Der Tenor, Schauspieler und Filmpionier Rudolf del Zopp wurde am 3. März 1861 Sohn eines Rauchfangkehrers in der österreichischen Hauptstadt Wien geboren. Zunächst verschrieb er sich als darstellender Künstler ganz der Bühne und sammelte erste Erfahrungen am Wiener "Sulkowsky-Theater", wo er 1878 debütierte; sein Debüt als Sänger gab er 1886. Nach frühen Engagements unter anderem in Toeplitz, Karlsbad, Breslau und Bern wirkte del Zopp an verschiedenen Theatern, so ab 1886 für zwei Jahre in Linz, zur Spielzeit 1888/89 wechselte er an das Berliner "Friedrich Wilhelmstädtische Theater" (heute "Deutsche Theater"). Dann ging er zurück in seine Geburtsstadt Wien und trat bis 1892 am "Theater an der Wien" auf. Weitere Stationen wurden das Theater in Klagenfurt (1892/93), das "Theater am Gärtnerplatz" in München (1893/94), das Stadttheater in Innsbruck (1894/95), das Stadttheater in Salzburg (1895/96), das Theater in Preßburg (1896/97) sowie das Theater von Hermannstadt (1897–1899).

Rudolf del Zopp in der Wiener Zeitschrift
"Der Humorist"1) (01.11.1897, Bd. 7, S. 4)
Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Ignaz Eigner1) (1854–1922);
digitalisiert von der Österreichischen Nationalbibliothek
Angaben zur Lizenz siehe hier

Rudolf del Zopp in der Wiener Zeitschrift "Der Humorist" (01.11.1897, Bd. 7, S. 4); Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Ignaz Eigner (1854-1922); digitalisiert von der Österreichischen Nationalbibliothek
Del Zopp gab Gastspiele unter anderem in Prag, Karlsbad und Linz sowie später in Berlin. Während jener Jahre machte sich del Zopp vor allem als Interpret in Operetten einen Namen. So gestaltete er beispielsweise am 10. Januar 1891 am "Theater an der Wien" in der Uraufführung von Carl Zellers Operette "Der Vogelhändler" an der Seite des den Titelhelden darstellenden Alexander Girardi1) die Rolle des Grafen Stanislaus. Als Autor lieferte del Zopp zusammen mit dem Komponisten Eduard Czajanek die Königsberger Lokalposse "Die Goldene Venus" ab, die am 8. August 1908 am "Luisentheater" in Königsberg zur Uraufführung gelangte.
 
Eine zweite Karriere startete der inzwischen über 40-jährige del Zopp Ende der 10er Jahre des vergangenen Jahrhunderts und wandte sich als Darsteller, Regisseur und Drehbuchautor der noch jungen Kinematographie zu. Sein erster nachweisbarer Auftritt in einem kurzen stummen Streifen datiert aus dem Jahre 1908, "Buchholzens Reise ins Hochgebirge" hieß die von Gustav Schönwald1) in Szene kleine, humoristische Geschichte. Es folgten weitere, meist amüsante Kurzfilme mit Rudolf del Zopp als Hauptdarsteller oder in prägnanten Nebenrollen. Ab 1912 begann er zugleich – oft nach eigenen Drehbüchern – selbst zahllose Stummfilme zu inszenieren, in denen er verschiedentlich auch auftrat. Unter seiner Regie entstanden – meist bei der Berliner "Eiko-Film GmbH"2) – rund 80 Produktionen unterschiedlichen Genres, Melodramen, Abenteuer, Komödien und Kriminalgeschichten, vereinzelt auch nach Manuskripten, die von seiner Ehefrau Luise del Zopp stammten oder die er gemeinsam mit ihr verfasst hatte. Trotz seiner beeindruckenden Filmografie als Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor erwarb sich Rudolf del Zopp keinen solch cineastisch nachhaltigen Ruhm wie andere seiner Kollegen. Das mag auch daran gelegen haben, dass er oftmals Darsteller(innen) vor die Kamera holte, die keinen Star-Status erlangten, etwa Helene Voss1), Hanne Brinkmann1), Manny Ziener3) oder Arthur Bergen3), und heute fast gänzlich in Vergessenheit geraten sind. 
Ab Anfang der 1920er Jahre ließen die Regie-Aufträge nach und Rudolf del Zopp arbeitete bis zu seinem Tod nur noch als Schauspieler. Als Gerhard Lamprecht erstmals den Versuch unternahm, Thomas Manns komplexes Gesellschaftsportrait "Buddenbrooks"1) (1923) auf die stumme Leinwand zu bannen, gehörte auch Rudolf del Zopp als Konsul Kröger zur Besetzung. In den Hauptrollen sah man Peter Esser1) als Thomas Buddenbrook, Mady Christians3) als dessen feinsinnige spätere Ehefrau Gerda Arnoldsen, Alfred Abel3) als Christian Buddenbrook, Hildegard Imhof als Tony Buddenbrook und Ralph Arthur Roberts3) als Bankrotteur Bendix Grünlich. Zu seinen letzten Stummfilmen zählten kleine Parts in Rudolf Meinerts Historien-Drama "Die elf Schillschen Offiziere"4) (1926) und in Fred Sauers patriotischem Streifen "Deutsche Herzen am deutschen Rhein"4) (1926).
 
Rudolf del Zopp starb am 31. Januar 1927 in Berlin-Mohabit – wenige Wochen vor seinem 66. Geburtstag. Er war in erster Ehe mit der Sopranistin Josefine Wiener verheiratet gewesen, später ehelichte er die Schauspielerin und Operettensängerin Aloisia Theresia Johanna Luksch (= Luise del Zopp
1)), mit der während seiner Engagements in Karlsbad und Toeplitz auf der Bühne gestanden hatte. "Luise del Zopp war eine vielbeschäftigte Drehbuchautorin in der Frühzeit des Kinos. Sie schrieb zwischen 1911 und 1915 mehr als 40 Drehbücher. Neben anderen Frauen zählt sie zu den frühen Filmpionierinnen, die aber leider heute fast alle vergessen sind." notiert www.film-zeit.de. Unter anderem stammten auch die Scripts zu den Stummfilmen "Im Glück vergessen"5) (1911) und "Adressatin verstorben"5) (1912) von ihr, in dem Ehemann Rudolf neben Henny Porten einen seiner frühen Leinwandauftritte hatte → Kurzportrait zu Luise del Zopp bei deutsches-filminstitut.de.
Quelle (unter anderem): Wikipedia
Link: 1) Wikipedia, 2) www.cinegraph.de, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 4) filmportal.de, 5) Murnau Stiftung
Lizenz Abbildung Rudolf del Zopp: Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Das gilt in der EU und solchen Ländern, in denen das Urheberrecht 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers erlischt.
Stummfilme
(Drehbuch = Db, R= Regie, D = Darsteller)
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie www.earlycinema.uni-koeln.de
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de, Kurzportrait innerhalb dieser HP)
Als Darsteller
  • 1908: Buchholzens Reise ins Hochgebirge
  • 1910: Pro Patria
  • 1911: Im Glück vergessen
  • 1912: Adressatin verstorben (Db: Luise del Zopp)
  • 1912: Ein Leben
  • 1912: Maskierte Liebe
  • 1912: Um fremde Schuld Eine Episode aus dem Leben
  • 1912: Fräulein Chef
  • 1912: Die Mauritiusmarke (auch R)
  • 1912: Die Dame in Schwarz (auch R)
  • 1912: Freiheit oder Tod (auch Db)
  • 1912: Ein Blick in den Abgrund
  • 1912: Menschliche Ruinen
  • 1913: Des Alters erste Spuren
  • 1913: Hurra! Einquartierung!
  • 1913: Wer ist der Täter?
  • 1913: Motiv unbekannt - Das Drama einer Ehe (auch Db)
  • 1913: Der Zirkusteufel (auch Db)
  • 1914: Deutsche Helden. Um des Lebens Glück betrogen
  • 1914: Kammermusik
  • 1914: Frida (auch Db)
  • 1914: Im Schatten der Schuld (auch R, Db)
  • 1915: Evas Seelengröße (auch R, Db)
  • 1915: Überlistet (auch R, Db)
  • 1916: Der höchste Wurf (auch R, Db)
  • 1916: Die Holzfigur
  • 1916: Muttersöhnchen (auch R)
  • 1916: Ein goldenes Geschäft (auch R)
  • 1916: Herberts Sünde (auch R, Db)
  • 1916: Um ein Töpfchen Kaviar  (auch R, Db
  • 1918: Der Dornenweg (auch R, Db)
  • 1919: Wenn Columbine winkt
  • 1919: Das Tor der Freiheit
  • 1919: Die Verführten
  • 1922: Die vom Zirkus
  • 1922: Lola Montez, die Tänzerin des Königs
  • 1922: Der Mann aus Stahl
  • 1922: Der Todesreigen
  • 1923: Das Haus ohne Lachen
  • 1923: Buddenbrooks
  • 1924: Das Haus am Meer
  • 1925: Schiff in Not
  • 1925: Die Verrufenen
  • 1926: Die elf Schillschen Offiziere
  • 1926: Deutsche Herzen am deutschen Rhein
Als Regisseur (wenn nicht anders angegeben)
  • 1912: Mama (Db)
  • 1912: Die Nachbarskinder (Db)
  • 1912: Um fremde Schuld Eine Episode aus dem Leben
  • 1912: Freiheit oder Tod (auch D)
  • 1912/13: Serie "Aus dem Leben eines Multimillionärs"
    • 1912: Die Dame in Schwarz
    • 1912: Die Mauritiusmarke (auch D)
    • 1913: Der Doppelgänger
    • 1913: Lincoln als Deckenläufer
    • 1913: Radium
  • 1913: Ein Schwur (evtl. auch Db)
  • 1913: Die Jagd nach der Hundertpfundnote oder Die Reise um die Welt (Db)
  • 1913: Leo, der schwarze Münchhausen (Db)
  • 1913: Motiv unbekannt - Das Drama einer Ehe (auch D)
  • 1913: Das Teufelsloch
  • 1913: Weihnachtsfreud und -leid. Friede auf Erden
  • 1913: Carlchen und Caro
  • 1913: Der Zirkusteufel (auch D)
  • 1913: Die Sumpfblume (Db)
  • 1913: Wir lassen uns scheiden (Db)
  • 1914: Frida (Db, auch D)
  • 1914: Eine Nacht in Berlin oder Die Löwen sind los (auch Db)
  • 1914: Der Herr der Welt (auch Db)
  • 1914: In Teufelskrallen
  • 1914: Der lustige Journalist
  • 1914: Im Schatten der Schuld (auch Db, D)
  • 1915: Eine Liebesgabe (auch Db)
  • 1915: Brot! (auch Db)
  • 1915: Evas Seelengröße (auch Db, D)
  • 1915: Hut Nummer E W zweitausendsechs V (auch Db)
  • 1915: Das Rätsel von Sensenheim
  • 1915: Überlistet (auch Db, D)
  • 1915: Das Abenteuer des Van Dola (auch Db)
  • 1915: Die Beichte einer Verurteilten (auch Db)
  • 1915: Und sie fanden sich wieder
  • 1915: Späte Rache
  • 1915: Auf Umwegen zum Glück (auch Db)
  • 1915: Die Austernperle (auch Db)
  • 1915: Durch dick und dünn
  • 1915: Luftschiffer und Flieger
  • 1915: Er soll dein Herr sein (auch Db)
  • 1915: Von sieben die Hässlichste (auch Db)
  • 1915: Meyer und Meier oder Die Kunststopferin (auch Db)
  • 1915: Sein erstes Kind  (auch Db)
  • 1915: Die Söhne des Grafen Steinfels  (auch Db)
  • 1916: In schwebender Pein (auch Db)
  • 1916: Mama hat es gewollt … (auch Db)
  • 1916: Muttersöhnchen (auch Db, D
  • 1916: Schloss und Hütte (auch Db)
  • 1916: Die Himbeerspeise (auch Db)
  • 1916: Der höchste Wurf (auch Db, D)
  • 1916: Das Spiel ist aus
  • 1916: Renates Liebesgeschichte (auch Db)
  • 1916: Klein-Evas Traum
  • 1916: Lotte besucht die Kinoschule (auch Db)
  • 1916: Liebe und List (auch Db)
  • 1916: Herberts Sünde (auch Db, D)
  • 1916: Der zerstreute Dichter (auch Drebuch)
  • 1916: Der höchste Wurf
  • 1916: Ein goldenes Geschäft (auch D)
  • 1916: Die Freundinnen (auch Db)
  • 1916: Der Fang der Detektivin
  • 1916: … es hat nicht sollen sein (auch Db)
  • 1916: Die einsame Frau (auch Db)
  • 1916: Amanda, das kluge Hirtenmädchen (auch Db)
  • 1916: Des Guten zuviel (auch Db)
  • 1916: Um ein Töpfchen Kaviar  (auch Db, D)
  • 1916: Der Verkaufte Schnurrbart (auch Db)
  • 1916: Die alte Schere
  • 1916: Kartoffelpeterchen (auch Db)
  • 1916: Die Nixenkönigin (Db)
  • 1917: Zarte Geheimnisse
  • 1917: Traum des Lebens
  • 1917: Zwei Künstler (auch Db)
  • 1917: Die ledige Frau (auch Db)
  • 1917: Die Bronzeschale
  • 1917: Eine Perle auf dunklem Grunde
  • 1918: Das wandernde Glück (auch Db)
  • 1918: Ein verhängnisvolles Sprichwort
  • 1918: Unter falscher Maske
  • 1918: Ein Scheidungsgrund (auch Db)
  • 1918: Die Testamentsklausel  (auch Db)
  • 1918: Der Ring des Hauses Stillfried (Db)
  • 1918: Der Dornenweg (auch Db, D)
  • 1918: Wodans Tochter, Teil 2 (auch Db)
  • 1919: Wer uns getraut … (auch Db)
  • 1919: Das schöne Geheimnis
  • 1919: Die Ehrenreichs (auch Db)
  • 1919: "Rat Arnheim"-Reihe" (mit Heinrich Peer)
    • Nur ein Zahnstocher (auch Db)
    • Das wandernde Auge
  • 1919/20: Dämon der Welt
    • Teil 1: Das Schicksal des Edgar Morton (Db)
    • Teil 2: Wirbel des Verderbens (Db)
    • Teil 3: Das goldene Gift (auch Db)
  • 1920: Der Badeball (auch Db)
  • 1920: Der blaue Fleck (auch Db)
  • 1920: Versiegelte Lippen (auch Db)
  • 1920: Im Schuldbuch des Hasses (auch Db)
  • 1920: Wirbel des Verderbens (Db)
  • 1921: Filmbanditen (auch Db)
  • 1921: Terpsichore. Die Macht des Tanzes (auch Db)
  • 1921: Dämonische Treue (auch Db)
  • 1922: Das Straßenmädchen von Berlin (Db)
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