahre starb er am 19. Juni 2010 im Alter von 80 Jahren in Berlin. "So wird er im Gedächtnis bleiben: Die Brille hoch in die Stirn geschoben, auf den Lippen ein freundliches Lächeln und das Hemd über dem mächtigen Leib weit aufgeknöpft. So sah er sich selbst am liebsten, so sah man ihn nach der Wende mehr als ein Jahrzehnt in den Straßen seiner Heimatstadt. Sein eigentliches Reich aber war der dunkle Zuschauerraum und die helle Bühne des Anhaltischen Theaters." schrieb der Theaterkritiker Andreas Hillger unter anderem in einem Nachruf in der "Mitteldeutschen Zeitung". Und der Dessauer Bühnenbildner Carlheinz O. Städter würdigte sein Schaffen mit den Worten "Er hat fürs Theater gelebt – menschlich, kollegial, integer." Die letzte Ruhe fand der Schauspieler, leidenschaftliche Theatermann "alten Schlags" und Ehrenmitglied des "Anhaltischen Theaters" auf dem historischen Friedhof am Bürgerpark in Berlin-Pankow. An der Beisetzung am 6. Juli 2010 nahmen neben der Familie auch Freunde, Weggefährten und Kollegen wie Hildegard Alex1), Ursula Karusseit, Hans Teuscher oder Günter Junghans1) teil.
Der 1979 mit dem ostdeutschen "Goethe-Preis der Stadt Berlin"1) ausgezeichnete Helmut Straßburger hinterließ aus drei langjährigen Lebenspartnerschaften bzw. Ehen drei Söhne und zwei Töchter, die ebenfalls künstlerische Berufe ergriffen. Die Schauspielerinnen Margrit Straßburger1) (geb. 1958) und Antje Straßburger1) (geb. 1970) sowie der Musiker Frank Straßburger stammen aus der über dreißigjährigen Ehe mit der Balletttänzerin bzw. Primaballerina Erika Straßburger. Der Autor und Filmemacher Sebastian Ugowski (geb. 1976), der zudem als Sänger und Schauspieler tätig war und sowohl als Komponist als auch als Musik-Produzent unter dem Pseudonym "Gilmano" internationale Musikerfolge verzeichnete, entstammt der langjährigen Beziehung mit der Theater- und Filmschauspielerin Karin Ugowski1). Ein weiterer Sohn ging aus der Ehe mit der Schauspielerin Astrid Straßburger hervor → astrid-strassburger.de.

Quellen: "Lexikon der DDR-Stars"*), Wikipedia
*) "Lexikon der DDR-Stars" von F.-B. Habel und Volker Wachter (Ausgabe 1999, S. 323/324)
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) fernsehenderddr.de, 3) filmportal.de
   
Filme
Kinofilme / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie
filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia, filmportal.de, defa-stiftung.de, fernsehenderddr.de, Die Krimihomepage)
Kinofilme (DEFA-Produktionen) Fernsehen (Auszug)
  
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Link: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia)
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