| René Deltgen | ||||
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René Deltgen (Renus Heinrich Deltgen) wurde am 30. April 1909 als Sohn
des Chemikers Mathias Deltgen und dessen Ehefrau Katharina in
Esch-sur-Alzette (Luxemburg) geboren. Nach dem Besuch der Schule, welche er mit dem Abitur
abschloss, begann er 1927 mit Hilfe eines Stipendiums ein
Schauspielstudium in Köln und erhielt dort anschließend ein erstes Engagement an den
"Städtischen Bühnen",
wo er zunächst nur in kleineren Rollen besetzt wurde. Ein
Intendantenwechsel brachte Deltgen dann die Chance, seine Fähigkeiten
als Charakterdarsteller zu beweisen: Intendant Fritz Holl1) (1883 1942) vertraute ihm eine
tragende Rolle in der Uraufführung von Friedrich Forsters "Der
Graue" an und rasch wurden andere Theater auf den jungen
Schauspieler aufmerksam. Über Frankfurt/Main kam Deltgen 1936 nach
Berlin zu Eugen Klöpfer2)
(1886 1950), stand in der Folgezeit vornehmlich am
"Theater an der Saarlandstraße", der "Volkbühne"
sowie dem "Schillertheater" auf der Bühne, gab die
Helden der klassischen Literatur wie beispielsweise den Franz Moor
in Schillers "Die Räuber", den Reichsvogt Hermann Gessler in
"Wilhelm Tell" (Schiller) oder als Goethe-Interpret den "Clavigo"
und den Mephisto im "Faust".
Erste Rollen in Kinofilmen hatte Deltgen ab Mitte der 1930er Jahre
erhalten und sein Leinwanddebüt in Gustav Ucickys Melodram "Das Mädchen Johanna"3) (1935)
gegeben. Der Aufstieg zum Filmschauspieler mit Starrang fiel in eine Zeit als der Import
amerikanischer Filme
entscheidend reduziert und Actionfilme in der Machart von Henry Hathaway, John Ford
und Cecil B. DeMille Mangelware wurden.
Der Nachfrage nach Produktionen mit abenteuerlichen Inhalten musste nun die heimische Industrie
bedienen, was zur Folge hatte, dass ein bis dahin in der deutschen Filmszene seltener Typ
aufkam: Der Glücksritter, Draufgänger und rüde Liebhaber, dem die Promiskuität zum Verhängnis
wird. Deltgen stimmte exakt mit dem den amerikanischen Vorbildern entnommenen Typus
überein und wurde nun häufig als flotter Held und Draufgänger in
Abenteuerstreifen wie "Kautschuk"3) (1938)
oder "Dr. Crippen an Bord"3) (1942) eingesetzt. Als Theaterschauspieler brillierte Deltgen in Köln unter anderem als Petruchio in Shakespeares Komödie "Der Widerspenstigen Zähmung", als Knecht Nikita in Tolstois Drama "Die Macht der Finsternis", als Protagonist General Harras in Zuckmayers Bühnenerfolg "Des Teufels General", als Moličres "Tartuffe", als Vater in "Andorra" von Max Frisch oder in der Uraufführung von "Stalingrad" nach dem Roman von Plivier. Von 1966 bis 1969 war Deltgen am Schauspielhaus Zürich engagiert, absolvierte daneben aber auch zahlreiche Gastspiele an den "Kammerspielen" in München und Hamburg, am Wiener " Burgtheater", am "Zimmertheater" in Aachen sowie vielen weiteren bedeutenden Bühnen. Auch als Regisseur machte er sich einen Namen, so inszenierte er beispielsweise "Endstation Sehnsucht" von Tennessee William oder "Der Regenmacher" nach dem Roman von John Grisham. In seinen letzten Jahren verlagerte Deltgen seine künstlerische Tätigkeit als freier Schauspieler von der Bühne mehr zum Fernsehen, da ihn Filmangebote immer weniger überzeugen konnten, und wechselte zunehmend "mit verfeinertem und stillerem Spiel"5) in das Charakterfach. Im Gedächtnis geblieben ist er als Onkel Franz in Vojtěch Jasnýs Böll-Adaption "Nicht nur zur Weihnachtszeit"6) (1970) neben Edith Heerdegen, die Fernsehzuschauer erlebten ihn unter anderem auch mit Hauptrollen in dem Durbridge-Straßenfeger "Das Messer"2) (1971) und in dem spannenden Zweiteiler "Die Affäre Lerouge"7) (1976). Eine seiner letzten TV-Rollen war 1978 die des Großvaters "Alpöhi" in der 26-teiligen ARD-Kinderserie von Johanna Spyris "Heidi"1) und neben Bruno Ganz als schachbesessenem Thomas Rosenmund der Lindford in Wolfgang Petersens Drama "Schwarz und weiß wie Tage und Nächte"1). Im Kino zeigte sich Deltgen letztmalig in Michael Verhoevens Komödie "Gefundenes Fressen"1) (1977) an der Seite von Heinz Rühmann und Mario Adorf.Mit Schiebergang und schmalen dunklen Augenschlitzen wurde René Deltgen bekannt als die Halbwelttype des deutschen Films und zynische abgefeimte Charaktere bereicherte er mit einem fremdländischen Akzent. Der wagemutige Charmeur spielte nie "traumverlorene Einzelgänger", sondern handfeste Kerle: Bärenjäger, Taucher, Flieger oder Artisten. Im Alter verkörperte er zunehmend nuancenreichere Figuren. Unverkennbar war seine tiefe kehlige Stimme, die nach tausend Gläsern Whisky klang.8) René Deltgen, der in erster Ehe mit der Schauspielerin Elsie Scherer1) verheiratet war, erlag am 29. Januar 1979 im Alter von 69 Jahren in Köln seiner Krebserkrankung; seine letzte Ruhestätte fand der charismatische Charaktermime auf dem Kölner Melaten-Friedhof. Deltgen hinterließ die Söhne Matthias und Fabian sowie Tochter Katrin aus erster Ehe. Die 1962 geborene Tochter Dominique stammt aus Deltgens zweiten Ehe mit Anita Irene Wapordjieff. An Auszeichnungen erhielt Deltgen 1939 die Ernennung zum " Staatsschauspieler" und 1978 das "Filmband in Gold" für " langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film". Bereits 1954 war er mit dem " Filmband in Gold" für seine Rolle in Victor Vicas' Drama "Der Weg ohne Umkehr" ausgezeichnet worden. Von Regisseur Michael Wenk stammt der Dokumentarfilm bzw. die Hommage "René Deltgen Der sanfte Rebell"1) (2004), mit dem Wenk die Karriere sowie das wechselvolle Leben des Schauspielers anhand zahlreicher Filmausschnitte, privater Film- und Fotodokumente aus dem Nachlass sowie Gesprächen mit Schauspielerkollegen nachzeichnet. Zwei Jahre zuvor war die Biografie "René Deltgen Eine Schauspielerkarriere" von Uli Jung, Paul Lesch, Jean-Paul Raths und Michael Wenk erschienen. |
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Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait bzw. Beschreibung innerhalb dieser HP, 3) Murnau Stiftung,
6) deutsches-filmhaus.de, 7) Die Krimihomepage Quelle: 4) www.cna.public.lu, 5) DER SPIEGEL (6/1979), 8) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 69 |
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Textbausteine des Kurzportraits aus: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 68/69 Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch; Fotos bei film.virtual-history.com |
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