Ulrich Thein
Der Schauspieler, Regisseur und Autor Ulrich Thein wurde am 7. April 1930 als Sohn eines Kapellmeisters in Braunschweig geboren. Seine Kindheit und Jugend war nicht gerade einfach, war doch sein Vater gestorben, als er gerade vier Jahre alt war. Theins Mutter Else musste den kleinen Ulrich und zwei ältere Brüder alleine groß ziehen. Sie ermöglichte ihrem Sohn eine gute Schulausbildung, nach dem Abitur studierte Ulrich Thein sechs Semester lang Musik mit dem Schwerpunkt Harfe und Klavier, ließ sich gleichzeitig von Kurt Wetzel zum Schauspieler ausbilden. 1951 erhielt er als jüngstes Mitglied von Wolfgang Langhoff1) (1901 - 1966) ein erstes Engagement am "Deutschen Theater" in Berlin, wo er bis 1963 viele große Rollen seines Fachs spielte. Anfangs als jugendlicher Liebhaber besetzt, avancierte der Schauspieler mit den Jahren zu einem bedeutenden Charakterdarsteller, brillierte vor allem in Gegenwartsstücken wie in Peter Hacks "Die Schlacht bei Lobositz" und "Der Müller von Sanssouci" oder Aleksej Arbusovs "Eine Geschichte aus Irkutsk".
 
Etwa mit den Anfängen seiner Theaterkarriere begann auch Theins Laufbahn als Filmschauspieler bei der DEFA, von renommierten Regisseuren wie Martin Hellberg, Gerhard Klein, Günter Reisch, Frank Beyer und Konrad Wolf wurde er in zahlreichen Filmen mit Hauptrollen besetzt, avancierte mit unterschiedlichen Figuren und einem facettenreichen Spiel rasch zum Filmstar der DDR. Sein Leinwanddebüt gab er als Fritz Lorenz in Martin Hellbergs "Geheimakten Solvay" (1953), einem Film, der die Wirtschaftssabotage im Kalten Krieg thematisierte, ein Jahr später überzeugte er als Tierpfleger Herbert in Gerhard Kleins "Alarm im Zirkus" an der Seite von Erwin Geschonneck. Unter der Regie von Ernst Kahler und Karl-Heinz Bieber entstand das kritische Gesellschaftsstück "Hotelboy Ed Martin" (1955), nach dem Bühnenstück "Merry-Go-Round" von Albert Maltz, in dem Thein – wie bereits in einer Inszenierung des "Deutschen Theaters" – die Hauptrolle spielte. Gerhard Klein besetzte ihn wenig später als Westberliner Arbeitslosen Hans und Partner von Annekathrin Bürger in der heiteren Liebesgeschichte "Eine Berliner Romanze" (1956), 1957 folgte der propagandistische Krimi "Spur in die Nacht"1) und seine Rolle des Maurers Ulli.
  
Ulrich Thein verkörperte in den meisten Filmen klassenbewusste Kämpfer, die ganz der Ideologie des damaligen DDR-Regimes entsprachen, so auch als Maschinist Henne Lobke in Kurt Maetzigs und Günter Reischs "Das Lied der Matrosen"1) (1958), das zur Zeit der russischen Oktoberrevolution von 1917 beginnt und den Kieler Matrosenaufstand im deutschen Kaiserreich thematisiert. Mit Carl Balhaus' Geschichte "SAS 181 antwortet nicht" (1959), welche von der Disziplinlosigkeit in einem Fischkombinat handelt, folgte eine weitere Hauptrolle, nach Joachim Kunerts Beziehungsdrama "Ehesache Lorenz" (1959) mimte Thein dann ein Jahr später neben Erwin Geschonneck als deutschem Kommissar Heinrich Witting den russischen Funker Wasja in Frank Beyers "Fünf Patronenhülsen"1) (1960). Vor dem historischen Hintergrund des spanischen Bürgerkrieges wird der heroische Kampf einer internationalen Brigade geschildert und die Verbundenheit der Kämpfer im Dienst einer fast aussichtslosen Lage glorifiziert. Um die körperlichen Strapazen und den Durst überzeugend und authentisch darstellen zu können, soll Ulrich Thein zur Darstellung der extremen Szenen eine spezielle Schauspielmethode angewandt haben: Vor den entscheidenden Drehs aß er mehrere Tage nichts, trank nichts und hielt in brütender Hitze aus, bis die Augen ihren Glanz verloren und die Lippen aufrissen.
In Konrad Wolfs "Professor Mamlock"1) (1961), nach dem gleichnamigen Drama seines Vaters Friedrich Wolf, verkörperte er eindrucksvoll und sensibel den jungen Kommunisten Ernst und Sohn der Titelfigur alias Wolfgang Heinz, der nach der Machtergreifung Hitlers die drohende Gefahr für seine jüdische Familie vorhersieht, seinen Vater jedoch nicht vor dem Freitod bewahren kann. 
Eine ergreifende Rolle war auch die des Chemikers Dr. Hans Schramm, der sich in Kurt Maetzigs Melodram "Septemberliebe" (1961) zwischen zwei Frauen entscheiden muss. Maetzig besetzte ihn auch in dem Spionagestreifen "Der Traum des Hauptmann Loy" (1961) nach dem gleichnamigen Roman von Wolfgang Schreyer, in Richard Groschopps kriminalistischem Gegenwartsfilm "Die Glatzkopfbande"1) (1962) stellte Thein den Leutnant der Kriminalpolizei Lothar Czernik dar. Frank Vogels gab ihm die Rolle des Taxifahrers Klaus, der in "… und Deine Liebe auch" (1962) von einem sorgenfreien Leben im Westen träumt und nach dem Mauerbau zwischen seiner Liebe zu der Briefträgerin Eva und Fluchgedanken hin und her gerissen wird. Als zwiespältiger SA-Mann Jürgen musste er sich in Frank Beyers Filmballade "Königskinder"1) (1962) erneut zwischen eigenem Fortkommen und Freundschaft entscheiden. Bis Ende der 1960er Jahre folgten noch die Filme "Chronik eines Mordes" (1965), "Geschichten jener Nacht" (1967) und "Das Siebente Jahr" (1969), dann zog sich Ulrich Thein für viele Jahre fast ganz vom Filmgeschäft zurück.

Erst Ende der 1970er Jahre übernahm er wieder eine Hauptrolle in in dem Günter Reisch-Film "Anton der Zauberer"1) (1977) und mimte herrlich den gewitzten Automechaniker Anton Grubske, der es mit unkonventionellen Methoden und Schiebereien schafft, sich in der Nachkriegszeit durchzusetzen. Er übernahm Aufgaben in den Kinoproduktionen "Kotorski mornari" (1980), "Mit Leib und Seele" (1987) sowie "Mensch, mein Papa…!" (1988), wo er auch hinter der Kamera stand und für das Drehbuch verantwortlich zeichnete. In enger Zusammenarbeit mit Erwin Geschonneck, dem er die Hauptrolle auf den Leib geschrieben hatte, war ein eindringlicher Film über die Beziehung zweier Generationen entstanden. Zu Theins weiteren erfolgreichen Regiearbeiten zählen die Kinofilme "Dach überm Kopf"2) (1980, auch Drehbuch), "Romanze mit Amelie" (1982, auch Drehbuch) sowie unter anderem das TV-Stück "Jule – Julia – Juliane" (1972), zu dem er ebenfalls das Drehbuch schrieb und neben Annekathrin Bürger die Hauptrolle spielte. Als Darsteller übernahm er sporadisch Aufgaben in der legendären Krimi-Reihe "Polizeiruf 110", in der heiteren, harmlosen Geschichte "Der Direktor" (1980) agierte er als verwitweter Schuldirektor, der sich um den Umgang seiner 18-jährigen Tochter sorgt. Eine herausragende Rolle verkörperte er drei Jahre später: 1983 glänzte Thein zum Luther-Jahr mit der Titelrolle in dem historischen Mehrteiler "Martin Luther"1), zwei Jahre später erlebte man ihn leidenschaftlich als "Johann Sebastian Bach"1) in der gleichnamigen vierteiligen TV-Biografie, die Lothar Bellag in Szene gesetzt hatte. "Thein verfügt über eine starke empirische Persönlichkeit, bringt sich selbst in seine Rollen mit ein. Dies konnte er mit seiner Darstellung des Luther im gleichnamigen Fernsehfilm beweisen, das bestätigte er auch als Johann Sebastian Bach. Die Persönlichkeit des Hauptdarstellers überbrückte die Leerstellen im Szenarium, schuf aus dem Anekdotischen eine in ihrer Grundcharakteristik gefestigte dramatische Rollengestalt." – so 1988 der DDR-Medienwissenschaftler Peter Hoff. Danach übernahm Ulrich Thein noch die Rolle des Franz Kedennek in "Der Aufstand der Fischer von St. Barbara" (1988), einem Stück, das Thomas Langhoff nach einer Novelle von Anna Seghers verfilmt hatte. Nach der Wende lehnte der Schauspieler viele in seinen Augen uninteressante und triviale Rollenangebote ab und stand nur noch wenige Male vor der Kamera. So mit einer kleinen Rolle in der gesamtdeutschen "Polizeiruf 110"-Episode "Unter Brüdern" (1990) und dem Thriller "Blutige Spur" (1995).
 
1986 wird Thein Mitglied der Akademie der Künste der DDR, aus der er 1991 aus Protest gegen die Modalitäten der Vereinigung von Ost- und West-Akademie austritt. Nach der Liquidierung des Deutschen Fernsehfunks (DFF) lehnte Thein viele triviale Angebote ab ("… ich will den Scheiß nicht machen, der mir von einigen Produzenten angeboten wird"). Ab 1992 war er als Dozent an der Schauspielschule "Ernst Busch" in Berlin tätig, wo er u. a. zahlreiche Szenenstudien (im Hauptfach Schauspiel) erarbeitet hat. (…) Neben seiner Arbeit als Schauspieler und Regisseur war Thein auch Pianist und hat Lieder für seine Filme komponiert, so das bewegende "Rosenlied" in "Mensch, mein Papa" (…).3)

Das Multitalent Ulrich Thein, der in der ehemaligen DDR zu den populärsten Schauspielern und mit seinen Inszenierungen zu den eigenwilligsten Filmemachern gehörte, erhielt für seine Leistungen zahlreiche Auszeichnungen. Bereits 1961 war er von den Lesern des "Filmspiegels" neben Günther Simon und Stefan Lisewski zum beliebtesten Schauspieler des Jahres gewählt worden. Unter anderem ehrte man ihn 1969 mit dem "Kunstpreis der DDR" für die Inszenierung des TV-Mehrteilers "Unbekannte Bürger" (Regie und Drehbuch). 1973 konnte er den "Nationalpreis III. Klasse" entgegen nehmen, noch kurz vor der Wiedervereinigung erhielt er den "Nationalpreis I. Klasse" (1989); weitere Auszeichnungen bei Wikipedia.

Ulrich Thein starb am 21. Juni 1995 in Berlin, wenige Wochen nach seinem 65. Geburtstag. In erster Ehe war der Künstler mit Schauspielerkollegin Annekathrin Bürger4) verheiratet, die zweite Verbindung ging er mit der Schauspielerin Renate Geißler1) ein, die u.a. die Hauptrollen in seinen TV-Filmen "Jule – Julia –Juliane" (1972) und "Ein Dach überm Kopf" (1980) spielte. Weitere Verbindungen ging er mit den Schauspielerinnen Christel Thein-Sörgel und Jana Brejchová1) ein, Ehefrau Nr. 5 wurde die Schauspielerin und Kabarettistin Franziska Troegner1), die ebenfalls mehrfach in seinen Filmen mitwirkte.
  

Link: 1) Wikipedia, 2) defa-sternstunden.de, 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP
4) Quelle: Wikipedia
Siehe auch Wikipedia, www.defa-sternstunden.de, www.defa.de, www.film-zeit.de
 
Filme (Auswahl, als Darsteller)
Filmografie bei www.imdb.de
(Link:  Wikipedia, defa-sternstunden.de)
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