Übersicht (Auswahl) Theater / Film / Hörspiel
Klaus Piontek wurde am 28. Februar 1935 im niederschlesischen Trebnitz (heute: Trzebnica, Polen) in der Nähe von Breslau geboren. Nach Kriegswirren und Flucht wuchs er in Leipzig auf, wo er sich von 1953 bis 1956 an der "Theaterhochschule"1) ausbilden ließ. Ein erstes Engagement erhielt er anschließend am "Volkstheater Halberstadt" (1956–1958), dann wechselte er für vier Jahre an das "Staatsschauspiel Dresden"1). 1962 kam er nach Berlin an das "Deutsche Theater"1), das bis zu seinem Tod im Jahre 1998 seine künstlerische Heimat blieb. Bereits 1960 war man im Rahmen eines Gastspiels auf das junge Schauspielertalent aufmerksam geworden, als er den romantischen Dichter Eugen Marchbanks in der Komödie "Candida" von George Bernard Shaw1) gestaltete. Im Laufe der Jahrzehnte interpretierte Piontek viele große Rollen und wurde zu einer unverzichtbaren Größe der renommierten Bühne, welche er maßgeblich prägte.
Er arbeitete mit legendären Theatermachern wie Wolfgang Langhoff1), Benno Besson1), Adolf Dresen1), Friedo Solter1) oder Thomas Langhoff1) zusammen. Klaus Piontek war am "Deutschen Theater" Berlin ein Liebling des Publikums, als witziger Charmeur und eleganter Hallodri ebenso geschätzt wie in seinen Charakterrollen (vor allem in seinen Kleist-Rollen). Thomas Langhoff sagte zum Tod seines langjährigen Bühnen-Weggefährten: "Klaus Piontek war einer der edelsten Vertreter unseres Berufsstandes, ein großartiger Darsteller, immer der Wahrhaftigkeit, der Geistigkeit, der Dialektik einer Dichtung verpflichtet. Wer ihn kannte, liebte ihn, ob seines Charmes, seines Witzes, seiner Menschlichkeit."*)  

Klaus Piontek 1972 als Sekretär Wurm in "Kabale und Liebe"1)
von Friedrich Schiller mit Walfriede Schmitt1) als Luise
Regie: Klaus Erforth1) / Alexander Stillmark1)
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0006231_048)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: 1972
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Klaus Piontek 1972 als Sekretär Wurm in "Kabale und Liebe"von Friedrich Schiller mit Walfriede Schmitt als Luise; Regie: Klaus Erforth / Alexander Stillmark; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0006231_048); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 1972; Quelle: www.deutschefotothek.de
Benno Besson liebte Pionteks Fähigkeit, eine Figur behutsam von innen zu charakterisieren und bei der ehemaligen Website defa-sternstunden.de2) konnte man lesen: "In Texten über Klaus Piontek ist von "Lockerheit und Spielfreude" die Rede, von vielseitiger Begabung, Wandlungsfähigkeit oder "darstellerischer Intelligenz" (Martin Linzer1), 1974). Weiterhin fallen die Worte "brillante Präzision" sowie "strahlende Jugendlichkeit, Pfiffigkeit, Charme" (Erika Stephan, 1981), die seine Arbeit und seine Person auszeichnen, auch ein Hinweis auf seine Manieren, Sensibilität und Genauigkeit in Sprache und Denken, die ihn zu einem hochgeschätzten wie beliebten Kollegen machen, fehlt nicht. (…) Dort wird seine Laufbahn nicht durch "Protagonistenrollen der Weltdramatik" bestimmt, sondern Piontek tritt mehr mit nuanciert gespielten Dienerfiguren und anderen Nebenrollen in Erscheinung. Er entwickelt sich schnell zu einem der meistbeschäftigten Mimen, die mit herausragenden Leistungen in klassischen Werken (Vincentio in Shakespeares "Maß für Maß"1)) wie zeitgenössischen Stücken (Stieber in Günther Rückers1) "Der Herr Schmidt") glänzen. Auch dank seiner Mitwirkung in Aristophanes'/Hacks' "Der Frieden"1) oder Borcherts "Draußen vor der Tür"1) verhilft er den Inszenierungen zu Nachhaltigkeit und Erfolg bei Publikum und Kritikern. Und er vermag altbewährte Charaktere wie den Wurm in "Kabale und Liebe" oder den Schreiber Licht in "Der zerbrochene Krug"1) vom Klischee zu lösen und neue, eigene Akzente zu setzen. Mitunter führt er auch selbst Regie, so beispielsweise bei Hauptmanns "Die Ratten"1) (1977) oder Shelagh Delaneys1) "Bitterem Honig" (1978), wobei er vor allem den Akteuren Raum für Gestaltung lässt." → Auszug zum Theaterwirken siehe hier.
Klaus Piontek um 1975; Quelle: Deutsche Fotothek, (Ausschnitt des Fotos df_bo-pos-02_0000331); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Christian Borchert; Urheber: Christian Borchert (1942–2000); Datierung: um 1975; Quelle: www.deutschefotothek.de Seit den 1960er Jahren stand Piontek regelmäßig vor der Kamera und ließ sich weder in Kinofilmen der DEFA1) noch in Produktionen des "Deutschen Fernsehfunks"1) (DFF) auf ein bestimmtes Genre festlegen. Man erlebte den Charaktermimen in Krimis und Komödien ebenso wie in Historien- oder Märchenverfilmungen, beispielsweise auf der Leinwand als Tanzmeister in "König Drosselbart"1) (1965) nach dem Märchen der Gebrüder Grimm1). In dem antifaschistischen Spielfilm "KLK an PTX – Die Rote Kapelle"1) (1971) über die Widerstandsgruppe "Rote Kapelle"1) verlieh er dem Luftwaffenoffizier Harro Schulze-Boysen1) (1909 – 1942) Kontur, in "Die Leiden des jungen Werthers"1) (1975), Egon Günthers1) Verfilmung von Goethes berühmtem Briefroman1), war er Werthers (Hans-Jürgen Wolf1)) bester Freund Wilhelm (= Karl Wilhelm Jerusalem1)) oder der Maxim Zetkin1), Sohn von Clara Zetkin1), in dem Biopic "Wo andere schweigen"3) (1984), mit dem Regisseur Ralf Kirsten1) zehn Tage im Leben der sozialistischen Politikerin Clara Zetkin (Gudrun Okras) aufzeigt.
Neben verschiedenen Übertragungen von Theaterinszenierungen konnten sich die Fernsehzuschauer vor allem in etlichen, ambitionierten Literatur-Adaptionen von Pionteks darstellerischer Kunst überzeugen. "Besondere Wirkung erzielt er jedoch in Gegenwartsfilmen, wenn er spöttische junge Männer, später auch ausgebrannte Zyniker gestaltet."**)
 
Klaus Piontek um 1975
Quelle: Deutsche Fotothek, (Ausschnitt des Fotos df_bo-pos-02_0000331)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Christian Borchert;
Urheber: Christian Borchert1) (1942–2000); Datierung: um 1975;
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 29.09.2017
Beachtung fand Piontek unter anderem mit der Verkörperung des Schriftsteller Werner Bertin – das alter ego des Autors – in der Adaption des Roman-Zyklus' von Arnold Zweig1): 1968 entstand von Helmut Schiemann1) "Der Streit um den Sergeanten Grischa"4) nach dem gleichnamigen Roman1) als Zweiteiler, zwei Jahre später setzte Egon Günther "Junge Frau von 1914"1) nach dem gleichnamigen Roman1) ebenfalls als Zweiteiler in Szene und die dreiteilige Produktion "Erziehung vor Verdun. Der große Krieg der weißen Männer"4) (1973, Regie: Egon Günther) nach dem Zweig-Roman1) beendete den Zyklus. "Piontek zeigt in den insgesamt sieben Teilen (…) die Wandlung des idealistischen, weltfremden Intellektuellen durch bittere Kriegserfahrungen auf der Suche nach einem humanistischen Ausweg. Piontek gibt dem Bertin viel Sensibilität, intellektuelle Schärfe, aber auch das Zaudern dessen, der neue Erkenntnisse scheut."**)
Ein TV-Highlight war auch Hans-Joachim Kasprziks1) dreiteilige Lion Feuchtwanger-Verfilmung1) "Die Brüder Lautensack"4) (1972), wo sich Piontek als der skrupellose Karrierist Hannsjörg Lautensack zeigte: Der jüngere Bruder des von Ctibor Filčík1) gespielten Telepathen und Hellsehers Oskar Lautensack (angelehnt an den Okkultisten Erik Jan Hanussen1)), der nach rasantem Aufstieg zum Berater Hitlers1) wird, bringt es bis zur Position des Reichs-Pressechefs, die real Otto Dietrich1) innehatte. Eine schöne Rolle war 1978 die des Titelhelden in der Märchenverfilmung "Der Meisterdieb"1), "eine geistreiche und stimmige Umsetzung der Grimmschen Vorlagen"1) notiert das Filmlexikon → www.zweitausendeins.de.
Und immer wieder waren es Personen der Zeitgeschichte, mit denen Piontek die Zuschauer zu überzeugen wusste, so als Schriftsteller und Publizist Adam Heinrich Dietrich Freiherr von Bülow1) in der Theodor Fontane-Erzählung1) "Schach von Wuthenow"4) (1977), als preußischer Heeresreformer Gerhard von Scharnhorst1) in "Clausewitz – Lebensbild eines preußischen Generals"4) (1980) über Carl von Clausewitz1) oder als Staatsanwalt Hermann Tessendorf1) in dem Dreiteiler "Bebel und Bismarck"4) (1987) mit Jürgen Reuter als revolutionärem Führer der deutschen Arbeiterpartei August Bebel1)  und Wolfgang Dehler als "eisernem" Reichskanzler Otto von Bismarck1). Ebenfalls eine historische Persönlichkeit war der Adolph Magnus Freiherr von Hoym1), den Piontek in dem Zweiteiler "Gräfin Cosel"4) (1987) aus der sechsteiligen Reihe "Sachsens Glanz und Preußens Gloria"1) darstellte.
Unter anderem trat Piontek Mitte der 1970er Jahre auch in dem Dauerbrenner "Polizeiruf 110"1) in Erscheinung, so als krimineller Restaurant-Küchenleiter Wolfgang Polisch, der sich in "Bitte zahlen"1) (1976) an Schiebergeschäften bereichert, und als Professor Rohrbach in "Die Abrechnung"1) (1977). In späteren Jahren war er zudem in einigen Serien präsent, mimte den Bauleiter Stankowski in "Tiere machen Leute"4) (1988) und den Paul Hiller in "Die gläserne Fackel"4) (1989), der Familienchronik über das traditionsreiche Jenaer Unternehmen von Carl Zeiß1) und den Schicksalen der ihm verbundenen Wissenschaftler, Techniker und Handwerker.
 
Nach der so genannten "Wende" hatte es Klaus Piontek wie etliche seiner ostdeutschen Kollegen schwer in der gesamtdeutschen Film- und Fernsehlandschaft Fuß zu fassen, nur noch wenige Male stand er vor der Kamera. Auf der Leinwand erlebte man ihn mit kleineren Rollen in Roland Gräfs1) kriminalistischem Abenteuer "Die Spur des Bernsteinzimmers"1) (1992) und in dem von Margarethe von Trotta1) inszenierten, sehenswerten politischen Drama "Das Versprechen"1) (1995). Dem westdeutschen TV-Zuschauer wurde Piontek unter anderem durch die "Tatort"-Folge "Singvogel"1) (1994) bekannt, einen letzten Fernsehauftritt hatte er als Oberst an der Seite von Protagonist Harald Juhnke in Frank Beyers Verfilmung des Carl Zuckmayer-Schauspiels1) "Der Hauptmann von Köpenick"1) (1997) → mehr Filmografie siehe hier.
Darüber hinaus war der Schauspieler mit seiner markanten Stimme ein begehrter Sprecher und wurde wiederholt in verschiedenen Fernsehfilmen eingesetzt – unter anderem in der Franz Werfel-Erzählung "Die arge Legende vom gerissenen Galgenstrick"1) (1978), dem Kinderfilm "Trompeten-Anton"1) (1981) und der Dokumentation ""Bürger Luther – Wittenberg 1508–1546"1) (1983). Er stand regelmäßig im Synchronstudio → www.synchronkartei.de und bereicherte das Ensemble zahlreicher Hörspiele, nicht zuletzt für Kinder; eine Auswahl der in der ARD-Hörspieldatenbank aufgeführten Produktionen mit Klaus Piontek findet man hier am Ende des Artikels.
 
Der mit Ehefrau Kerstin verheiratete Charakterdarsteller Klaus Piontek starb am 22. Juni 1998 mit nur 63 Jahren nach schwerer Krankheit in Berlin an den Folgen einer Krebserkrankung; die letzte Ruhe fand er auf dem dortigen "Französischen Friedhof I" → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons bzw. knerger.de.
Quellen: Wikipedia, Henschel Theaterlexikon*), "Lexikon der DDR-Stars"**) sowie
ehemalige Seite defa-sternstunden.de → Memento bei web.archive.org bzw.
www.filmstadt-quedlinburg.de
*) Henschel Theaterlexikon (Hrsg. C. Bernd Sucher; Henschel Verlag, 2010, S. 675)
**) "Lexikon der DDR-Stars" von F.-B. Habel und Volker Wachter (Ausgabe 1999, S. 260/261)
2) Quelle: defa-sternstunden.de → Memento bei web.archive.org bzw. www.filmstadt-quedlinburg.de
Fremde Links: 1) Wikipedia, 3) filmportal.de, 4) fernsehenderddr.de
Wirken (Auszug) am "Deutschen Theater"
Quelle (unter anderem): Wikipedia, Henschel Theaterlexikon**)
(Fremde Links: Wikipedia; UA = Uraufführung, EA = Erstaufführung, P = Premiere, R = Regie)
Filme
Kinofilme / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Link: Wikipedia, filmportal.de, defa-stiftung.de, fernsehenderddr.de, fernsehserien.de)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
Hörspielproduktionen (Auszug)
1960er / 1970er / 1980er / 1990er
(Link: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia (deutsch/englisch)) 
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