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Walter Matthau, Sohn russisch-jüdischer Emigranten, wurde am
1. Oktober 1920 als Walter John Matthow in New York City geboren
und wuchs in New Yorks Lower East Side in bescheidenen Verhältnissen auf; seine
Mutter war eine litauische Näherin und sein Vater ein ukrainischer
Ex-Priester, ob der oft zitierte Geburtsname "Walter Matuschanskayasky"
den Tatsachen entspricht, ist nicht gesichert. Bereits als Elfjähriger gehörte
er zu Komparserie der jüdischen Theater
an der 2nd Avenue in New York und spielte seine erste Rolle.
Nach der High School versuchte er sich in unterschiedlichen Jobs unter anderem
als Eisverkäufer, Bodenreiniger, Box- und
Baseballtrainer , verpflichtete sich schließlich während des
Zweiten Weltkriegs bei der US-Luftwaffe; nach seinem Kriegsdienst nahm er
bei Erwin Piscator Schauspielunterricht. 1948 hatte er einen ersten Auftritt am
Broadway, sechs Jahre später wurde er mit dem
"New York Drama Critics Award" ausgezeichnet. Er agierte zu dieser
Zeit in einigen Fernsehspielen, blieb aber vorerst der Bühne treu.
Sein Filmdebüt gab Matthau 1955 als Bösewicht in dem von Burt Lancaster inszenierten
Western "Der Mann aus Kentucky" (The Kentuckian). Aber er spielte auch etwas differenzierteren
Figuren wie den Mel Miller in Elia Kazans Gesellschaftssatire "Das Gesicht in der Menge" (1957, A Face in the Crowd), Rollen, die ihn allmählich zum Star machten.
Den richtigen Kick erhielt seine Karriere aber erst, als der bekannte Bühnenautor
Neil Simon ihm eine Rolle extra auf den Leib schrieb, in der Komödie
"Ein seltsames Paar" spielte Matthau bereits 1965 an der Seite von Jack Lemmon
am Broadway, bevor 1967 der
gleichnamige Film entstand.
Als Matthau bereits 45 Jahre alt war, legte Billy Wilder, der so viele Talente gesucht und gefunden hat,
die komische Begabung des Mannes mit dem Charakterkopf frei und gleich seine erste Starrolle
als schmieriger Winkeladvokat Willy Gingrich in
"Der Glückspilz"1) (1965, The
Fortune Cookie2)) brachte ihm einen Oskar als "Bester
Nebendarsteller" ein und auch auf der Leinwand begann eine kongeniale
Zusammenarbeit mit Jack Lemmon. Mit der Verfilmung
von
"Ein seltsames Paar"1) (1967, The Odd
Couple2)) war der Durchbruch dann endgültig
geschafft: Oscar Madison, der Bier trinkende, Poker spielende Sportreporter im Film
wurde Matthaus "Alter Ego". Die schnurrige, skurrile Männer-WG war so
erfolgreich, dass sie in den Sechziger- und Siebziger Jahren ihre Fortsetzung
in einer gleichnamigen Fernsehserie fand.
Von da an lief das Telefon bei Matthau heiß und er konnte sich vor
Angeboten kaum retten. Jack Lemmon wurde für ihn zu einem wahren Freund und die beiden
sollten in Zukunft noch häufig zusammen auf der Leinwand erscheinen.
Matthau gehörte fortan gemeinsam mit Jack Lemmon, zu Billy Wilders bevorzugten
Komödiendarstellern.
In den nachfolgenden Jahren drehte das
Gespann Kassenschlager wie
"Extrablatt"1) (1974, The
Front Page2))
und "Buddy, Buddy"1) (1981, Buddy
Buddy2)), in den 90ern ließ das
gegensätzliche Gespann mit
"Ein
verrücktes Paar Alt, verkracht und frisch verliebt"1) (1993,
Grumpy
Old Men2)), "Ein
verrücktes Paar – Der dritte Frühling"1) (1995,
Grumpier
Old Men2)) und "Immer noch ein seltsames Paar"2) (1998,
The Odd Couple II) die irrwitzige Männerfreundschaft wieder aufleben.
Ein herrlicher Spaß war auch die turbulente Komödie "Tango
gefällig?"2) (1997, Out to Sea) mit Lemmon und Matthau als spätberufene Gigolos. Matthaus
Knautschgesicht und sein Schmuddel-Image passten hervorragend zu Lemmons
überdrehtem, auf Korrektheit bedachten Charakter.
Doch auch solo konnte Matthau immer
wieder, meist in Komödien, überzeugen und war Garant für
vergnügliche Kinostunden. Filme
wie "Leitfaden für Seitensprünge" (1966, A Guide for the
Married Man),
"Die Kaktusblüte"1) (1969, Cactus
Flower2)),
"Keiner killt so schlecht wie
ich"1) (1970, A New Leaf), "Hotelgeflüster" (1970, Plaza Suite),
"Opa kann's nicht lassen" (1971, (Kotch; Regie: Jack Lemmon),
"Die Bären sind los"1) (1976, Bad
News Bears2)),
"Der
Champion"1) (1977, Casey's Shadow) und "Das verrückte California
Hotel"2) (1978, California Suite) zeigen den Schauspieler in der Rolle des liebenswerten Alltags-Chaoten und
machten ihn zu einem der gewinnbringendsten Stars der 60er und 70er Jahre.
Ganz entgegen seinem sonst so beliebten Film-Image agierte er zusammen mit
Henry Fonda in dem Thriller "Angriffsziel
Moskau"2) (1964, Fail-Safe) und in "Die
27. Etage"2) (1965, Mirage), prägnante Nebenfiguren mimte
er beispielsweise in dem Melodram "Fremde, wenn wir uns begegnen"2) (1960, Strangers When We
Meet) an der Seite von Kirk Douglas und Kim Novak und in der Krimikomödie
"Charade"2) (1963) neben Cary Grant und Audrey Hepburn.
Dass Matthau auch im Musical eine gute Figur zu machen wusste, hatte er 1969 unter der Regie von Gene Kelly
als millionenschwerer, griesgrämiger und geiziger Horace Vandergelder
in "Hello Dolly!"2)
an der Seite von Barbra Streisand bewiesen. Bei Matthaus zahlreichen komischen Rollen werden seine Parts in Streifen
anderen Genres leicht vergessen,
beispielsweise glänzte er als berechnender
Verbrecher mit Herz in Don Siegels packendem Gangsterfilm
"Der
große Coup"1) (1970, Charley Varrick) , in dem
Thriller "Massenmord
in San Francisco"1) (1973, The Laughing Policeman) mimte
er einen mürrischen, versierten Beamten der Mordkommission,
der Actionthriller "Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123"1)
(1974, The
Taking Of Pelham One Two Three2)) zeigt den Mimen als
Lieutenant Garber, der vier Gangstern den Kampf angesagt hat.
In den 80er Jahren bekam Matthau eine Zeit lang immer seltener geeignete Stoffe angeboten
und wirkte bis auf wenige Ausnahmen nur noch in mäßig witzigen Komödien
wie "Die Überlebenskünstler" (1983, The Survivors) mit.
Sehenswert ist beispielsweise der Spionagefilm "Agentenpoker"1) (1980, Hopscotch),
brillant seine Figur des gefürchteten Freibeuters Captain
Red in Roman Polanskis witzigem Abenteuer
"Piraten"2) (1986, Pirates).
Obwohl der Streifen an den Kinokassen kein großer Erfolg
wurde, ist der opulent ausgestattete Streifen dennoch, nicht zuletzt durch
Matthaus säbelrasselnden Piratenkapitän mit Holzbein, Goldschmuck und übertriebener
Kleidung, ein Riesenspaß.
In den 90er Jahren ging es dann dank der Neuauflage des "verrückten
Paares" wieder aufwärts und das Gespann lief mit den Altersrollen zur
Hochform auf. Glänzend auch Matthaus Verkörperung des zerstreuten und
liebenswerten Atomphysikers Albert Einstein in der
Liebeskomödie "I.Q. Liebe ist relativ" (1994, I.Q.2)
sowie unter der Regie seines Sohnes
Charles die Hauptrolle in "Papas zweiter Frühling" (1998, The
Marriage Fool). In "Aufgelegt"2) (2000,
Hanging Up), seinem letzten
in Deutschland gezeigten Film, starb Matthau einen vergnüglichen
Leinwandtod und hinterließ drei unterschiedlich trauernde Töchter.
Walter Matthau hat im Laufe seiner bemerkenswerten, mehr als 50-jährigen Karriere in Film,
Theater und Fernsehen in nahezu 70 Stücken mitgewirkt. Er wurde zwei
Mal für den Oscar als "Bester Darsteller" nominiert, für die
Rolle des Willy Clark in der Verfilmung der Neil Simon-Komödie
"Die
Sunny Boys"1) (1975, The Sunshine Boys2))
und "Opa kann's nicht lassen" (1971, Kotch), die begehrte Trophäe hatte er
als "Bester Nebendarsteller" für
"Der Glückspilz" erhalten; weitere Auszeichnungen bei Wikipedia.
Matthau schrieb mit seinem hundeähnlichen Gesicht voller runzeliger Knautschfalten
sowie seinem hängenden, schlurfenden Gang Kinogeschichte, so war sein
typischer "Schlafzimmerblick" auch oft in Nebenrollen
vor allem in kleinen Komödien zu sehen.
Er konnte von Herzen "granteln", ähnlich wie Hans Moser, er konnte abweisend
sein bis zur Unhöflichkeit,
er genoss die Rollen der kauzig-komischen Kratzbürste, wie man sie gelegentlich
auch am Lenkrad der New Yorker Taxifahrer findet. Er hatte
ein körperkomisches persönliches Handwerkszeug und eine stoische Mimik,
über die viele ins Schwärmen geraten konnten. Man nannte ihn ein "wandelndes
Fragezeichen" und hatte seine Freude an seinem "bärbeißigen Charme".
Wolfgang Völz lieh übrigens dem Charakter-Komiker die charakteristische knarrende deutsche
Synchronstimme.
Ziemlich genau drei Monate vor seinem 80. Geburtstag
besiegelte ein Herzinfarkt das Ende des Anti-Helden. Der leidenschaftliche
Spieler hatte bereits eine Bypass-Operation hinter sich. Eine neuerliche
Attacke in der Nacht auf den 1. Juli 2000 überlebte er nicht
mehr, Walter Matthau starb an einem Herzinfarkt in einem Krankenhaus in Santa Monica.
Es heißt, dass er bis zum Schluss gut gelaunt blieb und seine üblichen Scherze riss.
Mary Goodhead, die Krankenschwester, die ihn bis zu seinem Tod betreute, erzählte:
"An einem Freitag Nachmittag hatte er Atemprobleme und klagte über Kopfschmerzen.
Ich bot ihm eine Zigarette an, aber er sagte
'Wollen Sie mich umbringen?'. Er riss immer solche Witzchen."
Walter Matthau wurde in einem schlichten Grab auf dem Pierce Brothers Westwood Memorial Park
in Los Angeles (Kalifornien) beigesetzt. Nur ein knappes Jahr später
starb am 27. Juni 2001 Jack Lemmon, der seine letzte Ruhestätte neben
seinem Freund Matthau fand damit ging die Ära zweier
hinreißender Leinwandkomödianten endgültig zu Ende.
In einem Nachruf schrieb Gerhard Midding in der "Berliner Zeitung"
am 3.7.2000 unter anderem: Den zänkischen Griesgram mag er letzthin ein wenig zu oft gespielt haben,
zumal nach der (anfangs überaus profitablen) Wiedervereinigung mit Jack Lemmon;
aus dem Misanthropen drohte ein harmloser Zausel zu werden. Aber jenseits der
Routine und Manierismen war immer noch seine unermüdliche Spielfreude zu spüren,
die Lust an der Verstellung und der mit kräftigen Pinselstrichen entworfenen
Charaktermaske. Eine gehörige Portion Selbstironie war unweigerlich dabei.
Sie verließ ihn auch nicht, als ihn vor wenigen Monaten ein Interviewer
nach seiner angeschlagenen Gesundheit fragte. Am Tod würden ihn vor allem die zu erwartenden Schlagzeilen schrecken:
"Walter Matthau starb in Jack Lemmons Armen." Diese Befürchtung
hat sich nun nur zur Hälfte erfüllt; er erlag, 79-Jährig, in einer Klinik in
Santa Monica einem Herzversagen.
Walter Matthau, der große Hollywood-Star mit dem Gardemaß von 1,90 Meter, führte
zwei Ehen zuletzt
war er seit 21. August 1959 glücklich mit der Schauspielerin
Carol Grace3) (1925 2003) verheiratet und Vater von drei Kindern.
Seine erste, 1948 geschlossene Ehe mit Grace Geraldine Johnson war nach zehn
Jahren geschieden worden; aus der Verbindung stammen Sohn David (geb. 1953)
und Tochter Jenny (geb. 1956), Sohn Charles Matthau2) (geb. 1962) aus der Ehe
mit Carol Grace wurde ebenfalls Schauspieler, machte sich auch als
Regisseur und Produzent einen Namen.
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