Erik S. Klein (Erik Siegfried Klein) wurde am 6. Februar 1926 als Sohn eines ostpreußischen Landarbeiters im sächsischen Radebeul bei Dresden geboren. Er war erst acht Jahre alt, als sein Vater, nach dem 1. Weltkrieg als Kriegsinvalide heimkehrt, verstarb. "Seine Mutter mit böhmischen Vorfahren ist als Textilarbeiterin tätig. Sie ist es, die ihn für das Schauspiel und Musik interessiert. Seit seiner Kindheit spielt er Geige. Als 14-Jähriger arbeitet als Botenjunge und nimmt mit dem Verdient Schauspielunterricht. Zunächst beginnt er eine Ausbildung an einer Wirtschaftsoberschule. Noch während der Schulzeit absolviert er Stimm- und Schauspielunterricht, unter anderem bei dem bekannten Schauspieler Erich Ponto. Kurz vor dem Abitur verlässt er die Schule und debütiert als 17-Jähriger an der "Dresdner Komödie." führt die DEFA Stiftung aus. Engagements in Gießen und Lübeck schlossen sich an, wo er als jugendlicher Held und Naturbursche besetzt wurde, der 2. Weltkrieg beendete dann zunächst Kleins beginnende Schauspielerkarriere.

Porträt von Erik S. Klein
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pkm_0001260_003)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); ohne Datierung
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
 

Porträt von Erik S. Klein; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pkm_0001260_003); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung unbekannt; Quelle: www.deutschefotothek.de
1944 anfangs zum Arbeitsdienst verpflichtet, wurde er dann als Soldat zur Wehrmacht eingezogen, den Krieg überlebte er in belgischer Gefangenschaft. Nach der Entlassung widmete sich Klein wieder seiner Bühnenlaufbahn und ging 1947 nach Freiburg, Verpflichtungen in Altenburg und Cottbus schlossen sich an, wo er den Sprung ins Charakterfach schaffte. Zur Spielzeit 1953/54 holten ihn Bertolt Brecht1) und Helene Weigel an ihr "Berliner Ensemble"1), in den nachfolgenden sieben Jahren machte er unter anderem als Grusches Bruder in "Der Kaukasische Kreidekreis"1), als Gangster Ernesto Roma in "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui"1) oder als Konstabler Smith in "Die Dreigroschenoper"1) auf sich aufmerksam. "Es war ein neuer Anfang für mich", sagt Erik S. Klein später über diese Zeit, "ich musste umdenken lernen, das Einfache groß zu machen und das Große einfach zu zeigen …". Nach einem kurzen Intermezzo am "Maxim-Gorki-Theater"1) wechselte Klein zur Spielzeit 1961/62 an das "Deutsche Theater"1), dessen Ensemble er 1970 zugunsten seiner Film- und Fernseharbeit verließ; seither war er festes Mitglied beim "Deutschen Fernsehfunk"1) (DFF). Im folgenden eine kleine Auswahl zum Theater-Wirken:
(Fremde Links: Wikipedia; R = Regie, P = Premiere)

Erik S. Kleins Filmkarriere begann Mitte der 1950er Jahre, nach anfänglichen kleinen Parts in verschiedenen "Stacheltier"-Kurzfilmen1) und weiteren DEFA-Produktionen, gelang ihm mit der Figur des deutschen Besatzungsoffiziers Leutnant Kurt in dem von Konrad Wolf1) in Szene gesetzten deutsch-bulgarischen Drama "Sterne"1) (1959) der Durchbruch und wurde so einem breiten Publikum bekannt. "Er verkörpert mit beängstigender Intensität einen nach außen gemütvollen Kleinbürger mit der Fähigkeit zum kalten, brutalen Mörder." notiert das "Lexikon der DDR-Stars"*), die DEFA Stiftung schreibt: "Er ist brutal, eiskalt, dem unmenschlichen nationalsozialistischen Sytem treu ergeben. Zugleich aber belügt er auch seinen Freund, den Unteroffizier Walter (gespielt von Jürgen Frohriep), um diesen zu retten. Erik S. Klein spielt den deutschen Soldaten ebenso dumpf wie jovial, kumpelhaft auftrumpfend und rassistisch gefährlich." Und eine zeitgenössischen Kritik lobte sein Spiel mit den Worten: "Hier ist, genau differenziert, das Wesen der willfährigen Diener des faschistischen Staates eingefangen: die kennzeichnende Mischung von Jovialität, sattem Genießertum, dem Nur-für-den-Tag-Leben einerseits und der skrupellosen Gemeinheit der todbringenden Gleichgültigkeit andererseits – wahrscheinlich bisher die beste filmdarstellerische Leistung Erik S. Kleins."
Porträt von Erik S. Klein; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pkm_0001260_004); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); ohne Datierung; Quelle: www.deutschefotothek.de Eine ähnlich gelagerte Rolle gab ihm Frank Beyer in dem Buchenwald-Drama "Nackt unter Wölfen"1) (1963), gedreht nach dem Roman von Bruno Apitz1), hier gab Klein "beängstigend real" den Kleinbürger und KZ-Wächter Reineboth in SS-Uniform, der opportunistisch für die Zeit nach dem Krieg vorsorgt.
Mit der Zeit konnte sich Klein vom Image des gewalttätigen Uniformträgers lösen und wechselte mehr und mehr in das komödiantische Fach. So glänzte er beispielsweise als gockelhafter August der Starke1) in dem Mantel-und-Degen-Streifen "Mir nach, Canaillen!"1) (1964) an der Seite von Manfred Krug, tauchte in dem Kinderfilm "Alfons Zitterbacke"1) (1966) als Freund von Vater Zitterbacke (Günther Simon) auf. Wiederholt spielte auch Klein Vater-Figuren, so in "Lütt Matten und die weiße Muschel"1) (1964) nach dem Kinderbuch von Benno Pludra1) oder in "Sabine Wulff"1) (1978) nach dem Roman "Gesucht wird die freundliche Welt" von Heinz Kruschel1).
 
Porträt von Erik S. Klein
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pkm_0001260_004)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); ohne Datierung
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
 
In der Theodor-Fontane-Adaption " Unterm Birnbaum"1) (1973) mimte er den Gastwirt Abel Hradschek, der wegen finanzieller Schwierigkeiten einen Mord begeht, in der Satire "Nelken in Aspik"1) (1976) den Siegfrid Huster von der "Zentralstelle für leichte Druckerzeugnisse", der den unfähigen Werbezeichner Wolfgang Schmidt (Armin Mueller-Stahl) für die höhere Laufbahn vorschlägt. Die kleinen Zuschauer erfreute er als König in der Märchenverfilmung "Schneeweißchen und Rosenrot"1) (1979) und als Oberkoch in "Die vertauschte Königin"1) (1984), frei nach dem Kunstmärchen "Die Schustersfrau als Zarin" von Andrej Platonow1). Einen letzten Leinwandauftritt hatte Klein als Tierarzt Dr. Wach in der ganz auf Erwin Geschonneck zugeschnittenen Geschichte "Mensch, mein Papa…!"1) (1988).
 
Das Fernsehen bot Erik S. Klein ein breites Betätigungsfeld, sowohl in Gegenwartsstücken und Literaturverfilmungen als auch in Krimis, Abenteuern und Komödien konnte er seine Vielseitigkeit bzw. Wandlungsfähigkeit meisterlich unter Beweis stellen. Er prägte sich beispielsweise als Kriminalinspektor Wembury in dem Wallace-Krimi "Der Hexer"2) (1962) oder in dem Fünfteiler "Das grüne Ungeheuer"1) (1962; nach dem Roman von Wolfgang Schreyer1)) als intriganter Steve Baxter ein, "der in den Wirren des aufkeimenden Bürgerkriegs Guatemalas sein Schäfchen ins Trockene bringen will." wie man bei der DEFA Stiftung lesen kann. Auch sein Obersturmführer Maschmann in dem abenteuerlichen Dreiteiler " Geheimkommando Bumerang"2) (1966) sowie in den mehrteiligen Fortsetzungen " Geheimkommando Spree"2) (1968) und " Geheime Spuren"2) (1969) fand Beachtung, ebenso wie der rückständiger Bauer Emil Kalluweit, Ehemann der selbstbewussten Landarbeiterin Gertrud (Ursula Karusseit), in dem Fünfteiler2) "Wege übers Land"1) (1968). "Erik S. Klein traf diese für so manchen Deutschen typische Gestalt äußerst präzise: bald zeigte er Unsicherheit übertünchende Forsche, dann wieder dümmliche, leicht verkrampfte Fröhlichkeit und schließlich stille, große Verzweiflung, aus der Ehrlichkeit sprach." schrieb 1970 der Film- und Musikkritiker Manfred Haedler.*) Verschiedentlich verlieh er Personen der Zeitgeschichte Profil, so dem bayerischen Politiker Franz Josef Strauß1) in drei Folgen des Fünfteilers "Ich – Axel Caesar Springer"1) (1968/70), dem rheinischen Bankier und Politiker Ludolf Camphausen1) in der 7-Teiligen DFF/UdSSR-Koproduktion "Karl Marx – Die jungen Jahre"2) (1981) über Karl Marx1) oder Johann Gottfried Lessing1), Vater des Dichters Gotthold Ephraim Lessing1), in der DFF/ZDF-Produktion "Zwei Freunde in Preußen oder: Ob ein edler Jude etwas Unwahrscheinliches sei" (1981). Eine gute Figur machte Klein auch als König Friedrich August III. von Sachsen1) in dem Zweiteiler "Adel im Untergang"1) (1981), gedreht nach dem Roman von Ludwig Renn1). In "Der Teufelskreis"2) (1982) nach dem Schauspiel von Hedda Zinner1) stellte er die Nazi-Größe Hermann Göring1) dar.
 
Zur Hochform lief der mehrfach zum "Publikumsliebling der DDR" gekürte Schauspieler in der humorvollen Reihe "Aber Vati!"1) (1974/1979) auf und mimte herrlich den allein erziehenden Vater Erwin Mai, dessen Zwillingssöhne Kalle und Kulle sich auf die Suche nach einer passenden Frau für ihn machen, als loyaler Kapitän Manfred Langhans ist er in einigen Folgen der populären Serie "Zur See"1) (1977) ebenfalls in Erinnerung geblieben. Zu seiner Filmografie zählen prägnante Rollen in der beliebten Krimiserie ""Der Staatsanwalt hat das Wort" und in dem Dauerbrenner "Polizeiruf 110"1), er zeigte sich beim "Fernseh-Pitaval"1) ebenso wie in der Reihe "Kriminalfälle ohne Beispiel"3). Eine schöne Rolle war die des Zoo-Direktors Wolfgang Mattke in der Serie "Tierparkgeschichten"1) (1989), einen seiner letzten Auftritte vor der Kamera hatte er als Protagonist Otto in dem heiteren TV-Film "Alter schützt vor Liebe nicht"2) (1990) → Filmografie siehe hier.
Wie etliche seiner ostdeutschen Kollegen konnte Erik S. Klein in der gesamtdeutschen Filmszene nicht Fuß fassen, vielmehr konzentrierte er sich auf die Arbeit am Theater. Er trat am Berliner "Renaissance-Theater" auf wie beispielsweise 1995 in der Politfarce "Noch ist Polen nicht verloren"1) von Menyhért Lengyel1) bzw. dem Ernst Lubitsch-Klassiker "Sein oder Nichtsein"1) (1942; Theaterfassung des Drehbuchs: Jürgen Hofmann). Zudem erfreute er das das Publikum im Rahmen von Tourneen oder mit Leseabenden wie "Böll, wie ihn keiner kennt".
Darüber hinaus war der Schauspieler seit den 1950er Jahren ein viel beschäftigter Sprecher beim Rundfunk, wirkte mit seiner markanten Stimme in unzähligen Hörspielen und Kabarettsendungen mit und stand auch vereinzelt im Synchronstudio → www.synchronkartei.de. Eine Auswahl der in der ARD-Hörspieldatenbank aufgeführten rund 300 Stücke findet man hier am Ende des Artikels.
 
Im Jahre 1996 ereilte den Schauspieler und Erzkomödianten ein schwerer Unfall, von dem er sich nicht mehr so recht erholte, an den Spätfolgen dieses Treppensturzes starb er am 22. Oktober 2002 im Brandenburgischen Eichwalde im Alter von 76 Jahren; die letzte Ruhe fand er auf dem dortigen Friedhof, wo später auch seine Witwe Hannelore (1927 – 2015) beigesetzt wurde → Foto der Grabstelle bei knerger.de bzw. Wikimedia Commons.
Sein schriftlicher Nachlass wird von der Berliner "Akademie der Künste" verwaltet → Erik-S.-Klein-Archiv.
Der mit einer Musikerin verheiratete Erik S. Klein war Vater der drei gemeinsamen Töchter Sabine, Nele und Katrin sowie mehrfacher Großvater. Tochter Katrin Klein1) ergriff ebenfalls erfolgreich den Schauspielerberuf.

Quellen: "Lexikon der DDR-Stars"*), Wikipedia, filmportal.defilm-zeit.de, defa-stiftung.de sowie
ehemalige Seite defa-sternstunden.de → Memento bei web.archive.org
*) "Lexikon der DDR-Stars" von F.-B. Habel und Volker Wachter (Ausgabe 1999, S. 166/167)
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) fernsehenderddr.de, 3) fernsehserien.de
     
Filme
Kino / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Fremde Links:  defa-stiftung.de, filmportal.de, Wikipedia,
fernsehenderddr.de, fernsehserien.de)
Kinofilme  (DEFA-Produktionen, wenn nicht anders vermerkt) Fernsehen (Auszug; DFF-Produktionen (wenn nicht anders vermerkt))
Hörspielproduktionen (Auszug)
1950er / 1960er / 1970er / 1980er / 1990er Jahre
(Link: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia (deutsch/englisch), fernsehenderddr.de) 
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