René Deltgen
René Deltgen (Renus Heinrich Deltgen) wurde am 30. April 1909 als Sohn eines Chemikers in Esch-sur-Alzette, Luxemburg, geboren. Nach dem Besuch der Schule, welche er mit dem Abitur abschloss, begann er 1927 mit Hilfe eines Stipendiums ein Schauspielstudium in Köln und erhielt dort danach ein erstes Engagement an den Städtischen Bühnen, wo er zunächst nur in kleineren Rollen besetzt wurde. Ein Intendantenwechsel brachte Deltgen dann die Chance, seine Fähigkeiten als Charakterdarsteller zu beweisen: Fritz Holl vertraute ihm eine tragende Rolle in der Uraufführung von Friedrich Forsters "Der Graue" an und rasch wurden andere Theater auf den jungen Schauspieler aufmerksam. Über Frankfurt kam Deltgen 1936 nach Berlin zu Eugen Klöpfer, stand in der Folgezeit vornehmlich am "Theater an der Saarlandstraße", der "Volkbühne" sowie dem "Schillertheater" auf der Bühne und gab die Helden der klassischen Literatur wie beispielsweise den "Franz Moor", "Gessler", "Calvigo" oder "Mephisto".

Erste Rollen in Kinofilmen hatte Deltgen ab Mitte der 30er Jahre erhalten und sein Leinwanddebüt in "Einer zuviel an Bord" (1935) gegeben. Der Aufstieg zum Filmschauspieler mit Starrang fiel in eine Zeit als der Import amerikanischer Filme entscheidend reduziert und Actionfilme in der Machart von Henry Hathaway, John Ford und Cecil B. DeMille Mangelware wurden. Der Nachfrage nach Filmen mit abenteuerlichen Inhalten musste nun die heimische Industrie entsprechen, was zur Folge hatte, dass ein bis dahin in der deutschen Filmszene seltener Typ aufkam: der Glücksritter, Draufgänger und rüde Liebhaber, dem die Promiskuität zum Verhängnis wird. Deltgen stimmte exakt mit dem den amerikanischen Vorbildern entnommenen Typus überein und wurde nun häufig als flotter Held und Draufgänger in Abenteuerfilmen wie "Kautschuk" (1938) oder "Dr.Crippen an Bord" (1942) eingesetzt.

Sein exotisch wirkendes Gesicht, die männlich-schlaksige Haltung, das erotische Timbre seiner Stimme machten ihn zum idealen Interpreten zwielichtiger Desperados. Als Prinz Feodor, den die russische Revolution nach Paris verschlägt, verdeutlichte er den Abstieg vom Kavalier zum skrupellosen Frauenausbeuter mit den Mitteln eines klug berechnenden Akteurs und gewann trotz negativer Rollenfixierung die Sympathien des Publikums. Die reifste Leistung dieser Periode lieferte er als ehrgeiziger Artist Codona in "Die drei Codonas" (1940), dem der Beruf alles bedeutet und der zwischenmenschliches Fehlverhalten mit Draufgängertum kompensiert.
Nach Kriegsende arbeitete Deltgen zunächst in Oberstdorf bei einer französischen Truppe als Küchenchef, versuchte sich als Kabarettist sowie als Pferdedresseur beim Zirkus, ehe er seine Theaterkarriere in Zürich und ab 1947 in Köln fortsetzten konnte. Auch im deutschen Nachkriegsfilm zählte Deltgen fortan zu den vielseitigsten Darstellern; nach 1945 waren der von Schuldgefühlen gequälte Schauspieler Gorgas in "Nachtwache" (1949), der skrupellose sowjetische Geheimdienstoffizier Kazanow in "Weg ohne Umkehr" (1953) und der schurkische indische Fürst Ramigani in dem Zweiteiler "Der Tiger von Eschnapur" (1958) bzw. "Das indische Grabmal" (1959) seine erfolgreichste Rollen; in den sechziger Jahren war er auch im Fernsehen aktiv. Seine rauchige Stimme macht Deltgen auch besonders für das Radio attraktiv, er wurde als Held der "Paul-Temple"-Serie überaus populär.

Als Theaterschauspieler brillierte Deltgen in Köln unter anderem als " Petruccio" in Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung", als " Nikita" in Tolstois "Macht der Finsternis", als " General Harras" in Zuckmayers "Des Teufels General", als Molières "Tartüff", als Vater in "Andorra" von Max Frisch oder in der Uraufführung von "Stalingrad" nach dem Roman von Plivier. Von 1966 bis 1969 war er am Schauspielhaus Zürich engagiert, absolvierte daneben aber auch zahlreiche Gastspiele an den Münchner und Hamburger Kammerspielen, am Wiener " Burgtheater", am " Zimmertheater" in Aachen sowie vielen weiteren bedeutenden Bühnen. Auch als Regisseur machte er sich einen Namen, so inszenierte er beispielsweise "Endstation Sehnsucht" oder "Der Regenmacher".

In seinen letzten Jahren verlagerte Deltgen seine künstlerische Tätigkeit als freier Schauspieler von der Bühne zunehmend zum Fernsehen, da ihn Filmangebote immer weniger überzeugen konnten. Die Fernsehzuschauer erlebten ihn unter anderem in "Schau heimwärts Engel" (1961), "Der Gefangene" (1962), "Der Schlüssel" (1964) oder "Alle meine Söhne" (1965). 1970 stand er in dem Film "Dem Himmel näher" zum erstenmal gemeinsam mit seinem Sohn Matthias Deltgen vor der Fernsehkamera; eine seiner letzten Fernsehrollen war die des Alp-Oehi in der ARD-Fernsehserie Johanna Spyris "Heidi".
Mit Schiebergang und schmalen dunklen Augenschlitzen wurde René Deltgen bekannt als die Halbwelttype des deutschen Films und zynische abgefeimte Charaktere bereicherte er mit einem fremdländischen Akzent. Der wagemutige Charmeur spielte nie "traumverlorene Einzelgänger", sondern handfeste Kerle: Bärenjäger, Taucher, Flieger oder Artisten. Im Alter verkörperte er zunehmend nuancenreichere Figuren. Unverkennbar war seine tiefe kehlige Stimme, die nach tausend Gläsern Whisky klang. 
(Quelle: Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz)
An Auszeichnungen erhielt Deltgen 1939 die Ernennung zum Staatsschauspieler und 1978 das Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film; bereits 1954 war er mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet worden.
Von Regisseur Michael Wenk stammt der Dokumentarfilm "René Deltgen – Der sanfte Rebell"1) (2004), welcher die Karriere sowie das wechselvolle Leben des Schauspielers nachzeichnet.

 
René Deltgen, der in erster Ehe mit der Cellistin Elsie Scherer verheiratet war, verstarb am 29. Januar 1979 im Alter von 69 Jahren in Köln. Er hinterließ die Söhne Matthias und Fabian sowie Tochter Katrin aus erster Ehe; die 1962 geborene Tochter Dominique stammt aus Deltgens zweiter Ehe mit Anita Irene Wapordjieff.

1) Der Link führt zu Wikipedia

Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch; Fotos bei film.virtual-history.com

  
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der german.imdb.com
Einer zuviel an Bord (1935)
Starke Herzen (1937)
Nordlicht (1938)
Achtung Feind hört mit (1940)
Spähtrupp Hallgarten (1941)
Das Große Spiel (1941/42)
Fronttheater (1942)
Augen der Liebe (1942)
Zirkus Renz (1943)
Sommergäste (1944)
Wir beide liebten Katharina
(1945; unvollendet)
Tromba (1949)
Nachtwache (1949)
Export in Blond (1950)
Torriani (1951)
Sterne über Colombo (1953)
Hotel Adlon (1955)
Neues vom Hexer (1965)
Fernsehfilme (Auszug)
Schau heimwärts Engel (1961)
Umbruch (1964)
Der Sündenbock (1965)
Ohrfeigen (1970)
Eine geschiedene Frau (1974; Serie)
Trotzt in Coyoacan (1975)
Gefundenes Fressen (1977)
Heidi (1978; Serie, 26 Folgen)
Wo die Liebe hinfällt (1978)
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