Cliff Robertson wurde am 9. September 1923 als Clifford Parker Robertson III im kalifornischen La Jolla geboren; er stammt aus einer wohlhabenden kalifornischen Rancherfamilie und schon während seiner Zeit auf der High School interessierte er sich für das Theater, belegte Drama-Kurse und wirkte bei Schüleraufführungen mit. Während des 2. Weltkrieges wurde er zur US Navy eingezogen, nach seiner Entlassung studierte er am Antioch College in Ohio Journalismus, begann anschließend beim Rundfunk als Ansager und war kurze Zeit als Reporter für eine Zeitung tätig. Sein Ziel war es jedoch, Schauspieler zu werden, er übernahm fast jede Arbeit beim Theater um das Handwerk von der Pike auf zu erlernen, erhielt bald kleinere Engagements an Provinzbühnen in New England und New York, tourte mit einer Theatertruppe durchs Land und gab schließlich 1952 sein Broadway-Debüt in einem Stück, dass von Joshua Logan in Szene gesetzt worden war. In vielen weiteren Broadway-Inszenierungen etablierte sich Robertson bald zu einem populären Bühnendarsteller.

Foto: Cliff Robertson 1981
Quelle: Wikimedia Commons (Ausschnitt Originalfoto von www.flickr.com)
Urheber: Alan Light bei www.flickr.com; Lizenz: CC BY 2.0

Foto: Cliff Robertson 1981: Quelle: Wikimedia Commons (Ausschnitt Originalfoto von www.flickr.com); Urheber: Alan Light bei www.flickr.com; Lizenz: CC BY 2.0
Seit Mitte der 1950er Jahre widmete sich Robertson verstärkt dem Film, er hatte zwar schon Anfang der 1940er Jahre belanglose Parts in einigen Streifen wie "Corvette K-225"1) (1943, Korvette K 225) gespielt, doch erst mit der Rolle des Alan Benson und reichem Liebhaber von Kim Novak in Joshua Logans Melodram "Picnic"1) (1955, Picknick) startete der Schauspieler seine Leinwandkarriere. Der Durchbruch gelang ihm mit Robert Aldrichs Rührstück "Autumn Leaves"1) (1956, Herbststürme), wo er als schizophrener Ehemann von Joan Crawford agierte und als Charakterdarsteller nicht nur Kritiker überzeugte. In der musikalischen Komödie "The Girl Most Likely" (1957, Kess und kokett) war er dann einer der attraktiven jungen Männer, mit dem sich die Angestellte Dodie alias Jane Powell verlobt.  
Damit hatte er sich Robertson in der Filmszene etabliert, gehörte zwar nicht zur Riege der Hollywood-Topstars, konnte sich in den folgenden Jahren jedoch die Rollen aussuchen, die ihm zusagten. Nicht immer waren es anfangs die großen Kinohits, in denen der blendend aussehende Robertson besetzt wurde, doch auch mit Streifen wie den Kriegsdramen "The Naked and the Dead" (1958, Die Nackten und die Toten) und "Battle of the Coral Sea" (1959, Schlacht im Korallenmeer) oder der Komödie "Gidget"1) (1959, April entdeckt die Männer) wurde er beliebt. Horst Hächler besetzte ihn neben der jungen Maria Schell in dem schwermütigen Abenteuerdrama "Raubfischer in Hellas" (1959, As the Sea Rages), mit Esther Williams spielte er in dem Artistenfilm "Big Shows" (1960, Die große Attraktion), Samuel Fuller gab ihm die Hauptrolle in dem Krimi-Schocker "Underworld U.S.A." (1961, Alles auf eine Karte), neben Dean Martin und Shirley MacLaine tauchte er in der Gesellschaftskomödie "All in a Night's Work"1) (1961, Alles in einer Nacht) auf.
  
Die interessanten Rollen nahmen zu, 1963 verkörperte er in "PT 109"1) (Patrouillenboot PT 109) authentisch den jungen John F. Kennedy1): Dr Film schildert die Erlebnisse des späteren US-Präsidenten John F. Kennedy als Kommandant eines kleinen Patrouillenbootes, das im August 1943 im Südpazifik japanische Nachschublieferungen abfangen muss und den jungen Marine-Offizier als leuchtendes Vorbild heroisch verklären sollte; Kennedy selbst soll Robertson für die Hauptrolle vorgeschlagen haben. Nach dem Streifen "Sunday in New York"1) (1963, Sonntag in New York) mimte er ein Jahr später den paranoiden, rücksichtslosen Präsidentschaftskandidaten Joe Cantwell und Gegenspieler von William Russell alias Henry Fonda in dem Politthriller "The Best Man"1) (1964, Der Kandidat), einer packenden Verfilmung von Franklin Schaffner nach einem erfolgreichen Bühnenstücks von Gore Vidal.
Es folgten Produktionen wie die Kriegsabenteuer "633 Squadron"1)
(1964, Kampfgeschwader 633), "Up from the Beach" (1965,  Der Tag danach) oder "The Devil's Brigade" (1968, Die Teufelsbrigade), weiterhin Thriller wie "Masquerade" (1965, Agenten lassen bitten) oder "Love Has Many Faces" (1965, Heißer Strand Acapulco) und seiner Rolle des jungen Ex-Gigolos Pete, der die alternde Millionärin Kit Jordan alias Lana Turner heiratet. Einen nachhaltigen Erfolg verzeichnete Robertson mit der Titelrolle in "Charly"1) (1968), der auf der Kurzgeschichte "Flowers For Algernon" basiert und in dem er einen geistig zurückgebliebenen Erwachsenen darstellte, der durch ein wissenschaftliches Experiment zum Genie mutiert; für diese schauspielerische Leistung erhielt Roberson einen Oscar; vom "National Film Review Board" wurde er ebenfalls als "bester Hauptdarsteller" ausgezeichnet.
  
In den 1970er Jahren blieben weiterhin Kriegsfilme, Western und Thriller seine Domäne, er spielte beispielsweise die Hauptrolle des Lt. Sam Lawson in Robert Aldrichs Kriegsdrama "Too Late the Hero"1) (1970, Himmelfahrtskommando Okinawa), stand gemeinsam mit Charlton Heston, Henry Fonda, James Coburn, Glenn Ford und Robert Mitchum für "Midway"1) (1975, Schlacht um Midway) vor der Kamera. In dem realistischen Western "The Great Northfield, Minnesota Raid" (1972, Der große Minnesota-Überfall) war er der Partner von Robert Duvall, in "J.W. Coop" (1972, Der Cowboy), der Geschichte eines Möchtegern Rodeo-Stars, fungierte Robertson als Drehbuchautor, Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller in Personalunion und erhielt für sein Erstlingswerk nicht nur als Regisseur beachtliche Anerkennung.
Eine schöne Rolle war auch die Eli in "Ace Eli and Rodger of the Skies" (1973), zu dem Steven Spielberg das Drehbuch geschrieben hatte, ebenso wie die des Kriminalbeamten Lee Tucker, der in dem packenden Krimi "Man on a Swing (1974, Der Mann auf der Schaukel) mit Hilfe eines Hellsehers (Joel Grey) zwei Mord aufklärt. Es folgten Kinoproduktionen wie das Beziehungsdrama "Out of Season" (1975, Hass kennt keine Nachsaison) mit Vanessa Redgrave, der Polit-Thriller "Three Days of the Condor"1) (1975, Die Drei Tage des Condor) mit Robert Redford und Faye Dunaway, die kriminalistische Romanze "Obsession"1) (1976, Schwarzer Engel) mit Genevičve Bujold oder der Schocker "Dominique" (1978, Schatten um Dominique) mit Jean Simmons als Partnerin. 
Die Filmografie der 1980er Jahre umfasst beispielsweise den melodramatischen Abenteuerfilm "The Pilot" (1981, Der Pilot, auch Regie), den sozialkritischen Streifen "Brainstorm"1) (1983, Projekt Brainstorm), die pikante Sex-Komödie "Class"1) (1983, Class – Vom Klassenzimmer zur Klassefrau) (1983) und "Star 80"1) (1983), Bob Fosses authentische Geschichte des "Playmate des Jahres" 1980 mit Robertsons Rolle des Verlegers und Gründer des "Playboys" Hugh Hefner. Weiterhin ist unter anderem der im Rennfahrermilieu spielende Thriller "Shaker Run" (1985) sowie der Actionstreifen "Malone" (1987) mit Burt Reynolds in der Titelrolle zu nennen.
  
Auch in den 1990er Jahren blieb Robertson ein vielbeschäftigter Darsteller, seine Aktivitäten verlagerten sich jedoch – wie bereits im vorhergehenden Jahrzehnt – vermehrt auf das Fernsehen. Im Kino sah man ihn unter anderem in der märchenhaften Geschichte "Wild Hearts Can't Be Broken" (1991, Das Herz einer Amazone – wild und frei), in dem Sportlerstreifen "Wind"1) (1992) sowie in der mäßig erfolgreichen satirischen Komödie "Renaissance Man"1)  (1994, Mr. Bill). In der deutsch-norwegischen Produktion "Pakten" (1995, auch "The Sunset Boys") war er der Partner von Robert Mitchum, Erland Josephson und Espen Skjřnberg, mimte einen der vier betagte Ärzte, die sich nach langer Zeit wiedersehen, um ein Versprechen einzulösen. Weiterhin drehte er beispielsweise "Melting Pot" (1997), "Assignment Berlin" (1998, Babyhandel Berlin – Jenseits aller Skrupel) und "Family Tree" (1999); zu seinen jüngeren Arbeiten zählen Rollen in "Falcon Down" (2000, Falcon Down – Todesflug ins Eismeer), "Mach 2" (2001, Mach 2 – Höllenflug über dem Atlantik) und "The 13th Child: Legend of the Jersey Devil" (2002, Das 13. Kind: Legende vom Jersey Devil). An der Seite von David Arquette und Barbara Hershey war er in dem Horrorstreifen "Riding the Bullet"1) (2004) nach dem Roman von Stephen King zu sehen. Nach den Comic-Verfilmungen "Spider-Man"1)  (2002), "Spider-Man 2"1) (2004) und "Spider-Man 3"1) (2007), wo er den Onkel Ben der legendären Comicfigur mimte, 
ließ sich der inzwischen hochbetagte Robertson nicht mehr auf der Leinwand blicken.
  
Zu den TV-Aktivitäten des Schauspielers gehörten Auftritte in Serien und populären Shows ebenso wie zahlreiche Einzelproduktionen, bereits ab 1953 war er ein Jahr lang in der beliebten morgentlichen Samstagsserie "Rod Brown of the Rocket Rangers" zu sehen gewesen. In nachhaltiger Erinnerung bleibt auch seine Rolle des alkoholabhängigen Ehemanns in der TV-Fassung von "Days of Wine and Roses" (1958, Die Tage des Weines und der Rosen), eine Figur, die 1962 im Kino von Jack Lemmon verkörpert wurde. In dem dramatischen Sechsteiler "Washington: Behind Closed Doors" (1977, Washington: hinter verschlossenen Türen), einer Verfilmung des Watergate-Skandal-Buches "The Company" von John Ehrlichman, agierte er als CIA-Chef William Martin, der die Präsidentschaft des ehrgeizigen und skrupellosen Senators Monckton (Jason Robards) verhindern will, in dem Quotenrenner "Falcon Crest"1) mimte er ab 1983 ein Jahr lang den Dr. Michael Ranson. In "Dreams of Gold: The Mel Fisher Story" (1986, Schatzsuche in den Tiefen des Atlantiks) spielte er die Titelfigur eines Amerikaners, der nach einem mit einer spanischen Galeere 1622 untergegangenen Schatz sucht, ein Jahr später erlebte man ihn als Henry Ford in "Ford: The Man and the Machine" auf dem Bildschirm. An weiteren TV-Arbeiten sind unter anderem Stücke zu nennen wie der Psychothriller "Dead Reckoning" (1990, Nasses Grab), der dramatische Zweiteiler "Dazzle" (1995, Die Verblendeten) oder "P.T. Barnum: America's Greatest Showman" (1995), wo er als Erzähler fungierte.

Der Oscar-Preisträger Cliff Robertson starb – einen Tag nach seinem 88. Geburtstag – am 10. September 2011 im Alter von 88 Jahren in einem Krankenhaus in Stony Brook (Long Island, Bundesstaat New York). Er war seit 1957 in erster, kurzer Ehe mit der Ex-Frau von Jack Lemmon2), Cynthia Stone3) (1926 – 1988) verheiratet gewesen. Aus der Verbindung stammt Tochter Stephanie; 1959 ließ sich das Paar scheiden. Seine 1966 geschlossene Ehe mit der Schauspielerin und Filmproduzentin Dina Merrill1) dauerte immerhin mehr als zwanzig Jahre, 1989 endete jedoch auch diese Ehe vor dem Scheidungsrichter; aus dieser Beziehung stammte Tochter Heather Merriweather Robertson (1969 – 2007), die als Tänzerin erfolgreich war.

Zu den Leidenschaften des Schauspielers gehörte von Kind an die Fliegerei; während seiner Zeit bei der US Navy ging sein Wunsch, als Pilot eingesetzt zu werden, nicht in Erfüllung. Als Schauspieler verdiente er später genug Geld, um sich seinen Traum erfüllen zu können und den Pilotenschein zu machen; Robertson war seit Jahrzehnten ein begeisterter Flieger, besaß diverse Maschinen, die er seit Ende der 1960er Jahre auch für wohltätige Zwecke zur Verfügung stellte. So half er beispielsweise 1969 bei der Organisation von Hilfsflügen in das vom Bürgerkrieg verwüstete Nigeria oder unterstützte 1978 das von der Hungersnot bedrohte Äthiopien.

 
Link: 1) Wikipedia (deutsch), 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) Wikipedia (englisch)
Cliff Robertson im Internet (englischsprachig): www.cliffrobertson.info
Siehe auch Wikipedia
    
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia)
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