Übersicht (Auswahl) Theater / Film / Hörspiel
Christian Grashof wurde am 5. August 1943 in Gablonz an der Neiße (Sudetenland; heute Jablonec nad Nisou, Tschechien) in eine Arbeiterfamilie hineingeboren. Nach dem Krieg aufgewachsen im sächsischen Löbau1), studierte er zwischen 1964 und 1967 an der "Staatlichen Schauspielschule Berlin"1) ("Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin"). Sein Bühnendebüt gab er anschließend am "Theater Karl-Marx-Stadt"1) (heute "Theater Chemnitz"), dessen Ensemble er bis 1970 angehörte. Dann wechselte er nach Berlin an das "Deutsches Theater"1) und ist dort seither – unterbrochen von Gastspielen und einem Engagement am "Schillertheater"1) (1990–1992) – einer der prägenden Charakterdarsteller des Hauses. Der Durchbruch zum gefeierten Theaterstar war ihm mit 1975 mit der Titelrolle in Goethes "Torquato Tasso"1) in einer Inszenierung von Friedo Solter1) gelungen, ein Jahr später kam es zu einem ersten gemeinsamen Auftritt mit Alexander Lang1) in der von Alexander Stillmark1) und Klaus Erforth1) in Szene gesetzten DDR-Erstaufführung (Premiere: 11.10.1976) des Zwei-Personen-Stücks "Die Insel" von Athol Fugard1) – in den nachfolgenden Jahren sollte Grashof einer der wichtigen Protagonisten in Langs Inszenierungen werden. So brillierte er beispielsweise 1977 als Odysseus in "Philoktet"1) von Heiner Müller, 1979 mit der Titelrolle in "Der entfesselte Wotan" von Ernst Toller1) oder 1983 als klassenbewusster Tschuchen-Pächter Callas in "Die Rundköpfe und die Spitzköpfe" von Bertolt Brecht1).
 

Christian Grashof, fotografiert von Ralph Bergel
→ www.fotoformatplus.de
Quelle: www.schauspielervideos.de; © Ralph Bergel

Christian Grashof, fotografiert von Ralph Bergel (www.fotoformatplus.de); Quelle: www.schauspielervideos.de; Copyright Ralph Bergel
Christian Grashof (2.v.l.) in "Dantons Tod" mit Inge Keller als Dantons Gattin Julie, Margit Bendokat (3.v.l.) als Dirne Marion und Günter Sonnenberg (4.v.l.) als Mercier; Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-Z0420-027; Urheber: Katja Rehfeld; Datierung: 20 April 1981;Quelle: Deutsches Bundesarchiv Bild 183-Z0420-027 bzw. Wikimedia Commons; Vor allem außergewöhnliche Darstellungen machten Grashof berühmt, sei es mit der Doppelrolle des Danton1) und Robespierre1) in "Dantons Tod"1) (1981) von Georg Büchner, der Titelrolle in "Herzog Theodor von Gothland"1) (1984) von Christian Dietrich Grabbe oder der Kapitän Edgar in "Totentanz" (1986) von August Strindberg1). So schrieb unter anderem die Theaterkritikerin Esther Slevogt in DIE ZEIT (24.03.1989): "Grashof treibt seine Figuren in eine grelle Künstlichkeit, scharf an die Grenze der Karikatur. Auf dem Höhepunkt ihrer Dramatik begeben sie sich in eine Lächerlichkeit, an der sie manchmal zu zerbrechen drohen. Aber Grashof verrät seine Figuren nicht. Liefert sie nicht ans Messer seiner Schauspielkunst. Und in ihrem Unglück bleibt ihnen die Lächerlichkeit als letzte Größe." → www.zeit.de
 
Christian Grashof (2.v.l.) in "Dantons Tod" mit Inge Keller als
Dantons Gattin Julie, Margit Bendokat1) (3.v.l.) als Dirne Marion und
Günter Sonnenberg1) (4.v.l.) als Mercier
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-Z0420-027;
Urheber: Katja Rehfeld; Datierung: 20. April 1981;
Quelle: Deutsches Bundesarchiv Bild 183-Z0420-027 bzw. Wikimedia Commons;
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Auch mit anderen namhaften Regisseuren erarbeitete Grashof bemerkenswerte Rollengestaltungen, beispielsweise 1989 mit Jürgen Flimm1) am Hamburger "Thalia Theater" im Rahmen eines Gastspiels den Landarzt Nikolai Iwanowitsch Trilezki in "Platonow"1) von Anton Tschechow an der Seite des Protagonisten Hans Christian Rudolph. Ein Jahr zuvor hatte man ihn in Hamburg in Alexander Langs Inszenierung bzw. der Uraufführung von Bernard-Marie Koltčs'1) "Rückkehr in die Wüste" als Industriellen Adrien Serpenoise bewundern können. Peter von Becker1) schrieb über diesen Adrien: "Grashof, im "Platonow" eher häßlich, hier nun: der wirbelnde, schlängelnde, schwebende Existentialclown, ein feuriger Melancholiker, seine Glut so heiß wie Eis." ("Theater heute", Jahrbuch 1989).*)
Am "Deutschen Theater" interpretierte er beispielsweise 1992/93 den Gennadi, Neffe der alternden Witwe Raissa, in der Komödie "Der Wald" von Alexander Ostrowski (Regie: Thomas Langhoff1)), in "Neues Deutschland"1) (28.12.1992) konnte man lesen: "Das ist ein besonderer Gewinn des Abends: Christian Grashof wieder auf der Bühne des "Deutschen Theaters". Dieser unnachahmliche Charakterspieler war in letzter Zeit einem manierierten Predigerton verfallen, der ihn als "Faust" im "Schiller Theater" geradezu paralysierte. Jetzt führt Langhoff den herrlichen Tragöden zu sich selbst zurück. Grashof ist wieder unmittelbar, zeichnet direkt und zugleich diskret ironisch den armen, unverdrossenen Gennadi, dessen Künstler-Ethik der Geldgesellschaft überlegen ist." (Quelle: berliner-schauspielschule.de)
In den letzten Jahren bereicherte Grashof viele erfolgreiche Inszenierungen der renommierten Bühne, war unter anderem seit 2014 als Pozzo in "Warten auf Godot"1) von Samuel Beckett zu sehen. Bei den "Salzburger Festspielen" trat er erstmals 1996 als Theseus/Oberon in "Ein Sommernachtstraum"1) von William Shakespeare auf, in Szene gesetzt von Leander Haußmann1). Das Salzburger Publikum konnte sich 2009 einmal mehr von Grashofs darstellerischer Kunst in "Die Möwe"1) von Anton Tschechow (Regie: Jürgen Gosch1)) überzeugen, die Koproduktion des "Deutschen Theaters" mit der "Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz" hatte in Berlin am 20. Dezember 2008 seine Premiere gefeiert – Grashof gab den Pjotr Nikolajewitsch Sorin. Zuletzt sah man ihn 2016 als Vater in "Der Ignorant und der Wahnsinnige"1) von Thomas Bernhard (Regie: Gerd Heinz1)). So notierte Hedwig Kainberger2) von den "Salzburger Nachrichten" (16.8.2016) unter anderem, Christian Grashof "erfülle überzeugend die Rolle des zürnenden, ignoranten Vaters."→ www.nachtkritik.de; mehr zum Theater-Wirken siehe hier.
  
Bereits während seines Studiums stand Grashof, der sich vornehmlich dem Theater verbunden fühlt, erstmals vor der Kamera und wirkte in dem TV-Film "Wendeleit ist wieder da"3) (1967) mit, sein Leinwanddebüt gab er als Fidel-Spieler in dem Märchenstreifen "Sechse kommen durch die Welt"1) (1972). In den nachfolgenden Jahrzehnten übernahm er (wohldosiert) immer wieder mehr oder weniger große Aufgaben für den Film. So überzeugte er beispielsweise mit der Titelrolle des Juden Leo Levin, der in "Levins Mühle"1) (1980) Ende des vergangenen Jahrhunderts Opfer von Fremdenfeindlichkeit wird. Er gehörte zur Besetzung von István Szabós preisgekröntem Drama "Mephisto"1) (1981), als Vincent van Gogh1) zeigte er sich in dem historisch-utopischen Szenario des DEFA-Films "Besuch bei van Gogh"1) (1985). In der gesamtdeutschen Kino-Landschaft sah man ihn unter anderem als Maler Waldersee in der Literatur-Adaption "Willenbrock"1) (2005), gedreht von Andreas Dresen1) nach dem Roman von Christoph Hein1). In jüngerer Zeit mimte er den Max May in "Die Reste meines Lebens"1) (2017), dem Spielfilmdebüt von Jens Wischnewski.
Auf dem Bildschirm hatte Grashof mit der Titelrolle des Jochen Brodalla, genannt "Broddi" in dem Dreiteiler "Broddi"3) (1975) Aufmerksamkeit erregt, einem Gegenwartsfilm von Benito Wogatzki1) um einen gesellschaftlichen Außenseiter. "Die sich im ganzen Körper dieses Broddi äußernde Unbeholfenheit, seine sich in eckigen Bewegungen freikämpfende, brodelnde Leidenschaft, seine kräftige, niemals dümmliche Naivität gehörten zu den bleibenden Eindrücken dieses anspruchsvollen, widersprüchlichen Fernseh-Unternehmens." schrieb 1976 der Theaterkritiker Christoph Funke († 2016).**) Neben verschiedenen Übertragungen des DFF1) aus dem "Deutschen Theater" präsentierte sich der Charaktermime beispielsweise als Feinmechaniker Antek in dem ganz auf Erwin Geschonneck zugeschnittenen TV-Film "Ein altes Modell"1) (1976) oder in "Jan Oppen"3) (1987) nach dem Buch von Klaus Beuchler3) als Vater des von Jens Schmieder gespielten Titelhelden.
Nach der so genannten "Wende" trat der schmächtige Mann mit dem Charakterkopf vor allem in etlichen Krimis in Erscheinung, mehrfach tauchte er in dem Dauerbrenner "Tatort"1) auf, prägte sich beispielsweise als titelgebende Figur in "Der Trippler"1) (2000) ein oder in den Folgen "Väter"1) (2003), "Schichtwechsel"1) (2004) und "Mann über Bord"1) (2006) als Bernd Wiegand, Freund des Hauptkommissars Klaus Borowski1) (Axel Milberg). In dem spannenden Agenten-Thriller "Der Stich des Skorpion1) (2004), angelehnt an die Autobiografie des Fluchthelfers Wolfgang Welsch1), erlebte man ihn als Stasi-Spitzel Manfred Landowski, in Vivian Naefes Literaturadaption "Wellen"4) (2005) nach dem Roman von Eduard Graf von Keyserling1) als Geheimrat Frosenius. Zu nennen ist in jüngerer Zeit die Märchenverfilmung "Der Prinz im Bärenfell"1) (2015) mit der Rolle des Barbiers Hans oder die spannende Story "Wo kein Licht"4) (2015) aus der Krimireihe "Zorn"1), wo Grashof als dementer Vater des sanftmütigen Ermittlers Schröder alias Axel Ranisch1) in Erscheinung trat.
Darüber hinaus betätigt sich Grashof als Sprecher bei Hörspiel-Produktionen, eine Auswahl der in der ARD-Hörspieldatenbank aufgeführten Stücke findet man hier am Ende des Artikels.
 
 

Christian Grashof, fotografiert von Ralph Bergel
→ www.fotoformatplus.de
Quelle: www.schauspielervideos.de; © Ralph Bergel

Christian Grashof, fotografiert von Ralph Bergel (www.fotoformatplus.de); Quelle: www.schauspielervideos.de; Copyright Ralph Bergel
Christian Grashof, der 1978 mit dem "Kunstpreis der DDR"1) und 1986 für "seine großen darstellerischen Leistungen am "Deutschen Theater" sowie im Film und Fernsehen mit dem "Nationalpreis der DDR"1) ausgezeichnet worden war, ist seit 2000 Mitglied der Berliner "Akademie der Künste"1) in der Sektion "Darstellende Kunst", seit 2015 deren stellvertretender Direktor → www.adk.de. Zudem ist er Mitglied der "Deutschen Akademie der Darstellenden Künste"1) mit Sitz in Bensheim sowie Dozent an der "Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" im Bereich "Schauspiel".
Der dienstältesten Schauspieler des "Deutschen Theaters" und Vater einer Tochter hat seit Jahren einen Zweitwohnsitz in der Gemeinde Gerswalde1) in der Uckermark, wo er sich von seiner Arbeit und der Hektik der Großstadt Berlin entspannen kann → programm.ard.de.
Er war zeitweise mit der Schauspielerin und Regisseurin Brigitte Soubeyran1) (laut Wikipedia auch Brigitte Grashof-Soubeyran; 1932 – 2015) liiert.
Quellen: Henschel Theaterlexikon*), "Lexikon der DDR-Stars"**), Wikipedia
Siehe auch das Porträt "Die Grazie der Ohnmacht" von
Esther Slevogt in "DIE ZEIT (24.03.1989)
Kontakt: Agentur Hoestermann
*) Henschel Theaterlexikon (Hrsg. C. Bernd Sucher; Henschel Verlag, 2010, S.280/281)
**) "Lexikon der DDR-Stars" von F.-B. Habel und Volker Wachter (Ausgabe 1999, S. 106)
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) salzburg.com, 3) fernsehenderddr.de, 4) tittelbach.tv
Stand Oktober 2017
   
Theater-Wirken (Auszug)
Quelle (unter anderem): Henschel Theaterlexikon**), Wikipedia, Agentur Hoestermann
(Fremde Links: Wikipedia; R = Regie, UA = Uraufführung, EA = Erstaufführung,  P= Premiere)
  
Filme
Kino / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Fremde Links:  Wikipedia, defa-stiftung.de, filmportal.de, 
fernsehenderddr.de, fernsehserien.de, prisma,de, tittelbach.tv)
Kinofilme Fernsehen (Auszug; DFF-Produktionen (wenn nicht anders vermerkt))
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Link: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia (deutsch/englisch)) 
Um zur Seite der Publikumslieblinge zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de