| Fred Delmare |
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Fred Delmare wurde am 24. April 1922 als Werner Vorndran im
thüringischen Hüttensteinach, einem Vorort von Sonneberg geboren. Der Sohn
eines Schreiners und einer Näherin machte nach der Volksschule
zwischen 1937 und 1940 zunächst eine Ausbildung zum Werkzeugmacher, hatte jedoch bereits als
Jugendlicher seine Liebe zum Theater entdeckt. Er sammelte erste
Bühnenerfahrungen als Laiendarsteller bei einer heimatlichen Bauernbühne, ließ sich
dann von Karl-Georg Saebisch (1903 1984), dem späteren Intendanten des Stadttheaters Bremerhaven,
zum Schauspieler ausbilden.
Während des 2. Weltkrieges wurde Vorndran im Oktober 1940 als Freiwilliger zur Marine
nach Bremerhaven eingezogen, erlitt drei Jahre später eine schwere Verletzung, die er bis
Kriegsende in verschiedenen Lazaretten auskurieren musste. 1946 ging er nach Weimar, vertiefte am dortigen Nationaltheater bei Walter Jupé1) (1916 1985) seine begonnene Schauspielausbildung und legte sich seit dieser Zeit den Künstlernamen "Fred Delmare" zu. Eine weitere Station seiner Studien wurde anschließend die Schauspielschule des renommierten West-Berliner Hebbel-Theaters, wo er als externer Schüler bzw. Schauspieler bis 1950 darstellerische Erfahrung sammelte. Sein Bühnendebüt hatte Delmare 1947 mit der Figur des Schreibers Vansen in Goethes "Egmont" gegeben, 1950 wechselte er an das Leipziger Schauspielhaus, welches für zwei Jahrzehnte seine künstlerische Heimat blieb. Hier brillierte Delmare, der aufgrund seiner Köpergröße von nur 1,60 Metern nicht für Heldenrollen prädestiniert war, mit zahlreichen prägnanten Nebenfiguren, aber auch Hauptrollen. Einen ersten großen Erfolg konnte er als gewitzter Diener Truffaldino in "Der Diener zweier Herren" von Carlo Goldoni verzeichnen. Glänzende Kritiken erfuhr Delmare auch als "Figaro" in der Komödie "Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit" von Beaumarchais, ebenso wie mit Titelrolle in "Die seltsame Reise des Alois Fingerlein", einem Schauspiel des DDR-Dramatikers und Theaterkritikers Rainer Kerndl. Das Rollenspektrum von Delmare war breit gefächert, neben dramatischen Interpretationen wusste er vor allem mit heiteren Figuren zu überzeugen, so beispielsweise auch als "Frosch" in der Operette "Die Fledermaus". Seine Stärke war jedoch die facettenreiche Darstellung der "kleinen Leute" aus dem Volk, deren oftmals tragikomische Verstrickung in dramatische Situationen er mit sicherem Gespür und einer gehörigen Portion Bauernschläue zu vermitteln wusste. Viel beachtet wurde 1954 seine Darstellung des Niederländers Marinus van der Lubbe in "Der Teufelskreis", einem Schauspiel nach dem gleichnamigen Buch von Hedda Zinner über den sogenannten Reichstagsbrand-Prozeß am 27. Februar 1933. Nur zwei Jahre später verkörperte Delmare den zum Tode verurteilten Lubbe in dem von Carl Balhaus1) (1905 1968) inszenierten DEFA-Drama, mit dem Balhaus gleichzeitig sein Debüt als Filmregisseur gab. Für Delmare begann damit eine umfangreiche Arbeit vor der Kamera, vor allem mit erinnerungswürdigen Nebenrollen spielte er sich rasch in die Herzen seines Publikums. So erlebte man ihn beispielsweise in Kurt Maetzigs romantischem Gegenwartsstreifen "Vergeßt mir meine Traudel nicht"2) (1957) oder in dessen pathetischem Agitationsfilm "Das Lied der Matrosen"2) (1958), einer Auftragsproduktion der DDR-Regierung und szenischen Nachzeichnung der deutschen Novemberrevolution von 1918. Delmare spielte an der Seite der großen DDR-Stars, so etwa neben Manfred Krug in der Gegenwartskomödie von Ralf Kirsten "Auf der Sonnenseite"2) (1962, siehe auch Wikipedia) oder mehrfach an der Seite des legendären Erwin Geschonneck (1906 2008), wie etwa in Günter Reischs Lustspiel "Ach, du fröhliche "2) (1962) nach der Novelle "Und das am Heiligabend" des tschechoslowakischen Dramatikers Vratislav Blažek. Eine beeindruckende Leistung war 1960 seine Darstellung des Buchenwald-Häftling Pippig in Georg Leopolds Fernsehadaption "Nackt unter Wölfen" nach dem gleichnamigen Bestseller von Bruno Apitz der "Kunstpreis der DDR" war der Lohn für diese außerordentliche Darstellung. Kurz darauf inszenierte Frank Beyer den Stoff erneut für die Leinwand, auch in der DEFA-Produktion "Nackt unter Wölfen"2) (1963) mit Erwin Geschonneck und Armin Mueller-Stahl konnte Delmare dem Rudi Pippig wieder seinen ureigenen Stempel aufdrücken (siehe auch Wikipedia). "Delmare stattet ihn mit Schwejkscher Doppelbödigkeit aus: Vor den Peinigern ist sein Pippig ein bieder-treuherziger, gänzlich untertäniger Häftling; in den Kinderszenen macht er Herzensgüte und innere Schönheit des kleinen, quirligen Mannes erlebbar." schrieb 1980 die Germanistin und Autorin Renate Seydel.6) Delmare selbst bezeichnete "Nackt unter Wölfen" immer als eine seiner wichtigsten Arbeiten. Mit Geschonneck spielte er auch in Frank Beyers "Karbid und Sauerampfer"2) (1963), weitere Kinofilme der 1960er Jahre waren unter anderem "Die Suche nach dem wunderbunten Vögelchen"2) (1964) nach dem erfolgreichen Kinderbuch von Franz Fühmann, wo er als "Vogelstimmenmann" überzeugte, Martin Hellbergs Shakespeare-Adaption "Viel Lärm um Nichts"2) (1964) und die Rolle des Wachsoldaten Haberkuchen, oder das Drama "Solange Leben in mir ist"2) (1965) von Günter Reisch. In Heiner Carows Kultfilm "Die Legende von Paul und Paula"2) (1973) mimte er auf anrührende Weise neben den Protagonisten Angelica Domröse und Winfried Glatzeder den nicht sonderlich attraktiven Händler "Reifen-Saft", mit dem Paula eine Sicherheits-Ehe eingehen will. Furore machte Delmare auch als komischer Cowboy Peter Hille in einigen DEFA-Indianerfilmen neben "Rothaut" Gojko Mitić, so in "Spur des Falken" (1968) und "Weiße Wölfe" (1969). "Wenn er im Saloon auf der Teufelsgeige spielt oder sich von Gojko Mitic in einem tollen Stunt in einen Zuber werfen lässt, schafft er unvergessliche Kino-Momente" kann man im "Lexikon der DDR-Stars"3) nachlesen. Auch in "Apachen"1) (1973) und der Fortsetzung "Ulzana Schicksal und Hoffnung"1) (1974) war Fred Delmare wieder mit von der Partie, mimte einen Arzt bzw. Kellner in einem Saloon. In Kurt Maetzigs visionärem gesellschaftspolitischem Drama "Januskopf"4) (1972) kam er neben Armin Mueller-Stahl als Professor Bergmann daher, tauchte als Liebhaber bzw. Schiffskoch Udo Klüterjahn in dem heiteren Episodenstreifen "Liebesfallen" (1976) neben Publikumsliebling Marianne Wünscher (1930 1990) auf oder als Orgelbauer Mälzel in dem vielbeachteten, gleichnishaften Biopic "Beethoven Tage aus einem Leben" (1976; auch: "Der Compositeur") von Regisseur Horst Seemann (1937 2000). Selbst Mini-Rollen wusste Delmare Nachhaltigkeit zu verleihen, sein Zwei-Minuten-Auftritt als Möbelpacker in Egon Günthers humorvollem, aber auch kritischem Film "Der Dritte"5) (1971) bleibt unvergessen. Fred Delmare, seit 1970 Ensemblemitglied des Deutschen Fernsehfunks, gehörte zu den Stars der ehemaligen DDR, spielte nicht nur in zahlreichen Kinofilmen, sondern gehörte auch auf dem Bildschirm zu den Publikumsmagneten. In dem Mehrteiler "Jeder stirbt für sich allein"5) (1970), von Hans-Joachim Kasprzik nach dem Roman von Hans Fallada inszeniert, gab er an der Seite von Hauptdarsteller Erwin Geschonneck sowie dessen Filmehefrau Elsa Grube-Deister (1926 2001) den nichtsnutzigen, verschlagenen Ehemann der Briefträgerin Eva Kluge (Helga Göring). Erzählt wird das Schicksal des zunächst unpolitischen Arbeiterehepaares Quangel, das nach dem Freitod ihres Sohnes in Berlin zwischen 1940 und 1942 antifaschistische Flugblätter verfasst und verteilt, dann aufgespürt und hingerichtet wird. In der Bundesrepublik wurde der Fallada-Stoff, der auf dem Leben des Berliner Ehepaars Otto Hermann Hampel1) (1897 1943) und Elise Hampel1) (1903 1943) basiert, von Alfred Vohrer mit Hildegard Knef und Carl Raddatz verfilmt und kam 1975 in die Kinos (siehe auch Wikipedia). Zur TV-Filmografie zählen unter anderem "Die Regentrude" (1976) nach dem Märchen von Theodor Storm mit Cox Habbema in der Titelrolle oder die Komödie "Alma schafft alle"1) (1980) mit der Berliner Volksschauspielerin Agnes Kraus (1911 1995), unvergessen seine Mitwirkung in dem Dreiteiler "Friedhelms Geburtstag und andere Geschichten" (1980), in der er zusammen mit Erwin Geschonneck, Elsa Grube-Deister, Henry Hübchen und Ursula Karusseit zu bewundern war. Eine schöne Rolle war auch die des alten, weisen Schäfers Krischan Klammbüdel in Wolfgang Luderers Verfilmung "Die Gerechten von Kummerow" (1981) nach dem gleichnamigen Roman von Ehm Welk (1884 1966). In der Mehrzahl sind es Episodenrollen gegensätzlichster Prägung: Polizist, Kindermörder, Kohlenträger, Bürgermeister, Taxifahrer, alle spielt er mit bestechender Genauigkeit fürs Detail, eine Eigenschaft, die ihn daran hindert, in plattes Chargieren abzugleiten. Seine Stärke sind die tragikomischen Gestalten, sein Vorbild ist Paul Kemp. "Einiges war dabei, was sich einprägte, und was ihm wert und teuer ist. Der rührende Biedermann Reifensaft in der "Legende von Paul und Paula", Professor Bergmann in "Januskopf", ein schnurriger Liebhaber in "Liebesfallen", der weise Schäfer Krischan in "Die Gerechten von Kummerow", Orgelbauer Mälzel in "Beethoven Tage eines Lebens" ( ) Und mir fällt dabei eine Episode in "Der Dritte" ein: Delmare als verblüffter Zaungast einer Liebesszene. Nur drei stumme Minuten lang, aber so pointiert, daß kaum ein Zeitungsschreiber es nicht erwähnte." (Linke, 1986). (Quelle: CineGraph Lexikon zum deutschsprachigen Film bzw. www.filmportal.de) Auch nach der sogenannten Wende setzte der gefeierte Kino- und TV-Star der DDR seine Filmtätigkeit fort, spielte beispielsweise wie schon zu DDR-Zeiten mehrfach in der erfolgreichen Krimi-Reihe "Polizeiruf 110", konnte jedoch anfangs nur mit kleinen bis kleinsten Episodenrollen in so beliebten Serien wie "Der Landarzt", "Heimatgeschichten", "Leinen los für MS Königstein" oder "Lindenstraße" auf dem Bildschirm präsent bleiben. Mit der Figur des "Busch" bzw. kongenialem Gegenpart zu dem damals 88-jährigen Erwin Geschonneck als streitsüchtigem, starrsinnigen "Matulla" gelang Delmare 1995 mit der Tragikomödie "Matulla und Busch"1) ein vielbeachtetes Fernseh-Comeback und "demonstriert gekonnt das Wechselspiel zwischen kleinmütigem Sich-Ducken und Sich-schlau-zur-Wehr-Setzen"6). Von Erwin Geschonnecks Sohn Matti Geschonneck nach dem gleichnamigen Roman von Klaus Schlesinger in Szene gesetzt, wird die Geschichte zweier Urberliner erzählt, die in einem Altersheim im Schwarzwald leben. Als Matulla in Berlin ein Haus erbt, macht sich das ungleiche Rentnerpärchen auf in die Hauptstadt, trifft auf rebellische Hausbesetzer in einer Abrissbude (siehe auch prisma-online.de) Ungeheure Popularität erlangte Delmare dann Ende der 1990er Jahre noch einmal mit seiner Dauerrolle des Friedrich Steinbach in dem ARD-Dauerbrenner "In aller Freundschaft"1), eine Figur, die er etliche Folgen lang verkörperte. Am 1. Februar 2006 wurde die 296. Episode "Neuanfang" ausgestrahlt, in der Friedrich Steinbach an Altersschwäche stirbt. Danach wurde es stiller um den ehemaligen DEFA-Star mit dem stets freundlichen Lächeln, dessen Karriere weit mehr als hundert Fernseh- und Spielfilmrollen umfasste. Medienberichten zufolge litt Fred Delmare zuletzt an Altersdemenz und lebte seit Anfang 2006 in einem Leipziger Pflegeheim. Am 1. Mai 2009, wenige Tage nach seinem 87. Geburtstag, schloss Fred Delmare dann für immer seine Augen; er starb an den Folgen einer Lungenentzündung in einem Leipziger Krankenhaus. Er hinterließ seine fünfte Ehefrau Renate Schuck, mit der er seit 1986 in Taucha bei Leipzig gelebt hatte, sowie drei Kinder. Tochter Felicitas, die 1980 nach der Flucht nach Westdeutschland Selbstmord beging, stammte aus Delmares ersten, 1952 geschlossenen Ehe mit der Chorsängerin Iris Brockmeier, von der er sich bereits 1953 wieder scheiden ließ. Ehefrau Nummer 2 wurde 1959 Mona Winzer, die ihm Sohn Tino schenkte, der 2001 mit nur 41 Jahren seinem Leberkrebsleiden erlag. Auch die Verbindung mit Mona Winzer hielt nur wenige Jahre bis 1964, danach gab Delmare ein Jahr später der Schauspielerin Dagmar Marquardt das Ja-Wort. Trotz der gemeinsamen Tochter Claudia wurde die Ehe 1973 offiziell getrennt. Noch im gleichen Jahr ehelichte Fred Delmare Silvia Kallenbach, 1982 erfolgte die Scheidung; aus dieser Verbindung stammen Sohn Nici und Tochter Jette. Fred Delmares schauspielerische Leistungen wurden in zahlreichen Nachrufen gewürdigt. Der 1987 mit dem "Vaterländischen Verdienstorden in Gold" für sein schauspielerisches Gesamtwerk ausgezeichnete Mime war ein "ganz Großer seiner Zunft" hieß es in verschiedensten Medienberichten anlässlich seines Todes. "Die Intensität seines Spiels, dieses hohe schauspielerische Charisma, unterstützt gerade von seiner Kleinheit und seiner immer leicht heiseren Stimme, machten ihn zum "König der Nebenrollen", schrieb Michael Hametner in "der Freitag"; 1997 hatte der Autor die aktuell vergriffene Biografie "Kleine Leute. Das Leben des Schauspielers Fred Delmare" veröffentlicht. |
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1) Der Link führt zu 1) Wikipedia, 2) www.defa-sternstunden.de,
4) www.film-zeit.de, 5) prisma-online.de 3) F.-B. Habel & Volker Wachter: "Das große Lexikon der DDR-Stars", Verlag "Schwarzkopf & Schwarzkopf, Seite 60 6) Quelle: CineGraph Lexikon zum deutschsprachigen Film bzw. www.filmportal.de |
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Siehe auch Wikipedia,
www.defa-sternstunden.de und
www.prisma-online.de Filmografie bei www.imdb.de Liste von Delmares Filmen bzw. Filmbeschreibungen bei www.progress-film.de |
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