Peter van Eyck
Peter van Eyck (eigentlich Götz Peter Eick) wurde am 16. Juli 1913 als Sohn eines Gutsbesitzers im damals hinterpommerschen Steinwehr (heute Kamienny Jaz, Polen) geboren und wuchs gemeinsam mit seinen beiden Brüdern und zwei Schwestern auf dem Gut seiner Eltern auf. Obwohl er nach dem Wunsch seiner Eltern eigentlich preußischer Offizier werden sollte, begann er nach dem Abitur am Realgymnasium in Hermsdorf ein Musik- und Tanzstudium in München an den dortigen Kammerspielen, welches er jedoch 1931 vorzeitig abbrach. Wenig später verließ er Deutschland, aus Ablehnung der politischen Entwicklungen, die sich in seinem Heimatland abzeichneten, und folgte einer Gruppe um den jüdischen Regisseur Erik Charell1) (1894 – 1974), der damals in die USA emigriert war. Da die Amerikaner sein Visum zeitlich befristet hatten, reiste Peter van Eyck 1937 kurzfristig nach Kuba, um nicht in das von den braunen Machthabern regierte Deutschland ausgewiesen zu werden. Mit einem neuerlichen Visum reiste er dann wieder in die USA ein, bemühte sich ab diesem Zeitpunkt um die Einbürgerung.
Peter van Eyck lebte zunächst in New York, wo er den Komponisten Aaron Copland 1) (1900 – 1990) kennenlernte. Gemeinsam mit ihm und gleichgesinnten Freunden schrieb van Eyck nun auch selbst Kompositionen sowie Texte fürs Kabarett und Revuen, verdiente seinen Lebensunterhalt auch als Barpianist. Er arbeitete für Irving Berlin als Bühnenmanager und Produktionsassistent, für kurze Zeit war er Regieassistent an Orson Welles' "Mercury Theatre".
Durch einen Job als Lastwagenfahrer kam van Eyck nach Hollywood und ließ seine alte Bekanntschaft mit Regisseur Billy Wilder1) (1906 – 2002), den er bereits aus seiner Berliner Zeit kannte, wieder aufleben; Wilder ermutigte den attraktiven Mann, sich als Filmschauspieler zu versuchen. Zunächst waren es nur winzige, meist im Abspann nicht genannte Rollen, die ihm übertragen wurden, van Eyck mimte beispielsweise den jungen Nazi-Leutnant Tonder in Irving Pichels John-Steinbeck-Verfilmung "The Moon Is Down" (1943, Der Mond ist untergegangen), einen deutschen Leutnant in "Action in the North Atlantic"1) (1943, Einsatz im Nordatlantik) oder unter der Regie von Billy Wilder einen deutschen Offizier in "Five Graves to Cairo"1) (1943, Fünf Gräber nach Kairo). Der angehende Schauspieler schien nun ganz auf des Klischee des Nazi-Deutschen festgelegt, Streifen wie "Hitler's Madman" (1943), "The Impostor" (1944), "Address Unknown" (1944) oder "Resisting Enemy Interrogation" (1944) ließen van Eyck keine Möglichkeit, sich darstellerisch zu entwickeln.
  
Seit 1943 war van Eyck amerikanischer Staatsbürger und wurde zur Armee eingezogen. Nach Kriegsende schickte man ihn als Film-Kontrolloffizier nach Deutschland und bis 1948 war er Leiter der Filmsektion, kam so mit dem deutschen Nachkriegskino in Berührung. Seine erste Rolle in Deutschland erhielt er von Rudolf Jugert in "Hallo Fräulein" neben Margot Hielscher und Hans Söhnker, spielte den amerikanischen Captain Tom Keller. Helmut Käutner gab ihm neben Jenny Hugo die Rolle des Amerikaners Paul in der romantischen Komödie "Königskinder"1) (1950) – einer der wenigen Ausflüge van Eycks in das heitere Fach.
Peter van Eycks Auftritte im deutschen Nachkriegsfilm blieben zunächst ein Intermezzo auf seiner schauspielerischen Karriereleiter, der nachhaltige Erfolg bzw. der Durchbruch zum vielbeachteten Leinwandmimen gelang ihm im Ausland unter der Regie namhafter Filmemacher wie Robert Aldrich, Robert Siodmak, Henri Georges Clouzot, Henri Decoin oder Edward Dmytryk, die den Deutschen zum Star in internationalen Produktionen machten.
Unvergessen bleibt er als zynischer LKW-Fahrer Bimba an der Seite von Yves Montand in dem französischen Thriller "Le Salaire de la peur"1) (1952, Lohn der Angst) von Regisseur Henri Georges Clouzot, der ihn zufällig auf einer Party in Paris entdeckt hatte und ihm (ursprünglich nur für diese Rolle) die legendären weißen Haare verordnete; letzteres kam so gut an, dass fortan dieses Erscheinungsbild zum Markenzeichen des Schauspielers wurde.
Peter van Eyck zeigte sich beispielsweise in dem Spionage-Thriller "Night people"2) (1954, Das unsichtbare Netz) neben Gregory Peck, in Robert Siodmaks Drama "Le grand jeu" (1954, Die letzte Etappe) neben Gina Lollobrigida und Jean-Claude Pascal, in Pierre Gaspard-Huits kriminalistischen Charakterstudie "Sophie et la crime" (1955, Das Mädchen vom 3. Stock) spielte er die männliche Hauptrolle an der Seite von Marina Vlady und mimte eindrucksvoll den Franck Richter, der seine Frau Louise umgebracht haben soll. Orson Welles besetzte ihn in seinem exzellenten, bizarren Film Noir bzw. Krimidrama "
Mr. Arkadin"2) (1955, Herr Satan persönlich!), Rudolph Maté in der Western-Komödie "The Rawhide Years" (1955, Vom Teufel verführt) an der Seite von Tony Curtis, für das spannende Abenteuer "Run for the sun"2) (1956, Der Sonne entgegen) stand er mit Richard Widmark und Trevor Howard vor der Kamera und schlüpfte in die Rolle eines gesuchten NS-Kriegsverbrechers.
 
Nach Robert Aldrichs Kriegsdrama "Attack"1) (1956, Ardennen 1944) und der Rolle eines SS-Offiziers sowie einigen anderen internationalen Produktionen nutzte man nun auch in Deutschland das Star-Potential des Schauspielers in zahlreichen Filmen, die fast alle zu Kassenschlagern gerieten. Aufsehen erregte van Eyck 1958 als charmant kaltschnäuziger Wirtschaftsspion in Rolf Thieles "Das Mädchen Rosemarie"1), in dem er als Franzose und Verführer sein verräterisches Spiel trieb. Ähnlich gelagert war sein Großindustrieller Paul Claudius in Helmut Käutners Hamlet-Verfilmung "Der Rest ist Schweigen"1) (1959). Weitere Erfolgsfilme mit dem stets elegant daherkommenden, charismatischen Schauspieler waren beispielsweise der abenteuerliche Krimi "Dr. Crippen lebt"1) (1958) und seine Rolle des Kommissars Léon Ferrier, Alfred Vohrers Regiedebüt "Schmutziger Engel" (1958, mit Corny Collins), das Melodram "Du gehörst mir" (1959, mit Barbara Rütting) oder das Jugenddrama "Verbrechen nach Schulschluss" (1959). In dem Abenteuer "Abschied von den Wolken"1) (1959) zeigte van Eyck sich an der Seite von O. W. Fischer und Sonja Ziemann, in dem Kriegsfilm "Rommel ruft Kairo"(1959) neben Adrian Hoven und Elisabeth Müller, mimte in dem Biopic "Liebling der Götter" (1960), der tragischen Lebensgeschichte der am 7. Oktober 1937 unter bis heute ungeklärten Umständen in einem Berliner Krankenhaus verstorbenen Ufa-Schauspielerin Renate Müller3) (dargestellt von Ruth Leuwerik), deren jüdischen Freund, den Staatssekretär Dr. Hans Simon. Nach Fritz Langs "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse"1) (1961) und der Figur des amerikanischen Rüstungsindustriellen Henry B. Travers agierte van Eyck unter anderem mit Marianne Koch in dem Gerichtsdrama "Unter Ausschluss der Öffentlichkeit" (1961), mit Nadja Tiller in dem Krimi "An einem Freitag um halb zwölf…" (1961), als Offizier trat er in der amerikanischen Produktion "The Longest Day"1) (1962, Der Längste Tag) auf, war wenig später erneut Partner von Ruth Leuwerik in dem melodramatischen Thriller "Ein Alibi zerbricht"1) (1963). Ebenfalls 1963 spielte er unter der Regie von Paul May auch in der Mabuse-Fortsetzung "Scotland Yard jagt Dr. Mabuse"1), ein Jahr später folgte "Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse"1).

Mit dem Niedergang des deutschen Unterhaltungskinos war van Eyck fast nur noch in internationalen Kinoproduktionen zu sehen und ließ sich mitunter auch für weniger qualitätsvolle Streifen vermarkten. Zu nennen sind etwa der Thriller "The Dirty Game"1) (1965, Spione unter sich), der Streifen "I Misteri della giungla nera" (1965, Das Geheimnis der Lederschlinge), Martin Ritts Literaturadaption "The Spy who came in from the cold"1)  (1965, Der Spion, der aus der Kälte kam) oder der Eurowestern "Spa rate a vista su Killer Kid"1) (1965, Duell vor Sonnenuntergang). Eine wichtige Rolle war auch die des Barons Frederick von Hallstatt in Edward Dmytryks routiniertem Western "Shalako"2) (1968, Man nennt mich Shalako) mit Sean Connery und Brigitte Bardot, seinen letzten Leinwandauftritt hatte van Eyck als Generaloberst von Brock in John Guillermins Kriegsdrama "The Bridge at Remagen"1) (1969, Die Brücke von Remagen).
Erwähnenswert ist, dass Peter van Eyck fast alle seine internationalen Filme der 1950er und 1960er Jahre selbst synchronisierte, da er auch Englisch und Französisch akzentfrei wie ein Muttersprachler beherrschte. Lediglich für die Produktionen aus den Jahren 1968 und 1969 wie "Shalako" und "The Bridge at Remagen" stand er für die Synchronisation nicht zur Verfügung, da er bereits gesundheitlich zu angegriffen war.
 
Peter van Eyck gehört zu den wenigen Stars des klassischen deutschen Films, der nicht vom Theater kam: "Theater ist eine Frage der Kunst, Film eine Frage der Personality", soll er einmal gesagt haben. Seine Markenzeichen waren der weißblonde Bürstenschnitt und die schleppende Stimme. Der Recke mit den arroganten Manieren schien wie geschaffen für Figuren von zweifelhaftem Ruf, Charaktere mit finsterer Vergangenheit. In Frankreich nannte man ihn den "Mann von nirgendwo", ein Fremder in jedem Land, Abenteurer und Kosmopolit, einem Ungewissen Schicksal ausgesetzt. Tatsächlich spielte er stets sich selbst: den ostelbischen Junker, dem auch die noblen preußischen Allüren gut anstanden.4)

Der Star lebte in Hollywood, Paris und in der Schweiz; in erster Ehe war er mit der amerikanischen Schauspielerin Ruth Ford1) (1911 – 2009) verheiratet, seine zweite Verbindung ging Peter van Eyck mit Inge de Foris et Valois ein; aus der Verbindung stammen zwei Töchter,  Claudia van Eyck und die 1958 in Los Angeles geborene Tochter Kristina van Eyck
1), welche ebenfalls Schauspielerin wurde. Peter van Eyck starb nach monatelanger Krankheit am 15. Juli 1969 – einen Tag vor seinem 58. Geburtstag – in einer Klinik in Männedorf bei Zürich (Schweiz) an einer Blutinfektion. Seine Grabstelle befindet sich auf dem Friedhof St. Margrethen (Sankt Gallen/Schweiz).
  

Link: 1) Wikipedia, 2) prisma-online.de, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 
4) Quelle: Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Augabe 2000, S. 90
Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma-online.de
Siehe auch Wikipedia
   

Kinofilme
Filmografie bei www.imdb.de
(Link: Filmbeschreibung von Wikipedia, der Murnau Stiftung und prisma-online.de)

1942: Random Harvest 1943: Above Suspicion
1943: Five Graves to Cairo (Fünf Gräber bis Kairo) 1943: Action in the North Atlantic (Einsatz im Nordatlantik)
1943: Hitler's Children 1943: Background to Danger
1943: The Moon Is Down 1943: Edge of Darkness (Aufstand in Trollness)
1943: Three Hearts for Julia 1944: Address Unknown
1944: The Seventh Cross 1944: The Impostor
1949: Hallo Fräulein 1950: Epilog – Das Geheimnis der Orplid
1950: Die Dritte von rechts 1950: Export in Blond
1950: Königskinder 1951: Desert Fox: The Story of Rommel (Rommel, der Wüstenfuchs)
1952: Au coeur de la Casbah 1953: Alerte au sud
1953: Le Salaire de la peur (Lohn der Angst) 1953: Single-Handed
1954: Le grand jeu (Die letzte Etappe) 1954: La Chair et le diable
1954: Night people (Das unsichtbare Netz) 1955: A Bullet for Joey (Akte XP 15)
1955: Mr. Arkadin (Herr Satan persönlich!) 1955: Der Cornet - Die Weise von Liebe und Tod
1955: Sophie et le crime (Das Mädchen vom dritten Stock) 1955: Jump Into Hell (Die Hölle von Dien Bien Phu)
1955: Tarzan's Hidden Jungle (Tarzan und der schwarze Dämon) 1955: The Rawhide Years (Vom Teufel verführt)
1956: Run for the Sun (Der Sonne entgegen) 1956: Attack (Ardennen 1944)
1957: Le Feu aux poudres 1957: Der Gläserne Turm
1957: Retour de manivelle (Luzifers Tochter) 1957: Fric-frac en dentelles
1957: Tous peuvent me tuer (Der sechste Mann) 1958: Das Mädchen Rosemarie
1958: Dr. Crippen lebt 1958: Schmutziger Engel
1958: Schwarze Nylons – heiße Nächte 1958: The Snorkel (Der Schnorchel)
1959: Der Rest ist Schweigen 1959: Abschied von den Wolken
1959: Du gehörst mir 1959: Geheimaktion schwarze Kapelle
1959: Labyrinth der Leidenschaften 1959: Lockvogel der Nacht
1959: Rommel ruft Kairo 1959: Verbrechen nach Schulschluss
1960: Die 1000 Augen des Dr. Mabuse 1960: Liebling der Götter
1961: An einem Freitag um halb zwölf 1961: Die Stunde, die du glücklich bist
1961: Foxhole in Cairo 1961: La fête espagnole (Bevor der Mensch zum Teufel geht)
1961: Legge di guerra (Kriegsgesetz ) 1961: Unter Ausschluss der Öffentlichkeit
1961: The Devil's Agent (Im Namen des Teufels) 1962: The Brain (Ein Toter sucht seinen Mörder)
1962: Finden sie, daß Constanze sich richtig verhält? 1962: The Longest Day (Der längste Tag)
1962: Station Six-Sahara (Endstation 13 Sahara) 1963: Das Große Liebesspiel
1963: Scotland Yard jagt Dr. Mabuse 1963: Ein Alibi zerbricht
1963: Verführung am Meer 1964: Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse
1964: Kennwort…  Reiher 1964: Vengeance
1965: I Misteri della giungla nera (Das Geheimnis der Lederschlinge) 1965: Spa rate a vista su Killer Kid (Duell vor Sonnenuntergang)
1965: The Dirty Game (Spione unter sich) 1965: Die Herren
1965: The Spy who came in from the cold (Der Spion der aus der Kälte kam) 1966: High Season for Spies (Sechs Pistolen jagen Professor Z)
1966: À belles dents (Bett-Karriere) 1966: Comando de asesinos (Sechs Pistolen jagen Professor Z)
1967: Der Chef schickt seinen besten Mann 1967: L'homme qui valait des milliards (Der goldene Schlüssel)
1968: Sein gefährlichster Auftrag (Assignment to Kill) 1968: Code Name, Red Roses
1968: Shalako (Man nennt mich Shalako) 1968: Tuvia Vesheva Benotav (Tevje und seine sieben Töchter)
1969: The Bridge at Remagen (Die Brücke von Remagen)
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