Günter Junghans als Lawrik in dem Stück "Avantgarde" von Walentin Petrowitsch Katajew mit Musik von Friedrich Goldmann; DDR-Erstaufführung: 27. September 1970; Regie: Fritz Marquardt;"Volksbühne", Berlin (auch TV, EA: 25.04.1971); Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0006180_a_012); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 09.1970; Quelle: www.deutschefotothek.de Günter Junghans wurde am 14. Juli 1941 in Leipzig in eine Handwerkerfamilie hineingeboren. Nach Abschluss der Schule absolvierte er zunächst eine Lehre als Maschinenschlosser im "VEB Verlade- und Transportanlagenwerk Leipzig" und holte zudem nebenher sein Abitur an der staatlichen "Abendoberschule für Werktätige" nach. Während dieser Zeit betätigte er sich bei der Agitprop-Gruppe "Rote Blusen" und entdeckte seine Leidenschaft für das Theater. Schon bald entschied sich der 19-Jährige für eine künstlerische Laufbahn, bewarb sich 1959 erfolgreich an der Potsdamer "Hochschule für Film- und Fernsehen"1) (HFF) in Babelsberg, die er 1963 mit Diplom abschloss. Ein erstes Engagement erhielt Junghans am Potsdamer "Hans Otto Theater"1), konnte hier in Klassikern und Stücken der Moderne darstellerische Erfahrungen sammeln. Zur Spielzeit 1969/70 wechselte er an die Berliner "Volksbühne", gab dort seinen Einstand in der Komödie "Der Wald" von Alexander N. Ostrowski1) (Premiere: 12.12.1969; Regie: Manfred Karge1), Matthias Langhoff1)). Für die kommenden mehr als zwanzig Jahre bereicherte Junghans das Ensemble, nachhaltigen Eindruck hinterließ er unter anderem mit der Darstellung des per Selbstkritik Karriere machenden Bürgermeisters Beutler in Fritz Marquardts1) Inszenierung von Heiner Müllers Stück "Die Bauern" (=  Die Umsiedlerin oder Das Leben auf dem Lande1)), das am 30. Mai 1976 Premiere feierte.
 
Günter Junghans als Flickschuster Lawrik in dem Stück "Avantgarde"
von Walentin Petrowitsch Katajew1) mit Musik von Friedrich Goldmann1)
DDR-Erstaufführung: 27. September 1970; Regie: Fritz Marquardt1)
"Volksbühne", Berlin (auch TV, EA: 25.04.1971)
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0006180_a_012)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: 09.1970
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
Im folgenden eine kleine Auswahl der Aufführungen, in denen Günter Junghans in Potsdam sowie an der Berliner Volksbühne" in Erscheinung trat:
(P = Premiere, EA = Erstaufführung, UA = Uraufführung, R = Regie; Quelle: Wikipedia/.volksbuehne-berlin.de; Fremde Links: Wikipedia)

Im Verlaufe der Jahre hatte sich Junghans als herausragender Charakterdarsteller profiliert, der Publikum und Kritiker mit seinem facettenreichen Spiel zu überzeugen wusste – für "maßstabssetzende künstlerische Leistungen" wurde er 1983 mit dem "Kunstpreis der DDR"1) ausgezeichnet. So gestaltete er den Schiller'schen Franz Moor in "Die Räuber" ebenso grandios wie den Intriganten Jago in Shakespeares "Othello", feierte Erfolge als Ferenc Molnárs "Liliom" oder als Franz Biberkopf in der Bühnenversion von Döblins "Berlin Alexanderplatz". So notierte die Tageszeitung "Neues Deutschland"1) (22.09.1987) unter anderem: "Der Biberkopf von Günter Junghans: ein treuherziger, gutgläubiger, zwar nicht korpulenter, doch leicht behäbiger Spießer, heiter von Gemüt. Redlichkeit will er, Zuversicht beschwört er, seinen eigenen Taten ist er nicht gewachsen. Die Nachricht vom Mord an seiner Mieze und darüber, daß er des Mordes beschuldigt wird, kann er nicht verkraften. Passungslos, schwankend, taumelnd treibt er ins Irresein." (Quelle: berliner-schauspielschule.de). Sein Talent für grotesk-spaßige, humorvoll-doppelbödige Figuren bewies er beispielsweise als Hauptmann-Interpret, so als Amtsvorsteher von Wehrhahn in der Diebeskomödie "Der Biberpelz", als verwitweter Gendarm a.D. Eduard Rauchhaupt in der Tragikomödie "Der rote Hahn" und als Landstreicher Jau in dem Possenspiel "Schluck und Jau" mit Jürgen Rothert (1936 –2007) als Partner "Schluck". Eine seiner letzten Rollen als Ensemblemitglied der "Volksbühne" war zur Spielzeit 1990/91 der Willi Clark in dem unverwüstlichen Neil Simon-Lustspiel "Sonny Boys", danach nahm Junghans Abschied von dem Haus, dass er maßgeblich mit geprägt hatte. Fortan war er freiberuflich tätig und stand auf verschiedenen hauptstädtischen Bühnen aber auch an Theatern in Potsdam, München oder Dresden konnte man ihn erleben.
  
In jüngerer Zeit gab er 2005 am "Hans Otto Theater" für das Regie-Duo Uwe Eric Laufenberg1)/Tobias Sosinka den verschmitzten Sir Toby Rülps in der Shakespeare-Komödie "Was Ihr wollt"1) und den Professor Serebrjaków in Tschechows "Onkel Wanja"1), den er als "wunderbar grämlich-dümmliche Figur" anlegte, wie der Theaterkritiker und Publizist Hartmut Krug im "Deutschlandfunk" (02.07.2005) meinte → www.uwe-eric-laufenberg.com. Und Uwe Eric Laufenberg schrieb in einem Nachruf bei www.focus.de: "Den Professor in "Onkel Wanja" hat er mit einer solch natürlichen Mischung aus Stolz, Nervosität, Selbstmitleid und Herrschsucht gespielt, das man wusste, warum Wanja und die anderen an ihm scheitern würden."
Zur Spielzeit 2003/2004 begeisterte Junghans im Rahmen einer Tournee der von Herbert Köfer gegründeten "Komödiantenbühne" die Zuschauer als Titelheld bzw. Buchhalter Max Stieglitz in dem Schwank "Der keusche Lebemann" von Arnold und Bach1) – unter anderem mimte Herbert Köfer den Fabrikanten Julius Seibold, der seinen Buchhalter zum "Lebemann" macht. Seine Wandlungsfähigkeit bewies Junghans einmal mehr anlässlich der Neueröffnung des Potsdamer "Hans Otto Theaters" (Neues Theater an der Schiffbauergasse1)), das am 22. September 2006 mit einem Festakt offiziell in Betrieb genommen wurde. Einen Tag später fand die im "ZDFtheaterkanal"1) ausgestrahlte Auftakt-Inszenierung von Intendant Uwe Eric Laufenberg statt – aufgeführt wurde Lessings "Nathan der Weise"1) mit einem eindrucksvoll aufspielenden Günter Junghans in der Titelrolle  → presseportal.de, www.uwe-eric-laufenberg.com.
2009 übernahm er an der Seite von Rüdiger Joswig1) (Jedermann) die Rolle des "Tod" bei den "Berliner Jedermann-Festspielen"1), von Brigitte Grothum 1987 ins Leben gerufen und seit 1993 bis 2014 jährlich im Sommer im Innenraum des Berliner Domes aufgeführt.
 
Seit Beginn der 1960er Jahre stand Junghans vor der Kamera, bereits während seiner Ausbildung an der HFF gab er sein Leinwanddebüt in dem DEFA-Streifen "Das Rabauken–Kabarett"2) (1961), "in dem eine junge Kabarett-Truppe einen thüringischen Schieferbau-Betrieb wieder in Schwung bringt"3). Rudi Kurz besetzte ihn als Schüler Jürgen in dem Jugendfilm "Die aus der 12b"1) (1962), in Günter Reischs Weihnachtsfilm "Ach, du fröhliche …"1) (1962) tauchte er als unangepasster Sohn des von Erwin Geschonneck gespielten Werksdirektors Walter Lörke auf, einen Part, den er Jahre später in der Fortsetzung "Wie die Alten sungen…"1) (1987) wiederholte – der einstige "Halbstarke" ist nun zwei Jahrzehnte später als spießiger Familienvater Karl Lörke "von der DDR völlig domestiziert worden"*). Auch wenn es nie die ganz großen Hauptrollen waren, prägte sich Junghans mit seinen rund vierzig DEFA-Produktionen beim Publikum ein. "Die Personen, die er verkörpert, wirken bodenständig, seine Wandelbarkeit beweist er mit einer großen Spannbreite: Sie können herzlich oder schroff, leise naiv oder lauthals polternd sein."3) Zu nennen ist unter anderem der DDR-Kultfilm "Die Abenteuer des Werner Holt"1) (1965) nach dem Roman von Dieter Noll1) mit der Figur von Holts Klassenkamerad und eher zweifelhaftem Freund Christian Vetter, der im 2. Weltkrieg zum Handlanger des faschistischen Fanatikers Wolzow (Manfred Karge) wird. In der Theodor Fontane "Unterm Birnbaum"1) (1973) mimte er den Bauer Mietzel, in der Komödie "Zünd an, es kommt die Feuerwehr"1) (1979) den Feuerwehrmann Nendell. 1983 gehörte er in Frank Beyers Drama "Der Aufenthalt"1) nach dem antifaschistischen, autobiografischen Roman von Hermann Kant1) als bösartiger Gestapo-Kommissar Rodloff zur Besetzung, in dem Biopic über Clara Zetkin1) mit dem Titel "Wo andere schweigen"4) (1984) agierte er als Kommunist Jürgen Stolz, der sich im engsten Mitarbeiterkreis der Politikerin bewegt. "Unter der Regie von Siegfried Kühn gibt er in dem Erinnerungsfilm "Kindheit"1) (1987) den gefährlichen Riedel, dem der Zuschauer trotz seiner Gemeinheiten mit Spaß zuschaut, denn kann er neben Carmen-Maja Antoni und Hermann Beyer sein komödiantisches Talent zeigen."3)
  
Beim "Deutschen Fernsehfunk"1) (DFF) fand Junghans ebenfalls ein breites Betätigungsfeld, der Mann mit den markanten Gesichtszügen geriet zum Dauergast auf den Bildschirmen und konnte auch hier immer wieder seine darstellerische Vielseitigkeit unter Beweis stellen, ohne auf einen bestimmten Rollen-Typus festgelegt zu werden. Neben verschiedenen Theateraufführungen präsentierte er sich in Literaturadaptionen wie beispielsweise als Paul Schippel in dem Sternheim-Lustspiel "Bürger Schippel"5) (1969), als James Tyrone junior in Eines langen Tages Reise in die Nacht5) (1980) nach dem Schauspiel von Eugene O'Neill1) oder als Theobald Maske in "Die Hose"5) (1986), ebenfalls ein Lustspiel von Carl Sternheim1). In "Martin Luther"1) (1983), einem Fünfteiler über den von Ulrich Thein verkörperten Reformator Martin Luther1), überzeugte er in "Die Geheimnisse des Antichrist"5) (Teil 3) und "Hier stehe ich …"5) (Teil 4) als Kardinal Hieronymus Aleander1). Eine weitere historische Persönlichkeit, den Politiker Georg von Vollmar1), gab er in "Bebel und Bismarck"5) (1987), dem Dreiteiler über den Staatsmann Fürst Otto von Bismarck1) (Wolfgang Dehler) und den "Arbeiterkaiser" August Bebel1) (Jürgen Reuter). Mehrfach tauchte Junghans im Verlaufe der Jahre in den beliebten Krimireihen "Der Staatsanwalt hat das Wort" und "Polizeiruf 110"1) auf – darunter in der legendären Folge "Der Kreuzworträtselfall"1) (1988) –, zu seinen letzten Auftritten in einer DFF-Produktion zählt die Figur des Prorektors Mehlmann in "Schulmeister Spitzbart"5) (1989) nach dem Roman "Spitzbart" von Johann Gottlieb Schummel1) mit Otto Mellies in der Titelrolle des Provinzlehrers Mattias Spitzbart.
 
Nach der so genannten "Wende" bzw. der Wiedervereinigung hatte es Junghans wie etliche seiner ostdeutschen Kollegen schwer, in der gesamtdeutschen Film- und Fernsehbranche Fuß zu fassen. Doch "der Schauspieler mit den vielen Lachfältchen und den verschmitzt-strahlend blauen Augen"6) konnte sich vor allem in der TV-Landschaft etablieren. Sein Name wurde bald auch dem bundesdeutschen Zuschauer ein Begriff und Junghans zur festen Größe in TV-Produktionen. Er agierte mit markanten Episodenrollen in zahllosen populären Serien, natürlich erneut regelmäßig bei dem Dauerbrenner "Polizeiruf 110" sowie zwischen 1993 und 2014 in etlichen "Tatort"-Folgen. Mitunter verkörperte er DDR-Politiker, so sah man ihn als DDR-Kulturminister Hans-Joachim Hoffmann1) in "Abgehauen"1) (1998), von Frank Beyer gedreht nach den Tagebüchern von Manfred Krug, als Leipziger SED-Sekretär Helmut Hackenberg (1926 –1999) in Hans-Christoph Blumenbergs Zweiteiler "Deutschlandspiel"1) (2000). Den Staatsratsvorsitzenden der DDR Walter Ulbricht1) gab er in "Der Aufstand" (2003), einem Dokumentar-Spielfilm von Hans-Christoph Blumenberg über den Aufstand vom 17. Juni 19531), sowie in Markus Imbodens "Hunger auf Leben"1) (2004) nach den Tagebüchern von Brigitte Reimann1) – weshalb Junghans hier zugleich den Vater der Schriftstellerin spielte, erschloss sich dem Zuschauer nur schwer. Zu nennen ist sein Kölner Kurfürst Ferdinand von Bayern1) in der Folge "Scheiterhaufen"7) (2003) über die Hexenverfolgung1) in der dreiteiligen Dokumentation "Hexen – Magie, Mythen und die Wahrheit"7), zwischen 2001 und 2008 zeigte er sich als paranoider Patient Erich Schäfer in der Serie "Die Anstalt – Zurück ins Leben"7). Beachtung fand die Figur des Stasi-Generaloberst Heinz Koweitz, mit der er ab 2010 (Folgen 5–12) in der preisgekrönten ARD-Erfolgsserie "Weissensee"1) in Erscheinung trat. Diese Rolle sollte er erneut in der 3. Staffel übernehmen, doch sein plötzlicher Tod machte diese Pläne zunichte.
Nur wenige Male konnte man Junghans nach dem Mauerfall in einer Kinoproduktion sehen, so spielte er unter anderem in Helmut Dietls Kassenschlager "Schtonk!"1) (1992) einen DDR-Grenzbeamten, in der Komödie "Go Trabi Go 2 – Das war der wilde Osten"1) (1992) den Betriebsdirektor Schulz und in "Zirri – Das Wolkenschaf"1) (1993) nach dem Kinderbuch von Fred Rodrian1) einen Feuerwehrhauptmann.
Junghans engagierte sich zudem immer mal wieder als Sprecher und stand für Hörspielproduktionen vor dem Mikrofon. Eine Auswahl der in der ARD-Hörspieldatenbank aufgeführten Stücke findet man hier am Ende des Artikels.
 
Günter Junghans, von den Medien als "König der Nebendarsteller" bezeichnet, starb – rund vier Wochen nach seinem 73. Geburtstag – am 10. August 2014 nach kurzer, schwerer Krankheit in einem Krankenhaus bei Berlin. Die letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof im Potsdamer Ortsteil Sacrow → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Sein Tod rief Bestürzung hervor, der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit1) erklärte zum Tod des sympathischen Schauspielers: "Günter Junghans gehört zu den großen Könnern unter den deutschen Schauspielern. Nicht zuletzt deshalb hat er seine künstlerische Arbeit für Film und Fernsehen auch über die Wende hinweg erfolgreich fortsetzen können. Dem breiten Publikum war er in zahlreichen Krimis von "Polizeiruf" bis "Tatort" bekannt, aber er vermochte auch immer wieder in anspruchsvollen Produktionen zu brillieren. Die Filmstadt Berlin trauert mit Günter Junghans' Familie, seinen Freunden, Bekannten und Kollegen." → Pressemitteilung vom 11.08.2014 bei www.berlin.de
Seine Popularität hatte der mit einer Ärztin verheiratete Familienvater und Wahlberliner stets für soziale Projekte eingesetzt, so wurde er 2005 ehrenamtlicher Botschafter für das "Kinderhospiz Mitteldeutschland" in Tambach-Dietharz1) und unterstützte die Organisation mit zahlreichen Initiativen.

Quellen: "Lexikon der DDR-Stars"*), Wikipedia, www.defa-stiftung.de, www.filmportal.de, www.film-zeit.de
*) "Lexikon der DDR-Stars" von F.-B. Habel und Volker Wachter (Ausgabe 1999, S. 153)
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) defa-stiftung.de, 4) filmportal.de, 5) fernsehenderddr.de, 7) fernsehserien.de
3) Quelle: www.defa-stiftung.de
6) Quelle: defa-sternstunden.de (Seite nicht mehr existent) → Memento bei web.archive.org
   
Filme
Kinofilme / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de

(Fremde Links: defa-stiftung.de, Wikipedia, filmportal.de, fernsehenderddr.de,
fernsehserien.de, Die Krimihomepage, prisma.de, tittelbach.tv)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
  
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Link: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia (deutsch/englisch))
Um zur Seite der Publikumslieblinge zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de